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Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

Der Kaufmann von Venedig

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Antonio.
So eil dich, wackrer Jude.--

(Shylock ab.)

Der Hebraeer
Wird noch ein Christ; er wendet sich zur Guete.

Bassanio.
Ich mag nicht Freundlichkeit bei tueckischem Gemuete.

Antonio.
Kommt nur! Hiebei kann kein Bedenken sein,
Laengst vor der Zeit sind meine Schiff herein.

(Ab.)




Zweiter Aufzug



Erste Szene

Belmont. Ein Zimmer in Porzias Hause

(Trompetenstoss. Der Prinz von Marokko und sein Zug; Porzia,
Nerissa und andre von ihrem Gefolge treten auf)


Marokko.
Verschmaehet mich ob meiner Farbe nicht,
Die schattige Livrei der lichten Sonne,
Die mich als nahen Nachbar hat gepflegt.
Bringt mir den schoensten Mann, erzeugt im Norden,
Wo Phoebus' Glut kaum schmelzt des Eises Zacken,
Und ritzen wir uns Euch zulieb die Haut,
Wes Blut am roetsten ist, meins oder seins.
Ich sag Euch, Fraeulein, dieses mein Gesicht
Hat Tapfre schon geschreckt; bei meiner Liebe schwoer ich,
Die edlen Jungfraun meines Landes haben
Es auch geliebt; ich wollte diese Farbe
Nicht anders tauschen, als um Euren Sinn
Zu stehlen, meine holde Koenigin.

Porzia.
Bei meiner Wahl lenkt mich ja nicht allein
Die zarte Fordrung eines Maedchenauges;
Auch schliesst das Los, woran mein Schicksal haengt,
Mich von dem Recht des freien Waehlens aus.
Doch, haette mich mein Vater nicht beengt,
Mir auferlegt durch seinen Willen, dem
Zur Gattin mich zu geben, welcher mich
Auf solche Art gewinnt, wie ich Euch sagte:
Ihr haettet gleichen Anspruch, grosser Prinz,
Mit jedem Freier, den ich sah bis jetzt,
Auf meine Neigung.

Marokko.
Habt auch dafuer Dank.
Drum fuehrt mich zu den Kaestchen, dass ich gleich
Mein Glueck versuche. Bei diesem Saebel, der
Den Sophi schlug und einen Perserprinz,
Der dreimal Sultan Soliman besiegt:
Die wildsten Augen wollt ich ueberblitzen,
Das kuehnste Herz auf Erden uebertrotzen,
Die Jungen reissen von der Baerin weg,
Ja, wenn er bruellt nach Raub, den Loewen hoehnen,
Dich zu gewinnen, Fraeulein! Aber ach!
Wenn Herkules und Lichas Wuerfel spielen,
Wer tapfrer ist, so kann der bessre Wurf
Durch Zufall kommen aus der schwaechern Hand;
So unterliegt Alcides seinem Knaben,
Und so kann ich, wenn blindes Glueck mich fuehrt,
Verfehlen, was dem minder Wuerdgen wird,
Und Grames sterben.

Porzia.
Ihr muesst Eur Schicksal nehmen,
Es ueberhaupt nicht wagen, oder schwoeren,
Bevor Ihr waehlet, wenn Ihr irrig waehlt,
In Zukunft nie mit irgendeiner Frau
Von Eh zu sprechen: also seht Euch vor!

Marokko.
Ich will's auch nicht, kommt, bringt mich zur Entscheidung.

Porzia.
Vorher zum Tempel; nach der Mahlzeit moegt Ihr
Das Los versuchen.

Marokko.
Gutes Glueck also!
Bald ueber alles elend oder froh.

(Alle ab.)



Zweite Szene

Venedig. Eine Strasse

(Lanzelot Gobbo kommt)


Lanzelot.
Sicherlich, mein Gewissen laesst mir's zu, von diesem Juden, meinem
Herrn, wegzulaufen. Der boese Feind ist mir auf der Ferse und
versucht mich und sagt zu mir: "Gobbo, Lanzelot Gobbo, guter
Lanzelot", oder "Guter Gobbo", oder "Guter Lanzelot Gobbo, brauch
deine Beine, reiss aus, lauf davon." Mein Gewissen sagt: "Nein,
huete dich, ehrlicher Lanzelot; huete dich, ehrlicher Gobbo"; oder,
wie obgemeldet, "ehrlicher Lanzelot Gobbo; lauf nicht, lass das
Ausreissen bleiben." Gut, der ueberaus herzhafte Feind heisst mich
aufpacken; "Marsch!" sagt der Feind; "fort!" sagt der Feind; "um
des Himmels willen! fass dir ein wackres Herz", sagt der Feind,
"und lauf". Gut, mein Gewissen haengt sich meinem Herzen um den
Hals und sagt sehr weislich zu mir: "Mein ehrlicher Freund
Lanzelot, da du eines ehrlichen Mannes Sohn bist", oder vielmehr
eines ehrlichen Weibes Sohn; denn die Wahrheit zu sagen, mein
Vater hatte einen kleinen Beigeschmack, er war etwas
ansaeuerlich.--Gut, mein Gewissen sagt: "Lanzelot, weich und wanke
nicht!"--"Weiche", sagt der Feind; "wanke nicht", sagt mein
Gewissen. "Gewissen", sage ich, "dein Rat ist gut"; "Feind", sage
ich, "dein Rat ist gut". Lasse ich mich durch mein Gewissen
regieren, so bleibe ich bei dem Juden, meinem Herrn, der, Gott
sei mir gnaedig! eine Art von Teufel ist. Laufe ich von dem Juden
weg, so lasse ich mich durch den boesen Feind regieren, der, mit
Respekt zu sagen, der Teufel selber ist. Gewiss, der Jude ist der
wahre eingefleischte Teufel, und, auf mein Gewissen, mein
Gewissen ist gewissermassen ein hartherziges Gewissen, dass es mir
raten will, bei dem Juden zu bleiben. Der Feind gibt mir einen
freundschaftlichen Rat; ich will laufen, Feind! meine Fersen
stehen dir zu Gebote, ich will laufen.

(Der alte Gobbo kommt mit einem Korbe.)

Gobbo.
Musje, junger Herr, Er da, sei Er doch so gut: wo gehe ich wohl
zu des Herrn Juden seinem Hause hin?

Lanzelot (beiseite).
O Himmel! mein eheleiblicher Vater, der zwar nicht pfahlblind,
aber doch so ziemlich stockblind ist und mich nicht kennt. Ich
will mir einen Spass mit ihm machen.

Gobbo.
Musje, junger Herr, sei Er so gut: wo gehe ich zu des Herrn Juden
seinem Hause hin?

Lanzelot.
Schlagt Euch rechter Hand an der naechsten Ecke, aber bei der
allernaechsten Ecke linker Hand; versteht, bei der ersten naechsten
Ecke schlagt Euch weder rechts noch links, sondern dreht Euch
schnurgerade aus nach des Juden seinem Hause herum.

Gobbo.
Potz Wetterchen, das wird ein schlimmer Weg zu finden sein. Koennt
Ihr mir nicht sagen, ob ein gewisser Lanzelot, der sich bei ihm
aufhaelt, sich bei ihm aufhaelt oder nicht?

Lanzelot.
Sprecht Ihr vom jungen Monsieur Lanzelot?

(Beiseite.)

Nun gebt Achtung, nun will ich loslegen.--Sprecht Ihr vom jungen
Monsieur Lanzelot?

Gobbo.
Kein Monsieur, Herr, sondern eines armen Mannes Sohn. Sein Vater,
ob ich es schon sage, ist ein herzlich armer Mann und, Gott sei
Dank, recht wohlauf.

Lanzelot.
Gut, sein Vater mag sein, was er will; hier ist die Rede vom
jungen Monsieur Lanzelot.

Gobbo.
Eurem gehorsamen Diener und Lanzelot, Herr.

Lanzelot.
Ich bitte Euch demnach, alter Mann, demnach ersuche ich Euch:
sprecht Ihr vom jungen Monsieur Lanzelot?

Gobbo.
Von Lanzelot, wenn's Eur Gnaden beliebt.

Lanzelot.
Demnach Monsieur Lanzelot. Sprecht nicht von Monsieur Lanzelot,
Vater; denn der junge Herr ist (vermoege der Schickungen und
Verhaengnisse und solcher wunderlichen Redensarten, der drei
Schwestern und dergleichen Faechern der Gelahrtheit) in Wahrheit
Todes verblichen oder, um es rund herauszusagen, in die Ewigkeit
gegangen.

Gobbo.
Je, da sei Gott vor! Der Junge war so recht der Stab meines
Alters, meine beste Stuetze.--

Lanzelot.
Seh ich wohl aus wie ein Knittel oder wie ein Zaunpfahl, wie ein
Stab oder eine Stuetze?--Kennt Ihr mich, Vater?

Gobbo.
Ach du liebe Zeit, ich kenne Euch nicht, junger Herr; aber ich
bitte Euch, sagt mir, ist mein Junge--Gott hab ihn
selig!--lebendig oder tot?

Lanzelot.
Kennt Ihr mich nicht, Vater?

Gobbo.
Lieber Himmel! ich bin ein alter blinder Mann, ich kenne Euch nicht.

Lanzelot.
Nun wahrhaftig, wenn Ihr auch Eure Augen haettet, so koenntet Ihr
mich doch wohl nicht kennen; das ist ein weiser Vater, der sein
eignes Kind kennt. Gut, alter Mann, ich will Euch Nachricht von
Eurem Sohne geben. Gebt mir Euren Segen! Wahrheit muss ans Licht
kommen. Ein Mord kann nicht lange verborgen bleiben, eines
Menschen Sohn kann's; aber zuletzt muss die Wahrheit heraus.

Gobbo.
Ich bitte Euch, Herr, steht auf, ich bin gewiss, Ihr seid mein
junge Lanzelot nicht.

Lanzelot.
Ich bitte Euch, lasst uns weiter keine Possen damit treiben,
sondern gebt mir Euern Segen. Ich bin Lanzelot, Euer Junge, der
da war, Euer Sohn, der da ist, Euer Kind, das da sein wird.

Gobbo.
Ich kann mir nicht denken, dass Ihr mein Sohn seid.

Lanzelot.
Ich weiss nicht, was ich davon denken soll; aber ich bin Lanzelot,
des Juden Diener, und ich bin gewiss, Margrete, Eure Frau, ist
meine Mutter.

Gobbo.
Ganz recht, ihr Name ist Margrete; ich will einen Eid tun, wenn
du Lanzelot bist, so bist du mein eigen Fleisch und Blut. Gott im
Himmelsthrone! was hast du fuer einen Bart gekriegt?--Du hast mehr
Haar am Kinne, als mein Karrengaul Fritz am Schwanze hat.

Lanzelot.
Je, so laesst's ja, als ob Fritz sein Schwanz rueckwaerts wuechse; ich
weiss doch, er hatte mehr Haar im Schwanze als im Gesicht, da ich
ihn das letztemal sah.

Gobbo.
Herrje, wie du dich veraendert hast! Wie vertraegst du dich mit
deinem Herrn? Ich bringe ihm ein Praesent; nun, wie vertragt ihr
euch?

Lanzelot.
Gut, gut! aber fuer meine Person, da ich mich darauf gesetzt habe,
davonzulaufen, so will ich mich nicht eher niedersetzen, als bis
ich ein Stueck Weges gelaufen bin. Mein Herr ist ein rechter Jude;
ihm ein Praesent geben! Einen Strick gebt ihm. Ich bin
ausgehungert in seinem Dienst; Ihr koennt jeden Finger, den ich
habe, mit meinen Rippen zaehlen. Vater, ich bin froh, dass Ihr
gekommen seid. Gebt mir Euer Praesent fuer einen gewissen Herrn
Bassanio, der wahrhaftig praechtige neue Livreien gibt. Komme ich
nicht bei ihm in Dienst, so will ich laufen, soweit Gottes
Erdboden reicht. Welch ein Glueck! da kommt er selbst. Macht Euch
an ihn, Vater, denn ich will ein Jude sein, wenn ich bei dem
Juden laenger diene.
(Bassanio kommt mit Leonardo und andern Begleitern.)

Bassanio.
Das koennt Ihr tun--aber seid so bei der Hand, dass das Abendessen
spaetestens um fuenf Uhr fertig ist. Besorgt diese Briefe, gebt
diese Livreien in Arbeit und bittet Graziano, sogleich in meine
Wohnung zu kommen.

(Ein Bedienter ab.)

Lanzelot.
Macht Euch an ihn, Vater?

Gobbo.
Gott segne Euer Gnaden!

Bassanio.
Grossen Dank! Willst du was von mir?

Gobbo.
Da ist mein Sohn, Herr, ein armer Junge--

Lanzelot.
Kein armer Junge, Herr, sondern des reichen Juden Diener, der
gerne moechte, wie mein Vater spezifizieren wird--

Gobbo.
Er hat, wie man zu sagen pflegt, eine grosse Deklination zu dienen--

Lanzelot.
Wirklich, das Kurze und das Lange von der Sache ist: ich diene
dem Juden und trage Verlangen, wie mein Vater spezifizieren
wird--

Gobbo.
Sein Herr und er (mit Respekt vor Euer Gnaden zu sagen) vertragen
sich wie Katzen und Hunde--

Lanzelot.
Mit einem Worte, die reine Wahrheit ist, dass der Jude, da er mir
Unrecht getan, mich noetigt, wie mein Vater, welcher, so Gott
will, ein alter Mann ist, notifizieren wird--

Gobbo.
Ich habe hier ein Gericht Tauben, die ich bei Euer Gnaden
anbringen moechte, und mein Gesuch ist--

Lanzelot.
In aller Kuerze, das Gesuch interzediert mich selbst, wie Euer
Gnaden von diesem ehrlichen alten Mann hoeren werden, der, obschon
ich es sage, obschon ein alter Mann, doch ein armer Mann und mein
Vater ist.

Bassanio.
Einer spreche fuer beide. Was wollt Ihr?

Lanzelot.
Euch dienen, Herr.

Gobbo.
Ja, das wollten wir Euch gehorsamst opponieren.

Bassanio.
Ich kenne dich, die Bitt ist dir gewaehrt;
Shylock, dein Herr, hat heut mit mir gesprochen
Und dich empfohlen; wenn's empfehlenswert,
Aus eines reichen Juden Dienst zu gehn,
Um einem armen Edelmann zu folgen.

Lanzelot.
Das alte Sprichwort ist recht schoen verteilt zwischen meinem
Herrn Shylock und Euch, Herr: Ihr habt die Gnade Gottes, und er
hat genug.

Bassanio.
Du triffst es; Vater, geh mit deinem Sohn.
Nimm Abschied erst von deinem alten Herrn
Und frage dich nach meiner Wohnung hin.

(Zu seinen Begleitern.)

Ihr, gebt ihm eine nettere Livrei
Als seinen Kameraden; sorgt dafuer!

Lanzelot.
Kommt her, Vater.--Ich kann keinen Dienst kriegen; nein! ich habe
gar kein Mundwerk am Kopfe.--Gut!--

(Er besieht seine flache Hand.)

Wenn einer in ganz Italien eine schoenere Tafel hat, damit auf die
Schrift zu schwoeren--Ich werde gut Glueck haben; ohne Umstaende,
hier ist eine ganz schlechte Lebenslinie; hier ist 'ne
Kleinigkeit an Frauen. Ach, fuenfzehn Weiber sind nichts! elf
Witwen und neun Maedchen ist ein knappes Auskommen fuer (einen)
Mann. Und dann, dreimal ums Haar zu ersaufen und mich an der Ecke
eines Federbettes beinah tot zu stossen--das heisse ich gut
davonkommen! Gut, wenn Glueck ein Weib ist, so ist sie doch eine
gute Dirne mit ihrem Kram.--Kommt, Vater, ich nehme in (einem)
Umsehn von dem Juden Abschied.

(Lanzelot und der alte Gobbo ab.)

Bassanio.
Tu das, ich bitt dich, guter Leonardo;
Ist dies gekauft und ordentlich besorgt,
Komm schleunig wieder; denn zur Nacht bewirt ich
Die besten meiner Freunde; eil dich, geh!

Leonardo.
Verlasst Euch auf mein eifrigstes Bemuehn.

(Graziano kommt.)

Graziano.
Wo ist dein Herr?

Leonardo.
Er geht da drueben, Herr.

(Leonardo ab.)

Graziano.
Signor Bassanio!

Bassanio.
Graziano!

Graziano.
Ich habe ein Gesuch an Euch.

Bassanio.
Ihr habt es schon erlangt.

Graziano.
Ihr muesst mir's nicht weigern; ich muss mit Euch nach Belmont gehen.

Bassanio.
Nun ja, so muesst Ihr--aber hoer, Graziano,
Du bist zu wild, zu rauh, zu keck im Ton:
Ein Wesen, welches gut genug dir steht
Und Augen wie den unsern nicht missfaellt.
Doch wo man dich nicht kennt, ja, da erscheint
Es allzufrei; drum nimm dir Mueh und daempfe
Mit ein paar kuehlen Tropfen Sittsamkeit
Den fluechtgen Geist, dass ich durch deine Wildheit
Dort nicht missdeutet werd und meine Hoffnung
Zugrunde geht.

Graziano.
Signor Bassanio, hoert mich:
Wenn ich mich nicht zu feinem Wandel fuege,
Mit Ehrfurcht red und dann und wann nur fluche,
Gebetbuch in der Tasche, Kopf geneigt;
Ja, selbst beim Tischgebet so vors Gesicht
Den Hut mir halt und seufz und Amen sage;
Nicht allen Brauch der Hoeflichkeit erfuelle,
Wie einer, der, der Grossmama zulieb,
Scheinheilig tut: so traut mir niemals mehr.

Bassanio.
Nun gut, wir werden sehn, wie Ihr Euch nehmt.

Graziano.
Nur heute nehm ich aus; das gilt nicht mir,
Was ich heut abend tu.

Bassanio.
Nein, das waer schade;
Ich bitt Euch, lieber in den kecksten Farben
Der Lust zu kommen; denn wir haben Freunde,
Die lustig wollen sein. Lebt wohl indes,
Ich habe ein Geschaeft.

Graziano.
Und ich muss zu Lorenzo und den andern,
Doch auf den Abend kommen wir zu Euch.

(Alle ab.)



Dritte Szene

Ein Zimmer in Shylocks Hause

(Jessica und Lanzelot kommen)


Jessica.
Es tut mir leid, dass du uns so verlaesst;
Dies Haus ist Hoelle, und du, ein lustger Teufel,
Nahmst ihm ein Teil von seiner Widrigkeit.
Doch lebe wohl; da hast du 'nen Dukaten!
Und, Lanzelot, du wirst beim Abendessen
Lorenzo sehn als Gast von deinem Herrn.
Dann gib ihm diesen Brief, tu es geheim;
Und so leb wohl, dass nicht etwa mein Vater
Mich mit dir reden sieht.

Lanzelot.
Adieu!--Traenen muessen meine Zunge vertreten, allerschoenste
Heidin! allerliebste Juedin! Wenn ein Christ nicht zum Schelm an
dir wird, und dich bekommt, so truegt mich alles. Aber adieu!
Diese toerichten Tropfen erweichen meinen maennlichen Mut
allzusehr.

(Ab.)

Jessica.
Leb wohl, du Guter!
Ach wie gehaessig ist es nicht von mir,
Dass ich des Vaters Kind zu sein mich schaeme;
Doch, bin ich seines Blutes Tochter schon,
Bin ich's nicht seines Herzens. O Lorenzo,
Hilf mir dies loesen! treu dem Worte bleib!
So werd ich Christin und dein liebend Weib.

(Ab.)



Vierte Szene

Eine Strasse

(Graziano, Lorenzo, Salarino und Solanio treten auf)


Lorenzo.
Nun gut, wir schleichen weg vom Abendessen,
Verkleiden uns in meinem Haus und sind
In einer Stunde alle wieder da.

Graziano.
Wir haben uns nicht recht darauf geruestet.

Salarino.
Auch keine Fackeltraeger noch bestellt.

Solanio.
Wenn es nicht zierlich anzuordnen steht,
So ist es nichts und unterbliebe besser.

Lorenzo.
's ist eben vier; wir haben noch zwei Stunden
Zur Vorbereitung.

(Lanzelot kommt mit einem Briefe.)

Freund Lanzelot, was bringst du?

Lanzelot.
Wenn's Euch beliebt, dies aufzubrechen, so wird es gleichsam
andeuten.

Lorenzo.
Ich kenne wohl die Hand; ja, sie ist schoen;
Und weisser als das Blatt, worauf sie schrieb,
Ist diese schoene Hand.

Graziano.
Auf meine Ehre, eine Liebesbotschaft.

Lanzelot.
Mit Eurer Erlaubnis, Herr.

Lorenzo.
Wo willst du hin?

Lanzelot.
Nun, Herr, ich soll meinen alten Herrn, den Juden, zu meinem
neuen Herrn, dem Christen, auf heute zum Abendessen laden.

Lorenzo.
Da nimm dies; sag der schoenen Jessica,
Dass ich sie treffen will.--Sag's heimlich! geh;

(Lanzelot ab.)

Ihr Herrn,
Wollt ihr euch zu dem Maskenzug bereiten?
Ich bin versehn mit einem Fackeltraeger.

Salarino.
Ja, auf mein Wort, ich gehe gleich danach.

Solanio.
Das will ich auch.

Lorenzo.
Trefft mich und Graziano.
In einer Stund in Grazianos Haus.

Salarino.
Gut das, es soll geschehn.

(Salarino und Solanio ab.)

Graziano.
Der Brief kam von der schoenen Jessica?

Lorenzo.
Ich muss dir's nur vertraun: sie gibt mir an,
Wie ich sie aus des Vaters Haus entfuehre;
Sie sei versehn mit Gold und mit Juwelen,
Ein Pagenanzug liege schon bereit.
Kommt je der Jud, ihr Vater, in den Himmel,
So ist's um seiner holden Tochter willen;
Und nie darf Unglueck in den Weg ihr treten,
Es muesste denn mit diesem Vorwand sein,
Dass sie von einem falschen Juden stammt.
Komm, geh mit mir und lies im Gehn dies durch;
Mir traegt die schoene Jessica die Fackel.

(Beide ab.)



Fuenfte Szene

Vor Shylocks Hause

(Shylock und Lanzelot kommen)


Shylock.
Gut, du wirst sehn mit deinen eignen Augen
Des alten Shylocks Abstand von Bassanio.
He, Jessica!--Du wirst nicht voll dich stopfen,
Wie du bei mir getan--He, Jessica!--
Und liegen, schnarchen, Kleider nur zerreissen--
He, sag ich, Jessica!

Lanzelot.
He, Jessica!

Shylock.
Wer heisst dich schrein? Ich hab's dir nicht geheissen.

Lanzelot.
Euer Edlen pflegten immer zu sagen, ich koennte nichts ungeheissen tun.

(Jessica kommt.)

Jessica.
Ruft Ihr? Was ist Euch zu Befehl?

Shylock.
Ich bin zum Abendessen ausgebeten.
Da hast du meine Schluessel, Jessica.
Zwar weiss ich nicht, warum ich geh; sie bitten
Mich nicht aus Liebe, nein, sie schmeicheln mir;
Doch will ich gehn aus Hass, auf den Verschwender
Von Christen zehren.--Jessica, mein Kind,
Acht auf mein Haus!--Ich geh recht wider Willen.
Es braut ein Unglueck gegen meine Ruh,
Denn diese Nacht traeumt ich von Saecken Geldes.

Lanzelot.
Ich bitte Euch, Herr, geht; mein junger Herr erwartet Eure Zukunft.

Shylock.
Ich seine auch.

Lanzelot.
Und sie haben sich verschworen.--Ich sage nicht, dass Ihr eine
Maskerade sehen sollt; aber wenn Ihr eine seht, so war es nicht
umsonst, dass meine Nase an zu bluten fing, auf den letzten
Ostermontag des Morgens um sechs Uhr, der das Jahr auf den Tag
fiel, wo vier Jahre vorher nachmittags Aschermittwoch war.

Shylock.
Was? gibt es Masken? Jessica, hoer an:
Verschliess die Tuer, und wenn du Trommeln hoerst
Und das Gequaek der quergehalsten Pfeife,
So klettre mir nicht an den Fenstern auf;
Steck nicht den Kopf hinaus in offne Strasse,
Nach Christennarren mit bemaltem Antlitz
Zu gaffen; stopfe meines Hauses Ohren--
Die Fenster, mein ich--zu und lass den Schall
Der albern' Geckerei nicht dringen in
Mein ehrbar Haus. Bei Jakobs Stabe schwoer ich:
Ich habe keine Lust, zu Nacht zu schmausen;
Doch will ich gehn.--Du Bursch, geh mir voran;
Sag, dass ich komme.

Lanzelot.
Herr, ich will vorangehn.
Guckt nur am Fenster, Fraeulein, trotz dem allem;
Denn vorbeigehn wird ein Christ,
Wert, dass ihn 'ne Juedin kuesst.

(Ab.)

Shylock.
Was sagt der Narr von Hagars Stamme? he?

Jessica.
Sein Wort war: "Fraeulein, lebet wohl"--sonst nichts.

Shylock.
Der Laff ist gut genug, jedoch ein Fresser,
'ne Schnecke zum Gewinn und schlaeft bei Tag
Mehr als das Murmeltier; in meinem Stock
Baun keine Drohnen; drum lass ich ihn gehn
Und lass ihn gehn zu einem, dem er moege
Den aufgeborgten Beutel leeren helfen.
Gut, Jessica, geh nun ins Haus hinein,
Vielleicht komm ich im Augenblicke wieder.
Tu, was ich dir gesagt, schliess hinter dir
Die Tueren; fest gebunden, fest gefunden,
Das denkt ein guter Wirt zu allen Stunden.

(Ab.)

Jessica.
Lebt wohl, und denkt das Glueck nach meinem Sinn,
Ist mir ein Vater, Euch ein Kind dahin.

(Ab.)



Sechste Szene

Ebendaselbst

(Graziano und Salarino kommen maskiert)


Graziano.
Dies ist das Vordach, unter dem Lorenzo
Uns haltzumachen bat.

Salarino.
Die Stund ist fast vorbei.

Graziano.
Und Wunder ist es, dass er sie versaeumt;
Verliebte laufen stets der Uhr voraus.

Salarino.
O zehnmal schneller fliegen Venus' Tauben,
Den neuen Bund der Liebe zu versiegeln,
Als sie gewohnt sind, unverbruechlich auch
Gegebne Treu zu halten.

Graziano.
So geht's in allem; wer steht auf vom Mahl
Mit gleicher Esslust, als er niedersass?
Wo ist das Pferd, das seine lange Bahn
Zurueckmisst mit dem ungedaempften Feuer,
Womit es sie betreten? Jedes Ding
Wird mit mehr Trieb erjaget als genossen.
Wie aehnlich einem Wildfang und Verschwender
Eilt das beflaggte Schiff aus heimscher Bucht,
Geliebkost und gehetzt vom Buhler Wind!
Wie aehnlich dem Verschwender kehrt es heim,
Zerlumpt die Segel, Rippen abgewittert,
Kahl, nackt, gepluendert von dem Buhler Wind!

(Lorenzo tritt auf.)

Salarino.
Da kommt Lorenzo, mehr hievon nachher.

Lorenzo.
Entschuldigt, Herzensfreunde, den Verzug:
Nicht ich, nur mein Geschaeft hat warten lassen.
Wenn ihr den Dieb um Weiber spielen wollt,
Dann wart ich auch so lang auf euch.--Kommt naeher!
Hier wohnt mein Vater Jude--He! wer da?

(Jessica oben am Fenster in Knabentracht.)

Jessica.
Wer seid Ihr? sagt's zu mehrer Sicherheit,
Wiewohl ich schwoer, ich kenne Eure Stimme.

Lorenzo.
Lorenzo und dein Liebster.

Jessica.
Lorenzo sicher, und mein Liebster, ja!
Denn wen lieb ich so sehr? Und nun, wer weiss
Als Ihr, Lorenzo, ob ich Eure bin?

Lorenzo.
Der Himmel und dein Sinn bezeugen dir's.

Jessica.
Hier, fang dies Kaestchen auf, es lohnt die Mueh.
Gut, dass es Nacht ist, dass Ihr mich nicht seht,
Denn ich bin sehr beschaemt von meinem Tausch;
Doch Lieb ist blind, Verliebte sehen nicht
Die artgen Kinderein, die sie begehen;
Denn koennten sie's, Cupido wuerd erroeten,
Als Knaben so verwandelt mich zu sehn.

Lorenzo.
Kommt, denn Ihr muesst mein Fackeltraeger sein.

Jessica.
Was? muss ich selbst noch leuchten meiner Schmach?
Sie liegt fuerwahr schon allzusehr am Tage.
Ei, Lieber, 's ist ein Amt zum kundbar machen;
Ich muss verheimlicht sein.

Lorenzo.
Das bist du, Liebe,
Im huebschen Anzug eines Knaben schon.
Doch komm sogleich,
Die finstre Nacht stiehlt heimlich sich davon;
Wir werden bei Bassanios Fest erwartet.

Jessica.
Ich mach die Tueren fest, verguelde mich
Mit mehr Dukaten noch und bin gleich bei Euch.

(Tritt zurueck.)

Graziano.
Nun! auf mein Wort! 'ne Goettin, keine Juedin.

Lorenzo.
Verwuenscht mich, wenn ich sie nicht herzlich liebe;
Denn sie ist klug, wenn ich mich drauf verstehe,
Und schoen ist sie, wenn nicht mein Auge truegt,
Und treu ist sie, so hat sie sich bewaehrt.
Drum sei sie, wie sie ist, klug, schoen und treu,
Mir in bestaendigem Gemuet verwahrt.

(Jessica kommt heraus.)
Nun bist du da?--Ihr Herren, auf und fort!
Der Maskenzug erwartet schon uns dort.

(Ab mit Jessica und Salarino.)

(Antonio tritt auf.)

Antonio.
Wer da?

Graziano.
Signor Antonio.

Antonio.
Ei, ei, Graziano, wo sind all die andern?
Es ist neun Uhr, die Freund erwarten Euch.
Kein Tanz zur Nacht, der Wind hat sich gedreht,
Bassanio will im Augenblick an Bord;
Wohl zwanzig Boten schickt ich aus nach Euch.

Graziano.
Mir ist es lieb, nichts kann mich mehr erfreun,
Als unter Segel gleich die Nacht zu sein.

(Beide ab.)



Siebente Szene

Belmont. Ein Zimmer in Porzias Hause

(Trompetenstoss. Porzia und der Prinz von Marokko treten auf,
beide mit Gefolge)


Porzia.
Geht, zieht beiseit den Vorhang und entdeckt
Die Kaestchen saemtlich diesem edlen Prinzen.--
Trefft Eure Wahl nunmehr.

Marokko.
Von Gold das erste, das die Inschrift hat:
"Wer mich erwaehlt, gewinnt, was mancher Mann begehrt."
Das zweite, silbern, fuehret dies Versprechen:
"Wer mich erwaehlt, bekommt soviel, als er verdient."
Das dritte, schweres Blei, mit plumper Warnung:
"Wer mich erwaehlt, der gibt und wagt sein Alles dran."
Woran erkenn ich, ob ich recht gewaehlt?

Porzia.
Das eine fasst mein Bildnis in sich, Prinz:
Wenn Ihr das waehlt, bin ich zugleich die Eure.

Marokko.
So leit ein Gott mein Urteil! Lasst mich sehn!
Ich muss die Sprueche nochmals ueberlesen.
Was sagt dies bleir'ne Kaestchen?
"Wer mich erwaehlt, der gibt und wagt sein Alles dran."
Der gibt--wofuer? fuer Blei? und wagt fuer Blei?
Dies Kaestchen droht; wenn Menschen alles wagen,
Tun sie's in Hoffnung koestlichen Gewinns.
Ein goldner Mut fragt nichts nach niedern Schlacken,
Ich geb also und wage nichts fuer Blei.
Was sagt das Silber mit der Maedchenfarbe?
"Wer mich erwaehlt, bekommt soviel, als er verdient."
Soviel, als er verdient?--Halt ein, Marokko,
Und waege deinen Wert mit steter Hand.
Wenn du geachtet wirst nach deiner Schaetzung,
Verdienest du genug, doch kann genug
Wohl nicht soweit bis zu dem Fraeulein reichen.
Und doch, mich aengsten ueber mein Verdienst,
Das waere schwaches Misstraun in mich selbst.
Soviel, als ich verdiene?--Ja, das ist
Das Fraeulein; durch Geburt verdien ich sie,
Durch Glueck, durch Zier und Gaben der Erziehung;
Doch mehr verdien ich sie durch Liebe. Wie,
Wenn ich nicht weiter schweift und waehlte hier?
Lasst nochmals sehn den Spruch, in Gold gegraben:
"Wer mich erwaehlt, gewinnt, was mancher Mann begehrt.
Das ist das Fraeulein; alle Welt begehrt sie,
Aus jedem Weltteil kommen sie herbei,
Dies sterblich atmend Heilgenbild zu kuessen;
Hyrkaniens Wuesten und die wilden Oeden
Arabiens sind gebahnte Strassen nun
Fuer Prinzen, die zur schoenen Porzia reisen;
Das Reich der Wasser, dessen stolzes Haupt
Speit in des Himmels Antlitz, ist kein Damm
Fuer diese fremden Geister; nein, sie kommen
Wie ueber einen Bach zu Porzias Anblick.
Eins von den drein enthaelt ihr himmlisch Bild;
Soll Blei es in sich fassen? Laestrung waer's,
Zu denken solche Schmach; es waer zu schlecht,
Im duestern Grab ihr Leichentuch zu panzern.
Und soll ich glauben, dass sie Silber einschliesst,
Von zehnmal minderm Wert als reines Gold?
O suendlicher Gedanke! Solch ein Kleinod
Ward nie geringer als in Gold gefasst.
In England gibt's 'ne Muenze, die das Bild
Von einem Engel fuehrt, in Gold gepraegt.
Doch der ist drauf gedruckt; hier liegt ein Engel
Ganz drin im goldnen Bett.--Gebt mir den Schluessel,
Hier waehl ich, und geling es, wie es kann.

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