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Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

A Book Of German Lyrics

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Bleib bei uns! Wir haben den Tanzplan im Tal
Bedeckt mit Mondesglanze,
Johanneswuermchen erleuchten den Saal,
Die Heimchen spielen zum Tanze.

Die Freude, das schoene leichtglaeubige Kind, 5
Es wiegt sich in Abendwinden:
Wo Silber auf Zweigen und Bueschen rinnt,
Da wirst du die schoenste finden!

* * * * *

38. ABENDLANDSCHAFT

Der Hirt blaest seine Weise,
Von fern ein Schuss noch faellt,
Die Waelder rauschen leise
Und Stroeme tief im Feld.

Nur hinter jenem Huegel 5
Noch spielt der Abendschein--
O haett' ich, haett' ich Fluegel,
Zu fliegen da hinein!

* * * * *

39. DIE NACHT

Nacht ist wie ein stilles Meer,
Lust und Leid und Liebesklagen
Kommen so verworren her
In dem linden Wellenschlagen.

Wuensche wie die Wolken sind, 5
Schiffen durch die stillen Raeume,
Wer erkennt im lauen Wind,
Ob's Gedanken oder Traeume?--

Schliess' ich nun auch Herz und Mund
Die so gern den Sternen klagen: 10
Leise doch im Herzensgrund
Bleibt das linde Wellenschlagen.

* * * * *

40. SEHNSUCHT

Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hoerte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte, 5
Da hab' ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen koennte
In der praechtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
Vorueber am Bergeshang. 10
Ich hoerte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlueften,
Wo die Waelder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klueften 15
Sich stuerzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gaerten, die ueberm Gestein
In daemmernden Lauben verwildern,
Palaesten im Mondenschein, 20
Wo die Maedchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht,
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der praechtigen Sommernacht.

* * * * *

41. DAS ZERBROCHENE RINGLEIN

In einem kuehlen Grunde
Da geht ein Muehlenrad,
Mein' Liebste ist verschwunden.
Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu' versprochen, 5
Gab mir ein'n Ring dabei,
Sie hat die Treu' gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich moecht' als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus, 10
Und singen meine Weisen,
Und gehn von Haus zu Haus.

Ich moecht' als Reiter fliegen
Wohl in die blut'ge Schlacht,
Um stille Feuer liegen 15
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hoer ich das Muehlrad gehen:
Ich weiss nicht, was ich will--
Ich moecht' am liebsten sterben,
Da waer's auf einmal still. 20

* * * * *

42. FRUEHE

Im Osten graut's, der Nebel faellt,
Wer weiss, wie bald sich's ruehret!
Doch schwer im Schlaf noch ruht die Welt,
Von allem nichts verspueret.

Nur eine fruehe Lerche steigt, 5
Es hat ihr was getraeumet
Vom Lichte, wenn noch alles schweigt,
Das kaum die Hoehen saeumet.

* * * * *

[Illustration: Endymion, by Moritz von Schwind]

* * * * *

43. NACHTS

Ich wandre durch die stille Nacht,
Da schleicht der Mond so heimlich sacht
Oft aus der dunklen Wolkenhuelle,
Und hin und her im Tal
Erwacht die Nachtigall, 5
Dann wieder alles grau und stille.

O wunderbarer Nachtgesang:
Von fern im Land der Stroeme Gang,
Leis Schauern in den dunklen Baeumen--
Wirrst die Gedanken mir, 10
Mein irres Singen hier
Ist wie ein Rufen nur aus Traeumen.

* * * * *

44. MONDNACHT

Es war, als haett' der Himmel
Die Erde still gekuesst,
Dass sie im Bluetenschimmer
Von ihm nun traeumen muesst'.

Die Lust ging durch die Felder, 5
Die Uhren wogten sacht,
Es rauschten leis die Waelder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Fluegel aus, 10
Flog durch die stillen Lande,
Als floege sie nach Haus.




FRIEDRICH RUECKERT




45. AUS DER JUGENDZEIT

Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit
Klingt ein Lied mir immerdar;
O wie liegt so weit, o wie liegt so weit,
Was mein einst war!

Was die Schwalbe sang, was die Schwalbe sang, 5
Die den Herbst und Fruehling bringt;
Ob das Dorf entlang, ob das Dorf entlang
Das jetzt noch klingt?

"Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm,
Waren Kisten und Kasten schwer; 10
Als ich wieder kam, als ich wieder kam,
War alles leer."

O du Kindermund, o du Kindermund,
Unbewusster Weisheit froh,
Vogelsprachekund, vogelsprachekund 15
Wie Salomo!

O du Heimatflur, o du Heimatflur,
Lass zu deinem heil'gen Raum
Mich noch einmal nur, mich noch einmal nur
Entfliehn im Traum! 20

Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm,
War die Welt mir voll so sehr;
Als ich wieder kam, als ich wieder kam,
War alles leer.

Wohl die Schwalbe kehrt, wohl die Schwalbe kehrt, 25
Und der leere Kasten schwoll,
Ist das Herz geleert, ist das Herz geleert,
Wird's nie mehr voll.

Keine Schwalbe bringt, keine Schwalbe bringt,
Dir zurueck, wonach du weinst; 30
Doch die Schwalbe singt, doch die Schwalbe singt
Im Dorf wie einst:

"Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm,
Waren Kisten und Kasten schwer;
Als ich wieder kam, als ich wieder kam, 35
War alles leer."




HEINRICH HEINE




46. DIE GRENADIERE

Nach Frankreich zogen zwei Grenadier',
Die waren in Russland gefangen.
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,
Sie liessen die Koepfe hangen.

Da hoerten sie beide die traurige Maer': 5
Dass Frankreich verloren gegangen,
Besiegt und zerschlagen das grosse Heer,--
Und der Kaiser, der Kaiser gefangen.

Da weinten zusammen die Grenadier'
Wohl ob der klaeglichen Kunde. 10
Der eine sprach: Wie weh wird mir,
Wie brennt meine alte Wunde!

Der andre sprach: Das Lied ist aus,
Auch ich moecht' mit dir sterben,
Doch hab' ich Weib und Kind zu Haus, 15
Die ohne mich verderben.

Was schert mich Weib, was schert mich Kind!
Ich trage weit bessres Verlangen;
Lass sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind,--
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen! 20

Gewaehr mir, Bruder, eine Bitt':
Wenn ich jetzt sterben werde,
So nimm meine Leiche nach Frankreich mit,
Begrab mich in Frankreichs Erde.

Das Ehrenkreuz am roten Band 25
Sollst du aufs Herz mir legen;
Die Flinte gib mir in die Hand,
Und guert mir um den Degen.

So will ich liegen und horchen still,
Wie eine Schildwach', im Grabe, 30
Bis einst ich hoere Kanonengebruell
Und wiehernder Rosse Getrabe.

Dann reitet mein Kaiser wohl ueber mein Grab,
Viel Schwerter klirren und blitzen;
Dann steig' ich gewaffnet hervor aus dem Grab,-- 35
Den Kaiser, den Kaiser zu schuetzen!

* * * * *

47.

In mein gar zu dunkles Leben
Strahlte einst ein suesses Bild;
Nun das suesse Bild erblichen,
Bin ich gaenzlich nachtumhuellt.

Wenn die Kinder sind im Dunkeln, 5
Wird beklommen ihr Gemuet,
Und um ihre Angst zu bannen,
Singen sie ein lautes Lied.

Ich, ein tolles Kind, ich singe
Jetzo in der Dunkelheit; 10
Klingt das Lied auch nicht ergoetzlich,
Hat's mich doch von Angst befreit.

* * * * *

48.

Ich weiss nicht, was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Maerchen ans alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kuehl und es dunkelt, 5
Und ruhig fliesst der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schoenste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar, 10
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kaemmt ihr goldenes Haar.

Sie kaemmt es mit goldenem Kamme,
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame, 15
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Hoeh'. 20

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lorelei getan.

* * * * *

49.

Du bist wie eine Blume
So hold und schoen und rein:
Ich schau' dich an, und Wehmut
Schleicht mir ins Herz hinein.

Mir ist, als ob ich die Haende 5
Aufs Haupt dir legen sollt',
Betend, dass Gott dich erhalte
So rein und schoen und hold.

* * * * *

50.

Auf Fluegeln des Gesanges,
Herzliebchen, trag' ich dich fort,
Fort nach den Fluren des Ganges,
Dort weiss ich den schoensten Ort.

Dort liegt ein rotbluehender Garten 5
Im stillen Mondenschein;
Die Lotosblumen erwarten
Ihr trautes Schwesterlein.

Die Veilchen kichern und kosen,
Und schaun nach den Sternen empor; 10
Heimlich erzaehlen die Rosen
Sich duftende Maerchen ins Ohr.

Es huepfen herbei und lauschen
Die frommen, klugen Gazell'n;
Und in der Ferne rauschen 15
Des heiligen Stromes Well'n.

Dort wollen wir niedersinken
Unter dem Palmenbaum,
Und Liebe und Ruhe trinken
Und traeumen seligen Traum. 20

* * * * *

51.

Die Lotosblume aengstigt
Sich vor der Sonne Pracht,
Und mit gesenktem Haupte
Erwartet sie traeumend die Nacht.

Der Mond, der ist ihr Buhle, 5
Er weckt sie mit seinem Licht,
Und ihm entschleiert sie freundlich
Ihr frommes Blumengesicht.

Sie blueht und glueht und leuchtet,
Und starret stumm in die Hoeh'; 10
Sie duftet und weinet und zittert
Vor Liebe und Liebesweh.

* * * * *

52.

Ein Fichtenbaum steht einsam
Im Norden auf kahler Hoeh'.
Ihn schlaefert; mit weisser Decke
Umhuellen ihn Eis und Schnee.

Er traeumt von einer Palme, 5
Die fern im Morgenland
Einsam und schweigend trauert
Auf brennender Felsenwand.

* * * * *

53.

Mein Liebchen, wir sassen beisammen,
Traulich im leichten Kahn.
Die Nacht war still, und wir schwammen
Auf weiter Wasserbahn.

Die Geisterinsel, die schoene, 5
Lag daemmrig im Mondenglanz;
Dort klangen liebe Toene,
Und wogte der Nebeltanz.

Dort klang es lieb und lieber,
Und wogt' es hin und her; 10
Wir aber schwammen vorueber
Trostlos auf weitem Meer.

* * * * *

54.

Ein Juengling liebt ein Maedchen,
Die hat einen aendern erwaehlt;
Der andre liebt eine andre,
Und hat sich mit dieser vermaehlt.

Das Maedchen heiratet aus Aerger 5
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Juengling ist uebel dran.

Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu; 10
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.

* * * * *

[Illustration: Das Schweigen im Walde, by Arnold Boecklin]

* * * * *

55.

Daemmernd liegt der Sommerabend
Ueber Wald und gruenen Wiesen;
Goldner Mond im blauen Himmel
Strahlt herunter, duftig labend.

An dem Bache zirpt die Grille, 5
Und es regt sich in dem Wasser,
Und der Wandrer hoert ein Plaetschern
Und ein Atmen in der Stille.

Dorten, an dem Bach alleine
Badet sich die schoene Elfe; 10
Arm und Nacken, weiss und lieblich,
Schimmern in dem Mondenscheine.

* * * * *

56.

Es faellt ein Stern herunter
Aus seiner funkelnden Hoeh'!
Das ist der Stern der Liebe,
Den ich dort fallen seh'.

Es fallen vom Apfelbaume 5
Der Blueten und Blaetter viel
Es kommen die neckenden Luefte
Und treiben damit ihr Spiel.

Es singt der Schwan im Weiher
Und rudert auf und ab, 10
Und immer leiser singend
Taucht er ins Flutengrab.

Es ist so still und dunkel!
Verweht ist Blatt und Bluet',
Der Stern ist knisternd zerstoben, 15
Verklungen das Schwanenlied.

* * * * *

57.

Der Tod, das ist die kuehle Nacht,
Das Leben ist der schwuele Tag.
Es dunkelt schon, mich schlaefert,
Der Tag hat mich mued' gemacht.

Ueber mein Bett erhebt sich ein Baum 5
Drin singt die junge Nachtigall;
Sie singt von lauter Liebe,
Ich hoer' es sogar im Traum.

* * * * *

58.

"Sag, wo ist dein schoenes Liebchen,
Das du einst so schoen besungen,
Als die zaubermaecht'gen Flammen
Wunderbar dein Herz durchdrungen?"

Jene Flammen sind erloschen 5
Und mein Herz ist kalt und truebe,
Und dies Buechlein ist die Urne
Mit der Asche meiner Liebe.

* * * * *

59. FRIEDEN

Hoch am Himmel stand die Sonne
Von weissen Wolken umwogt,
Das Meer war still,
Und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes,
Traeumerisch sinnend--und, halb im Wachen 5
Und halb im Schlummer, schaute ich Christus,
Den Heiland der Welt.
Im wallend weissen Gewande
Wandelt' er riesengross
Ueber Land und Meer; 10
Es ragte sein Haupt in den Himmel,
Die Haende streckte er segnend
Ueber Land und Meer;
Und als ein Herz in der Brust
Trug er die Sonne, 15
Die rote, flammende Sonne;
Und das rote, flammende Sonnenherz
Goss seine Gnadenstrahlen
Und sein holdes, liebseliges Licht,
Erleuchtend und waermend 20
Ueber Land und Meer.

Glockenklaenge zogen feierlich
Hin und her, zogen wie Schwaene,
An Rosenbaendern, das gleitende Schiff,
Und zogen es spielend ans gruene Ufer, 25
Wo Menschen wohnen, in hochgetuermter
Ragender Stadt.

O Friedenswunder! Wie still die Stadt!
Es ruhte das dumpfe Geraeusch
Der schwatzenden, schwuelen Gewerbe, 30
Und durch die reinen, hallenden Strassen
Wandelten Menschen, weissgekleidete,
Palmzweig-tragende,
Und wo sich zwei begegneten,
Sah'n sie sich an, verstaendnisinnig, 35
Und schauernd in Liebe und suesser Entsagung
Kuessten sie sich auf die Stirne.
Und schauten hinauf
Nach des Heilands Sonnenherzen,
Das freudig versoehnend sein rotes Blut 40
Hinunterstrahlte.
Und dreimalselig sprachen sie:
"Gelobt sei Jesus Christ!"

* * * * *

60.

Leise zieht durch mein Gemuet
Liebliches Gelaeute.
Klinge, kleines Fruehlingslied,
Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus, bis an das Haus, 5
Wo die Blumen spriessen.
Wenn du eine Rose schaust,
Sag, ich lass' sie gruessen.

* * * * *

61.

Es war ein alter Koenig,
Sein Herz war schwer, sein Haupt war grau;
Der arme alte Koenig,
Er nahm eine junge Frau.

Es war ein schoener Page, 5
Blond war sein Haupt, leicht war sein Sinn;
Er trug die seidne Schleppe
Der jungen Koenigin.

Kennst du das alte Liedchen?
Es klingt so suess, es klingt so trueb'! 10
Sie mussten beide sterben,
Sie hatten sich viel zu lieb.

* * * * *

62.

Es ziehen die brausenden Wellen
Wohl nach dem Strand;
Sie schwellen und zerschellen
Wohl auf dem Sand.

Sie kommen gross und kraeftig 5
Ohn' Unterlass;
Sie werden endlich heftig--
Was hilft uns das?

* * * * *

63.

Es ragt ins Meer der Runenstein,
Da sitz' ich mit meinen Traeumen.
Es pfeift der Wind, die Moewen schrein,
Die Wellen, die wandern und schaeumen.

Ich habe geliebt manch schoenes Kind 5
Und manchen guten Gesellen--
Wo sind sie hin? Es pfeift der Wind,
Es schaeumen und wandern die Wellen.

* * * * *

64. IN DER FREMDE

Ich hatte einst ein schoenes Vaterland.
Der Eichenbaum
Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft.
Es war ein Traum.

Das kuesste mich auf deutsch und sprach auf deutsch 5
(Man glaubt es kaum,
Wie gut es klang) das Wort: "Ich liebe dich!"
Es war ein Traum.

* * * * *

65. WO?

Wo wird einst des Wandermueden
Letzte Ruhestaette sein?
Unter Palmen in dem Sueden?
Unter Linden an dem Rhein?

Werd' ich wo in einer Wueste 5
Eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh' ich an der Kueste
Eines Meeres in dem Sand?

Immerhin! Mich wird umgeben
Gotteshimmel, dort wie hier, 10
Und als Totenlampen schweben
Nachts die Sterne ueber mir.




AUGUST, GRAF VON PLATEN




66. DAS GRAB IM BUSENTO

Naechtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder;
Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt
es wieder!

Und den Fluss hinauf, hinunter ziehn die Schatten tapfrer
Goten,
Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten.

Allzufrueh und fern der Heimat mussten hier sie ihn begraben, 5
Waehrend noch die Jugendlocken seine Schulter blond umgaben.

Und am Ufer des Busento reihten sie sich um die Wette,
Um die Stroemung abzuleiten, gruben sie ein frisches Bette.

In der wogenleeren Hoehlung wuehlten sie empor die Erde,
Senkten tief hinein den Leichnam, mit der Ruestung, auf 10
dem Pferde.

Deckten dann mit Erde wieder ihn und seine stolze Habe,
Dass die hohen Stromgewaechse wuechsen ans dem Heldengrabe.

Abgelenkt zum zweiten Male, ward der Fluss herbeigezogen:
Maechtig in ihr altes Bette schaeumten die Busentowogen.

Und es sang ein Chor von Maennern: "Schlaf in deinen 15
Heldenehren!
Keines Roemers schnoede Habsucht soll dir je dein Grab
versehren!"

Sangen's, und die Lobgesaenge toenten fort im Gotenheere;
Waelze sie, Busentowelle, waelze sie von Meer zu Meere!

* * * * *

67.

Im Wasser wogt die Lilie, die blanke, hin und her,
Doch irrst du, Freund, sobald du sagst, sie schwanke hin und her:
Es wurzelt ja so fest ihr Fuss im tiefen Meeresgrund,
Ihr Haupt nur wiegt ein lieblicher Gedanke hin und her!

* * * * *

68.

Wie rafft' ich mich auf in der Nacht, in der Nacht,
Und fuehlte mich fuerder gezogen,
Die Gassen verliess ich, vom Waechter bewacht,
Durchwandelte sacht
In der Nacht, in der Nacht, 5
Das Tor mit dem gotischen Bogen.

Der Muehlbach rauschte durch felsigen Schacht,
Ich lehnte mich ueber die Bruecke,
Tief unter mir nahm ich der Wogen in acht,
Die wallten so sacht 10
In der Nacht, in der Nacht,
Doch wallte nicht eine zuruecke.

Es drehte sich oben, unzaehlig entfacht,
Melodischer Wandel der Sterne,
Mit ihnen der Mond in beruhigter Pracht, 15
Sie funkelten sacht
In der Nacht, in der Nacht,
Durch taeuschend entlegene Ferne.

Ich blickte hinauf in der Nacht, in der Nacht,
Ich blickte hinunter aufs neue: 20
O wehe, wie hast du die Tage verbracht,
Nun stille du sacht
In der Nacht, in der Nacht,
Im pochenden Herzen die Reue!

* * * * *

69.

Ich moechte, wann ich sterbe, wie die lichten
Gestirne schnell und unbewusst erbleichen,
Erliegen moecht' ich einst des Todes Streichen,
Wie Sagen uns vom Pindaros berichten.

Ich will ja nicht im Leben oder Dichten 5
Den grossen Unerreichlichen erreichen,
Ich moecht', o Freund, ihm nur im Tode gleichen;
Doch hoere nun die schoenste der Geschichten!

Er sass im Schauspiel, vom Gesang beweget,
Und hatte, der ermuedet war, die Wangen 10
Auf seines Lieblings schoenes Knie geleget:

Als nun der Choere Melodien verklangen,
Will wecken ihn, der ihn so sanft geheget,
Doch zu den Goettern war er heimgegangen.




NIKOLAUS LENAU




70. BITTE

Weil' auf mir, du dunkles Auge,
Uebe deine ganze Macht,
Ernste, milde, traeumerische,
Unergruendlich suesse Nacht!

Nimm mit deinem Zauberdunkel 5
Diese Welt von hinnen mir,
Dass du ueber meinem Leben
Einsam schwebest fuer und fuer.

* * * * *

71. SCHILFLIED

Auf dem Teich, dem regungslosen,
Weilt des Mondes holder Glanz,
Flechtend seine bleichen Rosen
In des Schilfes gruenen Kranz.

Hirsche wandeln dort am Huegel, 5
Blicken in die Nacht empor;
Manchmal regt sich das Gefluegel
Traeumerisch im tiefen Rohr.

Weinend muss mein Blick sich senken;
Durch die tiefste Seele geht 10
Mir ein suesses Deingedenken
Wie ein stilles Nachtgebet!

* * * * *

72. DER EICHWALD

Ich trat in einen heilig duestern
Eichwald, da hoert' ich leis' und lind
Ein Baechlein unter Blumen fluestern,
Wie das Gebet von einem Kind;

Und mich ergriff ein suesses Grauen, 5
Es rauscht' der Wald geheimnisvoll,
Als moecht' er mir was anvertrauen,
Das noch mein Herz nicht wissen soll;

Als moecht' er heimlich mir entdecken,
Was Gottes Liebe sinnt und will: 10
Doch schien er ploetzlich zu erschrecken
Vor Gottes Naeh'--und wurde still.

* * * * *

73. DER POSTILLION

Lieblich war die Maiennacht,
Silberwoelklein flogen,
Ob der holden Fruehlingspracht
Freudig hingezogen.

Schlummernd lagen Wies' und Hain, 5
Jeder Pfad verlassen;
Niemand als der Mondenschein
Wachte auf der Strassen.

Leise nur das Lueftchen sprach,
Und es zog gelinder 10
Durch das stille Schlafgemach
All der Fruehlingskinder.

Heimlich nur das Baechlein schlich,
Denn der Blueten Traeume
Dufteten gar wonniglich 15
Durch die stillen Raeume.

Rauher war mein Postillion,
Liess die Geissel knallen,
Uber Berg und Tal davon
Frisch sein Horn erschallen. 20

Und von flinken Rossen vier
Scholl der Hufe Schlagen,
Die durchs bluehende Revier
Trabten mit Behagen.

Wald und Flur im schnellen Zug 25
Kaum gegruesst--gemieden;
Und vorbei, wie Traumesflug,
Schwand der Doerfer Frieden.

Mitten in dem Maienglueck
Lag ein Kirchhof innen, 30
Der den raschen Wanderblick
Hielt zu ernstem Sinnen.

Hingelehnt an Bergesrand
War die bleiche Mauer,
Und das Kreuzbild Gottes stand 35
Hoch, in stummer Trauer.

Schwager ritt aus seiner Bahn
Stiller jetzt und trueber;
Und die Rosse hielt er an,
Sah zum Kreuz hinueber: 40

"Halten muss hier Ross und Rad,
Mag's Euch nicht gefaehrden;
Drueben liegt mein Kamerad
In der kuehlen Erden!

"Ein gar herzlieber Gesell! 45
Herr, 's ist ewig schade!
Keiner blies das Horn so hell,
Wie mein Kamerade!

"Hier ich immer halten muss,
Dem dort unterm Rasen 50
Zum getreuen Brudergruss
Sein Leiblied zu blasen!"

Und dem Kirchhof sandt' er zu
Frohe Wandersaenge,
Dass es in die Grabesruh' 55
Seinem Bruder draenge.

Und des Hornes heller Ton
Klang vom Berge wieder,
Ob der tote Postillion
Stimmt' in seine Lieder.-- 60

Weiter ging's durch Feld und Hag
Mit verhaengtem Zuegel;
Lang mir noch im Ohre lag
Jener Klang vom Huegel.

* * * * *

74. DIE DREI

Drei Reiter nach verlorner Schlacht,
Wie reiten sie so sacht, so sacht!

Aus tiefen Wunden quillt das Blut,
Es spuert das Ross die warme Flut.

Vom Sattel tropft das Blut, vom Zaum, 5
Und spuelt hinunter Staub und Schaum.

Die Rosse schreiten sanft und weich,
Sonst floess' das Blut zu rasch, zu reich.

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