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Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

A Book Of German Lyrics

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Wer zaehlt die Voelker, nennt die Namen,
Die gastlich hier zusammenkamen? 90
Von Kekrops' Stadt, von Aulis' Strand,
Von Phokis, vom Spartanerland,
Von Asiens entlegner Kueste,
Von allen Inseln kamen sie,
Und horchen von dem Schaugerueste 95
Des Chores grauser Melodie,

Der, streng und ernst, nach alter Sitte
Mit langsam abgemessnem Schritte
Hervortritt aus dem Hintergrund,
Umwandelnd des Theaters Rund. 100
So schreiten keine ird'schen Weiber!
Die zeugete kein sterblich Haus!
Es steigt das Riesenmass der Leiber
Hoch ueber Menschliches hinaus.

Ein schwarzer Mantel schlaegt die Lenden, 105
Sie schwingen in entfleischten Haenden
Der Fackel duesterrote Glut,
In ihren Wangen fliesst kein Blut.
Und wo die Haare lieblich flattern,
Um Menschenstirnen freundlich wehn, 110
Da sieht man Schlangen hier und Nattern
Die giftgeschwollnen Baeuche blaehn.

Und schauerlich gedreht im Kreise,
Beginnen sie des Hymnus Weise,
Der durch das Herz zerreissend dringt, 115
Die Bande um den Suender schlingt.
Besinnungraubend, herzbetoerend
Schallt der Erinnyen Gesang.
Er schallt, des Hoerers Mark verzehrend,
Und duldet nicht der Leier Klang: 120

"Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle
Bewahrt die kindlich reine Seele!
Ihm duerfen wir nicht raechend nahn,
Er wandelt frei des Lebens Bahn.
Doch wehe, wehe, wer verstohlen 125
Des Mordes schwere Tat vollbracht!
Wir heften uns an seine Sohlen,
Das furchtbare Geschlecht der Nacht.

"Und glaubt er fliehend zn entspringen,
Gefluegelt sind wir da, die Schlingen 130
Ihm werfend um den fluecht'gen Fuss,
Dass er zu Boden fallen muss.
So jagen wir ihn ohn' Ermatten,
Versoehnen kann uns keine Reu',
Ihn fort und fort bis zu den Schatten, 135
Und geben ihn auch dort nicht frei."

So singend, tanzen sie den Reigen,
Und Stille, wie des Todes Schweigen,
Liegt ueberm ganzen Hause schwer,
Als ob die Gottheit nahe waer'. 140
Und feierlich nach alter Sitte
Umwandelnd des Theaters Rund
Mit langsam abgemessnem Schritte,
Verschwinden sie im Hintergrnnd.

Und zwischen Trug und Wahrheit schwebet 145
Noch zweifelnd jede Brust und bebet,
Und huldiget der furchtbarn Macht,
Die richtend im Verborgnen wacht,
Die, unerforschlich, unergruendet,
Des Schicksals dunkeln Knaeuel flicht, 150
Dem tiefen Herzen sich verkuendet,
Doch fliehet vor dem Sonnenlicht.

Da hoert man auf den hoechsten Stufen
Auf einmal eine Stimme rufen:
"Sieh da, sieh da, Timotheus, 155
Die Kraniche des Ibykus!"--
Und finster ploetzlich wird der Himmel,
Und ueber dem Theater hin
Sieht man in schwaerzlichtem Gewimmel
Ein Kranichheer vorueberziehn. 160

"Des Ibykus!" -- Der teure Name
Ruehrt jede Brust mit neuem Grame,
Und wie im Meere Well' auf Well',
So laeuft's von Mund zu Munde schnell:
"Des Ibykus? den wir beweinen? 165
Den eine Moerderhand erschlug?
Was ist's mit dem? Was kann er meinen?
Was ist's mit diesem Kranichzug?"

Und lauter immer wird die Frage,
Und ahnend fliegt's mit Blitzesschlage 170
Durch alle Herzen: "Gebet acht,
Das ist der Eumeniden Macht!
Der fromme Dichter wird gerochen,
Der Moerder bietet selbst sich dar--
Ergreift ihn, der das Wort gesprochen, 175
Und ihn, an den's gerichtet war!"

Doch dem war kaum das Wort entfahren,
Moecht' er's im Busen gern bewahren;
Umsonst! der schreckenbleiche Mund
Macht schnell die Schuldbewussten kund. 180
Man reisst und schleppt sie vor den Richter,
Die Szene wird zum Tribunal,
Und es gestehn die Boesewichter,
Getroffen von der Rache Strahl.

* * * * *

19. DAS VERSCHLEIERTE BILD ZU SAIS

Ein Juengling, den des Wissens heisser Durst
Nach Sais in Aegypten trieb, der Priester
Geheime Weisheit zu erlernen, hatte
Schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt;
Stets riss ihn seine Forschbegierde weiter, 5
Und kaum besaenftigte der Hierophant
Den ungeduldig Strebenden. "Was hab ich,
Wenn ich nicht alles habe?" sprach der Juengling.
"Gibt's etwa hier ein Weniger und Mehr?
Ist deine Wahrheit wie der Sinne Glueck 10
Nur eine Summe, die man groesser, kleiner
Besitzen kann und immer doch besitzt?
Ist sie nicht eine einz'ge, ungeteilte?
Nimm Einen Ton aus einer Harmonie,
Nimm Eine Farbe aus dem Regenbogen, 15
Und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang'
Das schoene All der Toene fehlt und Farben."

Indem sie einst so sprachen, standen sie
In einer einsamen Rotonde still,
Wo ein verschleiert Bild von Riesengroesse 20
Dem Juengling in die Augen fiel. Verwundert
Blickt er den Fuehrer an und spricht: "Was ist's,
Das hinter diesem Schleier sich verbirgt?"--
"Die Wahrheit", ist die Antwort.--"Wie?" ruft jener,
"Nach Wahrheit streb ich ja allein, und diese 25
Gerade ist es, die man mir verhuellt?"

"Das mache mit der Gottheit aus", versetzt
Der Hierophant. "Kein Sterblicher, sagt sie,
Rueckt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
Und wer mit ungeweihter, schuld'ger Hand 30
Den heiligen, verbotnen frueher hebt,
Der, spricht die Gottheit"--"Nun?"--"Der _sieht_ die Wahrheit."
"Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst,
Du haettest also niemals ihn gehoben?"

"Ich?--Wahrlich nicht! Und war auch nie dazu 35
Versucht."--"Das fass' ich nicht. Wenn von der Wahrheit
Nur diese duenne Scheidewand mich trennte"--
"Und ein Gesetz", faellt ihm sein Fuehrer ein,
"Gewichtiger, mein Sohn, als du es meinst,
Ist dieser duenne Flor--fuer deine Hand 40
Zwar leicht, doch zentnerschwer fuer dein Gewissen."

Der Juengling ging gedankenvoll nach Hause;
Ihm raubt des Wissens brennende Begier
Den Schlaf, er waelzt sich gluehend auf dem Lager
Und rafft sich auf um Mitternacht. Zum Tempel 45
Fuehrt unfreiwillig ihn der scheue Tritt.
Leicht ward es ihm, die Mauer zu ersteigen,
Und mitten in das Innre der Rotonde
Traegt ein beherzter Sprung den Wagenden.

Hier steht er nun, und grauenvoll umfaengt 50
Den Einsamen die lebenlose Stille,
Die nur der Tritte hohler Widerhall
In den geheimen Grueften unterbricht.
Von oben durch der Kuppel Oeffnung wirft
Der Mond den bleichen, silberblauen Schein, 55
Und furchtbar wie ein gegenwaert'ger Gott
Erglaenzt durch des Gewoelbes Finsternisse
In ihrem langen Schleier die Gestalt.

Er tritt hinan mit ungewissem Schritt;
Schon will die freche Hand das Heilige beruehren, 60
Da zuckt es heiss und kuehl durch sein Gebein
Und stoesst ihn weg mit unsichtbarem Arme.
Ungluecklicher, was willst du tun? So ruft
In seinem Innern eine treue Stimme.
Versuchen den Allheiligen willst du? 65
Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund,
Rueckt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
Doch, setzte nicht derselbe Mund hinzu:
Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen?
"Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf." 70
Er rufts mit lauter Stimm'. "Ich will sie schauen."
Schauen!
Gellt ihm ein langes Echo spottend nach.

Er spricht's und hat den Schleier aufgedeckt.
"Nun", fragt ihr, "und was zeigte sich ihm hier?" 75
Ich weiss es nicht. Besinnungslos und bleich,
So fanden ihn am andern Tag die Priester
Am Fussgestell der Isis ausgestreckt.
Was er allda gesehen und erfahren,
Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewig 80
War seines Lebens Heiterkeit dahin,
Ihn riss ein tiefer Gram zum fruehen Grabe.
"Weh dem", dies war sein warnungsvolles Wort,
Wenn ungestueme Frager in ihn drangen,
"Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld, 85
Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein!"




LUDWIG UHLAND




20. DIE LERCHEN

Welch ein Schwirren, welch ein Flug?
Sei willkommen, Lerchenzug!
Jene streift der Wiese Saum,
Diese rauschet durch den Baum.

Manche schwingt sich himmelan, 5
Jauchzend auf der lichten Bahn;
Eine, voll von Liedeslust,
Flattert hier in meiner Brust.

* * * * *

21. DES KNABEN BERGLIED

Ich bin vom Berg der Hirtenknab',
Seh' auf die Schloesser all herab;
Die Sonne strahlt am ersten hier,
Am laengsten weilet sie bei mir;
Ich bin der Knab' vom Berge! 5

Hier ist des Stromes Mutterhaus,
Ich trink' ihn frisch vom Stein heraus;
Er braust vom Fels in wildem Lauf,
Ich fang' ihn mit den Armen auf;
Ich bin der Knab' vom Berge! 10

Der Berg, der ist mein Eigentum,
Da ziehn die Stuerme rings herum;
Und heulen sie von Nord und Sued,
So ueberschallt sie doch mein Lied:
Ich bin der Knab' vom Berge! 15

Sind Blitz und Donner unter mir,
So steh' ich hoch im Blauen hier;
Ich kenne sie und rufe zu:
Lasst meines Vaters Haus in Ruh'!
Ich bin der Knab' vom Berge! 20

Und wann die Sturmglock' einst erschallt,
Manch Feuer auf den Bergen wallt,
Dann steig' ich nieder, tret' ins Glied
Und schwing' mein Schwert und sing' mein Lied:
Ich bin der Knab' vom Berge! 25

* * * * *

22. SCHAEFERS SONNTAGSLIED

Das ist der Tag des Herrn!
Ich bin allein auf weiter Flur;
Noch _eine_ Morgenglocke nur,
Nun Stille nah und fern.

Anbetend knie' ich hier. 5
O suesses Graun, geheimes Wehn,
Als knieten viele ungesehn
Und beteten mit mir!

Der Himmel nah und fern,
Er ist so klar und feierlich, 10
So ganz, als wollt' er oeffnen sich.
Das ist der Tag des Herrn!

* * * * *

23. DIE KAPELLE

Droben stehet die Kapelle,
Schauet still ins Tal hinab,
Drunten singt bei Wies' und Quelle
Froh und hell der Hirtenknab'.

Traurig toent das Gloecklein nieder, 5
Schauerlich der Leichenchor;
Stille sind die frohen Lieder,
Und der Knabe lauscht empor.

Droben bringt man sie zu Grabe,
Die sich freuten in dem Tal; 10
Hirtenknabe, Hirtenknabe!
Dir auch singt man dort einmal.

* * * * *

24. MORGENLIED

Noch ahnt man kaum der Sonne Licht,
Noch sind die Morgenglocken nicht
Im finstern Tal erklungen.

Wie still des Waldes weiter Raum!
Die Voeglein zwitschern nur im Traum, 5
Kein Sang hat sich erschwungen.

Ich hab' mich laengst ins Feld gemacht
Und habe schon dies Lied erdacht
Und hab' es laut gesungen.

* * * * *

25. FRUEHLINGSGLAUBE

Die linden Luefte sind erwacht,
Sie saeuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang! 5
Nun muss sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schoener mit jedem Tag,
Man weiss nicht, was noch werden mag,
Das Bluehen will nicht enden.
Es blueht das fernste, tiefste Tal; 10
Nun, armes Herz, vergiss der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

* * * * *

26. LOB DES FRUEHLINGS

Saatengruen, Veilchenduft,
Lerchenwirbel, Amselschlag,
Sonnenregen, linde Luft!

Wenn ich solche Worte singe,
Braucht es dann noch grosser Dinge, 5
Dich zu preisen, Fruehlingstag?

* * * * *

27. DAS SCHWERT

Zur Schmiede ging ein junger Held,
Er hatt' ein gutes Schwert bestellt;
Doch als er's wog in freier Hand,
Das Schwert er viel zu schwer erfand.

Der alte Schmied den Bart sich streicht: 5
"Das Schwert ist nicht zu schwer noch leicht,
Zu schwach ist Euer Arm, ich mein';
Doch morgen soll geholfen sein."

"Nein, heut, bei aller Ritterschaft!
Durch meine, nicht durch Feuers Kraft." 10
Der Juengling spricht's, ihn Kraft durchdringt,
Das Schwert er hoch in Lueften schwingt.

* * * * *

28. DIE RACHE

Der Knecht hat erstochen den edeln Herrn,
Der Knecht waer' selber ein Ritter gern.

Er hat ihn erstochen im dunkeln Hain
Und den Leib versenket im tiefen Rhein.

Hat angeleget die Ruestung blank, 5
Auf des Herren Ross sich geschwungen frank.

Und als er sprengen will ueber die Brueck',
Da stutzet das Ross und baeumt sich zurueck.

Und als er die gueldnen Sporen ihm gab,
Da schleudert's ihn wild in den Strom hinab. 10

Mit Arm, mit Fuss er rudert und ringt,
Der schwere Panzer ihn niederzwingt.

* * * * *

29. DER WIRTIN TOECHTERLEIN

Es zogen drei Bursche wohl ueher den Rhein,
Bei einer Frau Wirtin, da kehrten sie ein:

"Frau Wirtin, hat Sie gut Bier und Wein?
Wo hat Sie Ihr schoenes Toechterlein?"

"Mein Bier und Wein ist frisch und klar. 5
Mein Toechterlein liegt auf der Totenbahr'."

Und als sie traten zur Kammer hinein,
Da lag sie in einem schwarzen Schrein.

Der erste, der schlug den Schleier zurueck
Und schaute sie an mit traurigem Blick: 10

"Ach, lebtest du noch, du schoene Maid!
Ich wuerde dich lieben von dieser Zeit."

Der zweite deckte den Schleier zu,
Und kehrte sich ab und weinte dazu:

"Ach, dass du liegst auf der Totenbahr'! 15
Ich hab' dich geliebet so manches Jahr."

Der dritte hub ihn wieder sogleich
Und kuesste sie an den Mund so bleich:

"Dich liebt' ich immer, dich lieb' ich noch heut
Und werde dich lieben in Ewigkeit." 20

* * * * *

30. DER GUTE KAMERAD

Ich hatt' einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt. 5

Eine Kugel kam geflogen;
Gilt's mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Fuessen,
Als waer's ein Stueck von mir. 10

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad':
"Kann dir die Hand nicht geben;
Bleib du im ew'gen Leben
Mein guter Kamerad!" 15

* * * * *

31. TAILLEFER

Normannenherzog Wilhelm sprach einmal:
"Wer singet in meinem Hof und in meinem Saal?
Wer singet vom Morgen bis in die spaete Nacht
So lieblich, dass mir das Herz im Leibe lacht?"

"Das ist der Taillefer, der so gerne singt 5
Im Hofe, wenn er das Rad am Brunnen schwingt,
Im Saale, wann er das Feuer schueret und facht,
Wann er abends sich legt und wann er morgens erwacht."

Der Herzog sprach: "Ich hab' einen guten Knecht,
Den Taillefer; der dienet mir fromm und recht, 10
Er treibt mein Rad und schueret mein Feuer gut
Und singet so hell; das hoehet mir den Mut."

Da sprach der Taillefer: "Und waer' ich frei,
Viel besser wollt' ich dienen und singen dabei.
Wie wollt' ich dienen dem Herzog hoch zu Pferd! 15
Wie wollt' ich singen und klingen mit Schild und mit Schwert!"

Nicht lange, so ritt der Taillefer ins Gefild
Auf einem hohen Pferde mit Schwert und mit Schild.
Des Herzogs Schwester schaute vom Turm ins Feld;
Sie sprach: "Dort reitet, bei Gott, ein stattlicher Held." 20

Und als er ritt vorueber an Fraeuleins Turm,
Da sang er bald wie ein Luestlein, bald wie ein Sturm.
Sie sprach: "Der singet, das ist eine herrliche Lust;
Es zittert der Turm, und es zittert mein Herz in der Brust."

Der Herzog Wilhelm fuhr wohl ueber das Meer, 25
Er fuhr nach Engelland mit gewaltigem Heer.
Er sprang vom Schiffe, da fiel er auf die Hand;
"Hei," rief er, "ich fass' und ergreife dich, Engelland!"

Als nun das Normannenheer zum Sturme schritt,
Der edle Taillefer vor den Herzog ritt: 30
"Manch Jaehrlein hab' ich gesungen und Feuer geschuert,
Manch Jaehrlein gesungen und Schwert und Lanze geruehrt.

"Und hab' ich Euch gedient und gesungen zu Dank,
Zuerst als ein Knecht und dann als ein Ritter frank,
So lasst mich das entgelten am heutigen Tag, 35
Vergoennet mir auf die Feinde den ersten Schlag!"

Der Taillefer ritt vor allem Normannenheer
Aus einem hohen Pferde mit Schwert und mit Speer;
Er sang so herrlich, das klang ueber Hastingsfeld;
Von Roland sang er und manchem frommen Held. 40

Und als das Rolandslied wie ein Sturm erscholl,
Da wallete manch Panier, manch Herze schwoll,
Da brannten Ritter und Mannen von hohem Mut;
Der Taillefer sang und schuerte das Feuer gut.

Dann sprengt' er hinein und fuehrte den ersten Stoss, 45
Davon ein englischer Ritter zur Erde schoss;
Dann schwang er das Schwert und fuehrte den ersten Schlag,
Davon ein englischer Ritter am Boden lag.

Normannen sahen's, die harrten nicht allzulang,
Sie brachen herein mit Geschrei und mit Schilderklang. 50
Hei, sausende Pfeile, klirrender Schwerterschlag!
Bis Harald fiel und sein trotziges Heer erlag.

Herzog Wilhelm steckte sein Banner aufs blutige Feld,
Inmitten der Toten spannt' er sein Gezelt;
Da sass er am Mahle, den goldnen Pokal in der Hand, 55
Auf dem Haupte die Koenigskrone von Engelland:

"Mein tapfrer Taillefer, komm! trink mir Bescheid!
Du hast mir viel gesungen in Lieb' und in Leid;
Doch heut im Hastingsfelde dein Sang und dein Klang,
Der toenet mir in den Ohren mein Leben lang." 60

* * * * *

32. DES SAENGERS FLUCH

Es stand in alten Zeiten ein Schloss, so hoch und hehr,
Weit glaenzt es ueher die Lande his an das blaue Meer,
Und rings von duft'gen Gaerten ein bluetenreicher Kranz,
Drin sprangen frische Brunnen in Regenbogenglanz.

Dort sass ein stolzer Koenig, an Land und Siegen reich, 5
Er sass auf seinem Throne so finster und so bleich;
Denn was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut,
Und was er spricht, ist Geissel, und was er schreibt, ist Blut.

Einst zog nach diesem Schlosse ein edles Saengerpaar,
Der ein' in goldnen Locken, der andre grau von Haar; 10
Der Alte mit der Harfe, der sass auf schmuckem Ross,
Es schritt ihm frisch zur Seite der bluehende Genoss.

Der Alte sprach zum Jungen: "Nun sei bereit, mein Sohn!
Denk unsrer tiefsten Lieder, stimm an den vollsten Ton!
Nimm alle Kraft zusammen, die Lust und auch den Schmerz! 15
Es gilt uns heut, zu ruehren des Koenigs steinern Herz."

Schon stehn die beiden Saenger im hohen Saeulensaal,
Und auf dem Throne sitzen der Koenig und sein Gemahl,
Der Koenig furchtbar praechtig wie blut'ger Nordlichtschein,
Die Koenigin suess und milde, als blickte Vollmond drein. 20

Da schlug der Greis die Saiten, er schlug sie wundervoll,
Dass reicher, immer reicher der Klang zum Ohre schwoll;
Dann stroemte himmlisch helle des Juenglings Stimme vor,
Des Alten Sang dazwischen wie dumpfer Geisterchor.

Sie singen von Lenz und Liebe, von sel'ger goldner Zeit, 25
Von Freiheit, Maennerwuerde, von Treu' und Heiligkeit,
Sie singen von allem Suessen, was Menschenbrust durchbebt,
Sie singen von allem Hohen, was Menschenherz erhebt.

Die Hoeflingsschar im Kreise verlernet jeden Spott,
Des Koenigs trotz'ge Krieger, sie beugen sich vor Gott; 30
Die Koenigin, zerflossen in Wehmut und in Lust,
Sie wirft den Saengern nieder die Rose von ihrer Brust.

"Ihr habt mein Volk verfuehret; verlockt ihr nun mein Weib?"
Der Koenig schreit es wuetend, er bebt am ganzen Leib;
Er wirft sein Schwert, das blitzend des Juenglings Brust 35
durchdringt,
Draus statt der goldnen Lieder ein Blutstrahl hoch aufspringt.

Und wie vom Sturm zerstoben ist all der Hoerer Schwarm.
Der Juengling hat verroechelt in seines Meisters Arm;
Der schlaegt um ihn den Mantel und setzt ihn auf das Ross,
Er bind't ihn aufrecht feste, verlaesst mit ihm das Schloss. 40

Doch vor dem hohen Tore, da haelt der Saengergreis
Da fasst er seine Harfe, sie, aller Harfen Preis,
An einer Marmorsaeule, da hat er sie zerschellt;
Dann ruft er, dass es schaurig durch Schloss und Gaerten gellt:

"Weh euch, ihr stolzen Hallen! Nie toene suesser Klang 45
Durch eure Raeume wieder, nie Saite noch Gesang,
Nein, Seufzer nur und Stoehnen und scheuer Sklavenschritt,
Bis euch zu Schutt und Moder der Rachegeist zertritt!

"Weh euch, ihr duft'gen Gaerten im holden Maienlicht!
Euch zeig' ich dieses Toten entstelltes Angesicht, 50
Dass ihr darob verdorret, dass jeder Quell versiegt,
Dass ihr in kuenft'gen Tagen versteint, veroedet liegt.

"Weh dir, verruchter Moerder! du Fluch des Saengertums!
Umsonst sei all dein Ringen nach Kraenzen blut'gen Ruhms!
Dein Name sei vergessen, in ew'ge Nacht getaucht, 55
Sei wie ein letztes Roecheln in leere Luft verhaucht!"

Der Alte hat's gerufen, der Himmel hat's gehoert,
Die Mauern liegen nieder, die Hallen sind zerstoert;
Noch _eine_ hohe Saeule zeugt von verschwundner Pracht;
Auch diese, schon geborsten, kann stuerzen ueber Nacht. 60

Und rings statt duft'ger Gaerten ein oedes Heideland,
Kein Baum verstreuet Schatten, kein Quell durchdringt den Sand,
Des Koenigs Namen meldet kein Lied, kein Heldenbuch;
Versunken und vergessen! das ist des Saengers Fluch.




Joseph von Eichendorff




33. DER FROHE WANDERSMANN

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt;
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.

Die Traegen, die zu Hause liegen, 5
Erquicket nicht das Morgenrot;
Sie wissen nur von Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.

Die Baechlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust, 10
Was sollt' ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl' und frischer Brust?

Den lieben Gott lass' ich nur walten;
Der Baechlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd' und Himmel will erhalten 15
Hat auch mein' Sach' aufs best' bestellt!

* * * * *

34. DER JAEGER ABSCHIED

Wer hat dich, du schoener Wald
Aufgebaut so hoch da droben?
Wohl den Meister will ich loben,
So lang' noch mein' Stimm' erschallt.
Lebe wohl, 5
Lebe wohl, du schoener Wald!

Tief die Welt verworren schallt,
Oben einsam Rehe grasen,
Und wir ziehen fort und blasen,
Dass es tausendfach verhallt: 10
Lebe wohl,
Lebe wohl, du schoener Wald!

Banner, der so kuehle wallt!
Unter deinen gruenen Wogen
Hast du treu uns auferzogen, 15
Frommer Sagen Aufenthalt!
Lebe wohl,
Lebe wohl, du schoener Wald!

Was wir still gelobt im Wald,
Wollen's draussen ehrlich halten, 20
Ewig bleiben treu die Alten:
Deutsch Panier, das rauschend wallt,
Lebe wohl!
Schirm dich Gott, du schoener Wald!

* * * * *

35. NACHTS

Ich stehe in Waldesschatten
Wie an des Lebens Rand,
Die Laender wie daemmernde Matten,
Der Strom wie ein silbern Band.

Von fern nur schlagen die Glocken 5
Ueber die Waelder herein,
Ein Reh hebt den Kopf erschrocken
Und schlummert gleich wieder ein.

Der Wald aber ruehret die Wipfel
Im Traum von der Felsenwand. 10
Denn der Herr geht ueber die Gipfel
Und segnet das stille Land.

* * * * *

36. FRUEHLINGSDAEMMERUNG

In der stillen Pracht,
In allen frischen Bueschen und Baeumen
Fluestert's wie Traeumen
Die ganze Nacht.
Denn ueber den mondbeglaenzten Laendern 5
Mit langen weissen Gewaendern
Ziehen die schlanken
Wolkenfrau'n wie geheime Gedanken,
Senden von den Felsenwaenden
Hinab die behenden 10
Fruehlingsgesellen, die hellen Waldquellen,
Die's unten bestellen
An die duft'gen Tiefen,
Die gerne noch schliefen.
Nun wiegen und neigen in ahnendem Schweigen 15
Sich alle so eigen
Mit Aehren und Zweigen,
Erzaehlen's den Winden,
Die durch die bluehenden Linden
Vorueber den grasenden Rehen 20
Saeuselnd ueber die Seen gehen,
Dass die Niren verschlafen auftauchen
Und fragen,
Was sie so lieblich hauchen--
Wer mag es wohl sagen? 25

* * * * *

37. ELFE

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