Die von denen Faunen gepeitschte Laster
S >>
Sidonia Hedwig Zaeunemann >> Die von denen Faunen gepeitschte Laster
Pages:
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 | 7
Wie gluecklich ward ihr doch ihr Alten jener Zeit!
Die ihr euch an der Zier der Maessigkeit erfreut.
Wie ward ihr so beherzt, gesund und stark und wacker,
Da euer Mund das ass, was euer fetter Acker
Und Reb= und Garten=Bau, und Vieh und Schaefer=Stab,
Teich, Waldung, Hof und Stall euch zu verzehren gab?
Ein ausgepresster Trank von selbst gepflanzten Reben,
Benebst dem braunen Saft, den Gersten=Koerner geben;
Ein Fisch, den euer Netz und Angel selber fieng;
Ein Wildpret, welches euch zu nah in Garten gieng;
Ein Vogel, welcher sich in euren Garten setzte,
Und sich den zarten Fuss durch Schling und Leim verletzte;
Ein Stueck von einem Schaaf, und eingesalzten Schwein,
Ein Stueck von einem Kalb, und fetten Rinder=Bein;
Ein Stueckgen von der Brust, nebst guten Rinder=Zungen,
Die Kuechen=Rauch gefaerbt, und beisend Salz durchdrungen,
Worueber man die Brueh von alledem gekocht,
Was selbst die Hand gepflanzt, und was das Beet vermocht;
Als Lorbern, Timian, Wachholdern, Rossmarien,
Lauch, Kimmel, Majoran, und Zwiebeln die nicht bliehen,
Und was der Garten sonst an Frucht und Beeren giebt.
Ein Kohl, den die Natur und nicht die Kunst geschiebt;
Ein Obst, das ebenfals nur die Natur getrieben,
Milch, Ey und Butterwerk, das rein und frisch geblieben;
Ein Kuchen, den das Weib weiss, fett und locker buck,
Diess war was man zu Tisch und auf die Tafel trug:
Damit erquickten sich die Grosen und die Kleinen.
So blieben sie gesund und stark an Fleisch und Beinen
So lebten sie vergnuegt, und gaben zu verstehn,
Wie gerne sie den Flor der Kindes=Kinder sehn,
Daher sie solchen auch die Gelder nicht verprassten.
Jezt aber, da die Welt mit Segel, Wind und Masten,
Aus dem vor kurzem erst entdeckten Theil der Welt,
Das was auch Africa und Ceilon in sich haelt,
Was uns Levante zeigt, was Welschlands Boden traeget,
Was Ungarn, Spanien vor unsre Augen leget,
Mit stuermender Gefahr und Kosten hergebracht,
So wird der Alten Kost jezt spoettisch ausgelacht.
Der Deutsche Trauben=Saft, der Wein von unsern Reben,
Wird selten beym Besuch und Gastmahl hergegeben.
Der ist zu schlecht darzu. Es luestert Mund und Seel
Nach neuer Leckerey gleich wie dort Israel.
Ein neuer Tag muss auch ein neu Gericht ersinnen!
Um der Verschwendung nur das straefliche Beginnen
Aufs strengste, uns zum Spott und Schaden, zu vollziehn.
Eh noch die Speisen reif, wenn sie noch waessrig gruen,
und roh und sauer sind, so luestert man nach diesen.
Da heists: Wenns andre schon auf ihrem Tisch geniessen,
So eckelt mir davor. Was theuer ist, schmeckt gut;
Was viele Thaler kost, das labet Zung und Blut.
Die alte Redlichkeit in Speisen und in Essen,
Bringt jetzt die Leckerey und Wollust ins vergessen.
Wie manche Haerings=Milch (wer lacht jezt nicht mit mir)
Setzt man den Austern gleich in Auster=Schaalen fuer,
Dass man den Appetit der Lecker nur ergoetze,
Und ihren luestern Mund in suesse Ruhe setze.
Sonst nahm der Koechin Hand den Vogel=Mist heraus;
Jezt ist derselbige das beste auf den Schmauss
Wornach man sehnlich greift. Man darf den Hottentotten,
Der Darm und Mist verzehrt, hinfuehro nicht mehr spotten;
Ihr machts mit Voegeln so. Ja spricht die Weisheit jezt,
Der Vogel, welcher nur auf kraeftgen Stauden sizt,
Ist ganz ein ander Ding; er frisst sonst nichts als Kraeuter.
Gut! aber gehe doch nur wenig Schritte weiter
Da weidet eine Kuh, die gleichfals Kraeuter frisst.
Warum geluest dir dann nicht auch nach ihrem Mist?
(Doch dieses widmet man zum Schnupftoback der Schoenen,
Die sich denselbigen so eifrigst angewoehnen,
Als waers ihr Element.) Ein Hecht der Karpfen frisst,
Und dessen Aufenthalt ein klares Wasser ist,
Der scheint jezt nicht genug den Appetit zu stillen.
Die leckerhafte Welt, (sind das nicht naerrsche Grillen?)
Ergoetzet sich an dem, was in den Suempfen kriecht,
Und was beym ersten Blick schon eckelhaftig riecht.
Die Kroeten welche sich mit Schild und Harnisch decken,
Und dem der sie erblickt, nicht wenig Graus erwecken;
Die Froesche, die der Schlamm, Gestank, Pful und Morast
In seinem Inbegrief verschliesst und in sich fasst,
Die gross gebildet sind, und recht gefaehrlich sehen;
Die Schnecken, welche sich kaum auf der Erde drehen;
Das, was so unrein ist und so abscheulich sieht,
Und oefters Magen=Schmerz und Druecken nach sich zieht,
Das soll, man hoere doch, ich koennt es nicht errathen,
Viel delicater noch als guter Kaelber=Braten,
Als Tauben, Hecht und Hahn, und Rinder=Zungen seyn.
Wie enge schrenkt sich doch jetzt Witz und Klugheit ein.
Was wird die Leckerey noch weiter unterfangen?
Habt acht, ich warne euch ihr schnell und krummen Schlangen,
Man stellt euch wuerklich nach, und macht euch endlich ein,
Als soltens koestliche und rare Bricken seyn.
Ihr Regen=Wuermer weicht, kriecht ja nicht aus der Erden,
Ihr muest sonst wuerklich noch zu Wasser=Schmerlen werden.
Ihr Ratten seht euch vor, versteckt euch in die Hoeh,
Sonst macht man euren Leib zu einem Fricassee.
Ihr Fledermaeuse fliegt, sonst steckt man euch ans Feuer.
Jezt hat man euch umsonst, man kauft euch doch wohl theuer,
Man sucht euch wohl alsdann mit vieler Mueh zu Rom,
So wie den Regen=Schmerl im schnellen Tieber=Strohm.
Ja Maden, welche auch aus alten Kaesen sprudeln,
Die werden endlich noch zu Moschcowitschen Nudeln.
Zur Nahrung und zur Noth pflegt man den Leib jezt nicht,
Zum ueberfluss sind jezt die Zungen abgericht.
Der Tisch kan oft die Last der Schuesseln nicht ertragen;
Den Magen trachtet man mit Zungen=Lust zu plagen;
Nachdem man lang gespeisst und seinen Bauch gemaest,
Dass man kaum Ohdmen kan, und schwer und kaeuchend blaesst,
So wird Levantens Frucht durch Asch und Staub verzehret,
Wodurch die Wollust schon viel Beutel ausgeleeret.
Der Leib hat bey dem Tisch des Tags nur einmal Ruh;
Man bringt den ganzen Tag mit Trink und Essen zu.
Wodurch man die Vernunft und Tugenden begraebet,
Und mehr vor seinen Bauch als vor den Naechsten lebet.
Ich widerspreche nicht, dass hier ein Graf und Fuerst
Nach theurem Trauben=Blut, und raren Weine duerst;
Dass er mit fremder Kost die Tafel reich bedecket,
Und manche Kostbarkeit und niedlich Essen schmecket;
Wer nehrte sich wohl sonst; wo kaeme sonst das Geld
Durch Handel und Gewerb und Nahrung in die Welt?
Ich tadle nicht, dass auch ein Reicher das geniesset,
Was in dem feinen Meer und fremden Stroehmen fliesset;
Dass er Italiens und Ungerns suesse Frucht
Von Reben oder Baum zu seiner Lust versucht;
Dass seine Zunge sich an diesen auch erquicket,
Was uns durch Wind und Mast Ost, West und Sueden schicket:
Damit er der Natur auch ihre Schaetze sieht,
Wie kraeftig dieses schmeckt, wie praechtig jenes blueht,
Und weiss, wie jedes pflegt geschickt gemacht zu werden.
Diess aber widerspricht der Klugheit auf der Erden,
Wenn er sich dran gewoehnt, und seinen Mund nicht zwingt,
Diess ers aus Leckerey und uebermuth verschlingt.
Diess kan die Tugend nicht, noch die Vernunft vertragen,
Dass Maenner, welche sich durch Trug ans Bret geschlagen,
Die Fuersten ungetreu und Landes=Plager sind;
Dass Maenner, welche sich durch Advocaten=Wind
Und rechtlichen Betrug ein Haufen Geld erlogen;
Dass Maenner, die das Blut der Waysen ausgesogen,
Die Urtheil nur nach Gunst und Thalern abgefasst,
Und die Gerechtigkeit als einen Feind gehasst;
Dass Maenner, die durch Pfand und Juedische Intressen
Des Tageloehners Brod, der Wittwen Scherf gefressen;
Dass Maenner, die das Maas und Ehle und Gewicht
Und Waaren zum Betrug und Diebstahl eingericht,
Und sich mit Weib und Kind von dem Betrug ernehren,
Das speisen, was wohl oft die Grosen nicht verzehren;
Dass man die Tafel stets mit solchen Sachen fuellt,
Womit sich nur der Mund und Wollusts=Zunge stillt.
Dass sich ein Buergermann gleich wie ein Groser speiset,
Diess ist, was die Vernunft und Tugend Thorheit heiset.
Wie seufzt die Liebe doch! o! zoeg ein reiches Weib,
Auch wohl ein stolzer Mann ein einzig Kleid vom Leib,
Ja einen Aufsatz nur, und deckte arme Seelen,
Die sich vor Kaelt und Frost, und Bloese trostloss quaelen;
Entzoeg ein Leckermaul und ein Verschwender nur
Die Woche eine Kost von mancher Creatur;
Von seinem Uberfluss ein Glaessgen aus dem Keller;
Von seiner Tafel Last den Uberrest vom Teller
Und gaebs dem Lazarus, der dort nach Brode schmacht,
Wie seelig haett er nicht die Wohlthat angebracht.
Wie herzlich wuerden sich die armen Brueder freuen;
Was wuerde nicht vor Heyl auf seinen Boden schneyen.
Ihr Eltern, die ihr stets nach Lecker=Speisen strebt,
Und alle Tag in Freud= und Zungen=Luesten lebt,
Ists moeglich, dass ihr ganz den Liebes=Trieb verfluchet,
Und eurer Kinder Noth durch eure Wollust suchet?
Waer noch ein Fuenkgen Feuer von Elterlicher Lieb'
In eurer Brust, ich weiss, dass dieses unterblieb.
Ihr wuerdet euer Gut nicht durch den Mund verzehren,
Dass euer Saame sich mit Ehren koente nehren,
Der sonst vor Glueck und Lob, wenn ihr dereinsten sterbt,
Der Unterdrueckten Fluch, Schuld, Noth und Armuth erbt.
Ihr Eltern gehet hin, und lernet von den Raben,
Was sie vor Lieb' und Sorg vor ihre Jungen haben.
* * *
Da Gottes Allmachts=Hand, die Sonne, Tag und Zeit
Und diese Welt erschuf, und sie mit Seltenheit,
Mit Zierde, Glanz und Pracht und aller Schoenheit baute,
Und was er nur gemacht, mit viel Vergnuegen schaute.
Beschloss er, dass der Mensch, sein aechtes Ebenbild
Mit viel und groser Macht und Herrlichkeit erfuellt,
Und mit besonderm Glanz gezieret solte werden.
Der Schoepffer machte ihn zum Herrn der ganzen Erden.
Er was sein herrlichstes und liebstes Augenmerk;
Drum hat er selbigen auch ueber alle Werk
Die er so schoen gemacht, die er so hoch geschaetzet,
Und aller Creatur zum Fuerst und Herrn gesetzet.
So herrlich und so hoch sah GOtt den Menschen an;
Er sprach: Mach dir die Welt und Erde Unterthan;
Herrsch ueber alles das, was auf der Erde lebet,
Was sich in Wassern regt, und unterm Himmel schwebet.
Allein! wo schliesst der Mensch des Geistes Augen auf?
Wenn hebt er wohl sein Licht zur Sternenburg hinauf,
Und denkt an seinen Glanz, Macht, Adel, Wuerd und Ehre?
Dass er warhaftig auch ein Herr der Erde waere.
Wie schaetzt er doch so schlecht die groeste Herrlichkeit?
Wie setzt er die Vernunft, den Adelstand beyseit,
Den ihm sein Schoepfer gab? der Mensch von grosen Gaben;
Der Mensch, den GOtt so hoch gesetzet und erhaben,
Der diese ganze Welt und Erd beherrschen soll,
Der ein Monarch will seyn, der ist so dum und toll,
Und stellt sich so herab, dass er vom Saft der Trauben,
Und Bier sich Geist und Witz, Verstand und Kraft laesst rauben.
Ey seht! der stolze Mensch legt Sclaven=Fesseln an,
Und wird dem Erd=Gewaechs so schimpflich unterthan.
Der Mensch, die kleine Welt, O! solt er sich nicht schaemen!
Laesst sich von einer Frucht der Welt gefangen nehmen.
Der Seelen Wandelung, die so viel Streitens macht,
Da Zeno ihren Grund und Lehre vorgebracht,
Beweiset sich an dem, der sich zum Bacho wendet,
Und dem gefuellten Glass Vernunft und Witz verpfaendet.
Wo in der Seele sonst Verstand und Tugend sass;
Und man die Handlung stets nach klugen Regeln mass;
Da wird der Seelen Thun durch Saufen umgekehret,
Das Gute abgeschaft, verworffen und verstoehret.
Die Klugheit blaesst ihr Licht und ihre Strahlen ein;
Die Weisheit kan beym Trunk nicht mehr Regentin seyn.
Der Tugend=Fackel wird verloescht und ausgebrennet,
Und was sich sonsten schoen und nach dem Wohlstand nennet,
Das findet durch den Trunk ein ganz gewisses Grab,
Die Thorheit giebt darbey den klugen Redner ab,
Und spricht: Der Tod wird sonst vor maechtig ausgeschriehen,
Es muss auch in der That die Seel vom Leibe fliehen.
Allein die Lust zum Trank besitzet noch mehr Macht,
Durch diese wird so gar die Seele umgebracht.
Sie toedten selbt den Geist, Verstand und alle Sinnen.
Darius wach jezt auf! und hoere das Beginnen
Der Knaben, die zur Wach bey deinem Throne stehn;
Wie jeder seinen Witz durch einen Spruch laesst sehn.
Mich deucht ich seh im Geist dein groestes Koenigs=Zimmer,
Mir ist als faend ich dich in deinem Glanz und Schimmer,
Und deine Maechtigsten um deinen Purpur=Thron,
Wie da der Klugheit Kind, wie da der Weisheit Sohn,
Vom Wein und seiner Kraft so schoene Reden fuehret,
Dass man den klugen Geist aus seinen Worten spuehret.
Er hebt verwundernd an: Wie maechtig ist der Wein!
Denn er verfuehret die, so ihm ergeben seyn.
Fuerst, Freye, Weise, Knecht, die Armen und die Reichen
Macht er, dass sie durch ihn an Witz einander gleichen.
Er raubet den Verstand, bringt Widerwaertigkeit,
Macht froehlich, aber so, dass man das Ziel beyseit
Und aus den Augen setzt, dass man sich nicht bezwinget,
Noch auf des Landes Wohl wie sichs gebuehret, dringet!
Er macht durch Phantasie und Wahnwitz alle reich;
Es denkt der Unterthan, er sey dem Fuersten gleich;
Setzt dadurch Ehr und Furcht und Demuth auf die Seite,
Und spricht, wem laecherts nicht? von groser Ehr und Beute.
Hat denn der Trunk den Geist in voelliger Gewalt,
So gilt kein Freundschafts=Band. Es heist: Du Hundsfott halt!
Und zucke das Gewehr! Ist denn der Rausch vergangen,
So weiss man nicht, was man im Trunke angefangen.
Der Saal verliehrt sich mir; ich seh an dessen statt
Das Thier, das Bileam vordem geritten hat.
Es scheint, als kriegt es gar jezt seine Sprache wieder,
Und ruft den Menschen zu: Ihr singt mir tolle Lieder
Von meiner Einfalt vor. Doch kommt in meinen Stall,
Gebt nur ein wenig acht, ihr merket ueberall
Dass ich an Klugheit euch bey Weitem ueberstiegen,
Ich speise nicht mehr Heu, drum bleibt sehr vieles liegen,
Als nur mein Hunger braucht. Kein Wasser trink ich mehr,
Als biss mein Durst geloescht. Ich wuest nicht wie mir waer?
Solt ich, das duemmste Thier, den Magen ueberladen,
Und mir an meiner Kraft und der Gesundheit schaden?
Ihr Menschen aber seyd viel aerger als das Vieh,
Weit dummer als wie ich. Ihr esst und trinket nie;
O! nein! ihr sauft und schwelgt, und hoert nicht auf zu fressen,
Biss die Vernunft versenkt, und alle Schaam vergessen,
Und ausgerottet ist, biss dass die Tugend stirbt,
Und jeder unter euch der Hoellen=Lohn erwirbt.
Ich habe ehedem in einem Buch gelesen,
Dass Circens Zauberstock, so kraeftig sey gewesen,
Dass er Ulysses Volk in Thiers=Gestalt verkehrt.
Da mich nun jezt ein Schwein in meiner Rede stoehrt,
So glaub ich, diess gehoert mit unter solchen Orden,
Die durch den Zauberstock zu Thieren sind geworden.
Ihr Menschen! hoert doch zu, wie es so artig spricht:
Willkommen Bruedergen! kennt ihr die Schwester nicht?
Willkommen Bruedergen! nun ist mein Leid verschwunden,
Weil ich euch allesamt so gluecklich wieder funden.
Auf! fuellt der Sittenkunst zu Trutz die Gurgeln an,
Schwelgt, fresset, sauft und schluckt, so lang als einer kan,
Besudelt euren Leib, die Erde, Kleid und Kragen,
Und lasst euch wenns geschehn, aufs Streu im Stalle tragen;
Alsdann wird euer Nest gleich wie das Meine seyn,
Da werft euch mit mir um, und schlaft so wie ich ein.
O Mensch! verlangst du denn wie diese Sau zu stinken?
Wer klug ist, pfleget sich mit nichten voll zu trinken!
Er trinket vor den Durst zur Labung und zur Staerk;
Die edle Nuechternheit ist stets sein Augenmerk.
Ein Kluger weiss wie sehr er seinen Schoepfer kraenket,
Wenn er zum ueberfluss die Zung und Lippen traenket;
Er weiss wie sehr die Kraft der Seelen Schaden leidt;
Wie sehr er Gottes=Hauss durch solche That entweyht;
Wie weit die Tugend flieht; wie weit der Wohlstand reiset;
Wie oft man nur zum Spott mit Fingern auf ihn weiset,
Und ihn veraechtlich haelt; dass sein Gesundheits=Kahn
Auf dem Schlaraffen=Meer bald Schifbruch nehmen kan:
Deshalben will er nicht mit unterm Narren Haufen
Nach Lethens todten Pfuhl zu seiner Schande laufen.
Wir haltens insgesamt vor eine Landes=Noth,
Wenn uns ein feindlich Heer mit Schwerdt und Pulver droht,
Und unsre Friedenstadt bemueht ist zu belagern,
Und durch die Kriegeskunst gedencket auszumagern,
Durch Kugeln, Blitz und Glut die Stadt verderben will.
Wie klaeglich klingt nicht da das Sayt= und Singe=Spiel?
Man fuerchtet Schwerd und Feind, und schmiedt doch selbst die
Waffen,
Wodurch wir unsern Fall, Noth, Todt und Elend schaffen.
Die Liebe zu dem Trunck ist gar ein starcker Feind,
Ob er gleich ohn Geschuetz und Schwerd und Bley erscheint.
Ein oft gefuelltes Glass mit Gerst= und Reben=Tropfen,
Ist schon genug bey uns, zum Kriege anzuklopfen:
Der Sieg ist auch gewiss; Es nimt gar bald der Wein
Das Hauptwerck an dem Bau der Leibes=Festung ein.
Er hauset als ein Feind, und raubt und pluendert alles,
Was die Natur zur Wehr und Hindrung unsers Halles
Durch die Vernunft gesetzt. Da springet Thor und Thuer,
Geist, Kraefte, Ehre, Glueck, das alles missen wir.
Die Thorheit kan darauf die Siegs=Trompete blasen,
Sie ruft: Die Tugend fiel alhier auf diesen Rasen.
Ich bin kein Prediger der vor die Seele schreibt,
Wo sie in solchem Fall, wenn sie verschwindet, bleibt.
Kan sie nach Salem wohl Elias Wagen tragen;
So wenig, als den Mann der im Duell erschlagen.
Ich rede nur wie tief, wie sehr ein trunckner Mann
In Schande, Hohn und Noth und Elend fallen kan.
Ward Loth nicht durch den Trunck ein Eydam seiner Toechter?
Ward Noah nicht dadurch den Soehnen ein Gelaechter?
Ward Nabal nicht durch ihn des Lebens=Lichts beraubt?
Verlohr nicht Holofern dadurch sein Helden=Haupt?
So schaendlich starb ein Held der Volck und Land bezwungen.
O! wie verderbet euch die kleine Lust der Zungen!
Ein Kluger wundert sich, wie solches moeglich ist,
Dass sich ein Glaeser=Freund so liederlich vergisst,
Vernunft, Verstand und Witz und Wohlstand nicht bedencket,
Und diss zum Opferdienst dem stummen Bacho schencket.
Die Menschheit aeusert sich durch Sprache und Verstand,
Wo wird diss beydes wohl am Trunckenbolt erkannt?
Verstand und Geist ist hin, er weiss nicht was er sinnet,
Noch was er unternimmt und in der That beginnet.
Die Sprache wird gehemmt; es will kein reines Wort,
Noch Gruss, noch Redensart von Zung und Lippen fort.
Die Regel ist uns ja in Hirn und Brust geschrieben,
Wir sollen unser Wohl und uns vornemlich lieben.
Wir sollen allemahl der naechste Freund uns seyn.
Wo aber stimmet das mit Truncknen ueberein?
Ein Trunckner liebt sich nicht, er wird sich selbst zum Feinde,
Denn er verraeth sein Herz dem Feinde und dem Freunde.
Er ist als wie ein Fass das voll, und uebergeht,
Und von sich stoesst und wirft, was vor dem Spunde steht.
Das Gute welches ihm zu Amt und Gluecke dienet,
Wodurch sonst seine Lust und auch ein Wohlstand gruenet,
Das stoesst er durch den Trunck zu seinem Munde aus,
Und bringt sich um sein Glueck, ja gar um Hof und Haus.
Ein andrer wendet das, was er im Trunk verrathen
Zu seinem Nutzen an, und foerdert seine Thaten.
Ein Trunkner schweigt so gar von seinen Fehlern nicht,
Es wird ihm durch ihm selbst ein Schand=Maal aufgericht.
Er stuerzt sich wohl darzu, durch trunknene Geschwaetze
In Unglueck und Gefahr; es straft ihn das Gesetze.
Ein Freund des Trunks kan nie ein Freund des Naechsten seyn.
Man laesset sich mit ihm in keine Freundschaft ein:
Denn er verraeth den Freund, und schwazt von seinem Handel,
Von seiner Eigenschaft, Gespraech und Lebens=Wandel.
Ein Trunkner wird zum Spott, zum Kinder=Spott gemacht,
Wie hoehnisch wird er nicht von allen ausgelacht?
Er lacht, wenn andere bey seinen Affen=Sachen
Und Kindervollem Spiel ein laut Gelaechter machen.
Er merkt nicht, wenn man gleich sein laut Geschwaetze hoehnt,
Und jauchzet wenn man ihn mit Haasen=Pappeln kroent.
Zwey Stieber haelt er oft vor zaertliche Caressen,
Die eine schoene Hand ihm guetig zugemessen.
Ein Trunkner glaubt === jedoch ich werff die Feder hin,
Weil ich nicht in Pariss noch Hollands Fluren bin,
Wo man die Laster darf bey ihren Namen nennen.
Ich putze nicht das Licht, ich moecht mich sonst verbrennen.
(a) Magnus.
(b) Da der grose Alexander bey seinen Feldzuegen unbekanter Weise auf ein Rathhaus zu forschen gieng, hoerte er, dass zu dem Richter ein Mann sagte: Ich habe einen Keller wollen graben, und da habe ich einen Schatz gefunden,welcher aber nicht mir, sondern dem Manne gehoert, von dem ich das Haus gekauft, ich bitte also ihn zu noethigen, dass er sein Geld annehme. Der andere sprach: der Schatz ist niemahls meiner gewesen, denn die Staette darauf ich das verkaufte Haus gebaut, war ein freyer Platz, darauf jeder bauen konte. Endlich sind diese Maenner eins worden dem Richter den Schatz zu geben. Der Richter wendet aber dargegen ein: Ihr bekennt Beyde, dass der Schatz nicht eure sey, da er da in euren Haeusern gefunden worden ist: unter was Vorschein solt ich ihn denn annehmen, da ich hier fremd bin? davor behueten mich die Goetter, dass ich mich nicht fremdes Gutes anmasse! Ihr schiebet die ganze Sache meinem Amte und Gewissen heim. Wohlan, so will ich einen Rath finden. Habe darauf den einen gefragt: ob er einen Sohn habe, der denn mit Ja antwortet: Ob auch der andere eine Tochter habe? Und da dieser gleichfals Ja sagt: Habe der Richter den Ausspruch gethan, dass diese einander heyrathen sollen, und er wolle ihnen den gefundenen Schatz zum Braut=Schatze mitgeben. Da Alexander ueber diese kluge Gerechtigkeit erstaunet, hat der Richter gesagt: Ist es auch moeglich, dass Leute gefunden werden die anders thun? und auf des Alexanders Ja! setzt er noch dieses zu: Ob an solchen Oertern, wo sie nicht also richteten, die Goetter auch Regen fallen liesen, und ob die Sonne alda auch ihre Strahlen gaebe?
(c) Cambyses liess einem Richter der sich bestechen lassen, und daher ein ungerechtes Urtheil abgefasset hatte, die Haut vom Leibe ziehen, dieselbe mit Naegeln an den Richterstuhl zum ewigen Spectacul fest anschlagen und damit bedecken,auch den Sohn an dessen Stelle zum Richter setzen.
(d) Gleichwie Galeacius Herzog von Meyland gethan, welcher einen Advocaten, der die Processe bosshafter Weise so lange triebe und aufhielte, liess an Galgen hengen und dann in Stuecke zerreisen.
(e) Roemischer Kayser, welcher davor hielte, dass es bey Austheilung der Geschenke, und Belohnung treuer Dienste nur aufs Glueck ankaeme.
(f) Velibegus und Arsambegus zwei Tuerkische Obristen hatten ein Duel miteinander, da der letztere den erstbenannten rueckwaerts hinterlistiger Weise verwundete/worauf die Sache nach Constantinopel gekommen, und
Velilebus citirt und befragt werde. Unter andern sagte dieser folgende Worte: Mein Gegenpart hat mich hinterlistig angegriffen/haette er/als einem Cavallier gebuehrt, sich ritterlich erzeigen wollen, so haette er nur sollen erscheinen, als welchen ich oftmals zu einem Duell heraus gefordert. Worauf die anwesenden Bassen zornig worden, und gesprochen: Was hast du dich mit deinem Spiess=Gesellen rauffen wollen? Sind denn keine Christen mehr in der Welt, an denen du deine Mannheit haettest erweisen koennen? Ihr esset beyde unsers Kaysers Brod, und habt euch
miteinander schlagen wollen? Aus was Recht und Fug hast du das in Sinn genommen? Und wo hast du dergleichen Exempel jemahl unter uns gehabt? Hast du nicht denken sollen, wer unter euch beyden gefallen und umkommen
waere, der waere mit Schaden unsers Kaysers gefallen und umkommen. Worauf er auch in das Gefaengniss geworfen worden.
(g) Magnus
(h) Fabius, Roemischer Buergermeister gab ein Gesetz, dass keiner auf einem Banquet mehr verzehren duerfte als dreysig Sestertios, so viel als ohngefehr zwoelf Thaler.
Messinius verordnete: dass kein Fremder Wein dorfte eingelegt werden. Emilius gebot den Roemern nicht mehr als fuenf Gerichte zu speisen.
Antio befahl, das Koch=Handwerk nicht vielen lernen zu lassen, denn er hielt dafuer, dass, wo viele Koeche waeren, die Leute nur arm, der Leib ungesund, die Seele aber und das Gemuethe beflecket wuerden.
Julius Caesar brachte auf, dass niemand mit zugeschlossener Thuer essen durfte, damit die Censores sehen koenten, ob jemand im Essen ueberfluss brauchte.
Aristimius schrieb vor, dass man zwar des Mittags jemand moechte zu Gaste haben, aber nicht laenger als biss gegen den Abend behalten.
Pages:
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 | 7