Die von denen Faunen gepeitschte Laster
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Sidonia Hedwig Zaeunemann >> Die von denen Faunen gepeitschte Laster
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So hoch als unsre Zeit an schoen galanten Luegen,
An Wissenschaft und Kunst und Treflichkeit gestiegen,
So viel Geheimniss man ergruendet und entdeckt,
So sehr wird der Verstand im Gegentheil versteckt,
Wenn man so Geist als Leib dem Stolz und Pracht ergiebet,
Der Eltern Schweiss verprasst, und die Verschwendung liebet.
Heist das wohl mit Vernunft des Glueckes Pfund genuetzt,
Wenn man ein gueldnes Bild an Thuer und Wagen schnitzt?
Der Diener Kleider=Stoltz durch reiche Dressen mehret?
Auf Fuersten Betten schlaeft, auf Prinzen Kutschen faehret?
Die Bilder geiler Zeit, die Goetter alter Welt,
Gar oft zur Aergerniss, in Gaeng und Gaerten stellt?
Allwo die Wasserkunst das Geld so gar verspritzet,
Wo mancher Aff und Baer an statt des Waechters sitzet.
Heist das wohl mit Vernunft das Erbtheil angelegt,
Wenn man das, was man sieht in seine Gaerten traegt,
Und sich ein Labyrinth zur Pracht mit Schulden gruendet?
Da man den Eingang wohl; doch nicht den Ausgang findet?
Heist das wohl klug gethan, wenn man Saal, Zimmer, Haus
Mit aller Kostbarkeit, biss an das Dach heraus,
Die Welschland, Gallien und Indien uns schicket,
Aufs allerpraechtigste bekleidet, ziert und schmuecket?
Die Zimmer uebrig fuellt; die Beutel aber leert?
Und eine bunte Wand als einen Goetzen ehrt?
Sucht wohl die Tugend uns zu diesem anzulocken,
Dass man den Glieder=Bau wie stolze Kinder=Docken
Auf laecherliche Art und Vielfach praechtig kleidt?
Da Adam und sein Weib die grose Herrlichkeit
Im Paradiess verlohr, da trugen sie, ach leyder!
Zum Zeugniss ihres Falls, ein Fell an statt der Kleider.
Kein Dieb prangt mit dem Strick, der seinen Hals umschlug,
Selbst Eva schaemte sich da sie die Kleidung trug.
Wir aber lassen uns so sehr den Kopf verruecken;
Wir prangen hoechst verguengt mit unsern seidnen Stricken,
Die unsrer Eitelkeit und Thorheit Zeugen seyn.
Floesst dieses die Vernunft; giebt diess die Tugend ein,
Dass man den Leib fast stets als zum Triumphe schmuecket,
Die Kleider reich mit Gold und Silber uebersticket,
Und kostbar ausstaffirt? dass man nach hoechster Pracht
Die Kleider schoen von Zeug und auf das feinste macht?
Dass man den ueberfluss so gar auch nicht vermeidet,
Sich wo nicht woechentlich, doch vierteljaehrig kleidet;
Sich selbst zum Raeuber wird; sich diebisch selbst bestiehlt,
Biss dass man endlich Schimpf, Noth und Verachtung fuehlt.
Wie thoerig ist es nicht, wenn stolze Geister denken,
Als koennt ein kostbar Kleid mehr Furcht und Ehre schenken,
Wirst du ums Kleide wohl vor andern mehr geliebt?
Meinst du, dass dir das Glueck darum was groessers giebt?
Verbessert sich dein Stand um deines gueldnen Degen,
Um deines stolzen Kleids und gueldner Zwickel wegen?
Geh! prange wie du wilst, in einem ofnem Saal;
Stolziere wie du wilst, by einem Freuden=Mahl,
Dein Stand, und nicht dein Kleid wird dir den Vorsitz geben.
Das Kleid kan nicht den Mann, wenn er nichts gilt, erheben;
Der Mann giebt nur allein dem Kleide Glanz und Zierd,
Wenn er die Tugenden in Wort und Wercken fuehrt.
Traet Ahasvers Gemahl jezt unter unsre Frauen,
Was wuerde nicht ihr Aug vor Pracht und Hoffart schauen!
Ich weiss es spraech ihr Mund: Ich trug mein Koenigs-Kleid
Niemahls zur Lust und Pracht, und bloss zu solcher Zeit
Wenn ich als Koenigin im Schmuck erscheinen muste,
Weil man da nichts von Pracht und stolzem Aufputz wuste.
Jezt stellt das Frauenvolk sich auch den groesten gleich;
Macht Mann und Kinder arm, die Kraemer aber reich;
Sammt, Pelzwerk, theurer Stoff, und breit und stolze Dressen,
Band, Spitzen, Leinewand, was Fuerstliche Prinzessen
Nur auszuschmuecken pflegt, was ihnen bloss gebuehrt,
Kauft jede Edel=Frau, die sich mit solchen ziert;
Diess ist der Schmuck in den sich Buerger=Weiber schlagen;
Diess ist der Schmuck den gar der Zuenfte Weiber tragen.
Kein modenhaftes Stueck koemmt von der Seine her;
Kein theures Zeug bringt man vom Po und Mittel=Meer
Und von der Themse=Strohm, das Weib gaft schon nach allen,
Und solte auch der Preiss aufs allerhoechste fallen.
Was sonst ein vornehm Weib im ganzen Kleid verthat,
Das ist anjezo kaum der Kopf= und Spitzen=Staat.
So praechtig war sonst nicht ein adlich Haupt geschmuecket,
Als man anjezt den Fuss der Buergerin erblicket.
Im Stand nimmt man nicht nur die Ordnung nicht in acht;
Er wird im Alter auch gewiss sehr schlecht betracht;
Ein Weib, das fast so alt, als wie die graue Sare;
Das kaum auf ihrem Haupt ein Dutzend weise Haare
Und einen hohlen Zahn in ihrem Munde traegt;
Da jede Runzel sich in tiefe Falten legt,
Das Kind und Kindes=Kind als Grose=Mutter ehren;
Das will doch noch die Zahl der Hoffarts=Narren mehren;
Diess geht oft noch so bunt und praechtig ausgeschmueckt,
Als man die Toechter kaum und Kindes=Kind erblickt.
Von Rueckwaerts koente wohl ein Juengling leicht verfehlen,
Und eine sechzige vor sechzehnjaehrig wehlen.
Sie doerften warlich nicht beym Felsenburgern stehn,
Wo die Matronen nur modest und erbar gehn,
Hingegen aber das, was jung und munter heiset,
Sich eines hellen Zeugs und bunten Kleids befleiset.
Waer Davids Fuersten=Kind, die Thamar jetzt allhier
Und sie verloehre sich: O mein! wo wuerden wir
Sie unter unserm Volk und Frauenzimmer finden?
Die meisten pflegen sich in Roecke einzuwinden
Die Thamars Fuersten=Rock gar gleich und aehnlich sind.
Wo sich ein bunter Stof von theurem Wehrte findt
Darein verhuellt man sich; man sticket goldne Stoecke,
Und Silber=Muschelwerk, und Blumen in die Roecke,
Dass mancher, der es sieht die naerrsche Meinung hegt,
Es sey ein Fuersten=Kind das solchen Aufputz traegt.
Man kan jezt adliche und buergerliche Frauen
Im Pracht und Kostbarkeit als Prinzessinnen schauen.
O Schade! dass doch nicht die kluge Vorsichts=Hand
Euch gleichen herrlichen und hocherhabnen Stand,
Der Hoffart gnug zu thun, in dieser Welt bestimmet,
Weil doch ein solches Feuer in euren Herzen glimmet.
Was vor ein herber Schmerz und bittre Seelen=Pein,
Muss dieses eurem Stolz und blinder Hoffart seyn?
Jedoch nur unverzagt! wer weiss wie sichs verkehret,
Ob euch die Ehre nicht auch einmal wiederfaehret,
Die jenem Bauersmann auf Tag und Nacht geschehn.
Man sagt es koente sich die Erde taeglich drehn;
So oft auch diess geschieht, so hat der Moden Sitten
Doch diesen Erden=Klump im Wechsel ueberschritten.
Wie oft verkehrt man nicht die Mod= und Kleider=Tracht?
O! wuerde sie nur nicht auch naerrischer gemacht!
Die Haare werden nicht mehr zierlich aufgekraeuset,
Man meint, es laesst galant, wenn man sie hangend weiset.
Ihr Schoenen! seht euch vor, weil, wie die Rede geht,
Ein merklicher Process im Schoeppenstuhl entsteht.
Es heist, das Schaefervolk waer klagend eingekommen,
Man haett von ihrer Heerd die Hunde weggenommen,
Und mit dem Budel=Fell die Haeupter ausgeziert.
Drum seht euch vor; vielleicht, dass ihr das Recht verliehrt;
Die Schaefer dringen drauf, sie wollen was gestohlen
Von euren Haeuptern selbst mit Nachdruck wiederhohlen.
Drum so vertraget euch mit einem guetgen Sinn,
Und gebt das Budel=Fell den Schaefern wieder hin.
Was vor Veraenderung ist doch mit Stirn und Wangen
Der Schoenen biss daher so oefters vorgegangen?
Ja unser Frauenvolk goennt nicht dem Firmament,
Dass Sonne, Mond und Stern an solchem feurig brennt;
Drum lassen sie sich auch in ihrem Kopfe deuchten,
Es muess die kleine Welt mit gleichen Fackeln leuchten.
Drum wird aufs Angesicht als auf ein freyes Feld,
Auch Sonne, Mond und Stern zum Zierath aufgestellt.
Wenn jener Lichter Schein auf blauen Grunde strahlet;
So wird der untern Glanz auf weisen Grund gemahlet.
Und weil die Obersten nur vor die Nacht bestimmt,
Indem ihr heller Glanz die Finsterniss benimmt.
(Dieweil dem lichten Tag kein solcher Glanz vonnoethen.)
So nimmt und schneidet man dergleichen Welt=Planeten
Von schwarzen Taffend aus, und fragt wohl: laessts nicht schoen,
Wenn Sonne, Mond und Stern im Angesichte stehn?
Vielleicht befuerchten sich jeztunder unsre Schoenen,
Das Mannsvolk moechte sich nach Perser=Art gewoehnen.
(Denn dieser schickt vorher zu der erkohrnen Braut
Die naechste Freundin hin, die sie mit Fleiss beschaut,
Ob sie vollkommen ist. (Denn bey den Amazonen
Wird wohl kein Mannesbild so leicht nicht wollen wohnen.)
Drum zeigt das Frauenvolk vollkommen aufgedeckt,
Dass keine Amazon' in ihrer Schnuerbrust steckt:
Und folglich man auch nicht die schoene Weiber=Gabe
Nach Persischem Gebrauch erst zu erforschen habe.
Man thut in diesem Stueck den Schoenen auch zuviel,
Als ob denselbigen die Sorgfalt nicht gefiel.
Man hoert und siehet ja wie sie vom fruehen Morgen
Biss auf die Abend=Zeit vor das so muehsam sorgen:
Was auch so gar versteckt, und nicht ins Auge faellt.
Allwo der Unterrock den ersten Platz behaelt.
Das Knie-Band folget nach. Wer hats euch denn gepfiffen,
Es wuerd nach selbigen gesehn, wohl gar gegriffen?
Wer kan denn vor das Spiel! man thut, was diess gebeut!
Wer kan denn vor den Scherz und vor Geschwindigkeit!
Um nun das schoene Lob der Reinlichkeit zu hoeren,
So sucht man alles diess mit Schoenheit zu vermehren.
Ich weiss warhaftig nicht woher es weyland kam,
Dass eine Frau das Band von Bachi Throne nahm,
Um einen neuen Thron, worauf sie koente sitzen,
Zu bauen, und zugleich die Arm zu unterstuetzen.
Das Schicksaal fuehrte sie mit samt dem neuen Thron
Zu einem Musen=Sitz, woselbt sich Bachi Sohn
Vor andern sonderlich im Schreyen hoeren liese.
Doch als ein Schnorren=Schwarm auf Bachus Brueder stiese
(Und man sich vor dem Feind durch eine Freystadt schuetzt
Der zornig wieder uns mit Stahl und Eisen blitzt)
So rief diess tapfre Weib: Nur unverzagt und munter!
Hier ist mein Reifrock! eilt! und kriechet alle unter!
Der soll vor Wach und Schnorr und sonst geheime Pein
Der allerbeste Schutz und sichre Freystadt seyn.
Die Pursche ruften hoch! und schrien mit grosen Schalle:
Wir bitten flehentlich: Ihr schoenen! leget alle
Dergleichen Roecke an. Wir wollen wieder sehn,
Wie wir zur andern Zeit euch wo zu Dienste stehn.
Gesucht, gewuenscht, geschehn. Wer nur galant wolt heisen,
Der muste sich alsbald auf diese Tracht befleisen.
Die Gassen kamen drauf darwieder klagend ein,
Sie wuerden fernerhin nicht breit und raeumlich seyn,
Sie wandten klueglich fuer: Die Weite wuerde ihnen,
Den Jungfern nehmlich selbst, noch mehr zum Schaden dienen:
{Stuffen
Weil ein zu weiter Rock an alle {Ecken stoesst,
So reisst die Seide auf dass sich der Faden loesst,
Und also desto ehr das Kleid zu Grunde gehet.
Die Maenner fielen bey: Die Mode widerstehet
Der Weiber Sparsamkeit. Das Kleid, das man vordem
Zu Putz und Nothdurft trug, wird dadurch unbequem,
Dieweils den weiten Rock nicht decket noch bekleidet:
So nimt man denn zwey Stueck, woraus man eines schneidet.
Da heist es: Maenngen! thu zum neuen Kleider=Kauf
Nur ohne Widerspruch den Beutel willig auf.
Heist das nun nicht den Mann und Vater zu bestehlen?
Allein kein gutes Wort noch sonst ein ernsthaft Schmehlen
Galt bey dem Frauenvolk. Man sprach: es bleibt darbey,
Dass nur ein groser Rock in Zukunft Mode sey,
Und wo die Maenner uns nicht neue Kleider schaffen,
So wollen wir so lang nicht bey denselben schlaffen,
Biss sich ihr Eigensinn nach unserm Willen bricht.
Wie artig faellt es nicht in aller Angesicht,
Wenn eine Knochen=Lust, wenn eine Haerings=Seele,
Ein Weib aus Liliput solch ungeheure Hoehle
Zu ihrem Sitze wehlt? Es sieht so zierlich aus,
Als ragt aus einem Fass ein Weiden=Hoelzgen raus.
Und weil das Mannesvolk vom Staub die Schuh beschmutzet,
So werden sie dadurch bestaendig abgeputzet.
So zeigt das Frauenvolk durch diese Dienste an,
Wie sie zum voraus schon den Maennern unterthan.
Es kan das Mannesvolk sich wuerklich gluecklich achten,
{Weiber
Dass {Jungfern auf der Strass die Schu zu putzen trachten.
Wie oefters werden uns die Augen nicht berueckt,
Wenn man bald hier und da ein Frauenbild erblickt,
Das Achsel, Leib und Haupt und Hals mit Baendern zieret,
Und wie ein Kutsch=Pferd prangt, das Hochzeit=Gaeste fuehret.
Ihr Jungfern! die ihr euch nur wie es euch geluest,
In eurer Kleider=Tracht nach Pfauen=Weise bruest,
Und euch aufs herrlichste und allerbeste kleidet,
Und auch den ueberfluss in Hoffart nicht vermeidet.
Was reizet euch darzu dass ihr so praechtig geht?
Vielleicht ist das der Grund, warum ihr euch so bloeht,
Dass ihr dem Mannesvolk wolt in die Augen fallen,
Ob etwa ihre Brust vor Liebe moechte wallen,
Dass man euch in das Buch der Braeute schreiben soll?
Die Reizung ist zu frech! die Lockung ist zu toll!
Das Mannsvolk ist zu klug, das laesst sich wohl durch Schmuecken,
Durch Frechheit, Stolz und Pracht so leichte nicht beruecken.
Je groeser eure Pracht; je kleiner ist ihr Trieb,
Und desto weniger gewinnen sie euch lieb.
Glaubt, desto staerker ist die Furcht vor euren Strahlen,
Sie denken, wer dich freyt, der muss nur immer zahlen;
Der muss, was er erwirbt, verdienet und gewinnt,
An deine Kleider=Pracht, du stolz und muessig Kind!
Mit heimlichem Verdruss und Schaden nur verwenden,
Und wohl noch gar darzu sein bestes Gut verpfaenden.
Sie glauben, welche sich dem Putz und Staat ergiebt,
Dass die auch Muessiggang und Fenster-Rahmen liebt.
Diess ist der Jungfern Schmuck, der sie gefaellig machet,
Wenn sie nicht frech und stolz und spoettisch spricht und lachet,
Nicht tadelsuechtig ist, und allen Umgang flieht,
Der sie von Tugenden und von dem Wohlstand zieht.
Keusch, freundlich, sittsam, klug, manierlich und bescheiden
Zu seyn, den stolzen Ernst und frechen Scherz zu meiden,
Der Wirthschaft nachzugehn, diess ziehrt die Jungfern mehr,
Als wenn des Coerpers Bau in Gold gekleidet waer;
Diess macht euch angenehm, gefaellig und beliebet,
Dass euch das Mannesvolk Herz, Ring und Vorzug giebet.
Du mein geliebt Geschlecht! Ihr Schoenen! saget mir,
Wenn nun des Braeutgams Hand die gruene Myrthen=Zier
Und Kranz vom Haupte reisst, ob das die Klugheit leidet,
Dass man auf dieses Fest so vieles Geld verkleidet,
Verschwendet und verzehrt, gar keine Mase haelt,
Und sich so praechtiglich der Welt vor Augen stellt?
Wodurch ihr euren Stand und euch in Schaden bringet,
So, dass ihr oefters drauf das Miserere singet.
Die Braut ist freylich wohl des Braeutgams Augen=Trost;
Doch wisse, da dein Freund zuerst um dich gelosst;
Da er dich kennen lernt, und dich oft angesehen,
Da er dich voller Fleiss im Hause sahe gehen,
Da er dich nett im Kleid, jedoch nicht praechtig fand.
Ward er nicht dazumahl in seiner Brust entbrand?
Hat damahls nicht sein Geist dich andern vorgezogen?
Und war dir bruenstiglich und inniglich gewogen;
Hat nun dein stolzer Putz die Liebe nicht erregt,
So wird sie wuerklich nicht erst jezt auf dich gelegt,
Da man dich stolz im Kleid und in gar theuren Spitzen,
Und Perl= und Steinen=Schmuck sieht an der Seite sitzen.
Da sich dein Braeutgam nun an deinem netten Kleid,
An deinem klugen Fleiss, und nicht am Pracht erfreut,
Weswegen wilst du dann bald die, bald jene Gaben,
Zu deiner Pracht und Zier von deinem Manne haben?
Was fehlt auch deiner Pracht, wenn dich dein Gatte ehrt,
Und liebt, und deine Ruh durch keine Kraenkung stoehrt?
Ist diess nicht ueber Schmuck und Kleider=Stolz zu lieben?
Bleibt denn der Ehstand auch ohn Truebsaal und Betrueben?
Nein! darum wendet nicht so viel auf Pracht und Staat,
So giebt der ueberfluss euch in dem Mangel Rath.
Ich weiss, man muss die Zeit bedaechtig unterscheiden,
Weil man sich jezo nicht wie ehmals pflegt zu kleiden;
Kein aufgeschliztes Wamst und Pluderhosen traegt,
Kein reiches Weib sich mehr in eine Schaube schlaegt.
Man richtet billig sich in Kleidung, Tracht und Moden
Nach den Lebendigen, nicht aber nach den Toden.
Deswegen glaub ich auch mit der gescheuten Welt,
Dass es nicht unrecht ist, wenn man sich traegt und haelt,
Wie es die Zeit befiehlt, und Stand und Rang verlanget,
Dass ein beruehmter Mann in Hollands=Tuechern pranget,
Mit netten seidnen Zeug und Leinwand sich bedeckt:
Sein Haupt in fremdes Haar nach feinster Mode steckt,
Worbey ein feiner Knopf die nette Kleidung zieret.
Ich tadle nicht, dass sich ein Weib geschicklich schnueret,
In netter Schlaefe Zier und saubrer Kleidung geht,
Und traegt was rein und schoen und wohlanstaendig steht.
O nein! ich tadle nicht, die klug und muntern Schoenen,
Dass sie Tabeens Art und Fleiss sich angewoehnen,
Dass ihre kluge Hand die Kleider kuenstlich neht;
Die Blumen und das Laub geschickt und artig dreht;
Wodurch sie Mahlern gleich den Laub und Blumen leben,
Durch Schatten und durch Licht durch Fall und Hebung geben.
Ich lobe, dass man sich durch seinen klugen Fleiss
In Kleidung mancher Art schoen auszuschmuecken weiss:
So wird der Haende Kunst bewundrend wahrgenommen,
Und kan zum Musterstueck auf Kindes=Kinder kommen.
Nur diess ist mir verhasst, nur diess ist aergerlich
Dass es bey dem nicht bleibt, dass mans so praechtiglich
An Seide, Silber, Gold stickt, neht und zubereitet,
Dass es mit Fuersten=Putz und Rang und Vorzug streitet.
Dass mans so kostbar macht, dass eine einzge Post,
Ein Kleid so vieles Geld, als zwey, ja viere kost.
Nur diess ist mir verhasst, kein Kluger wird es leiden,
Wenn schlechte Frauen sich in Fuersten=Trachten kleiden.
Wenn hier ein Adliches, dort ein Professors Weib,
Hier eine Kaufmanns=Frau den aufgeblassnen Leib
In Sammt und Hermelin und kostbar Pelzwerk schlaeget,
Das Koengen nur gehoert, das eine Fuerstin traeget.
Es hasst es die Vernunft, wenn sich ein Weibesbild
Vom Mittelstand und Gut in theuren Stof verhuellt,
Wenn sie mit Spitzenwerk aus Hollands Kraehmen prahlet,
Und um sehr hohen Preiss ein ganzes Stueck bezahlet;
Dass Hauptputz, Leib und Fuss und alles kostbar prangt;
Wenn eine Buergers=Frau das Theureste verlangt;
Wenn Handwerks=Weiber sich in Stof, Damast und Seiden,
Und Spitzen aus Braband, in Gold und Zobel kleiden;
Wenn eine Zofe hier, dort eine Kammer=Magd,
Mit fremder Mod und Tracht sich auszuschmuecken wagt,
Und nach den Groesten richt; wenn man, so man was siehet,
Sich auch um den Besitz und Eigenthum bemuehet;
Wenn man den ueberfluss in allen Sachen liebt,
Und nur fast taeglich Geld vor Staat und Hoffart giebt.
Diess ists, was die Natur, Vernunft und Tugend hasset,
Wovor ein Kluger stets den groesten Eckel fasset.
Ist jemand in der Welt an Glueck und Ehre gross,
Der gebe sein Gemueth zur Thorheit nicht so bloss,
Und tracht an Kleid und Schmuck und praechtigen Geberden,
Und Moden und Gepraeng nicht Fuersten gleich zu werden.
Es gaff ein Buerger=Weib, das sich von Frucht und Laub,
Von Holz und Leinewand, das sich vom Pfeffer=Staub
Und Schreiber=Sporteln nehrt, nicht nach den Adel=Frauen,
Und lasse sich nicht so in Staat und Moden schauen.
Ein jedes trage sich nicht ueber seinen Stand;
Es werde nicht zuviel auf Kleider=Pracht gewand,
Damit fein zierlich, schoen, nett, sauber, artig, reine;
Nicht aber voller Pracht ein Frauenbild erscheine.
Wie sehr veraenderlich ist nicht Fortunens Blick?
Zieht sie nicht oftermahls ihr freundlich Aug zurueck,
Und zeigt der stolzen Brut, dass ihre schoene Gabe
Die Unbestaendigkeit zur Mitgefaehrtin habe.
Was hilft mich denn der Stolz, wenn euch das Glueck verlaesst?
Was werden nicht alsdann vor Thraenen ausgepresst?
Was habt ihr dann vor Lob, wenn ihr an statt der Seiden,
Euch muest mit Leinewand und Wollen Zeug bekleiden?
Wie bald wird eure Pracht des Strohm= und Feuers=Raub?
So liegt der Abgott dann in Asche, Glut und Staub.
Der Pracht und ueberfluss, der Stolz die Hoffarts=Fahne
Bricht allezeit dem Fall und Untergang die Bahne.
Ein weiser Paulus spricht in seinem heilgen Brief
Der an Timotheum den theuren Lehrer lief,
Die Weiber sollen sich geschickt und zierlich kleiden;
Gold, Perlen, stolz Gewand und Pracht und Hoffart meiden.
Dieweil der Weiber Schmuck in Schaam und Zucht besteht.
Ein Weib das auf der Bahn der wahren Tugend geht,
Erwehlt sich diess zur Pracht, dass sie getreulich liebet,
Den Gatten nicht mit Fleiss durch irgend was betruebet;
Nicht trotzig widerspricht; zu rechter Stunde schweigt,
Den Irrthum und den Fehl ihm in der Stille zeigt;
Zu rechter Stunde redt, und hat sie was zu sagen,
Sich allezeit bestrebt, bescheiden vorzutragen;
Ihn im Beruf nicht stoehrt, hilft wo sie helfen kan;
Sieht ihn zur Zeit der Ruh mit holden Blicken an;
Und wenn sie auch mit ihm wie dort Rebecca scherzet,
So ist sie nur bedacht, dass sie ihn zaertlich herzet;
Sie liebt die Haeusslichkeit, und hasst den Muessiggang;
Sie haelt die Kinder nicht im tollen Sclaven=Zwang,
Doch fuehrt sie ihnen auch in ihrer Lust den Ziegel.
Ihr Tugend=-Wandel ist des ganzen Hauses Spiegel.
Ihr Amt verrichtet sie bedaechtlich, haeusslich, klug,
Und schadet keinen nicht durch Plaudern und Betrug.
Ist gegen jederman bescheiden, mild und guetig,
Flieht Hoffart, Pracht und Stolz, bezeigt sich eherbietig,
Sie hoert der Armen Noth, und dient nach Moeglichkeit,
Das Haus regieret sie mit Liebe, nicht mit Streit.
Kurz, ein vernuenftig Weib laesst dieses von sich lesen,
Sie ist des Mannes Lust und suesser Trost gewesen.
Den Kindern war sie stets ein wahres Mutter=Herz;
Und wem sie dienen kunt, ein Balsam vor den Schmerz,
Der Tugend Musterbild, der Haussgenossen Freude,
Der Laster steter Feind, der Menschen Augen=Weide.
Die Hoffart faellt mir jezt verwegen in das Wort,
Und spricht voll Unvernunft: ich sehe hier und dort
Ein Haus und Wohngemach von Hausrath und von Tuechern,
Von denen mich die Zahl und Zeichen vest versichern,
Es ruehre alles noch von ihren Eltern her.
Das Kleid und weise Zeug das sie, die Frau, und er
Der Mann am Leibe hat, das ist schon abgetragen.
Wie lange soll man sich mit solchen Kleidern plagen?
Also verraeth der Mund die lasterhafte Seel.
Jedoch ich hoere auch das Volk von Israel;
Wie es gar anders spricht: Was vor ein schoener Seegen
Erhielten wir vom HErrn auf unsern langen Wegen?
Es wurden unsre Schu nicht muerbe, schlaf noch alt;
Die Kleider wurden nicht verschabt noch ungestalt;
Der Hoechste wolte sie vor Riss und Moder schuetzen.
Wie froelich kan ich doch in meiner Wohnung sitzen!
Wie ruhig lieg ich doch in meinem Schlaf=Gemach!
So spricht der Hoffart Feind dem Saamen Jacobs nach.
Prangt meine Wohnung nicht mit lauter neuen Sachen,
Lass ich mir woechentlich nicht neuen Hoffart machen:
Bleibt Kleid und Hausgeraeth noch immer schoen und gut,
So freut sich des mein Geist, so bin ich wohlgemuth.
Ich schaeme mich des nicht, ich halts vor einen Seegen,
Vor einen Hermons=Thau und fetten Gnaden=Regen,
Dass meiner Eltern Schweiss noch brauchbar vor mir liegt;
Das mein erworbner Fleiss nicht wie der Staub verfliegt;
Dass mir wie Israel die Kleider nicht veralten:
Es zeigt darneben an, dass ich gut hausgehalten,
Dass ich die Sparsamkeit und Reinlichkeit geliebt,
Und meine Eltern sich darinnen auch geuebt,
Es ueberzeugt mich auch, dass noch kein Fluch gekommen
Der mir das Meinige geraubt und weggenommen:
Und dass kein boeser Wunsch auf meinem Hause ruht,
Der mein ererbtes Theil verzehret und verthut.
Lacht, hoehnet immerhin ihr stolzen Mode=Narren;
Ich wehle diesen Ruhm, und lass euch gern die Sparren.
* * *
Steh auf Herodotus! und gieb die Ursach an,
Warum in Persien des groest= und reichsten Mann,
Sein Schaedel und sein Haupt sich also muerbe zeiget,
Da der Egypter Haupt der staerkste Schlag nicht beuget?
Ich weiss warum. Mir faellt die Ursach jetzo bey:
Der Buerger an dem Niel veracht die Leckerey
Und Wollust im Getraenk, in Speisen und in Essen,
Und hat die Zaertlichkeit bey seinem Thee vergessen.
Er flieht den leckerhaft und delicaten Schmauss,
Und haertet seinen Leib durch Wind und Hitze aus.
Die Welt duenkt sich so klug, und scheut die Kranckheits=Buerde,
Damit der Glieder=Bau nicht hart gedruecket wuerde;
Sie fuerchtet Fieber, Brand, Geschwulst und Beul und Pest,
Worbey sie in der Noth sich auf den Artzt verlaesst.
Und gleichwohl ist der Mensch an seinen Schmerz und Plagen
Die er an Haupt und Fuss und Leibe muss ertragen,
Nur selber Schuld daran; floeh er die Zaertlichkeit,
Und gaeb dem Munde nicht so viel Gelegenheit,
Mit leckerhafter Kost und feurigen Getraenken,
Die China, Africa und Spanien uns schenken
Den Magen, Leib und Sinn gleich einer vesten Stadt,
Die gar ein feindlich Heer vor ihren Mauren hat,
Zu stuermen, und die Burg des Leibes zu belagern;
So wuerden viele nicht verdorren und vermagern.
Sie Saefte wuerden nicht verzehret und verbrennt;
Stein, Gicht und Podagra, und was man schmerzhaft nennt,
Den Kopf=Weh, Mattigkeit und des Gebluetes wallen
Wird keinen Maessigen so leichtlich ueberfallen.
Wie ruhig und vergnuegt lebt ein vernuenftger Mann,
Der seinen Lecker=Mund und Magen zwingen kan.
Betracht des Bauers=Mann und stolzer Herren Kinder,
Ist nicht die erste Art weit staerker und gesuender?
Geniesst das zarte Kind nicht groessre Staerk und Lust
Durch seiner Mutter Milch, als von der Huren Brust?
Ein Stueckgen Brod, ein Trank von Gersten giebt mehr Kraefte,
Als alles Zuckerwerk und leckerhafte Saefte.
So wird das zarte Kind von Jugend angewoehnt,
Dass es sich nach der Kost der geilen Eltern sehnt;
Was Wunder wenn hernach die Laster sich vermehren,
Die das erworbne Gut durch Zungen=Lust verzehren.
Wie gluecklich ward nicht da das Volk am Tieber=Strohm,
Da Buergermeister noch die ganze Welt und Rom
Geschickt regiereten. Da man Gesetze gabe, (h)
Dass Rom die Maessigkeit zum Augenmerke habe.
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