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Editorial
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.
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Die von denen Faunen gepeitschte Laster
S >> Sidonia Hedwig Zaeunemann >> Die von denen Faunen gepeitschte Laster Pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 This etext was prepared by Jutta Tragnitz,
Die von denen Faunen gepeitschte Laster
Aufgefuehrt von Sidonia Hedwig Zaeunemannin,
Kayserlich gekroenter Poetin.
Franckfurt und Leipzig / Bey Henrich Ludwig Broenner, 1739.
Gott / der vernuenftigen und tugendhaften Welt,
widmet diese Blaetter die Verfasserin.
Vorrede.
Geehrter Leser!
Meine Muse, welche von dem siebenstuffigten Rohr verschiedener
Wald=Goetter aus ihrem fast jaehrigen Schlaf unverhoft erweckt
worden, leget dir anjetzo eine ziemlich starcke Satyre vor, und
giebt dir zugleich das Recht, daraeber zu critisiren und zu richten.
Eine Satyre! wirst du sagen: Dieses ist ja ein solches Stueck, das
nicht allein viel Geschicklichkeit erfordert; sondern, was noch mehr
ist, nach aller angewandten Muehe und Fleiss, Hass und Verdruss zum
Lohn bekoemmt. Du wirst meinen, ich haette lieber ein Lob=Gedichte
abfassen, zaertlich, galant and vortreflich schmeichlen, als einen
kuehnen Satyr nachspielen sollen.
Du hast recht, mein Leser! dass zu einer vernuenftigen Satyre viel
Kunst erfordert wird. Dieses hat mich auch bisher von solchen
Arbeiten abgeschreckt. Allein wer nichts wagt und versucht, der
bleibt immer in seinem Irrthum, und lernet nichts. Ich habe es
dahero einmahl versuchen wollen, ob meine Muse auch zu solchen
Schriften geschickt sey. Ich stelle sie also, wie Apelles seine
Gemaehlde oeffentlich der Welt vor die Augen, und erwarte hierueber
das Urtheil vernuenftiger und aechter Kenner der Poesie, um mich,
wo ich hier und da, oder allenthalben gefehlt, kuenftig zu bessern,
und geschickter zu machen.
Es ist auch wahr, dass ein Lob=Gedicht sehr liebreich aufgenommen
wird; dahingegen eine Satyre, wenn sie auch noch so schoen
gerathen ist, dennoch nichts als unfreundliche Gesichter nach sich
zieht, und gleiches Schicksal mit einem hellen Spiegel hat, der
denen eitlen Gesichtern ihre Flecken und Runzeln zeiget, und
desswegen wohl nicht selten hinweg geworffen wird; obgleich die
Schuld nicht an ihm liegt, dass sich die hessliche Gestalt nicht besser
in ihm vorstellt, als sie wuercklich von Natur gebildet ist.
Allein, ich habe bishero gelobt, ich habe geruehmt was zu ruehmen
war. Nun muss ich auch in Strafen eine Probe machen, und ueber
diejenigen Stuecke einen Hass bezeigen, an welchen zu allen Zeiten
die tugendhafte Welt einen Abscheu gehabt hat. Ja ich glaube, dass
ich hierinnen, wo nicht politischer doch tugendhafter handle, wenn
ich eine Satyre schreibe, die die Haesslichkeit der Laster zum Objekt
hat; als wenn ich ein falsches Lob Gedichte abfasste, von welchem
man sagen koente, ich haette ueber dessen Verfassung nothwendig
erroethen, und die Wahrheit manchen Schwerd=Stich durch ihre
Seele geben muessen.
Und was wilst du denn von mir mehr haben? Mein Leser! ich lege
dir ja in dieser einfachen Arbeit, ein gedoppeltes Stueck, nemlich
eine Satyre, da ich die Laster strafe; und ein Lob=Gedichte, da ich
die guten Sitten den Lastern entgegen setze, und die Tugenden,
nebst ihren Besitzern lobe und erhebe, vor die Augen!
Ich tadle die Unarten der Menschen: Dencke also nicht Mein Leser!
dass ich von Personen schreiben und dieselben durchziehen, viel
weniger mich an meinen Feinden oder Spoettern raechen, und sie auf
den Schau=Platz stellen werde. O nein! Spoettern und Feinden
mache ich das Vergnuegen nicht, ihren Thorheiten zu gefallen, eine
niedertraechtige und wieder die Religion und Philosophie streitende
Seele anzunehmen, und den Character eines vernuenftigen Satyrici
hierdurch zu ueberschreiten, welcher darinne besteht, dass man nicht
Personen, oder natuerliche Gebrechen, davor niemand als die Natur
kan, sondern lasterhafte und strafbahre Handlungen, und solche
wiederum nicht etwan auf eine unhoefliche, sondern auf eine
ueberzeugende, sinnreiche und beisende Art vorzustellen, und zu
bestrafen bemueht ist. In wie weit ich dieses letztere getroffen, das
werde ich zu meiner kuenftigen Verbesserung von Kennern hoeren,
und mit dem groessten Danck annehmen.
Ich habe demnach zum Object meiner Satyre nichts anderes als die
im Schwang gehende Laster, und die unartigen Handlungen derer
meisten Menschen genommen. Es sey ferne! dass ich von allen und
jeden reden, und das ganze menschliche Geschlecht, wie man im
Sprichwort sagt, in eine Bruehe werffen solte! O nein! der Acker
dieser Welt traegt auch noch guten Weizen, so haeufig auch das
Unkraut darzwischen waechst. Ich tadle nicht den Gebrauch
verschiedener Sachen; sondern den Missbrauch. Ich haette auch wie
bekannt, von noch weit mehrern Lastern und Missbraeuchen
schreiben koennen; allein die Zeit, und die Betruebniss ueber den
toedtlichen Hintrit meiner seel. Frau Mutter hat mich davon
abgehalten.
Die meisten Menschen, und sonderlich das Frauenzimmer, haben
den ueblen Gebrauch, dass die sich bey muesigen Stunden ueber
anderer Menschen von beyderley Geschlecht, oefters gar geringen
Schwachheiten, Moden, Geberden, Gebraeuchen und Handlung
aufhalten. Um nun solchen Menschen, und besonders meinem
Geschlechte mich gleich zu stellen, und nur von ihnen keinen
Vorwurff machen zu lassen; so will ich mich auch allhier ueber
andre Menschen, und zwar, damit kein Geschlecht zuernen darf, so
wohl ueber die Mannes=Personen, als ueber das Frauenzimmer; doch
nicht auf eine poebelhafte, niedertraechtige und kindische Art;
sondern so viel mir moeglich, auf eine ernsthafte Weise, in
nachstehenden Zeilen moquiren.
Betrachtest du also, Mein Leser! diese Schrift, und du bist
tugendhaft, so wirst du mit meinen Gedancken uebereinstimmen, und
desswegen keinen Hass und Zorn auf mich werfen. Bist du aber mit
ein oder den andern Lastern behaftet, so zuerne nicht ueber mich.
Was wilst du ueber den Spiegel, der dir deine Flecken zeigt, und
ueber den Meister, der ihn geschliffen hat, boese werden. Schaeme
dich deiner dir selbst gemachten Flecken, und werde ueber deine
muthwillige Unarten boese.
Du kanst dich an mir nicht besser davor raechen, als wenn du deine
Thorheiten ablegest und dich besserst, und mir hernach, wie
diejenigen, die warhaft tugendhaft sind, gewogen wirst und bleibst,
als warum ich dich und alle Menschen freundlich ersuche.
* * *
Auf einmahl reget sich der fast erstickte Trieb;
Das, was ich sonst gescheut, gewinn ich jetzo lieb;
Das, was ich bloss aus Furcht, es moechte nicht gelingen,
Bissher zurueck gesetzt, das will ich jetzo singen.
Caliope! dein Rohr, dein sanftes Sayten=Spiel,
Das mich bezaubert hielt, und Goettern wohlgefiel,
Mag dort im Winkel ruhn: ein Satyr laesst sich spuehren.
Der soll an deiner statt mich auf den Pindus fuehren.
Ihr Goetter! die ihr sonst so grass und hesslich seyd;
Vor deren Gegenwart das Frauen=Volck sich scheut,
Und schuechtern lauft und flieht, als ob ein Moerder kaeme,
Der ihnen mit Gewalt Kranz, Schmuck und Leben naehme.
Ihr seyd jetzt meine Lust und liebstes Augenmerk.
Hier habt ihr meine Hand, kommt! fuehrt mich auf den Berg,
Wo Phoebus und sein Volk im Lorbeer-Walde tanzen.
Kommt! lasset mich durch euch mein Glueck bey ihnen pflanzen.
Sezt eure Fuesse nett, und lasst mich heute sehn,
Ob ihr so kuenstlich springt, wie ehemahls geschehn.
Spielt nur so gut ihr koennt, auf Pfeiffen oder Floethen.
Ihr duerft, weil ihr schon roth, euch nicht dabey erroehten.
Auf! macht mir eine Lust! und auch dem Musen=Fuerst;
Und singt der Welt zu Trutz, die schon die Zaehne knirst.
Au! Weh! was seh ich dort? Mein Wahn hat nicht gelogen,
Ein grau Gewitter koemmt mit Blitz und Knall gezogen.
Die Luft verfinstert sich, die Sonne buesst den Schein,
Die Erde den Gesang der Luft-Sirenen ein.
Das Vieh lauft hin und her, es schreyt, es bebt, es zittert,
Es suchet Zweig und Schutz, dieweils so grausam wittert.
Die Erde bebt und kracht; die Berge wancken fast,
Und machen sich zum Fall mit ihrer Pracht gefasst.
Die Donner rollen fort, und bruellen aus dermasen,
Als wolten sie der Welt zum Untergange blasen.
Nun borst die Wolk entzwey, und laesst auf einmahl loss,
Was sie mit harten Zwang bissher in ihren Schooss
Und Leib getragen hat; wodurch es leyder! kommen,
Dass Donner, Blitz und Furcht den Erdkreiss eingenommen.
Was aber faellt denn wohl aus Wolk und Luft herab?
Wie? ists ein gueldner Thau den dorten Hammon gab?
Sinds Fische, die sich hier in dieser Fluth bewegen?
Es ist ja, wie mich duenkt kein schlecht, gemeiner Regen.
Solls Ungeziefer seyn, das Feld und Wald vergift,
Und Schaden und Verderb auf Berg und Wiesen stift?
So ists: jedoch weit mehr: es ist ein Menschen=Regen.
Komm Pluto! komm und sieh! o welch ein schoener Seegen!
Empfande Jupiter Angst, Schmerzen, Quaal und Noth,
Als seine Stirn erhitzt, und als ein Feuer roth,
Und aufgeblasen war, eh Pallas raus gesprungen;
Was Wunder, wenn diess Heer die Wolke so gedrungen,
Und ihr so grosse Quaal und Unruh hat gemacht,
Biss sie durch Knall und Blitz diess Unheil fort gebracht.
Wer muss ihr Anherr seyn? wie sind sie denn gestaltet?
Wie der, so Phrygien bey gueldner Zeit verwaltet.
Nicht anders; Midas muss ihr Aelter=Vater seyn.
An Ohren sieht mans ja; die Werke stimmen ein.
Ein Volk, das an Verstand den schwachen Kindern gleichet.
An Bossheit aber kaum dem Teufel selber weichet.
Diess Volk bedeckt die Welt; der Bart womit es prangt,
Zeigt gnug, wie viel es schon an Kraft und Staerk erlangt.
Ja Kraefte in der Faust; nicht aber im Gehirne,
Mit Runzeln waechst zugleich die Bossheit in der Stirne.
Steig alter Midas! steig! aus deiner schwarzen Gruft,
Hoer! wie dein edles Volk so sehnlich nach dir ruft,
Vernimm wie treu es dich auch nach dem Tode liebet,
Und deinen weisen Spruch noch taeglich von sich giebet.
Sieh! wie sich dein Geschlecht so wunderbar vermehrt,
Wie hoch es dich erhebt, wie sehr es dich verehrt.
Diess dein erhitztes Volk verbietet den Poeten,
Dass sie auf ihren Rohr und nettgestimmten Floethen
Nichts singen, das nach Kunst und Sitten=Lehre schmeckt,
Und wie Apollo dort der Goetter Gunst erweckt.
Die Warheit will man nicht in ihren Schriften dulden,
Man straft und richtet sie ohn billiges Verschulden.
O wundert euch mit mir! dass viel so sinnreich sind,
Und in den Schoeppen=Stuhl der Advocaten Wind
Und ihren Spoetter=Kiel, den Gegner zu beschimpfen,
Die Fehler der Persohn, das Mund= und Nase=Ruempfen,
Gang, Kleidung, Jugend=Lust, und was dergleichen mehr,
Mit ganz gelassenen und froehlichen Gehoer,
Und laechlender Gestalt so klug vertragen koennen.
Sie leiden ohne Scheu dass zwey zusammen rennen;
Und wenn auch der Client aus Wehmuth und Verdruss,
Wohl zwanzig Bogen mehr als sonsten zahlen muss.
Diess ist noch nicht genug; es wundere sich ein jeder,
Wenn das erhitzte Blut auf Schulen und Catheder
Sich unbescheiden zankt, und von dem Hauptzweck geht,
Aus Neid und Tadelsucht den Gegner beisend schmaeht,
So hoert man munter zu, und laesst sich unbekuemmert.
Schreibt aber ein Poet, wie sich die Welt verschlimmert,
Und wie das Laster waechst, so sieht man scheel darzu,
Und laesst aus tollen Neid dem Dichter keine Ruh
Ob Orthodoxen schon sich auf den Schau=Platz stellen,
Und durch den scharfen Kiel die Feinde gluecklich faellen,
Wie mancher Philosoph, wie mancher Moralist,
In dem ein reines Feuer, Verstand und Weissheit ist,
Hat von der Sitten=Kunst satyrisch gnug geschrieben,
Und dennoch sind sie stets in Ruh und Fried geblieben.
In Prosa fluchet man der Sitten=Lehre nicht;
Die arme Poesie wird ohn Verhoer gericht.
Ein Redner, ein Poet steht in gelehrten Orden,
Und beyde sind schon laengst zu Moralisten worden.
Ein jeder ehrt und liebt die Regeln der Natur;
Ein jeder folget ja der Tugend Licht und Spuhr,
Und zeigt die Laster=Bahn, und sucht der Welt zu nuetzen.
Allein der Dichter kan fast niemahls ruhig sitzen.
Zu dieser tollen Art und frecher Seltenheit,
Giebt der belebte Reim wohl nicht Gelegenheit;
Nein, sondern die Vernunft ist noch nicht ausgeheitert,
Weil sich der Weissheit Licht in ihnen nicht erweitert,
Weil sie die Tugend nie in ihrem Glanz erkannt;
Weil sie die meiste Zeit auf Trug und List verwandt;
Weil ihres Vaters Geist auf ihnen zweyfach lieget,
Ich meine, Midas Sinn, der sie so hoch vergnueget;
Ja seines Hauptes Schmuck, den sie zugleich geerbt,
Hat dieses Volkes Geist verfinstert und verderbt.
Da nun so Herz als Sinn und Ohr und Mund verdorben,
Und Tugend und Vernunft in ihrer Brust erstorben,
Was Wunder? dass diess Volk Satyren hasst und scheut,
Und deiner Sitten=Lehr mit Fluch und Grimme draeut.
O! dass doch Knall und Blitz diess Volck herab gesendet,
Das Klugheit und Vernunft in Dichter=Schriften schaendet!
Wo ist die alte Zeit, in der die Dichtungs=Kunst,
Von grossen Koenigen, mit hoher Huld und Gunst
Und Preiss belohnet ward? Die Tage sind verschwunden,
Da man auch Dichter noch am Kayser=Tisch gefunden.
Augustus blieb ein Held der alle Welt bezwang,
Obgleich Virgilius an seiner Tafel sang.
Ward auch die Majestaet durch diese That verletzet?
Weil er die Dichterkunst vor andern hoch geschaetzet.
Des Nero Grausamkeit loescht doch den Ruhm nicht aus,
Dass er in seiner Brust ein wuerdig Musen=Haus
Bey seinen Thron erbaut. O! kaem die Zeit zuruecke,
Da Barbarossens Hof, so Gnaden=volle Blicke
Den Dichtern zugewandt! die von der Helden Schweiss,
Von ihren Loewen=Muth, Geschicklichkeit und Fleiss,
Wenn sie vor Staat und Reich, so treu sie nur vermochten,
Gerahten und gesorgt, mit Arm und Schwerd gefochten,
Gesungen und erzehlt: damit die neue Welt
Davon ein Beyspiel naehm, der kein Poet gefaellt.
Wo bleibt jetzt Carolus der Eilfte der Franzosen?
Der selbst durch diese Kunst mit schoenen Ehren=Rosen
Die Dichter ueberstimmt. Alfondus Kron und Macht,
Der England Seegen gab, erhebet ihre Pracht,
Und singt und spielet selbst. Waer Carl (a) noch jetzt auf Erden,
So wuerd auf seinem Wink manch Lied gesungen werden.
Ihr nahmt der Dichter Glueck und Preiss mit euch ins Grab.
Bey eures Scepters Rest liegt unser Ehren=Stab
Vergraben und verdeckt. O! koenntet ihr erwachen,
Und uns, wie Reich und Volk beglueckt und herrlich machen!
Wo sind die Damen hin die Barbaros gekannt,
Die man mit Fug und Recht der Fuersten Zier genannt?
Verehrte nicht ihr Ohr geschickte Helden Lieder?
In welchen der Poet des Tapfern Herculs Brueder,
(Die Prinzen, die im Feld ein blutges Leder=Kleid,
Ein todt gehaunes Ross und Wahlstadt nicht gescheut;
Die Fuersten, die ihr Volk mit Billigkeit regieret,
Und mit Gerechtigkeit und Huld den Stab gefuehret,)
Der Ewigkeit geweyht, zum Beyspiel vorgestellt,
Und angepriesen hat. O! moechtet ihr die Welt
Mit eurer dunkeln Gruft, ihr Damen! jetzt vertauschen,
An manches Fuersten Hof und Prinzens Kammer lauschen!
Ihr wuerdet Wunder sehn, wie man der Dichtkunst spott,
Und ihr Gedaechtniss fast aus Geist und Seele rott.
Wo fragen Damen jetzt nach alter Prinzen Thaten,
Ob auch ihr Regiment, und Feldzug wohl gerathen?
Homerus Helden=Lied weicht jetzt dem schnoeden Reim
In dem Secundens Kiel der Liebe Honigseim
Natuerlich abgemahlt. Banisens Flucht und Lieben
Ergoetzt jetzt mehr als das, was Seneca geschrieben.
So giengs vor Zeiten nicht. Witz und Geschickligkeit
War damahls wie man weiss, der Dame schoenstes Kleid
Und groester Ehren=Schmuck; Tholusa laesst uns lesen,
Wie edel ihr Verstand, und Urtheils=Kraft gewesen.
Der Aquitaner Volk war, wie gesagt, auf Ehr
Und Ruhm und Glanz bedacht; und suchte nichts so sehr,
Als sich durch Tapferkeit und Weissheit aufzuschwingen,
Und in die Ewigkeit vor andern einzudringen.
Die Alleredelsten und Groesten an Vernunft,
Verbanden sich daher und schlossen eine Zunft,
Worbey der Vorsatz war, die Thaten ihrer Helden
In Liedern schoener Art der Ewigkeit zu melden.
Wer sich von ihren Volk auch sonst hervor gethan;
Wer im Turnier gesiegt und auf der Ehren=Bahn
Den hoechsten Preiss erkaempft; dem pflegten sie in Schriften
Ein Denckmaal seines Ruhms auf gleiche Art zu stiften.
Ja wer sich um das Reich und Volk verdient gemacht,
Wer vor des Landes Ruh, der Buerger Wohl gewacht,
Dem suchte ihre Hand in herrlichen Gedichten
Ein koestlich Ehren=Maal und Lob=Lied aufzurichten.
Ein jeder dieser Zunft versuchte voll Bemuehn,
Durch ein geschicktes Lied den Preiss an sich zu ziehn,
Warum? sie wehlten sich, wer moechte nicht gewinnen?
Das holde Frauenvolk zu ihren Richterinnen.
Da war der Damen Geist mit Weissheit ausgeschmueckt;
Da ward der Preiss durch sie dem Wuerdigsten geschickt,
Der sich in Kunst und Fleiss vor andern angegriffen,
Und am geschicktesten auf Blat und Rohr gepfiffen.
Der Damen kluger Geist sah reif= und weisslich ein
Dass Dichter rechter Art nicht blose Schwaetzer seyn;
Ihr Sinn forscht weiter nach, und straft mit Witz die Laster,
Erhebt die Tugenden, und zeigt wie man aufs Pflaster
Des Wohlstands treten soll; wie man die Seele nehrt,
Und sich durch Wissenschaft und Fleiss vom Poebel kehrt;
Wie man das hoechste Gut der Seelen=Ruh erlanget,
Und durch den Ehren=Kranz am Sternen=Himmel pranget;
Wie man, wenn andre hier im Welt=Getoese sind,
Dort in der Einsamkeit die groeste Anmuth findt.
Wer kan uns wohl anjetzt viel kluge Damen nennen,
Die von der Poesie ein Urtheil faellen koennen?
Ach leyder! ist bekant, dass man jetzt wenig findt,
Die von so hohen Geist, als wohl von Herkunft sind.
Warum? Die Zaertlichkeit laesst sich zu nichts mehr zwingen;
Was thun die Haende mehr als dass sie Knoetgen schlingen.
Die Feder wird gewiss, so leicht nicht angesetzt;
Wenn nicht ein Liebes=Brief zuvor das Aug ergoetzt,
Den Geist entzuendet hat; wer wolte sonst was schreiben;
Man kan sich schon die Zeit auf andre Art vertreiben.
Ein lustig Karten=Spiel vergnuegt die Brust weit mehr,
Als wenn man Tag und Nacht in Buechern fleissig waer;
Ja steht auch diess nicht an, das Muethgen abzukuehlen,
So laesst man nur im Bret und auf der Dame spielen.
O! solten wir den Preiss jetzt von den Damen sehn,
Wie wuerd es doch so kahl um Sieg und Vorzug stehn?
Zwar kan ein Dichter noch zuweilen diess geniessen,
Dass Augen voller Gnad auf seine Blaetter schiessen;
Allein er nehme sich mit seinen Kiel in acht,
Denn wer nicht schmeicheln kan, wird billig ausgelacht.
Der Lea must er nur die schoensten Augen geben,
Und Ahitophels Rath als Jethro Spruch erheben.
Er tadle Nathans Wort, dass er so frey geredt,
Und seinem Koenige voll Glanz und Majestaet
Nichts nachgesehen hat. Wo wird nach Buerger Sitten,
Der grossen Fuersten Lust und Handlung zugeschnitten?
Dem Ahab leg er ja die kluegste Einsicht bey,
Dass nichts als Billigkeit in seinem Urtheil sey;
Die Flecken such er fein mit Farben zu bestreichen,
Und eine Jesabel der Sara zu vergleichen.
Er schmuecke alles schoen, und was ein Joab schaft,
Das nenn er fromm und treu, gerecht und tugendhaft.
Er darf sich nicht darbey gewissenhaft Geberden,
Vielweniger beschaemt vor einer Luege werden.
Huellt er diess alles nun in nette Kleidung ein,
So kan das Wiedergelt ein Gnaden=Blickgen seyn.
Doch nur allein vors Blat; sonst hat er nichts zu hoffen.
Zwey Menschen steht ein Weg zu gleichen Schicksaal offen;
Doch suchen sie umsonst: Ein Dichter und Chymist,
Weil einer so ein Narr als wie der andre ist.
Die Dichtkunst bleibt nicht nur ein Stief=Kind stets vom Gluecke,
Ihr Lohn sind noch darzu der Missgunst Feuer=Blicke,
Absonderlich wenn sich das Frauen=Volk bemueht,
Und nach der Musen Art die Sayten kuenstlich zieht.
Da sieht man Hass und Neid sich auf den Schau=Platz stellen;
Sie borgen von dem Hund das ungezaehmte Bellen;
Sie knirschen mit dem Mund wenn unsre Lorbeer bluehn,
Und suchen uns den Ruhm durch Laestern zu entziehn.
Der Ehre stoltzes Schif wird als vom Wind bestuermet,
Mit giftgen Schaum umringt, von Wellen aufgethuermet,
Um seinen schnellen Lauf nur Einhalt bald zu thun.
Ihr Toben laesst sie nicht bey unsern Siegen ruhn.
Der Neid, das Ungeheur das sich doch selber quaelen
Und endlich fressen muss, wohnt in so vielen Seelen,
Die toben wider uns, wenn irgend unser Geist,
Ein Philosophisches und Dichter=Feuer weist.
Ihr dummer Hochmuth meint, wir duerften mehr nicht lesen,
Als nur wer Ismael und Moses Weib gewesen,
Wie dort Rebeccens Hand mit Isaacs Baarte scherzt,
Wie Hiob allen Hohn von seiner Frau verschmerzt.
Des Salomonis Spruch und Syrachs Sitten=Leben
Waer uns, nur Seneca und Plato nicht gegeben.
Blieb uns Sanct Paulus nur bekannt und offenbar,
So waer es schon genug: Uns gienge Pallas Schaar
Und Phoebus gar nichts an. Wir haetten gnug zu singen,
Die zarten Kindergen in Schlaf und Ruh zu bringen.
Zwirn, Nadel, Flachs und Garn, die Kueche und der Heerd
Waer nur vor uns bestimmt; nicht aber Kiel und Schwerd.
Der Maenner Eigenthum sey Feder, Buch und Waffen;
Nur ihnen waer allein ein Loewen=Herz erschaffen.
Gar recht! ihr bruellt zu Haus so arg als Loew und Baer.
Wie feurig, wie ergrimmt lauft ihr oft hin und her?
Ihr meint die Tapferkeit sey euch nur angebohren.
Ihr habt so manchem Glass, o That! den Tod geschworen.
Ihr nennet euch beherzt; ihr kaempftet ritterlich;
Ich widerspreche nicht, denn dieses zeiget sich
Im Krieg, wo Cypripor der Venus Feldherr worden.
Ihr sagt: Die Wissenschaft waer nur dem Maenner=Orden
Vom Schoepfer zugedacht: Ihr muestet nur allein
Beherrscher ueber Buch, und Kunst und Federn seyn.
Was vor ein toller Wurm hat euren Kopf durchfressen,
Dass ihr euch nur allein diess Recht sucht beyzumessen?
Der Schoepfer hat uns ja mit gleichen Geist bedacht,
Und gleiche Seelen=Kraft und Triebe beygebracht.
Wie solten wir denn nun diess theure Pfand und Gaben
Um euren Eigensinn zu folgen, gar vergraben?
So wahr Minerva lebt! so soll es nicht geschehn,
Dass wir auf euer Wort der Musen Dienst verschmaehn.
Jemehr die Missgunst rasst, und wider uns sich setzet;
Jemehr der Neid auf uns ergrimmt die Zaehne wetzet;
Jemehr das Mannes=Volk aus toller Eifersucht
Auf unsre Wissenschaft, Kunst, Fleiss und Feder flucht,
Jemehr soll unser Geist das Chor der Musen lieben,
Jemehr wird untersucht, je mehr wird aufgeschrieben.
Wir sind dem Palm=Baum gleich, der sich gen Himmel schwingt,
Jemehr man Druck und Last auf seine Zweige bringt.
Ein kluges Weibes=Bild das auf was hohes sinnet,
Buch, Kiel und Rohr ergreift,und Phoebum lieb gewinnet;
Der Warheit Grund erforscht; den Geist in Schriften uebt,
Stellt bey dem ersten Kuss, den ihr Apollo giebt,
Sich gleich die Eifersucht, die Missgunst und das Schmaehen
Der dummen Maenner fuer. Wer dieses nicht will sehen,
Wer diess nicht leiden kan, der lege nur bey Zeit,
Die Lust zur Wissenschaft, Buch, Kiel und Rohr beyseit.
Der Hass wird gleich erweckt so bald die Floethen klingen,
Und wir nach Musen Art mit unsern Lippen singen.
Wie oftmals hab ich nicht aus Unmuth und Verdruss,
Weil man so viel Geplaerr und Narrheit hoeren muss,
Manch schoenes Tage=Werck in tausend Stueck zerrissen,
Und Phoebens Lauten=Spiel in Winkel hingeschmissen.
Nur neulich nahm mich noch der feste Vorsatz ein,
Ein Feind der Poesie biss in die Gruft zu seyn.
Allein der jaehe Schluss ward bald zurueck getrieben;
Wie koent ich das verschmaehn, was kluge Leute lieben?
Man schweige gaenzlich still; man tadle Midas Sohn,
Man lobe Mavors Kind, man findet gleichen Lohn.
Man mag die Tugend schoen, die Laster hesslich schelten,
Der Danck ist einerley; wir muessens doch entgelten.
Wer Tugend und Vernunft an allen Menschen liebt;
Die Weissheit ehrt und schaetzt, der Warheit Beyfall giebt,
Sich niemahls scheel dazu, wenn man Satyrisch dichtet,
Und auf die ueble Zucht die schaerfste Hechel richtet.
Ist jemand Nabals Art, an Geld und Bossheit reich,
Der bleibet doch verstockt es gilt ihm alles gleich.
Kan ich die Narren nicht durch sanfte Lieder ruehren,
Ey! So versuch ichs jetzt durch beissende Satyren!
Der Vorsatz ist gefasst, die Floethe ist gestimmt;
Was frag ich nach dem Neid, der sich schon windt und kruemt.
Ich singe von der Welt und von verderbten Sitten:
Mein Satyr hat sich schon ein neues Rohr geschnitten.
* * *
Da noch die Erde stund; die Sonn im Cirkel lief;
Da man den tapfersten zum Regiment berief;
Da Helden aus der Schlacht durch ihre Kunst im Siegen,
Den hoechsten Fuersten=Stuhl, und Koenigs=Thron bestiegen;
Da man den Adel nicht nach sechzehn Ahnen mass,
Und den nur adlich hiess der Tugenden besass,
Der sich nur durch sich selbst Glanz, Ehr und Ruhm erworben,
Dem Vaterland zu Nutz gelebt und auch gestorben.
Da man den Wuerdigsten zum Landes=Vater nahm,
Ob er schon nicht vom Blut gekroenter Prinzen kam;
Da man aus Liebe nur zu solcher Zeit die Braeute,
Nicht aber nach Geburt und Tonnen Goldes freyte;
Da mancher Fuerst im Thor und im Gerichte sass,
Die Klagen selbst vernahm, und erst das Urteil lass
Eh er es unterschrieb; da Fuersten das genossen,
Was sie durch Fleiss gezeugt, und durch die Faust geschossen,
Da eine Gasterey aus Honig, Wein und Bier,
Aus einem guten Kalb, nebst einem fetten Stier
Und Kuchenwerck bestund; da man noch Fuersten Frauen
Bey ihrer Maegde Fleiss und Arbeit konte schauen;
Da man wie Jacob dort wohl ganzer vierzehn Jahr
Um eine Braut gedient, die schoen und haeusslich war.
Da man mit Eyden nicht als wie mit Blumen spielte;
Und was man zugesagt, bey Treu und Glauben hielte;
Da noch die Tapferkeit in Thiere Haeute kroch,
Und man im Felde nicht nach Mehl und Biesam roch;
Da man ein schlechtes Kleid statt seidner Stofe fuehrte,
Und ein gestickter Rock nur Koenigs=Kinder zierte,
Da war noch gute Zeit; da bluehte Volk und Staat;
Da fand der Landmann Trost; da fand der Buerger Rath,
Und jeder Schutz und Recht; da duerfte man nicht klagen,
Dass die Gerechtigkeit zu Grabe sey getragen.
Kein Reicher ward geprest, kein Landmann arm gemacht,
Die Waysen wurden nicht um Geld und Guth gebracht.
Da gieng die Redlichkeit durchaus in vollem Schwange?
Weil Mein und Dein noch nicht die naechsten Freunde drange.
Da ward der Eltern Schweiss nicht freventlich verprasst;
Verschwendung war so sehr als wie der Geitz verhasst;
Da pflegte man sich noch in reine Keuschheits=Seiden,
Und nicht in Wollusts=Schmuck und Hoffart einzukleiden.
Ein jeder hatte sich nach seinem Stand geschmueckt.
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