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Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

Das hohe Ziel der Erkenntnis

O >> Omar Al Raschid Bey >> Das hohe Ziel der Erkenntnis

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*

Dein Urteil wertet den Gegenstand.
Was von Geschehen oder Dingen dir gleichgueltig oder wertvoll
erscheint, was zweckmaessig oder ziellos, unwiderleglich oder fraglich,
vergaenglich oder ewig, Zufall oder sogenanntes Gesetz--alle
Wahrnehmung und Eigenschaft, unmittelbare Gewissheit oder blosse
Benennung--alles ausser dir Erscheinende ist aus dir hinausverlegte
Vorstellung--sinnlich gewordene Ent-gegnung seelischer Bewegung in
dir, Ausdruck deiner Anteilnahme, deiner Wertung, Abschaetzung, Mass
deines Verlangens--Widerschein deiner selbst.
Die ganze Welt ausser dir ruht auf Verlangen in dir--
einheitliches Verlangen vom ur-teilenden Ich als eigener Zustand oder
als fremder Gegen-stand auf gefasst. Verlangendes Urteil--urteilendes
Verlangen in dir ist weltzeugende Kraft--aus dir gezeugte
UEberzeugung--du selbst.
In dir ist Ur-sprung--du selbst bist die in Raum und Zeit
erscheinende, die wirkliche Welt; wie gaebe es in der eigenen
Erscheinungswelt eine Erscheinung unabhaengig von dir? Wie wolltest du
die selbstgeschaffene Welt anders als in dir selbst erfassen? Du bist
Herr und Mass, Gesetz und Schoepfer aller Dinge und deiner selbst. Was
unergruendbar bleibt ist unergruendbarer Ursprung--Unaufloeslichkeit
ewiger Wahrheit bist du selbst.

*

Ein Heer von Zweifeln stuermt auf dich ein--hoffe auf Erleuchtung
--sei der Erleuchtung gewiss.

*

Noch einmal:
Alles Urteil ist nur in dir.
Alles Urteil traegt sein gegen-Urteil unmittelbar und unabloeslich
in sich.
Alles Urteil hebt sich mit gewechseltem Willen zu nichts auf.
Urteil hat in sich, Urteil hat in dir keine Geltung, ist
gleichgueltig, gleich ungueltig, bedeutungslos, sinnlos, leer, nichtig
in dir, nichtig in sich.
Du erkennst:
Was du urteilend mit widersprechenden Namen belegst, ist
willkuerliche, in 'Gegen'teile auseinanderspaltende, an sich nichtige
Unterscheidung in dir.
Was von solcher Unterscheidung--in dir als Urteil--ausser dir
als Eigenschaft der Dinge erscheint, ist Kennzeichnung deiner
Gegen-wart im Verlangen, Kennzeichnung deiner Beziehung zum
gegen-Stand,--dein Standort, dein zu-Stand, dein ver-Stand.
Urteil und Eigenschaft ist deine Empfindung und nach-aussen-
Verlegung--Auslegung deines innen-Befindens; deine Einbildung und
Widerspiegelung deiner Einbildung, das ist Vorstellung;
unbewusst-be-wusste Einbildung, bewusst-unbewusste Vorstellung--je nach
deinem Wachsen oder Welken im Atem dieser Welt; Atem des Verlangens:
Lust oder Unlust, Liebe oder Hass; je nach deiner Stimmung ist deine
Bestimmung des gegen-Standes; je nachdem dir zu Mute ist, deine
Zumutung an den Gegenstand; je nach deinem Verhalten dein Dafuerhalten;
je nach deinem Befinden ist deine Empfindung; je nach deiner
Einstellung--deine Vorstellung.--Deine Auffassung, Beziehung,
Gesinnung, Neigung, dein Werden-ver-werden schafft Urteil, Namen und
Dinge.
Eines ist, was du urteilend willkuerlich scheidest; Eines, was du
durch Willensgegensatz in dir zu Gegensaetzen ausser dir praegst--
Willensgestaltung, dein Wille und was wider deinen Willen wieder dein
Wille ist: Aus dir gewirkt, auf dich wirkend--Wirkung und
Wirklichkeit dieser Welt--deine eigene Schoepfung--du selbst.
Solches hast du klar erkannt.

*

Es gibt kein Urteil an sich.--Aufgegangen in dir ist diese
Erkenntnis; von solcher Erkenntnis vermagst du ferner nicht mehr
abzuweichen. Bedeutungslos, wenn die verworren denkende Menge solcher
Erkenntnis fern bleibt; bedeutungslos, wenn einsichtige und
wohlwollende Maenner vor solcher Erkenntnis zurueckschrecken, wenn
solche, die sich fuer Wissende halten, bisher nicht gleich dir
erkannten; bedeutungslos, wenn solche Erkenntnis in keinem der
zahllosen Geschoepfe dieser atmenden Welt aufgeleuchtet waere--von
Menschen keinem, von Goettern keinem--wenn du allein stuendest mit
solcher Erkenntnis--bedeutunglos; unerschuettert bleibt: es gibt kein
Urteil. Urteil ist Wille, Wille ist Ich, Ich ist Urteil.
Wie im ersten Samenerguss die ganze Menschheit ruht, so ruht alles
Urteil im ur-Teil-Ich. Ich-Ur-Teil ist Ich-Urteil.
Darum lehrt De-schin-scheg-pa, der Feindbesieger und heilig
vollendete Buddha, dass alles Auffassen in der Ichheit ein
Nicht-auffassen sei.

*

Ausgeloescht sind die in Rede stehenden Begriffe, ausgeloescht alle
dazwischen liegenden, alle verwandten Bezeichnungen, Beilegungen,
Eigenschaften--ausgeloescht alles Urteil, alles An-sich sein dieser
Welt.
Alle Unterscheidung durch Urteil--Recht und Schuld, gut und
boese, Lob und Tadel, schoen und haesslich--Gebot, Verbot--blosse
Namen, nur Worte die sogenannten ewigen Gesetze--muessige Fragen dem
Wissenden.
Ausgeloescht--vernichtet, worauf die Welt gebaut schien--Spiel
deiner Seele, ein blosses Bild, ein Traum--nicht ist Urteil, nicht
sind diese Begriffe in Wahrheit.
Solches hast du klar erkannt; von solcher Erkenntnis vermagst du
ferner nicht mehr abzuweichen... es sei denn, dass du--ueber dieses
hinaus--zu tieferer Einsicht zu gelangen vermoechtest.

*

In deinem Herzen sind die Auseinandertretungen, in deinem Herzen
ist Unterscheidung und Wandel der Unterscheidung, in deinem Herzen die
Schoepfung dieser Welt. Du selbst schaffst Zeit und Raum, du selbst
bist Willen und Kraft, in dir ist Tat und Duldung, Ursache und Folge,
Freiheit und Notwendigkeit; durch dich ist Verstand und Urteil, Recht
und Schuld, gut und boese, schoen und haesslich, durch dich ist diese
Welt. Du bist Verlangen und Tat, Gesetz und Richter, Herr und Knecht,
Schoepfer und Vernichter deiner Welt, deiner Welt Leben und Atmen--
Atma--
Ausgeloescht, vernichtet, was unantastbar, was ewig schien--und
nur Eines besteht: Ich! Ich und die Welt, die das Ich sich schafft--
die Welt mit allem Heil und Unheil, mit aller Herrlichkeit und aller
Qual, aller Hoffnung und Enttaeuschung, aller Hoheit und aller
Nichtigkeit--die Welt des Guten und Boesen.
Keine Welt ohne Ich und Verlangen, keine Welt ohne Tat und Tat
Widerstand, keine Welt ohne Lust und Leid, keine Welt ohne gut und
boese. Untrennbar ist Boeses von Gutem, untrennbar Gutes und Boeses von
Ich und Welt. Ursprung des Boesen ist Ursprung des Ich. Das Boese zu
treffen, triff dich selbst. Darum sagt Omar, der Zeltweber: "Ich
selbst bin Himmel und Hoelle".
Dies ist Loesung der Frage, um die du mich angingst--Ursprung des
Boesen--Quell alles Guten--restlose Loesung!

*

Es gibt nur Ein Boeses in der Welt: die Ich-bin-heit--
Selbstsucht, und alles was du Suende, Knechtschaft, Leiden nennst,
fliesst aus ihr--Samsara. Es gibt nur Ein Gut in der Welt:
Selbstlosigkeit--und Erloesung fliesst aus ihr--Nirvana.
Erloesung vom Boesen ist Erloesung vom Ich. Selbstsucht zu Ende
gedacht ist Selbstlosigkeit. Sei selbstlos aus Selbstsucht. Gib alles
auf um alles zu gewinnen; du bereicherst dich gebend, nehmend beraubst
du dich. Es ist kein anderer Weg zum Gehen--der heilige Weg aus
Schein zu Wahrheit, aus Nacht zu Licht, aus Tod zu Unsterblichkeit.

*

Noch einmal durchdenke ich mit dir das Geschehen dieser Welt, die
zwiefache in gegen-Teile zerfallende Beziehung des Ich zum eigenen
gegen-staendlich auf gefassten Gedanken--: ab-Stand der gegen-Teile
von einander und ver-Stand der gegen-Teile zu einander; den Weg aus
Standhaftigkeit zu ver-Staendnis, den Weg aus Blindheit zu Erkenntnis,
den Weg aus dem Ich zum nicht-Ich.
Zwischen Ich im eigen-Stand und Ich im gegen-Stand liegt die
trennende Vorstellung--: nicht-Ich. Ich, vom Trugbild der Sinne
geblendet, ver-kennt sich im gegenueberstehenden Ich--wie der Hund
sich selbst im Spiegel anknurrt. Zwischen Ich und Ich klafft Spaltung,
Zwietracht, Zwist, Kampf.

Ich hier: "ja, ich will dich!"

Ich dort: "nein, ich will dich!"

Verlangen lebt, waechst, uebersteigt sich--faellt. Henker und Opfer
kommen sich entgegen. Ich hier, wie Ich dort, wechselt in seinem
Zustand, laesst von seiner Stand-haftigkeit, gibt wider-Stand auf, nimmt
ab-Stand vom eigen-Stand, naehert sich seinem gegen-Stand, ver-stellt
sich auf den Stand des Gegners, ver-staendigt sich mit ihm, ver-steht
ihn--Ich hat Selb-staend-igkeit aufgegeben, Ich hat ver-Stand
gewonnen.
Ich hier wie ich dort aendert mit geaendertem Stand Ansicht und
Willen; Ich aendert sich, Ich wird ein anderes. Ich wandelt in Zeit und
Raum; Ich-Standort-Wandel wandelt das Ich. Fremder gegen-Stand wird
durch ver-Stand zu eigenem zu-Stand.
Ich hier wie Ich dort ist aus Raum in Zeit getreten, Eins mit
seinem Gegner: kein Gegner mehr, keine Gegnerschaft, kein Widerwille,
kein Widerstand, keine Tat. Ich hat sich durch ver-Staendnis im
wider-Ich wieder erkannt--Ich hat Erkenntnis gewonnen, Ich hat im du
sich selbst wieder gefunden.
Raum entzweit, Zeit eint. Was im Raum geschieden ist, faellt in der
Zeit zusammen. Was sinnliche Anschauung trennt, eint seelische
Erkenntnis. Ich und Ich, von blinder Anschauung aus-ein-ander
gehalten, fallen, sehend geworden in-ein-ander.

*

Und noch einmal: Sittlichkeit ist Durchschauen der Erscheinung.
Ich ur-Teil, in sich gespalten, von sinnlicher Vorstellung "nicht-Ich"
geblendet, in zwei Ich gegen-ein-ander entzweit:

Ich hier: "Ich will Tat-Angriff gegen dich."

Ich dort: "Ich will Tat-Abwehr gegen dich".

Ich, durch seelisches ver-Staendnis sehend geworden, erkennt im
nicht-Ich sich selbst,--das trennende 'hier und dort' ist
fortgefallen--ver-ein-igt, ein-muetig, Ein Ich, ein-ig, eines
Willens:
"Keine Tat gegen mich selbst."
Sich selbst im Anderen erkennend vermagst du nicht boese zu wollen.

*

Wie ein Ich auf zwei Standorten im Raum in zwei Ich gegen einander
entzweit ist, so sind zwei Ich in der Zeit auf Einem Standort zu
einander vereint: Eines.
Aller Zwiespalt durch Ich-da-Sein, durch Ich-bin-heit, asmita,--
durch Selbstsucht; alle Eintracht durch ver-Staendnis, durch Erkenntnis
--durch Selbstlosigkeit--das Geheimnis alles Geschehens, alles
Werdens und Vergehens alles Lebens, alles Streites, alles Friedens,
aller Sittlichkeit auf Erden--der Weg aus dem Ich zum nicht-Ich, der
Weg zu Erloesung, der heilige Weg.

*

Durch Ur-sprung in Ich und Ich: ist Ent-zwei-ung, Verlangen hier
und Widerstand dort, Ein-tracht durch Erkenntnis.
Geschlossen hat sich der Zwiespalt, ausgefuellt die Kluft,
verraucht das Verlangen; der Streit ist begraben, aufgegeben Tat,
Frieden gewonnen; erreicht aller Sittlichkeit hoechst gepriesenes Gut,
erstanden das Wunder: Selbstlosigkeit--Nirvana in Samsara.

*

Durch ur-Sprung ur-Teil, sich abscheidend, unter-scheidet: Ich und
Welt; unterscheidet da seiend: Zeit und Raum; unterscheidet
verlangend: Wille und Kraft; unterscheidet wirkend: Tat und Duldung,
Freiheit und Notwendigkeit, Lust und Leid; unterscheidet urteilend:
gut und boese, Recht und Schuld, schoen und haesslich; also in allen
Dingen dieser Welt ur-Teil-gegen-Teil atmend wirkt s-Ich die
Wirklichkeit, wirkt s-Ich das Verstaendnis dieser Welt.
Alle unter-Scheidung durch ab-Scheidung im ur-Sprung; durch
ur-Teil-ent-Scheidung alle ver-Schied-enheit; alles er-Schein-ende
durch ur-Teils Urteil. Auf blossen Worten beruhend die Vielheit, nur
Namen--Eines ist es in Wahrheit.
Sehend geworden erkennst du:
Es ist der Welt, die dich lebt, Atmen.
-- atma --

*

Geringes Verstaendnis lebt in uns Menschen. Vom Trugbild dieser
Welt geblendet, irren wir, einer duerstenden Herde gleich, dahin und
dorthin, blind gegen den Quell alles Lebens.
Wo ist Erloesung?--Da, wo Erkenntnis ist.
Sagt dir jemand: zu verwerfen sei diese Lehre, sie hebe den
Unterschied zwischen Recht und Unrecht auf, sie preise nicht das Gute
und verabscheue nicht das Boese, so antworte ihm:
Diese Lehre lehrt ueber sinnliche Erscheinung hinaus--Seelen-
Einheit--ueber menschliches Urteil hinaus--der Menschheit hoechstes
Ziel: Selbstlosigkeit. Selbstlosigkeit loest aus den Fesseln des Ich,
aus den Fesseln nimmer gestillten Verlangens, aus nimmer gestillter
Hoffnung, aus dem Kerker dieser Welt zur urewigen Heimat.
Und gewiss! Fest gefuegt ist der Grundbau dieser Lehre,
unerschuetterlich, auf dem Grunde, der unsre Welt traegt. Ist das Eine,
so ist das Andere--untrennbar; untrennbar Erloesung von dieser Lehre
vollem Erleben.
Nicht an vergaenglichem Werke wirke ich, in der Gottheit Tiefen
ruht die Lehre, Menschen im Koerper schier unergruendlich--
unergruendlich.
Ehernes Tor der Erkenntnis--erloesende Wahrheit.

*

So lautet in aranada-upanishad der fuenfte adhyaya: manas, Verstand
und Urteil; nunmehr: buddhi, Erwachen.




VI.
ERWACHEN AUS DER ERSCHEINUNG
-- buddhi --



Zu dem, was ich dir noch vom Kreislauf der Erscheinung zu sagen
gedenke, o Teurer, erfasse wohl:
Auf Einem Gedanken ruht wovon ich dir rede--Samsara; auf
Umzulangen im Ur-sprueng--auf Verlangen ruht diese Welt.
Eines ist, was wir, in dieser Welt erwachend, rastlos suchen;
Eines, was wir, in irdischer Anschauung befangen, vielheitlich
schauen; Eines nur, was wir mit zahllosen Worten benennen; alles
Geschehen und alle Gestaltung, aller Geschoepfe und aller Welten
all-einiger Gedanke:
-- Verlangen --
Verlangen, dem Ursprung entquellend, Verlangen nach UEberbrueckung
der Kluft, Verlangen nach Wiedervereinigung--unserer Leben Sinn und
aller Welten Ziel: Verlangen nach Erloesung.

*

Was ich dir von tiefer Erkenntnis verkuendige, besitzt die
Menschheit nicht, und nicht ueberliefert wurde mir die Lehre aus der
Gemeinschaft hoher Meister--: den Sinnen entrueckt, der Gedankenqual
entronnen, in wunschloser Allhingebung versunken--fand ich mich
erleuchtet. Erkenntnis trat zu Tage, wuchs und erstarkte.
In solche Erkenntnis weihe ich dich ein; von solcher Erkenntnis
getragen erachte dich auf rechtem Wege--du nahst den Wissenden.

*

All-ur-sprung: ur-Teil und gegen-Teil; aus solcher Ent-zwei-ung--:
ver-Langen nach Ergaenzung; aus solchem Verlangen--: Tat; aus
Tat-widerstand--: Erkenntnis
-- BUDDHI --
aller Welten Hoheziel!--Erfasse den grossen Gedanken, ehe deine Lippe
ihn ausspricht--
--Erwachen der Menschheit--

*

Wer sein Heil im 'Ich' sucht, dem ist Selbstsucht Gebot, dem ist
Selbstsucht Gottheit.
Wer sein Heil in dieser Welt sucht, der bleibt dieser Welt
verfallen; dem ist kein Entrinnen aus ungestilltem Verlangen; dem ist
kein Entrinnen aus nichtigem Spiel; dem ist kein Entrinnen aus den
engen Fesseln des 'Ich'. Wer sich aus dieser Welt nicht erhebt, der
lebt und vergeht mit seiner Welt.
Wem die Gnade des Ishvara das Auge geoeffnet hat, der durchschaut
diese Welt. Wer diese Welt durchschaut, der ist fuer diese Welt
verloren.
Darum ist Erkenntnis Enttaeuschung, darum ist Erkenntnis Erwachen.
Erwachen ist Erloesung--Erloesung ist Vollendung in Gottheit.
Davon ist gesagt: "Erkenntnis--und einen andern Weg hat der
Mensch nicht."

*

Huete das Urerbe--dir zum Heil und allen denen, die auf Erden mit
dem Tode ringen.

*

Also ist die Unterweisung:
Aus Sinnes-wahr-nehmung wird, was du Wirklichkeit dieser Welt
nennst. Was deinen Sinnen wirklich wahr scheint, ist deinem Nachsinnen
hinfaellig; was deinen Sinnen standhaelt, flieht vor deinem Besinnen,
muendet, sich selbstwidersprechend, in Widersinn, und nur in sinnlicher
Auffassung scheint Sinn in der Welt. Und gewiss: waere letzter Sinn in
der Erscheinung, so waere Erscheinung Wesen.
Sinneswahrnehmung in dir ist rings um dich sinnlich begrenzt.
Grenze deines Schauens ist der Gegenstaende sinnlicher Widerstand--
Seele der Dinge bleibt deinen Sinnen ewig unnahbar.
Wie ein Strom Ufer von Ufer trennt, so trennt sinnliche Anschauung
Seele von Seele; und wie du von Ufer zu Ufer auf unsicher schwankender
Faehre gelangst, so gelangt Seele zu Seele durch blind suchende Sinne;
und wie ein maechtiger Strom jenseitiges Land voellig deckt, so decken
zuegellos stuermende Sinne alle Seele ausser dir.
Irdische Wahrnehmung ist der Blindheit vergleichbar--was wir
hier in Gestalten und Farben glaeubig schauen, ist nicht die Welt,
Samsara zeugt blinde Kinder.

*

Maya! Es scheint, es stellt sich dar, es mutet dich an, dich
geluestet danach und du erliegst der Lust.--Von gleissender
Erscheinung geblendet, suchst du unsicher tastend dein Ziel, taumelst
Wahnbildern folgend, von Trug zu Trug--wahrlich einem Trunkenen
vergleichbar. Und wie ein Trunkener unter den Hufen einer Bueffelherde
sich im Paradiese traeumt, so traeumst du trunken von Sinneslust ein
erlogenes Glueck--die ewige Luege!
Verlangen in dir ist der Seele Verlangen nach ewigem Ziele;
Sinneswahrnehmung in dir haelt dich in vergaenglicher Erscheinung
zurueck. Die Erscheinung ergreifend, bist du ergriffen--Seele in den
Fesseln der Sinne.
Darum sagt Maitrayana Upanishad: "Seele von den Gegenstaenden
ueberwaeltigt."
Darum sagt man: sich ernuechtern, wieder zu sich kommen, sich auf
sich selbst besinnen.
Darum lehrt der Erlauchte: "Unterscheidung des Wandelbaren vom
Unwandelbaren, des Ewigen vom Vergaenglichen, Unterscheidung des Wesens
von der Erscheinung."

*

Unabsehbare Kluft, unloeslicher Widerspruch uns irdisch Schauenden
zwischen Erkenntnis und Anschauung; Torheit, ewiges Ziel in
vergaenglicher Erscheinung zu suchen. Daraus sinnloses Hasten und
Irren, endloser Wechsel, unablaessige Erneuung; daher die
Unbestaendigkeit, die Friedlosigkeit, die Vergaenglichkeit alles
Irdischen, daher die Unsinnigkeit steter Wiederholung alles
Geschehens, aller Gebilde, aller Gedanken--ein rastloser Kreislauf
von Hoffnung zu Enttaeuschung. Darum die Unzulaenglichkeit, das
Stueckwerk, die Unvollkommenheit aller Dinge; die Unwiederbringbarkeit
der Zeit, die Unueberwindbarkeit des Raumes; darum des Hohenzieles
Unerreichbarkeit, des Zweifels Unstillbarkeit, die Trostlosigkeit, die
Widersinnigkeit, Verruchtheit dieser Welt.
Diese Welt ist fuer Kinder und Woelfe, und so sehr sind wir Kinder
und Woelfe, dass wir uns in solcher Welt gefallen!
Der Welt Lust ist Frass, der Welt Lohn ist Trug, der Welt Ziel ist
Vernichtung--und du solcher Welt williger Sklave.
Ist Lust Frieden? Und ist nicht verlorene Lust Schmerz? Und waere
nicht dauernde Lust Qual? Und schliesst nicht Lust Seeligkeit aus?--
Wagst du es zu widersprechen?--Was auf Erden vermoechte Verlangen
nach dem Hoechsten zu stillen?--Verlangen nach Gottheit.

*

Das Gepraege dieser Welt ist Vergaenglichkeit.

Was von Gedanken und Dingen dieser Welt lebt, atmet in Einhauch
und Aushauch, aus Entstehen zu Vergehen.
Alles Werden durch Absonderung, durch Abstammung, durch
Verzweigung, durch Spaltung, durch Unterscheidung von einander. Alle
Empfindung und Wahrnehmung durch Abstand; alles Wollen und Tun durch
Gegenstand und Widerstand. Ich-nicht-Ich-bewusstsein durch Anstoss und
Hemmung; Leben und Dasein durch Wandel--nichts was unveraendert,
nichts was bestaendig, nichts in Frieden im Himmel und auf Erden.
Samsara ist Wechsel; wer Frieden im wechselnden Samsara sucht, der
ist betrogen; Frieden kann nur zu Unfrieden wechseln.
Dieser Welt Bestand durch Gegen-stand, dieser Welt Sinn durch
Gegen-sinn; darum dieser Welt Wider-spruch und Wider-sinn; darum
dieser Welt ruheloser Kampf; darum dieser Welt Vergaenglichkeit.
Entzweiung will Paarung, Ansammlung will Aufloesung; weil Entstehen
ist, darum ist Vergehen; weil Verschiedenheit ist, darum ist ein
Verscheiden; weil Leben ist, darum ist Tod.
Alle Erscheinung ist durch Ur-sprung, durch Entzweiung in
Gegensatz, und aller Gegensatz will Ausgleich. Was durch Entzweiung
aus Einheit entspringt, endet in Einheit.
Wie alles Urteil in seinem Gegenurteil sich auf hebt, wie aller
Gedanke, zu Ende gedacht, durch seinen Gegensinn in sich selbst
zurueckkehrt, so kehrt alle Erscheinung in sich selbst zurueck, sich
selber aufhebend.
Alle Wirklichkeit haelt stand, so lange du Befriedigung im Wirken
suchst, solange du, selbst Erscheinung, sinnliche Erscheinung
wahr-nimmst, solange du an die Wirklichkeit dieser Welt glaubst.
Erscheinung, durchschaut, haelt nicht stand, verblasst, zerrinnt,
geht zugrunde, geht auf den Urgrund zurueck. Wirklichkeit, als Schein
erkannt, wirkt nicht mehr, ist nicht mehr wirklich--vergangen wie
ein Traum, der beim Erwachen zu nichte ward.

*

Was dir als gegenstaendliche Welt erscheint, ist nicht an sich; was
du Wirklichkeit nennst, ist zu sinnlich anschaulichen Bildern
gewordener Gedanke in dir--ist dein traeumendes Verlangen, die
unermessliche Kluft zu ueberbruecken, der weite Irrweg zur ewigen Heimat.
Die Gestaltung dieser Welt ist dein; Wirklichkeit folgt deinem
Gebot--Wahr-nehmung in dir ist Be-dingung; das heisst: was du von
Erscheinung fuer Wahrheit nimmst, gewinnt Gestalt, wird zu wirklichen
Dingen. Du er-innerst dich aus zeitloser Vergangenheit--du
er-innerst dich aus raumloser Naehe und Ferne--du ver-gegenwaert-igst
dir aus seelisch ewiger Gegenwart sinnlich gegenwaertige Erscheinung.
Deine Einbildung wird Vorstellung: das Verlangen in dir hat sinnliches
Da-sein gewonnen, was du wirklich wahr nennst, hat sich geschaffen.
Die gewaltige Welt ist aus deiner Empfindung geboren, deine eigene
Schoepfung--du selbst.

*

Dies wunderbar Einfache wird von Unmuendigen widerstrebend erfasst
--volles Erleben hiervon ist nur dem Erwachenden beschieden.

* * *

Was aus Ursprung dieser Welt lebt, lebt zwiefach: lebt als
Empfindung in dir, lebt als Bewegung ausser dir; Bewegung im
unendlichen Raum--und Empfindung solcher Bewegung in ewiger Seele--:
die also erscheinende Welt.
Bewegung aus dem Raume trifft dich--du wirst der Bewegung inne.
Inne-werden der Aussen-bewegung ist Empfindung in dir; Auslegung dieser
deiner Empfindung ist dir Bewegung im Raum. Empfindung:
ver-inner-lichte Bewegung; Bewegung: ge-aeusser-te Empfindung. Was
aus-wendig Bewegung ist, ist in-wendig Empfindung. AEusserer Gegenstand
schafft inneren Zustand; innerer Zustand schafft aeusseren Gegenstand.
Bewegt empfindest du--empfindend bewegst du. Seelische
Empfindung von dir aus-gelegt, wandelt sich ausser dem Bereich deiner
Seele zu sinnlich anschaulicher Bewegung. Empfindung aus dir
hinausverlegend, stellst du vor; vorstellend wirkst du;
gegen-staendlich Vorgestelltes ist Gegenstand; Gegenstand widersteht;
Widerstand ist Wirkung auf dich. Dein eigenes Werk, aus dir gewirkt,
ist Wirklichkeit und wirkt auf dich zurueck.

*

Die Seele wird von aeusserer Bewegung innen bewegt; die innen
bewegte Seele bewegt nach aussen. Du empfindest in dir, das heisst: du
bewegst ausser dir. Was du zeitliche und raeumliche Ferne nennst, ist
sinnlich befangene Auffassung; Seele wirkt aussersinnlich, Seele wirkt
seelisch, ueber Zeit und Raum hinaus.--Eines ist Auslegung deiner
Empfindung und Rueckwirkung des aus dir Hinausverlegten--
Zusammenfliessen der Seelen--Seele der Dinge--eigene Seele--
UEberbrueckung des Ur-sprungs.
Je nach Vorwiegen seelischer oder sinnlicher Auffassung im Ich
scheint Empfindung oder scheint Bewegung, scheint eigener Zustand oder
fremder Gegenstand, ist gedankliche Ein-bildung oder anschauliche
Wahrnehmung, das ist: allen deinen Sinnen fassbarer Koerper--der
Gedanke ist leib-haftig geworden; Eines ist Gedanke und Sichtbarkeit
des Gedankens. Angeschaute Gedanken sind Koerper.
Davon sagt Patandschali: "Koerpererscheinung wird durch Wandlung
der Auffassung im Ich."
Davon sagt der Buddha: "Wie ich aus einem Schilfrohre den Halm
ziehe--hier das Schilf--dort der Halm, so bilde ich aus diesem
meinem Leibe nach dem Willen meines Herzens einen anderen Leib, mit
allen Gliedern versehen und mit Gefuehl begabt."
Der verlangende Gedanke zu Fleisch und Blut geworden.

*

Es scheint, als sei in dir seelische Empfindung, es scheint, als
sei ausser dir seelenlose Bewegung; deiner Seele Empfindung, deinen
Sinnen Bewegung--Gegensatz und Einheit. Was sinnlich als Gegensatz
erscheint, wird seelisch als Einheit erkannt. Was blindem Schauen
durch unueberbrueckbare Kluft getrennt scheint, unvereinbar und
unloesbares Raetsel, ist Eines; Eines, was deinen Sinnen Bewegung,
deiner Seele Empfindung ist--je nach sinnlicher oder seelischer
Auffassung unterscheidende Benennung, ununterschieden in sich, zwei
Worte fuer das Selbe--: Verlangen in dir. Und wie du in deinem
eigenen, einheitlichen, ungespaltenen Verlangen Widerwillen von Willen
unterscheidest, beides in dir, beides Eines--du selbst, so
unterscheidest du Bewegung von Empfindung, bei des in dir, beides
Eines--du selbst.
Alle Empfindung ist Bewegung, alle Bewegung--Empfindung;
Beid-einheit, seelisch-sinnlich geschaut.
Empfindung in dir und die Welt ist bewegt; du durchschaust die
Bewegung und still stehen alle Sonnen und Erden, und es empfinden alle
Sonnen und Erden, ruhelos Ausgleich suchend.

*

Ich ist Ur-sprung. Nichts dieser Welt, was sich nicht im Ich
willig-un-willig schafft, zwiefach in Zeit und Raum. Aller Inhalt des
Ich durch Gegen-sinn in sich, durch Gegen-stand zu sich. Die ganze
Welt im verlangenden, im unter-scheidenden, im ur-teilenden, im
ent-zweienden, im ent-zweiten Ich. Ich ausser sich verlangend, spaltet
in sich selbst, spaltet im Urteil, Wollen und Tun: bejahend verneint
Ich, wollend en-will Ich, liebend hasst Ich.
Kein Tun ist einwertig. Du vermagst dich keinem Dinge zuzuneigen,
ohne dich einem anderen Dinge abzuneigen. Zuneigend neigst du dich ab,
abneigend neigst du dich zu. Alle Zuneigung ist Abneigung, alle
Abneigung ist Zuneigung. Du bejahst den Satz und verneinst damit den
Gegensatz. Du glaubst Eines zu tun und tust zweierlei--: ewiger
Zwiespalt, ewiger Ur-sprung in dir selbst.
Kein Geschehen, kein Ding, kein Wort, kein Gedanke ist eindeutig.
Mit deinem Leibe neigt sich deine Seele. Neigung ist koerperliche
Bewegung, Neigung ist seelische Empfindung. Neigung deines Leibes ist
Neigung deiner Seele; seelische Neigung erscheint deinen Sinnen als
Koerperbewegung; Koerperbewegung ist in dir als seelische Neigung wach.
Neigung ist seelisch und sinnlich zugleich.
In einem Worte ist Einheit von Zuneigung und Abneigung, Einheit
von Empfindung und Bewegung, Einheit von Leib und Seele. Im
einheitlichen Worte liegt sich selbst aufhebender Gegensinn: Ich und
du, innen und aussen, hier und dort, Zustand und Gegenstand, Zeit und
Raum, Gedanke und Tat, Seele und Sinnlichkeit, Unfassbares und
greifbare Wirklichkeit; in einem Worte Anziehung und Abstossung,
Aufflammen und Verloeschen, Lust und Leid, Himmel und Hoelle, Leben und
Tod.
In jedem Worte spiegelt sich zerfallene Einheit.
Gegensinn im einheitlichen Wort--Einheit gegensinnlicher Worte
ist Loesung nie geloester Raetsel, Loesung nie geloesten Widerspruchs;
toerichter Streit durch Jahrtausende--: Allgottheit, Goettervielheit;
Gutes und Boeses in Gott; Wesenseinheit oder Doppelwesen der Welt;
Weltgeist oder Weltenstoff; Allseele oder Seelenvielheit;
Ursaechlichkeit oder Selb-einheit; Zweck oder Zufall; eherne
Naturgesetze oder freie Schoepfung--wie auch Irrende die seelisch
sinnliche Kluft benannt haben moegen--muessige Fragen dem Wissenden,
Loesung aller Gegensaetze, Loesung des Widerspruchs dieser durch
Widerspruch werdenden Welt.

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