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Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

Das hohe Ziel der Erkenntnis

O >> Omar Al Raschid Bey >> Das hohe Ziel der Erkenntnis

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*

Eines in sich ist, was du in karma mit gegenteiligen Namen
bezeichnest; Eines, was du verlangend Lust, abweisend Leid nennst;
dasselbe un-willig-willig getan, willig-un-willig gelitten.
Was von Gedankenwellen dir willkommen zustroemt, erbaut dich, baut
das Ich in dir; was dir behagt, was du willfaehrig aufnimmst, was du
zustimmend, bejahend, wohlwollend umfasst; was du einwilligend dir
aneignest, was sich dir willig fuegt, was dir zu Willen ist, was dein
Wille, was du selbst bist, gebaert in dir, deine Seele bewegend--:
Zeit, Ursache, Freiheit, Tat und Lust--du tust, dein
gegen-Ich-duldet.
Was, aus deinem Willen geboren, zu Unwillen in dir wird, was dir
als Widerwille Abbruch tut, was dir entgeht, was du unwillig hingibst,
unwillig entbehrst, was du widerstrebend empfindest, was dir
widersteht, was erwidert, anwidert, was widrig, widerwaertig ist, was
wider deinen Willen geschieht, wendet sich gegen dich, gewinnt Macht
ueber dich, unterdrueckt dich--aus dem Raum deine Sinne bewegend--
als Duldung und Leid, Wirkung fremder Tat, Notwendigkeit--dein
nicht-Ich tut, du duldest.

*

Du irrst in anfang-endlosem Kreislauf der Erscheinung; du irrst
nach Lust, und irrend--irrst du. Dich geluestet und du wandelst,
lustbefangen, deine Empfindung zur Vorstellung, deine Einbildung zur
Anschauung, zu-Stand zu gegen-Stand; Wille wird Kraft, Zeit wird Raum,
Ursache Wirkung; du schaffst, lustgebunden, Zwang, Gesetz, Duldung,
Notwendigkeit; es ist Schrecken und Qual, Nacht und Tod.
Dich geluestet und du ziehst das Abgestossene, Unlust, Gegenstand,
Raum, Kraft, Wirkung, Notwendigkeit Gewordene wieder zustimmend an
dich an; nimmst, wider-Stand aufgebend, den Gegensatz wieder wollend
in dich auf; wandelst Vorstellung zu Einbildung, wandelst Anschauung
zu Empfindung;--durchbrochen ist der Zauber; fremder Gegenstand ist
eigener Zustand, was fern schien, ist in dir, was zu fallen schien
steigt an, was niederging geht auf und alles Geschehen, was
Rueckbildung schien wird Entfaltung, was Vernichtung--Entstehen;
Kraft wird zu Willen, Raum wird zu Zeit, Wirkung wird Ursache, Duldung
--Tat, Notwendigkeit--Freiheit, und was du Leiden und Tod nanntest,
ist Leben und Lust.
Du wandelst aus eigener Kraft schlaftrunken in eigener Schoepfung;
und wandelnd wandelst du dich selbst, wandelnd wandelst du die Welt.

*

Freudvoll sind diese Welten--doch vergaenglich sind Freuden
dieser Welt; vergaenglich wie Blueten, welkend wie Jugend, enttaeuschend
wie Liebesgenuss.
Grauenvoll sind diese Welten, wahnbefangen, not und leiderfuellt;
ganz im Banne nimmergestillten Verlangens, ganz im Banne ewig
friedloser Tat, allen Schrecken preisgegeben, preisgegeben dem Tode.
--Eine Welt, in der aller Sieg auf Niederlage ruht, alle Freude auf
Schmerz, alle Lust auf Leid, alles Leben auf Vernichtung: vom
Brunstschrei bis zum Todesroecheln--eine Welt aus Gier und Frass, aus
Angst und Flucht, aus Kampf und Qual; ein ewig stuermendes Meer--
unabsehbar an Raum, endlos an Zeit--an rastlos quellendem Leben
uebervoll--nur von Einem Gedanken erfuellt, voll nimmer gestillter
Gier, ringsum zu toeten! und toetend zu leben! Henker und Opfer
zugleich, wir blinden Menschen. In allen Hoellen und allen Erden dieser
Welt--in allen Himmeln!--eine Welt, die sich selbst frisst--nie
auszumessendes Mass von Leid.--Wohl dir--wehe dir, dass du blind
bist!
Wie vermoechte wohl, o Teurer, eine Welt auf tieferem Grauen zu
ruhen? Wie vermoechtest du wohl, o Teurer, eine Welt zu ersinnen,
grauenvoller als diese? Welten, die andere Welten verschlingen, selbst
von anderen Welten verschlungen werden.
Grauenvoll sind diese Welten, doch vergaenglich ist alles Grauen.
Grauenvoll sind diese Welten;--alles Grauen dieser Welten ruht auf
Lust!

*

Die, erkenntnislos, sich zu Lehrern aufwerfen, reden von guten,
reden von schlechten Welten; Toren klagen ueber Verschlimmerung dieser
Welt, Toren traeumen von einer Besserung dieser Welt--einer Welt, die
ewig auf Verlangen und Widerstand ruht, ewig auf Tat und Duldung, ewig
auf Lust und Leid.
Dieser Welt Dasein ist durch ur-Sprung, durch zwie-Spalt; durch
ent-Zweiung ist diese Welt, durch gegen-Satz, durch wider-Spruch. Wie
vermoechte, o Teuerer, bei Menschen, bei Goettern, in Felsen oder
Pflanzen, Tat zu schwinden, da Verlangen lebt? Wie vermoechte in der
Welt Leid zu schwinden, solange Lust und Tat lebt? Wie gaebe es ein
Wirken ohne Ziel, Verlangen ohne Tat, Tat ohne Widerstand, Widerstand
ohne Leid? Wie vermoechtest du, o Teurer, in dieser Welt Sieger zu sein
ohne Besiegten? Wie ein Selbst ohne Selbstsucht? Ein Ich ohne Du? Wo
in dieser Welt weisst du ein Leben ohne Tod?
Die Welt ist durch Kampf, Leben durch Vernichtung, aller Aufbau
durch Zerstoerung, alles Entstehen durch Vergehen: --in allem Werden
liegt ver-Werden. Wie vermoechtest du dieser sich also gestaltenden
Welt in die Arme zu fallen? Wie vermoechtest du, o Teurer,--Zeit und
Raum durchschauend--solcher Taeuschung nachzuhangen?
Erblinde fuer diese Welt! von dieser Welt ungeblendet wirst du
sehend.

*

Wir Menschen steigen an zu Goettern und ueber Goetter hinaus und mit
uns steigt alle Gestaltung dieser Welt. Was wir heute Tier oder leblos
nennen, ist dann Mensch--Mensch, wie wir heute Menschen sind, mit
all unserer Lust und Qual. Menschen steigen an zu Goettern und Menschen
bleiben im ewigen Kreislauf und Welt bleibt Welt--ewig wie heute--
ewig nach Erloesung duerstende Seele. Ein unabsehbar ewiger Strom, von
Welten und Wesen, der, das All durchmessend, in seiner eigenen Quelle
muendet.
Wie Meeresatem: Flut folgt auf Ebbe, Ebbe auf Flut; Meeresbewegung
wohl, doch keine Fortbewegung des Meeres. Wohl ist Ziel-Bewegung
innerhalb dieser Welt, doch keine Fortbewegung der Welt--wohin auch,
wenn nicht ueber die Welt hinaus?
Wohl ist hier oben, doch ist kein oben allein. Wohl ist jetzt
Flut, doch Flut ist durch Ebbe; wohl tagt es, doch Nacht war es vor
Tag und Nacht folgt dem Tage und Nacht ist es bei Tag.
Nicht Tag allein ist Leben und Welt, Nacht nicht die Kehrseite des
Tages: ewig ist Tag und Nacht zu gleich. Aus Einhauch und Aushauch ist
Atem, aus Flut und Ebbe Meeresbewegung, aus Tag und Nacht, aus Lust
und Leid die atmende Welt.
Der Nacht Schlaf ist Erwachen des Tages, Vergehen des Tages ist
Entfaltung der Nacht: Was Entwicklung scheint ist ewiger Kreislauf
Einheit in sich, in dir unterscheidende Namen.

*

Verlangen in dir aeussert sich, Wille aus dir gewinnt ausser dir
Gestalt, Tat aus-gefuehrt, im gegen-Stand, selbstaendig geworden, stellt
sich als eigene Kraft wider dich. Bewusster Wille wandelt sich--aus
deinem Bewusstsein entlassen--zu auf dich wirkender Kraft. Aus dir
geboren, dein eignes Kind legt Hand an dich. Du wirst von dem
ergriffen, was du ergreifst; du bist dem zu eigen, was du dein eigen
nennst, und was du schlaegst, schlaegt dich. Dein Werk, aus dir gewirkt,
ist Wirklichkeit und wirkt auf dich zurueck.
Vorstellend wirkst du und wirkend stellst du vor. Vorstellung ist
Wirkung aus dir; gegen-staendlich Vorgestelltes ist Gegenstand;
Gegenstand widersteht; Widerstand ist Wirkung auf dich. Wirkend wirkst
du auf dich selbst. Freier Wille, als Unwillen aus dir entlassen,
noetigt dich, sich gegen dich wendend, als Not-wend-igkeit--karma.
--Alle Tat, alles Wirken, alle Wirklichkeit ist wider dich selbst.
Darum ist gesagt: "gebunden ist Seele durch sich selbst."
Du tust und leidest deine Tat; alle Tat aus dir trifft dich
selbst. Was du dem Andern zu tun vermeinst--Gutes wie Boeses--tust
du dir selbst. Deine Tat ist dein Urteil, deine Tat ist dein
Schicksal. Alles Geschehen dieser Welt--der Gottheit ewig
ausgleichende Gerechtigkeit--karma.
Darum ist gesagt: "Vergeltung der Tat am Taeter."
Darum ist gesagt: "das Trinken der Vergeltung."
Darum wird gesagt: seine Lust buessen.

*

Im verlangenden Ich wirkt sich das Werden dieser Welt.
Alle Wirklichkeit ist atmendes Verlangen in dir; in dir ist alles
Geschehen und alles Geschehens Wertung. Die ganze Welt ist Inhalt
deiner Seele, Ausdruck deines Verlangens, Abbild deiner selbst,
sinnliche Ent-Gegnung seelischer Bewegung in dir. Deine Vorstellung,
dein Verhalten, deine Auffassung, Gesinnung, Neigung--deine
ueber-Zeugung--schafft unterscheidende Namen und unterschiedene
Dinge. Eins an sich ist, was du Ursache oder Wirkung, Freiheit oder
Notwendigkeit, Tat oder Duldung, Leben oder Tod nennst.
Du selbst bist Ur-sache; aus deinem Verlangen schaffen sich die
Welten.
Dein Verlangen schafft Alles, dein Verlangen wandelt Alles.
Endloses Verlangen in dir erscheint als endloses Werden. Aus deinem
Verlangen wird die Welt--erscheint und ist.

*

Alles Wirken und Geschehen--in dir, o Teurer, alle Bewegung und
aller Stillstand, alle Unterscheidung und aller Wandel--in dir, o
Teurer--Werden ver-Werden--in dir. Im Weichbild deiner Welt
spaltet Alles, spielt Alles gegen einander, haelt Alles sich die Wage;
alle Tat findet Vergeltung, alles Geschehen gleicht sich aus, aller
Gegensatz hebt sich auf, alles Aussereinander kehrt in sich zurueck, wie
Wellen sich ebnen.
Dieser Welt Gleichgewicht im ewigen Kreislauf durch ur-Teil und
gegen-Teil; Vergeltung durch Ausgleich, Frieden durch Gleichmut--in
dir, o Teurer, als ewige Gerechtigkeit, als Tugend und Glueck, als
Erkenntnis und Weisheit wach.
Aller Gegensatz und aller Ausgleich ist in dir, o Teurer.
Wie auch Verlangen und Tat, wie auch Liebe und Hass, Lust und
Grauen, Leben und Tod dieser Welt gegen einander stuerme--der Welt
Wesen ist unbewegt. Wie auch Tag und Dunkel dieser Welt wechsle--dem
Wissenden leuchtet ewiges Licht.--

*

Du erkennst:
Was du in karma mit widersprechenden Namen belegst, ist
willkuerliche, in Gegenteile auseinander spaltende, an sich nichtige
Unterscheidung in dir--
Was von solchen Unterscheidungen--in dir als Urteil--ausser dir
als Eigenschaft der Dinge erscheint, ist nur Kennzeichnung deines
wechselnden Verlangens, deines wechselnden zu Standes zum
selbstgeschaffenen gegen-Stand.
Eines ist, was du--urteilend--willkuerlich scheidest; Eines,
was du durch Willensgegensatz in dir zu Gegensaetzen ausser dir praegst:
Willensgestaltung; dein Willen und was wider deinen Willen, wieder
dein Wille ist.
Urteil und Eigenschaft der Dinge und des Geschehens ist deine
Empfindung und Widerspiegelung deines innen-Befindens; ist deine
Einbildung und nach aussen Verlegung--Auslegung deiner Einbildung,
das ist Vorstellung; unbewusst bewusste Einbildung, bewusst unbewusste
Vorstellung.
Eigen Geschaffenes legen wir den Dingen bei und nennen es der
Dinge Eigenschaften; eigen Gewirktes--Wirklichkeit dieser Welt.
Ich aus s-Ich wirkend, wirkt die Wirklichkeit dieser Welt--Ich
ist karma.
Du selbst bist Ur-sache: bist Anziehung und Abstossung, Liebe und
Hass; Lust und Leid ist Abbild deiner selbst, dein Werden ver-Werden.
Einheit an sich--in dir unterscheidende Namen. In deinem Herzen sind
die Auseinandertretungen, Unterscheidung deine eigene Schoepfung. Nur
in deiner Empfindung ist Wandel, nur in dir ist Leben und Atem, nur wo
du bist, ist Welt: Spiel deiner Seele, lebendige Schoepfung aus eigner
freier selbstherrlicher Kraft.
Du erkennst dich Atma in allen Namen, du erkennst dich Atma in
allen Wesen dieser Welt: das Alles bist du, endlos an Gestaltung und
Zahl.
Darum ist gesagt: "Himmel und Erde in deinem Herzen."

*

Durch ur-Sprung--ur-Teil, sich ab-scheidend unter-scheidet: Ich
--Welt; weiss sich Bestand--Akasha; fuehlt Verlangen--Kama; erfaehrt
Wirklichkeit--Karma; unterscheidet in Akasha atmend: Zeit und Raum;
unterscheidet in Kama atmend: Wille und Kraft; unterscheidet in Karma
atmend: Tat und Duldung--: all-so ur-Teil--gegen-Teil atmend wirkt
s-Ich in dir die Wirklichkeit dieser Welt.
Alle unter-Scheidung durch ab-Scheidung im ur-Sprung;--alle
ver-Schiedenheit, alle Umwandlung, alle Vielheit blosse Worte, nur
Namen--Eines ist es in Wahrheit.
Sehend geworden erkennst du:
Es ist der Welt, die dich lebt, Atmen:
-- atma --

*

So, o Teurer, moegen wir Menschen, die Erscheinung durchschauend,
uns Karma vorstellen. Vorstellung, nicht letzte Erkenntnis. Weg zur
grossen Lehre, draussen Stehenden ein zu bewahrendes Geheimnis--
verhuellte Wahrheit--upanishad.

* * *

So lautet in aranada-upanishad der vierte adhaya: Karma,
Wirklichkeit; nunmehr: Manas, Verstand und Urteil.




V.
DER URTEILENDE VERSTAND
-- manas --



Zu dem was ich dir nunmehr zu sagen gedenke, o Teurer, behalte vor
Augen:
Geringes Verstaendnis spricht durch uns Menschen: Von Trugbildern
unserer Sinne geblendet, taumeln wir, einer geaengstigten Herde gleich,
dahin und dorthin, von Torheit zu Torheit, wie Blinde von Blinden, wie
Irre von Irren gefuehrt.--
Sagt dir Jemand: zu verwerfen sei diese Lehre, sie hebe den
Unterschied zwischen Recht und Unrecht auf, sie preise nicht das Gute
und verabscheue nicht das Boese--so antworte ihm: diese Lehre lehrt,
ueber Recht und Unrecht hinaus, der Menschheit hoechstes Ziel--
Selbstlosigkeit.
Und gewiss: festgefuegt ist der Grundbau dieser Lehre,
unerschuetterlich, auf dem Grunde, der unsere Welt traegt. Ist das Eine
so ist das Andere--untrennbar; untrennbar ist Erloesung von dieser
Lehre vollem Erleben.

*

Durch ur-Sprung: ur-Teil-Ich-er-Scheinung; aus ur-Teil-Ich:
ver-Langen: --Tat; aus Tat-widerstand: --Verstaendnis.
-- MANAS --

*

Manas--Denktaetigkeit dieser Welt, Namen des Bewusstseins:
Unterscheidung, UEberlegung, Erwaegung, Einsicht, Verstand und Urteil.
Also ist die Unterweisung:
Ich komme auf Gesagtes zurueck, o Teurer: widersprechend ist der
Wille in den Beiden, die von getrenntem Standort aus--verstaendnislos
--einander bekaempfen; widersprechend auch das Urteil.
Ich, siegend, will die Tat, und sein Urteil ist seinem Willen
gemaess: "du bist meine Nahrung, ich toete dich, es ist mein Recht".
Ich, unterliegend, enwill die Tat, und sein Urteil ist seinem
Willen gemaess: "du darfst mich nicht toeten, es ist Unrecht und boese."

*

Du erwaegst zunaechst das Urteil im Raum erscheinend:
Der Gedanke in beiden ist Einer: Ich-Bestand, Ich-Verlangen,
Ich-Tat; Bestand, Verlangen, Tat steht in Ich und Ich sich selbst
gegenueber.
Im Einen wie im Andern derselbe Wille, dieselbe Tat--
widersprechendes Urteil. Jeder der Beiden will die Tat tun, Keiner der
Beiden will die Tat dulden. Wer angreift und siegt, lobt Wollen und
Tun; wer abwehrt und erliegt, schilt Wollen und Tun. Hier Lob, dort
Tadel; Recht dem Einen ist Schuld dem Andern.
Urteil widerspricht sich im Raum.--

*

Ferner: Urteil in der Zeit erscheinend:
Je nachdem Ich Angriff-Abwehr aufnimmt auf gibt, gestaltet sich
das Urteil im Ich.
Ich, das angreifend die Tat tun will, Ich, das angegriffen die Tat
nicht dulden will--wechselt seinen Stand zur Tat: will, was es dem
Andern antun wollte, nicht mehr tun; will selbst erdulden, was der
Andere von ihm erdulden sollte--will dulden, nicht tun. Mit
gewechseltem Standort wechselt der Wille, mit gewechseltem Wollen
wechselt das Urteil. Ich schilt, was es lobte, Ich lobt, was es
schalt.
Urteil wechselt in der Zeit.--

*

Und ferner: Urteil in sich:
Je nach dem vierfachen Standort des Ich im Verlangen, je nach
zwiefachem Stand des Ich in sich, je nach zwiefachem Stand des Ich
ausser sich, ist die Beziehung des Ich zum gegenstaendlich aufgefassten
Gedanken, ist Willen und Urteil des Ich. Ein und das selbe Ding, das
selbe Tun, der selbe Vorgang, Ein Geschehen, Ein Gedanke erscheint im
Ich als verschieden, als in gegen-Teile zerfallen, als Zweierlei, je
nach dem Willensstandort des Ich zum Gedanken--je nachdem der
Gedanke dem Ich als Gegensatz zu sich, oder als Gegensatz in sich, als
fremder Gegenstand oder als eigener Zustand erscheint. Der
einheitliche Gedanke: 'Frass' wird zweierlei: 'Frass an dir--Frass an
mir, fressen und gefressen werden'.

*

Das selbe Eine unveraenderte Ich urteilt ueber den selben Einen
unveraenderten Gedanken vom selben Standort zur selben Zeit--
zwiefach; zwiefach auf jedem Standort, zwiefach zu jeder Zeit; gut und
zugleich boese, schoen und zugleich haesslich, recht und zugleich schuld,
je nachdem Ich den Gedanken aufnehmen oder abweisen will, je nachdem
das Urteil dem eigenen oder dem gegenstaendlichen Ich gelten soll, je
nachdem das Urteil mein Ich--m-Ich, oder dein Ich--d-Ich betrifft.
Angreifend haelt Ich Angriff fuer Recht, doch selbst angegriffen fuer
Schuld. Fressend haelt Ich das Tun fuer loeblich und gut, doch selbst
gefressen fuer unrecht und boese--, dich fressen ist recht, mich
fressen ist schuld'. Lob und Tadel, gut und boese, schoen und haesslich,
Frass und nicht Frass in Einem Atem, Verlangen, urteilend, steht sich
selbst gegenueber.
Alles Urteil traegt sein Gegenurteil in sich. Wie kein Teil ohne
Gegenteil, so kein Urteil ohne Gegenurteil.
Urteil ist nicht nur zwiespaeltig vom zwiefachen Standort des Ich
im Raum, nicht nur zwiespaeltig vom zwiefachen Standort des Ich in der
Zeit, Urteil ist zwiespaeltig in sich.

*

Alles Urteil ruht in der Selbstherrlichkeit Ich; alles Urteil im
Ich ist will-kuer-lich wechselnd.
Urteil widerspricht sich im Raum; Urteil wechselt in der Zeit.
Alle Entscheidung im Urteil ruht auf Entscheidung im Willen.
Willen liegt unmittelbar in jedem Urteil. Urteil und Willen deckt
sich. Urteil ist Ausdruck des Willens. Immer ist Willen Lust; immer
ist Unwille Leid. Willen hat immer Recht:
'ich habe Lust--ich will; ich leide es nicht--will nicht. Was
ich will ist gut; ich will es, darum ist es gut; boese ist was ich
nicht will, was nicht ich will, was mich will.'
'ich habe recht' heisst: 'ich will'; 'du hast Unrecht' heisst: 'ich
will nicht'; 'du sollst' ist dasselbe wie 'ich will'; 'du darfst
nicht' ist dasselbe wie 'ich will nicht'.--Alles Gebot, alles Verbot
--muessige Fragen dem Wissenden.
Was ich an mich ziehe, nenne ich anziehend; was wider mich ist,
ist widerlich; was mir schadet, ist schaedlich; was meinen Zwecken
dient, ist zweckmaessig; was nicht mir nutzt--nichtsnutzig; was zu
schonen ist, ist schoen; was ich liebe, ist lieblich; was ich hasse--
haesslich.
Lust hier ist Leid dort; Lust jetzt ist Leid dann; in Lust ist
Leid, in Leid ist Lust; Lust ist Leid, Leid ist Lust.
Keine guten und keine boesen Dinge auf der Welt; keine guten, keine
boesen Geschoepfe; keine guten, keine boesen Menschen. Boese ist, was zu
mir boese ist; gut ist, was zu mir gut ist. Du willst Wirkung aus dir;
ungewollte Wirkung auf dich nennst du boese. Gutes wie Boeses ist nur in
deinem Urteil--sonst nirgends. Du lobst und tadelst dich selbst, je
nachdem du am gegen-Stand an-Teil nimmst, je nachdem du dich selbst im
gegen-Stand bewusst oder unbewusst empfindest.
Du erkennst: es gibt kein Urteil ansich. Urteil ist nur
Rechtfertigung, nur Entschuldigung, nur Beschoenigung deines
Verlangens. Was als Urteil im Ich erscheint ist Willensausdruck. Wille
ist Ich. Ich will, Ich urteilt. Es gibt kein Urteil
--Ich ist Urteil.--
Dies wunderbar Einfache erfasst die Menschheit nicht.

*

Wie dein Stand im Raum bestimmt, was mit rechts oder mit links,
was mit oben oder mit unten zu bezeichnen sei; wie dein Stand in der
Zeit bestimmt, was du als Vergangenheit und was du als Zukunft
unterscheidest, so bestimmt deine Beziehung zum Gedanken, dein
zu-Stand zum gegen-Stand--das Wollen in dir--du selbst--was du
gut oder boese, schoen oder haesslich, Recht oder Schuld nennst, und wie
jenen Bedeutungen, so kommt auch diesen keine Wahrheit zu.--Wie
deine gegen-Wart in Raum und Zeit ein willkuerlicher Scheidepunkt ist,
der dir das Recht zu geben scheint, Verschiedenheit zu schaffen, ein
rechts und ein links, ein oben und ein unten, ein vorher und nachher
zu unterscheiden, so schafft deine gegen-Wart zum gegen-Stand, deine
Beziehung zum gegenstaendlich aufgefassten Gedanken, dein Stand im
Verlangen, der Wille in dir--du selbst--Unterscheidung im
Ungeschiedenen, macht dich als Gegensatz unterscheiden, was Eines ist:
dein Verlangen--du selbst.
In deinem Herzen sind die Auseinandertretungen, in dir ist
Unterscheidung und aller Wandel der Unterscheidung. Wie aus rechts
links wird, wie aus oben unten wird, wie aus hier dort wird, wie aus
Zeit Raum wird, aus Willen Kraft, aus Freiheit Notwendigkeit, aus Tat
Duldung, aus Lust Leid, aus Liebe Hass--so wird aus gut boese, aus
boese gut, sobald du--atmend--dich in Gedanken wendest. Du neigst
dich dem einen zu und neigst dich dem anderen ab. Dein Standort
bedingt deinen zu-Stand; dein Zustand bedingt Willen und Urteil; Wille
und Urteil bist du selbst.
Du urteilst gerecht nach bestem Wissen und Gewissen. Wie du auch
urteilst, du urteilst von dir aus; von deinem Standort aus beurteilst
du deinen gegen-Stand; je nach deinem Ver-staendnis, je nach deinem
Ab-stand oder deinem An-stand bildet sich dein Urteil.
Wie du auch urteilst, es bleibt dein Urteil. Du erwartest, hoffst,
nimmst Anteil; deine Zuneigung entscheidet oder deine Abneigung, Naehe
oder Ferne deines Standortes. Wechselt dein Standort, so wechselt
deine 'An-sicht'; wechselt deine Ansicht, so wechselt dein Urteil.
Du schaust und urteilst vom Standort des Taeters oder schaust und
urteilst vom Standort des Dulders; du versetzt dich in die Lage des
Henkers oder in die Lage des Opfers; du nimmst, je nachdem du dich
selbst fressend oder gefressen fuehlst, bewusst oder unbewusst Partei.

*

Dein Urteil ist deine Anteil-nahme, deine Be-teil-igung am
Gegen-stand. Was dem Beurteilten von dir zuteil wird, bist du selbst.
Dein Urteil ist dein Eingehen in den Gegen-stand, dein 'inter-esse',
dein Einssein mit dem Gegenstand. Du bist Richter in eigener Sache und
urteilend triffst du dich selbst.
Wie du auch urteilst, dein Urteil bleibt einseitig; doppelseitiges
Urteil waere Widerspruch in sich; vollstaendiges Ur-teil waere
vollstaendiges Teil. Gerechtes Urteil urteilt nicht.
Bedeutungslos ob Jemand deinem Urteil widerspricht, denn er
urteilt von eigenem Standort; bedeutungslos ob Jemand deinem Urteil
zustimmt; bedeutungslos wenn die Besten deines Volkes und aller Voelker
deines Urteils sind. Alle die, welche deinem Urteil beistimmen, stehen
bei dir, sind dir Beistand, vertreten deinen Standpunkt, sind mit dir
ein-ver-standen, deine Standesgenossen, deine Partner--nichts mehr.
Alles Urteil ist Partei.
Alle Urteils-Wertung liegt in dir; was du am gegen-Stand
beurteilst, bist du selbst--am Wesen des Beurteilten haftet kein
Hauch deines Urteils, in keiner Form, in keinem Sinne, weder offen
noch verborgen, weder hier noch sonstwo, weder heute noch je--Urteil
ist Ausdruck deines Verlangens.

*

Alle Wahrnehmung schafft sich in dir: gleichviel ob du solche als
unbestreitbare Beschaffenheit des Gegenstandes erachtest, oder als
eigengeschaffenes Willens Urteil durchschaust.
Eigenschaft ausser dir und Urteil in dir ist Eines; je nach
sinnlicher oder seelischer Auffassung erscheint dir das Geschaute
fremd oder eigen, sachlich in sich oder willkuerlich aus dir. Was dir
Eigenschaft der Dinge scheint, ist Auslegung deiner Empfindung, ist
dein eigener Zustand in den Gegen-stand verlegt; ist schaffendes
Verlangen aus dir in deinen Gegenstand uebertragen.
Seelisches Verlangen in dir gewinnt sinnliches Leben ausser dir;
Verlangen ausgelegt, im Raum selb-staendig geworden, wird leibhaftig,
tritt dir als Ding verkoerpert gegenueber. Deiner eigenen Seele
Schoepfung, in raeumliche Wirklichkeit hinausverlegt, ist ausser dem
Bereich deiner Seele dir entfremdet, darum von dir nicht mehr als
Eigenschaffung erkannt, darum als Ding und Eigenschaft des Dinges
sinnlich geschaut.
Je unmittelbarer die schaffende Vorstellung aus dir quillt, je
unbewusster du selbst deine Vorstellung bist, desto fremder und ferner,
desto unbedingter erscheint dir das zur Vorstellung Gewordene,
erscheint sachlich an sich.
Erscheint dir aber Ding und Eigenschaft sachlich und unbedingt an
sich, so erscheint auch alle Wahrnehmung am Dinge: Vielheit, Mass und
Lage, Bewegung, Verhalten und Verhaeltnis der Dinge untereinander
unbedingt, so erscheint die ganze dingliche Aussenwelt, alle
Wirklichkeit unabhaengig von dir, unabhaengig von deiner Wahrnehmung und
Empfindung.
Was unbedingt scheint, bedingst du selbst; die Be-ding-ung ist in
dir, daher die scheinbare Unbedingtheit. Dein Anteil an den Dingen
schafft Ding und Eigenschaft der Dinge; der Dinge Anteil an dir ist
dein Urteil und bist du selbst.
Eigen Geschaffenes legen wir den Dingen bei und nennen es der
Dinge Eigenschaften--eigen Gewirktes Wirklichkeit dieser Welt.

*

Urteilendes Urteil ist nur wo eine Beur-teilung von Ding und
Eigenschaft, wo eine Teilung im Urteil moeglich ist. Ist eine
Wahlentscheidung zwischen Moeglichkeiten--eine Will-kuer im Urteil
nicht denkbar, das heisst: sind Zwei-fel, das heisst zwei Faelle im
Urteil ausgeschlossen, so ist kein 'Urteil', so ist blosse Benennung
oder erweiterte Einsicht--Ent-deckung--nicht Urteil--wie:
Die drei Seiten eines Dreiecks, einer drei-geteilten Geraden
entnommen, ergeben zusammengetan wieder die Gerade; die drei Winkel
eines Dreiecks, dem drei geteilten Winkel einer Geraden entnommen,
ergeben zusammengetan wieder den Winkel einer Geraden--nicht Urteil,
sondern blosses Ergebnis einer Drei Teilung und Wiederzusammenfuegung
der Drei Teilung; selbstverstaendlich--daher unwiderleglich,
nichtssagend--daher widerspruchslos, gleichgueltig--daher
allgemeingueltig, daher unbedingt, sachlich an sich erscheinend;--
blosse Wiederholung des Selben, wie: 'zwei mal zwei gleich vier', das
heisst: 'vier ist das Gleiche wie zwei mal zwei', blosse Umstellung oder
Umbenennung, dieselbe Aussage mit andern Worten--faelschlich 'Urteil'
genannt.
Willenloses Urteil, 'Urteil in sich' ist undenkbar, schuefe ewig
Unloesliches, schuefe sich selbst Aufhebendes--waere sinnliche Gottheit
--undenkbar.

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