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Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

Das hohe Ziel der Erkenntnis

O >> Omar Al Raschid Bey >> Das hohe Ziel der Erkenntnis

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*

Aller Wille will nicht, aller Unwille will. Unwillen durch Willen,
Willen durch Unwillen--Wille und Wille untrennbar--Eines, wie Zeit
und Raum, wie oben und unten.
Versuche zu verstehen:
Wenn du wollend nicht willst und nicht wollend willst, was nicht
wollend dich will, was wollend dich nicht will, was dir unwillig
willig zu-kommt, was dir willig unwillig aus-kommt, nennst du mit
zeitlich raeumlichen Namen. Was du willig Zeit oder Raum nennst, nennst
du unwillig Raum oder Zeit.
Zeit und Raum--Gestaltung deines Willens; Zeit und Raum--
andere Worte fuer deinen Willen und fuer das, was, wider deinen Willen,
wieder dein Wille ist--Gestaltung deiner selbst.

*

Ich Atem ist Einhauch und Aushauch, ist innen und aussen, ist
zu-Stand und gegen-Stand, ist Wille und Unwille, ist Zeit und Raum,
Ich und nicht lch.
Also von Gegensatz zu Gegensatz atmend schafft Ich Zeit und Raum,
mit Zeit und Raum--die Welt, deines Verlangens sinnlicher
Widerschein.

*

Also ist der Atem des Verlangens Wille-un-Wille im Ich--aus Tat
durch Widerstand zu Duldung--Atem, Leben, Bewegung, Wandel, von
Ich-bestand I auf Ich-wider-Stand II und auf Ich-wieder-bestand III
zurueck. Ich-Verlangen, wandelnd, zu seinem gegen-Stand und zu sich
selbst zurueck ver-wandelt; Ich durch wider-Ich zu wieder-Ich; von Ich
zu Ich; Ich Atmen--atma.

*

Und ferner, o Teurer, Verlangen in dir ist Schoepferkraft.
Von geringem Verstaendnis sind wir Menschen, blind vor Verlangen
erkennen wir offenen Auges das Naechste nicht. Was im Samsara
verlangend waechst, nennen wir unsern Willen; Hemmung unseres Willens
empfinden wir unwillig; empfundenen Unwillen legen wir aus als Wirkung
fremder Kraft.
Ausuebend wandelst du eigenen Willen zu rueckwirkender Kraft.
Wollend schaffst du Unwillen. Unwillen weist du von dir ab; darum
erscheint er ausser dir, dir entfremdet, scheint fremde Kraft gegen
dich. Oder mit anderen Worten gesagt: weil es fremder Wille ist, darum
ist er nicht in dir--beides ist dasselbe.
Unwillen in dir ist Willen wider dich. Der eigene Wille-un-Wille
von dir ge-aeussert, von dir ausgelegt, das ist: aus dir hinaus verlegt,
im gegen-Stand selbst staendig geworden, vom gegen-Stand
wider-stehend, als Widerstand auf dich rueckwirkend, ist dir des
Gegenstandes Widerstandskraft. Wille in dir schafft mit
Not-wend-igkeit rueckwirkende Kraft--Widerwille in dir ist Widerstand
ausser dir.
Was Eines ist, benennst du mit unterscheidenden Namen. Was du in
dir Willen nennst, nennst du ausser dir Kraft. Kraft in dir bewusst,
nennt sich Willen; Willen ausser deinem Bewusstsein scheint dir
bewusstlose Kraft. Aller Wille ist Kraft, alle Kraft ist Willen. Wille
ist Kraft aus dir, Unwillen in dir ist Kraft gegen dich.
Aus dir fliesst Willen und Kraft; Eines ist Willen und Kraft--
Verlangen in dir--du selbst. Sehend geworden erkennst du den eigenen
Willen in fremder Kraft, dich selbst im nicht-Ich.
In deinem Herzen ist die Auseinandertretung, deine eigene
Schoepfung die Unterscheidung: Zeit-Wille--Raum-Kraft. Ich ist Zeit
und Raum, Ich ist Wille und Kraft. Ich ist akasha, Ich ist kama.

*

-- Ur-sprung --

Namen des Verlangens vom Ich aus.

Ich--nicht-Ich
m-Ich empfunden--d-Ich vorgestellt
in der Seele unmittelbar gewusst--mittelst der Sinne erfasst
als eigen erkannt--als fremd verkannt
innen-Zustand--aussen-Gegenstand
wechselndes Verlangen--Entzweiung einheitlichen Verlangens
geaenderter Wille--eines anderen Wille
eigener Widerwille--fremder Widerstand
Wandel, seelische Empfindung--Wandel, koerperliche Bewegung
Ursache--Wirkung
Wille--Kraft
Freiheit--Notwendigkeit
Einbildung--Vorstellung
ur-Teil--gegen-Teil
Zeit--Raum
Seele--Koerper
werdende--gewordene

Welt.

* * *

Ich, durch-ur-Sprung--ur-Teil, un-zu-langend--ver-langt; Ich
ur-Teil verlangt nach dem gegen-Teil. Darum ist Ich Verlangen.
Alles Verlangen ruht auf Unzulaenglichkeit, auf Beduerfnis, auf
Mangel, auf Gebrechen, auf Bedraengnis, auf Sehnsucht, auf Furcht und
Hoffnung, auf Not und Qual; alles Verlangen ruht auf Zwiespalt, auf
Zwiespalt der Seele, alles Verlangen auf ur-Sprung. Alles Verlangen
ist Verlangen nach er-Gaenz-ung, Verlangen nach wieder-ver-Ein-igung
mit Gottheit.
Ich empfindet sich Bruchstueck, darum hungert Ich nach dem
Entgangenen; darum lebt alles Ich ausser sich, darum ist alles Ich
friedlos; darum sucht Ich, begehrt Ich, sehnt sich nach anderem,
bewegt sich, neigt sich, naehert sich anderem, naehrt sich von anderem.
Eines Wesens ist, wenn der Spalt im Holz sich zu schliessen trachtet--
wenn ein Ich bewusst will; Enzweiung will Zu-eins-paarung. Aus Einer
Quelle fliesst: sich eines Anderen Seele naehern--sich von eines
Anderen Koerper naehren.
Darum lebt Alles dieser Welt durch Naehrung, durch Ein-ver-
leib-ung, durch an-Eign-ung; darum lebt alles Ich durch ein anderes
und lebt kein Ich ohne nicht-Ich, und lebt alles Ich durch nicht Ich
--seelisch wie sinnlich.
Also beschraenkt sucht Ich Unbeschraenktheit, also unvollstaendig
sucht Ich Vollstaendigkeit, also unvollkommen sucht Ich Vollkommenheit,
also verstossen sucht Ich nach dem verlorenen Paradiese, also
vereinsamt und verlassen schreit Ich um Hilfe--es verlangt alles Ich
nach Allumfassen, nach Alleinheit, nach Vollendung--nach Nirvana.
Es verlangt m-Ich--Ich muss verlangen, muss ausser sich wollen, muss
von Anderem leben, muss jagen und erbeuten, muss wuergen und fressen.
Ich muss alles nicht-Ich zu sich wollen, muss an-eign-en wollen, muss
fuer sich lieben und hassen, muss wider alles nicht-Ich stehen, muss
allem nicht-Ich Gegner und Feind sein solange Ich 'Ich' ist. Es ist
kein Ausweg. Wer das Heil im Ich sucht, dem ist Selbstsucht geboten.
Alles ich lebt nur durch Selbstsucht. Alles Ich, blind durch
Ichheit, von Ichheit besessen, vermeint in s-Ich das hoechste Gut zu
verteidigen--: zum Bewusstsein erwachende Gottheit.
Darum ist zwischen Ich und Ich ewige Tat, ewiger Widerstand,
ewiges Wirken, darum ist die Wirklichkeit dieser Welt ewiger Kampf.
Darueber ist gesagt: "aus Verlangen und Naehrung hat Brahma diese
Welt gebildet".
Das Verlangen ist Lust; das Lust-verlangen ist endlos.
Wie ein Mann nach dem Weibe verlangt--und wuerde er auch in
solchem Verlangen ganz zum Weibe--nicht befriedigt ist, nunmehr nach
dem Manne verlangt, so verlangt das Ich nach dem, was es nicht ist,
und wenn es das Verlangte erlangt hat, ist es dennoch voll Verlangen.
Ich ist Verlangen, das Verlangen ist endlos.
Ich verlangt nach Allem, was es nicht ist. Ich, sich selbst im
Anderen verkennend, jagt nach sinnlich sinnlosem Ziele--endlose
Taeuschung der Sinnenwelt--Sinnlosigkeit der Sinnenwelt--sinnlos,
weil sinnlich.
Alles Verlangen ist Verlangen zu sich, alles Verlangen ist Ich
Verlangen. Es gibt kein selbstloses Verlangen. Kein Ich ist leer von
Verlangen. Verlangen erfuellt, bewegt, belebt, beseelt das Ich. Ich ist
nur durch Verlangen. Ich in aller seiner Gestaltung ist Verlangen--
Ich, das verlangend, nie erlangt.

*

Auf Einem Gedanken ruht diese Welt:
Verlangen nach Wiedervereinigung mit Gottheit; im Verlangen ist
Bindung und--Loesung dieser Welt.
Nichts ausserhalb des Verlangens; nichts was nicht im Verlangen zum
Ich in Beziehung steht. Verlangen ist allueberall, Verlangen ist
allgegenwaertig, Verlangen ist immer. Verlangen ist nie gestillt.
Verlangen birgt sich in allem Geschehen, in aller Tat, in allen
Gestalten, unter allen Namen dieser Welt--ver-Langen nach
ver-Einigung! sinnlich und seelisch.
Anziehung und Abstossung ist Verlangen, bruenstige Wuensche--
inbruenstiges Gebet, Liebe wie Hass. Niederste Gier ist Verlangen nach
dem Hoechsten. Tiefster Samsara hat hoechstes Ziel: Eines ist was dich
--dich Koerper, dich Seele--zu Nahrung treibt, zu Erwerb, zu Weib
und Kind, zu Macht, zu Entsagung, zu Erkenntnis, All-Einheit,
Vollendung, nirvana.
Verlangen fuehrt dich in die Welt, Verlangen haelt dich in der Welt
befangen, Verlangen fuehrt dich ueber diese Welt des Verlangens hinaus.
Also geschlossen im Verlangen ist die ewige Kette; also loest sich
aller Irrtum, alle Suende dieser Welt: durch Verlangen ist Samsara,
durch Verlangen ist Nirvana.
Endloses Verlangen erscheint als endloses Werden.

*

Ur-teil-Ich-er-Schein-ung lebt nur Einen Gedanken:
Durch ur-Sprung--ent-Zwei-ung; durch Entzweiung--ver-Langen,
nach wieder-ver-Ein-igung.
Alles Ich will sich, will Alles zu sich,--en-will sich zum All.
Also haelt Verlangen nach Vereinigung zu sich alles Ich
auseinander.
Durch Entzweiung--Vereinigung; durch Vereinigung--Entzweiung
--Unergruendlichkeit--Ewigkeit des Ur-sprungs.
Die Ich-bin-heit haelt Ich und Ich auseinander. Asmita ist Schoepfer
dieser Welt. Keine Erloesung im Samsara. Keine Seeligkeit, keine
Erloesung im Ich.
Ur-Teil-Ich durch ur-Srung ab-geschieden, unterscheidet: Ich--
Welt; sieht sich Bestand, Akasha; fuehlt sich Verlangen, kama;--
unterscheidet in Akasha atmend: Zeit--Raum; unterscheidet in Kama
atmend: eigenen Willen--fremde Kraft--
Alle unter-scheidung durch ab-Scheidung im ur-Sprung in ur-Teil
und Gegen-Teil.
Sehend geworden erkennst du:
Es ist der Welt, die dich lebt, Atmen:
-- Atma --

*

O Teurer, wie ich es dir zunaechst dargelegt habe, so moegen wir
Menschen der Erscheinung nach-denkend, uns der Wahrheit annaehern. Nur
dem tief ernst Suchenden enthuellt sich die tiefe Lehre--upanishad--
der Menscheit Hoheziel--Hoheziel.

*

So lautet in Aranada-Upanishad der dritte adhyaya: Kama,
Verlangen; nunmehr Karma, Wirklichkeit.




IV.
WIRKLICHKEIT DIESER WELT
-- karma --



Zu dem, was ich dir ferner zu sagen gedenke, o Teurer, wisse:
einfach ist alle Wahrheit, Vielheit ist Irrtum dieser Welt.
Wie das dichte Laubdach eines Urwaldes vor einem stuerzenden Stamme
zerreisst und helles Tageslicht ploetzlich die Daemmerung am Boden
ueberflutet--so brach bange Unwissenheit in sich zusammen und
ueberstrahlte mich das Licht der Erkenntnis; und was grosse Lehrer vor
mir als unausdenkbar erachtet hatten, als unergruendlich, als ewiges
Geheimnis--trat in mir zutage, wuchs und erstarkte zu voller
Erkenntnis. Gesegnet sei die Stunde, da ich Gewissheit erlangte: also
ist, was sie Tatgesetz nennen, also ist Wirklichkeit: Karma--
Freiheit des Tuns--eherne Notwendigkeit.
Und schon einmal habe ich solche Erkenntnis ausgesprochen zu jenen
Zeiten, als der Koenig der Videha mich befragte; aber unverstanden
blieb, was ich verkuendete, unerkannt in seinen Tiefen--verlorene
Wahrheit offenbare ich dir wieder.

* * *

Aus ur-Sprung--: ur-Teil-Ich-Erscheinung; aus ur-Teil-Ich--:
ver-Langen; aus Verlangen--: Tat
-- KARMA --

*

Tat und Tatergebnis, Wirken und Wirklichkeit dieser Welt--in
dir, o Teurer, als Lust und Leid bewusst, als Tat und Duldung, als
Ursache und Wirkung, als Freiheit und Notwendigkeit--in dir, o
Teurer, als vergeltende Gerechtigkeit der Gottheit wach.

*

Also ist die Unterweisung:
Wie im dichtgeschlossenen Raume dein Atem die Luft verdirbt und
die verdorbene Luft auf dich vergiftend zurueckwirkt--
--wie ein fliehender Feind, von dir verfolgt, sich wendet und
dich aus Tat und Angriff zu Abwehr und Leid zurueckdraengt--
--wie das Geschoss der schwarzen Haut im Wurf auf dich zurueckkehrt--
--wie dein Schwert, am Widerstand abprallend, dich selbst trifft--
--also ist Karma: Tat und Widerstand, Wirkung und Rueckwirkung,
Ausgleich, Vergeltung, ewige Gerechtigkeit--Wirklichkeit dieser Welt.

* * *

Karma, Wirklichkeit dieser Welt, wirkt sich in dir aus Ursache und
Wirkung.
Ursache und Wirkung erscheint mit dem Zerfall in Ich und
nicht-Ich.
Du empfindest eigner Tat Ursache in dir, schaust eigner Tat
Wirkung ausser dir, am wider-Stand; Widerstand ist Wirkung auf dich;
Wirkung auf dich begreifst du als fremder Tat Ursache. Ursache wird
Wirkung, Wirkung wird Ursache. Die Tat bedingt das Ergebnis, das
Ergebnis bedingt die Tat; Voraussetzung ist Enderfolg; Folge ist
Bedingung. Alle Wirkung ist in der Ursache; alle Wirkung ist
Widerwirkung, Ausgleich von Ursache und Wirkung--Wechselwirkung--
wie zwei Muehlsteine sich aneinander schaerfen.--Eines Vorganges
geschiedene Auffassung in dir, ur-teilende Namen. Was du fremd
anschauend 'Ursache oder Wirkung' nennst, nennst du beteiligt 'Willen
oder Unwillen' in dir. Je nachdem du willig-un-willig tust oder
duldest, je nach Willen oder Unwillen in dir, erscheint verschieden,
was Eines ist.
Eines ist, was du willkuerlich scheidest--Eines ist Tat aus dir
und Wirkung auf dich--Eines, was du seelisch auslegst und was du dir
sinnlich vorstellst. Tuend nennt sich Ursache, was leidend sich
Wirkung nennt, Beid-einheit--scheinbare Zweiheit durch zwiefache
Benennung desselben.
Vor der ewigen Ich-gegenwart erscheint, was Eines ist, zu einer
zeitlichen Kette auseinandergezogen, erscheint in Glieder zerstueckt--
ineinander greifende Glieder einer unloeslichen Kette von Ursache und
Wirkung. Was in sich Eines ist, erscheint uns zeit-raeumlich Schauenden
zu Aus-ein-ander-folge ausgedehnt.
Es scheint, als sei Zerfall in Ur-teil und Gegen-teil, als sei
Zu-stand und Gegen-stand, als sei Empfindung durch Wirkung des
Empfundenen, als sei Folge und Folglichkeit. Keine Zeit an sich, kein
Raum, keine Ursache, keine Wirkung, keine Folge, keine Folglichkeit.
Weil an sich keine Ursache ist, weil an sich keine Wirkung ist,
darum ist keine Ursaechlichkeit an sich. Im scheinbar bedingenden Worte
"weil" liegt keine Ursaechlichkeit; "weil" besagt nur: der weile, das
ist: zur selben Zeit--nichts mehr. Im scheinbar folgernden Worte
"darum" liegt keine Folgerung; "darum" besagt nur: daherum, das ist:
am selben Ort--nichts mehr. Scheinbare Zweierleiheit zur selben Zeit
am gleichen Ort ist Eines. Die scheinbar bedingenden, scheinbar
folgernden Worte aller Sprachen besagen nur: in Zeit und Raum
zusammenfallende Erscheinung, Beid-einheit--nichts mehr. Raumanstoss
ist Zeitfolge--Selbeinheit, nicht Folglichkeit.
Was du Ursaechlichkeit, Folge, Folglichkeit nennst, ist Fluss
lueckenloser Empfindung in dir, endlos in Einhauch und Aushauch atmende
Willensbeziehung zum endlos aus dir geschaffenen Gegen-stand.--
Nichts in der verlangenden Sinnenwelt, was nicht in Beziehung zu
deinem Verlangen steht. Sinnliche Erscheinung ist Ausdruck deines
seelischen Verlangens; Eines, durch rastlos irrendes Verlangen
geschieden, und so, seelisch geschieden, sinnlich als Verschiedenheit
geschaut. Wechselnde Eigenschaffung in dir erscheint ausser dir als
Wechsel der Beschaffenheit; zu-Stand und gegen-Stand bedingen
einander; aendert sich dein Seelenzustand, so aendert sich deinen Sinnen
der Gegenstand--erfasse es wohl: beides ist Eines.
Folglichkeits-erscheinung ist sinnliche Anschauung des Wechselnden
im Beharrenden; Selbeinheits-erkenntnis ist seelisches Erschauen des
Beharrenden im Wechselnden. Anscheinende Gesetzmaessigkeit ruht auf
Vielheitstaeuschung, das ist: deiner sinnlichen Auffassung
zeit-raeumliches Aus-ein-ander-fallen des in sich Einheitlichen.
Folglichkeit--nur aus-ein-ander-gezerrtes Bild der Selbigkeit; ein
Hinweis, dass Raum und Zeit blosse Erscheinung sei und nicht in sich.
Kein Folglichkeitsgesetz dem Wissenden.
Zerfall in Ursache und Wirkung erscheint mit dem Zerfall in "Ich
und Du" im Ursprung; erscheint mit dem Zerfall des Ich in Zeit und
Raum.--Wie Nacht dem Tage folgt und Tag der Nacht, so folgt in
endloser Flucht des Geschehens Wirkung auf Ursache und Ursache auf
Wirkung. Ursache bewirkt und Wirkung verursacht. Wie einer Sohn seines
Vaters ist und Vater seines Sohnes, Vater und Sohn zugleich, so ist
Ursache Wirkung und ist Wirkung Ursache--Wirkung und Ursache
zugleich.
Vieler Worte bedarf es, Selbstverstaendliches darzulegen: Eines ist
Ursache und Wirkung--willkuerliche, an sich nichtige Unterscheidung
in dir; doppelte Benennung des Einen, zwei Worte fuer dasselbe:
Wirklichkeit, Karma--durch dich--auf dich wirkend; Kreislauf des
Verlangens.

* * *

Und ferner, o Teurer, Karma, Wirklichkeit dieser Welt wirkt sich
in dir aus Freiheit und Notwendigkeit.
Freiheit des menschlichen Tuns, o Teurer? oder unabwendbare
Gesetzmaessigkeit alles Geschehens? Offenbar wird dem Erkennenden die
Loesung der grossen Frage an aller Gestaltung, in jedem Vorgang, an
allem Werden, an allem Sein. Dasein; alles Gewordene aus gebundener
Freiheit. Du durchschaust das Raetsel am aufsteigenden Opferrauch, am
Lauf der Gestirne, am Monde, an jeder Zelle. Alles Gebilde ist davon
Bildnis; Urbild aller Gebilde--der Zwoelfflaechner.
Erwaege es wohl! So lange du die endlose Flucht der Erscheinung
'teilend' zu beherrschen glaubst, so lange irrst du im Wege zu
Erkenntnis--: 'einigend' nahst du dem Hohenziel.
Erwaege es wohl! Nur die voll erkannte Lehre loest dich aus den
Fesseln der Unwissenheit--: nicht eher offenbart sich dir das
Geheimnis; nicht eher erwachst du aus vieltausendjaehrigem Schlummer.
Nicht ueberliefert wurde mir die Lehre von der Gemeinschaft
schauender Meister; aus dem Urquell alles Gedankens ward mir die
Loesung, die seit dem Erwachen der Menschheit gesuchte.

*

Also ist die Unterweisung:
Wie ein Ball, aufschlagend, sich abflacht--
--wie runde Beeren, in der Traube zusammengedraengt, zu kantigen
Formen auswachsen--
--wie Wasserblasen im Schaumballen, einander bedraengend, aus der
erstrebten Kugelgestalt mit Notwendigkeit zu Zwoelf-flaechnern werden--
--wie die gewollte Kreisform dicht aneinandergeschlossener
Bienenzellen sich mit Notwendigkeit zum Sechseck gestaltet--
--so widerfaehrt dem Ich im nimmer endenden Verlangen, nach allen
Seiten frei und ungehemmt sich auszubreiten,--notwendig Hemmung von
allen Seiten, von allen Gegen-staenden Widerstand--
--so gestaltet sich, was du Freiheit nennst, zu Notwendigkeit;
das ist: durch freien Willen Aller--notwendig gebundener Wille Aller--
und du erkennst:
Aller Freiheit ist Aller Notwendigkeit.
Dies ist Loesung der grossen Frage, um die du mich angingst:
Freiheit des Willens oder unabweisbare Notwendigkeit alles Geschehens
--restlose Loesung. Was unergruendlich schien, was Jahrtausende vor mir
Morgen- und Abendland, alte und neue Welt, Rishi und Mahatma,
vergeblich suchten--gefunden ist die Loesung des tiefen Raetsels,
durchschaut der Widerspruch, erkannt die Einheit im Gegensinn.

*

Einfach ist alle Wahrheit: Freiheit--zu-Stand des Ich,
Notwendigkeit--gegen-Stand. Als frei getan empfindest du, was dein
eigen, als notwendig geduldet, was dir entfremdet; Freiheit, was du
willig in dir, Notwendigkeit, was du unwillig als draussen erachtest.
Im Bereich des Ich-bewusstseins heisst Freiheit, was darueber hinaus, dem
Weichbild des Ich in Raum entwichen, Notwendigkeit heisst.
Aller Ich bewegt frei den eigenen Willen, Aller Ich empfindet sich
mit Notwendigkeit bewegt vom frei bewegten Willen Aller.
Freien Willen, also gehemmt, empfindest du als Unwillen;
empfundenen Unwillen legst du aus als fremder Kraft not-wen-dige
Wirkung; auf dich rueckwirkende Freiheit nennst du Notwendigkeit;
Wirkung aus dir--Wirkung auf dich.--Was du frei aus dir tust,
bindet dich notwendig.
Freier Wille durch gegen-Stand not-wend-ig bestimmt; freier Wille
in der Sinnenwelt gebunden.
Was ich will, will ich frei--ist Freiheit und Lust; was ich
wider meinen Willen dulde, ist Unlust, Beschraenkung, Notwendigkeit. Je
nachdem ich dem maechtigen Zuge der Welt willig folge oder unwillig
widerstehe--je nach dem ich willig-un-willig umfasse oder
un-willig-willig entlasse--je nach meinem Ziel im Verlangen--
erscheint verschieden, was Eines ist.
Was du in dir freien Willen oder fremden Willen ausser dir nennst,
ist einheitliche Beziehung inzwischen Ich und Ich, von beiden Seiten
gleichzeitig als eigene Freiheit, von beiden Seiten gleichzeitig als
fremder Zwang empfunden.
Kein Gesetz dem Wissenden:
Aller Freiheit ist aller Gebundenheit--Aller Wille ist Aller
Gesetz.
Davon ist gesagt: "Gebunden ist Seele durch Seele." Was sie Gesetz
nennen, ist gehemmtes Verlangen.

*

Es verlangt dich im Zuge der Welt zur Erscheinung--es verlangt
dich zur Erscheinungswelt hinaus. Je nachdem du voreilst oder
zurueckbleibst, je nach deinem zustimmenden oder abweisenden Verlangen
erscheint dir das Werden-ver-Werden der Welt als eigenes Wirken aus
dir oder als fremdes Wirken auf dich--je nach seelischer oder
sinnlicher Auffassung--verinnerlicht oder entaeussert.

*

Hinfaellig ist aller Streit, der feste Bau ist gegruendet. Freiheit,
zu Ende gedacht, ist Notwendigkeit; Notwendigkeit, zu Ende gedacht,
ist Freiheit.
Eines ist, was du zwiefach benennst: Freiheit und Notwendigkeit,
willkuerliche, in sich nichtige Unterscheidung in dir.
Dein Verlangen schafft was du Freiheit, dein Verlangen schafft was
du Notwendigkeit nennst. Karma, Wirklichkeit dieser Welt willig in
dich aufgenommen scheint 'freie' Wirkung aus dir; Karma unwillig
abgewiesen ist notwendig Wirkung wider dich.
Freiheit und Notwendigkeit ununterschieden in sich, weder das
eine, noch das andere, Eines doppelt benannt, zwei Namen fuer das Selbe
--; unendliches Verlangen--endloser Widerstand--Karma in dir
atmend.
Verloren ist Freiheit--gewonnen ist Freiheit; du selbst bist
Herr und Gesetz, du selbst bist Schoepfer--Vernichter. Atma ist sich
selbst Gesetz.
Noch einmal: Gib es auf, die Welt zu durchschauen, ehe dir die
volle Erkenntnis von Karma auf geleuchtet ist.

* * *

Und ferner, o Teurer! karma, Wirklichkeit dieser Welt wirkt sich
in dir aus Tun und Dulden. Ich Dasein ist Tat. Tat erfuellt das Ich,
Tat bewegt, belebt, beseelt das Ich. Ich ist nur durch Tat. Ich in
allen seinen Gestaltungen ist Tat. Alle Tat ist Ich-Tat; keine Tat ist
selbstlos.
Keine Tat geschieht um ihrer selbst willen: du tust, um durch Tat
zu Tat-Frieden zu gelangen. P. W.
Tat ist Frucht des Verlangens, das Verlangen ist endlos. Keine Tat
bringt das Heil. Kein Tun stillt das Verlangen; Verlangen ist ewig
wach; Befriedigung ist ewig Taeuschung.
Unerreichbares waehnst du durch Tat zu erreichen. Tat foerdert neue
Tat. Tat fordert neue Tat. Tat fuehrt endlos zu Tat. Jede erfolgte Tat
fesselt dich an den Erfolg der Tat. Tat verschuldet dich irdischen
Maechten. Unselig ist alle Tat--eine ewige Kette. Alle Tat, gute wie
boese, schafft neues karma. Keine Erloesung durch Tat--tuend wirkst du
diese Welt.
Darum ist gesagt: "der boes Handelnde, der gut Handelnde bleibt
durch sein Tun gebunden."
Darum sagt Shamkara, der Lehrer: "die Seele von Boesem und Gutem
befleckt."
"Seele wird nicht hoeher durch gutes Werk, Seele wird nicht
geringer durch boeses Werk."--"Sein Reich leidet durch keine Tat
mehr; ueber Gutes und Boeses--ueber beides ging der Vollendete hinaus."
Darum sagt Shri-shagavad-gita-upanishad: "alles Tun ist von Schuld
umhuellt."
Darum spricht die Gottheit Krishna: "ich bin ausserhalb dieses
Tuns."
Darum lehrt des Heilweges Buch: "das Hoechste ist ohne Tun." "Wer,
solches wissend, von Gutem und Boesem sich rettet, der rettet sich von
Sinnen zu Seele; der rettet sich zu Atma, der solches weiss."

*

Ich rede zu Suchenden, zu dir, o Schueler! draussen Stehenden ein zu
bewahrendes Geheimnis. Ehe du es wagst von Tat zu lassen, erfasse die
Lehre wohl.
Der Gedanke dieser Welt ist suchendes Verlangen; blind irrende
Gedanken des Verlangens walten uebermaechtig allueberall. Was von
Gedanken seelisch sinnlich in dir haftet, lebt, schlaegt Wurzel in dir,
schafft sich zu deiner Seele. Es denkt und will und handelt in dir.
Irresuchenden Gedanken Staette gewaehrend, irrst du im Wege zum
Hohenziel.
Sei taetig so lange dir Tat Befriedigung gewaehrt; sei taetig, doch
sei nicht in der Tat. Wahre die Ruhe deiner Seele--unberuehrt von Tat
und Taterfolg--selbstvergessen. Also tuend wird dir Erkenntnis von
Tat--Tat ohne Taeter. Von Leid und Tat ungeblendet wirst du sehend.

*

In dir, o Teurer, waechst mit jeder neuen Erkenntnis der Gedanke:
'unausfuehrbar in diesem Leben ist die Lehre'.
Nun wohl! Wende dich von diesem Leben ab, das dir des Lebens
hoechstes Gut versagt: 'Seelenfrieden'. Suche hoeheres Ziel! Du selbst
bist Schoepfer und Vernichter. Aus deinem Verlangen schaffen sich die
Welten; dein Verlangen schafft diese, dein Verlangen schafft andere
Welten.

* * *

Was ist, ist durch Gegensatz: dass die Welle sich hebe, muss ein
Wellental sich bilden. Tat ist unabloesbar von Leid; kein Tun ohne
Dulden. Ich-dasein ist Tat und Duldung.
Tat ist am gegen-Stand; Tat ist gegen wider-Stand. Was dem Taeter
Tat und Lust ist, ist Leid und Duldung dem Widerstehenden. Aller Frass
ist Fressen und Gefressenwerden. Lust und Leid ergaenzt sich in Taeter
und Dulder.
Alle Tat ist Frucht des Verlangens: das Verlangen treibt dich; den
Trieb erleidend, tust du. Tuend leidest du und leidend tust du. Leid
aus sich hinaus verlegt, nennt sich Tat.
Wir blinden Menschen erkennen das Leid nicht, wenn wir es Tat
nennen.
Durch Tat ist Leid, durch Leid Tat. Ich tue das Leid, ich leide
die Tat. Ich tue oder dulde Leid. Ich leide, weil du mir Leid antust;
ich leide, wenn du mir leid tust. Ich mache mich selbst leiden. Ich
empfinde mich ausser mir, ich leide in dir.
Darum sagt Shankar-atscharya, Verehrung sei ihm: "Tat--dem Wesen
nach Leid". Tat und Widerstand--zwiefach Leid.
Leid fordert Lust--Lust fordert Leid.
Lust--fremdes Leid, Leid--fremde Lust; Lust ist Wirkung aus
dir, Leid--Wirkung auf dich. Der Hammer ist zum Schlag, der Amboss
zum Widerstand bestellt. Im Hammer Lust und Leid, im Amboss Leid und
Lust. Darum ist Ein Wort fuer beides: ashma.
Was deiner Empfindung-Anschauung gegensaetzlich erscheint, Duldung
wie Tat, waechst aus derselben Wurzel, unterschieden nur durch
unterscheidende Benennung, wie Wille und Unwille, wie Ursache und
Wirkung, wie Freiheit und Notwendigkeit, wie Zeit und Raum, wie oben
und unten--unterscheidende Namen in dir--Zerfall im Ur-sprung in
Ich und Du.

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