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Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

Flametti

H >> Hugo Ball >> Flametti

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"Ja, wart ihr denn auch dabei?" fragte die Soubrette.

Lydia winkte ab. "Natuerlich! Wir waren doch eingeladen! Aber fuer
so was, nein, nein, dafuer sind wir nicht zu haben! Wir gingen
natuerlich, als es mal drei Uhr war."

"Ja, woher wisst ihr denn...?"

"Aehh, diese Unschuld!" kraehte Raffaela, "so was sieht man doch! Man
hat doch Augen im Kopf!"

"Ah, so!" entschuldigte sich die Soubrette...

Der naechste Tag brachte jene Depression der Gefuehle, die auf grosse
Aufregungen zu folgen pflegt, aber auch jenen Niederschlag in Taten,
der fruchtlose Debatten klaert.

Raffaela und Lydia wurden, ohne viel Federlesens, ausgezahlt und
entlassen.

Herrn Meyer und Fraeulein Laura wurden neue Vertraege unterbreitet, zu
deren Akzeptierung und Ratifizierung Herr Meyer sich eine Bedenkzeit
von drei Tagen erbat.

Die Gruende fuer die Entlassung der beiden Scheideisen lagen auf der
Hand. Ihnen schob Flametti die Verhetzung des ganzen Ensembles zu.
Von ihnen wollte Flametti nicht laenger sich nasfuehren lassen.

Nachmittags aber, als man gerade beim Kaffeetisch sass, klopfte es an
der Tuere, behutsam und diskret.

Ein Detektiv stand draussen, wieder einmal. Alle schracken zusammen.

Flametti beeilte sich, den Herrn zu empfangen.

"Fraeulein Laura", kam er geschaeftig zurueck, "fuer Sie!"

"Fuer mich?" fuhr Laura zusammen.

"Ja, fuer Sie!"

Auch Meyer wurde unruhig, bemuehte sich aber, Haltung zu bewahren.

Laura ging hinaus und mit dem Herrn in die Kueche, die nun einmal
bestimmt schien, als Konferenzzimmer Tradition zu bekommen.

"Welcher ist es denn?" fragte Jenny.

"Der Puma", sagte Flametti, ging auf den Zehenspitzen und biss sich
die Lippen.

"Ach, der ist nett!" meinte Jenny konziliant. "Da ist es nichts
Schlimmes."

Alle, auch Fraeulein Theres, die missmutig den Gasherd abgestellt hatte,
horchten bedrueckt und gespannt.

Aus der Kueche vernahm man das stoebernde Murmeln eines Verhoers.

"Pst!" machte Jenny und winkte nach rueckwaerts, "ich kann ja nichts
hoeren!"

Sie stand am geschlossenen Schalter und versuchte, wenigstens ein
paar Worte aufzuschnappen.

"Rezepte... selbst geschrieben... Basel... Narkotika..."

Man vernahm von draussen ein Raeuspern. Mit einem kurzen Schritt trat
Jenny vom Schalter weg.

Jemand polterte die Treppe hinunter.

Die Soubrette kam zurueck, seltsam verdonnert und zerfedert, mit
Gedanken und Blicken noch halb bei dem unten aus der Haustuer
tretenden Beamten.

"Ja, ja", meinte Flametti.

"Was war denn?" interessierte sich Jenny.

"Nichts, nichts!" wehrte Laura ab.

Jenny fuehlte sich verpflichtet, einige Ansichten ueber die Polizei im
allgemeinen und die Detektivs im besonderen von sich zu geben.

"Hm, diese Kerls!" meinte sie, "nirgends ist man sicher vor ihnen!
Max, sag', die muessen doch aus den hintersten Familien stammen!"

Ein wenig Sympathie und Besorgnis klang durch.

Max glaubte: Verachtung.

"Was willst du!" zuckte er die Achseln, "Beruf! Der eine verdient's
mit Alteisen, der andre mit Variete, der dritte mit dem Wolfshund."

"Hm!" gab Jenny in backfischhafter Anwandlung zu bedenken, "immer so
mit dem Wolfshund gehen!"

Flametti hielt's fuer ein Gruseln.

"Was denkst du!" zeigte er sein ueberlegenstes Indianerlaecheln, "erst
die amerikanischen Detektivs! Die amerikanischen Handfesseln,
Schlagringe und Gummiknueppel!" und sah sich, Sympathie heischend,
nach dem geschulten Herrn Meyer um.

Herr Meyer aber sass da mit der verdriesslichsten Miene der Welt, die
Augenlider krampfhaft hochgezogen, fadiert, gelangweilt, bar
jeglicher Lust zu Disputationen.



Die Ereignisse folgten sich rasch, und von seiten der
Hauptbeteiligten ohne nennenswerten Widerstand.

Flamettis Prozess war jetzt auf den dreizehnten angesetzt.

Man spielte in den kleinen und kleinsten Kneipen. Das Ensemble hatte
nach dem Austritt der Damen Scheideisen eine Ergaenzung erfahren. Man
richtete sich ein.

Die Soubrette trat zehnmal auf am Abend: fuenf Soli, vier Ensembles,
einmal als Rezitatorin. Sie sprach dann den "Leutnant aus Zinn" und
die "Fremdenlegionaere".

Engel hatte sich durch freiwilligen Eintritt ins Krankenhaus einen
gluecklichen uebergang zu den "Original--Ideal--Perplex--und
Simplex-Muehlen" gesichert.

Bobby laborierte an einer Entzuendung und die Boegen und Handstaende
fielen ihm schwer. Aber er schaffte es.

Herr Meyer seinerseits sass puenktlich um sechs allabends am Piano, um
das wie Pleureusen die Tropfen von der Decke fielen. Die Portiere am
Eingang--Tueren gab es nicht--klatschte vereist an die Beine etwelcher
zirkussuechtiger Gaeste. Die Kalkwaende der Garderoben blaetterten ab.
"Fruehling ist's, die Blumen bluehen wieder"--selige Erinnerung.

Flametti und Jenny allein bewahrten Humor.

Zum Zeichen ihres absoluten unwandelbaren Einvernehmens sangen sie
zusammen die "Meistersinger von Berlin", ein revueartiges Duett, das
unter ihrer scharf pointierten Interpretation sich als anmutigstes
Duell, voller mondaener Anspielungen auf den laufenden Prozess,
praesentierte.

Der Detektiv von neulich wiederholte Besuch und Nachfrage. Und
Fraeulein Theres war ein zweites Mal gezwungen, den Gasherd abzudrehen
und den Schauplatz ihrer klausurhaft verteidigten kulinarischen
Manipulationen fuer ein Viertelstuendchen zu verlassen.

Flametti waelzte im rastlosen Gehirn finanzielle Transaktionen.

Eine zweistuendige Unterredung hatte er mit Madame Dudlinger,
fruchtlosen Resultates. Eine dreistuendige Unterredung mit Direktor
Farolyi, dem Ungar, voller Elogen, Respekt und Meriten, aber ohne den
rechten klingenden Ausgang. Die Saeulen des Hauses Flametti wackelten.

Aufgestoert, eine Wanderschwalbe, trat Fraeulein Theres vor die
Herrschaft, um ihre Kuendigung vorzubringen.

"Frau", sagte sie sittig, "am fuenfzehnten ist meine Zeit aus", und
kraulte sich mit der Haarnadel in der zerknaeulten Frisur.

"Geh', Theres, was machen Sie da fuer Sachen?" suchte Jenny das
Verhaengnis aufzuhalten.

Aber Theres machte ein Gesicht, so diffizil und spitz, wie ein
Moskito, dem ein Ausraeucherungsdampf in die empfindliche Nase fuhr.

Nein, nein, sie hatte genug. Wenn man nicht einmal in der Kueche
seine Ruhe haben sollte--Verhoerzimmer auf ihre alten Tage, Detektiv
am Herd, am Spuelstein, im Kohlenkasten...

"Nein nein, Frau", sagte sie, groeber als sie es meinte und mit einer
Art schluchzendem Humor, "ich will nicht auf meine alten Tage den
Remis noch kriegen! Am fuenfzehnten geh' ich."

Umsonst versuchte Jenny, ihr den naerrischen Einfall auszureden.
Umsonst Flametti, ihr eine waermere Kueche, Stumpen auf der Stelle, und
eine Flasche Bier vor die Phantasie zu ruecken. Nichts mehr verfing.
Theres blieb bei der Kuendigung. Sie hatte ihre eigene moralische
Ansicht von den bei Flametti eingerissenen Zustaenden.

Gewiss, sie nahm die geschassten Lehrmaedel nicht in Schutz. Aber so
behandelt man trotzdem nicht sein Dienstpersonal. Nein, nein!
Fraeulein Theres fuehlte eine tiefe Solidaritaet. Nein, nein, so was
raecht sich. Da machte sie nicht mit. Das konnte sie nicht gutheissen.

Und weiter: gewiss, der Herr war im Unrecht. So beleidigt man nicht
eine Frau, die auf's Sach sieht und jede Nacht pflichtgetreu neben
ihm lag; die sich huebsch machte fuer ihn und hinter den schlampeten
Weibern herwar mit Ordnung und Zucht.

Aber die Frau: so behandelt man auch nicht einen Mann, der mal einen
Fehltritt beging. Man laesst nicht gleich vier Kerle zu sich kommen,
setzt ihnen Gaensebrust vor und laesst seinem eigenen Gatten das Geld
abnehmen.

Nein, nein, da tat Theres nicht mehr mit. Das war nichts fuer ihre
alten Tage. Mochte man lachen ueber sie, mochte man sie fuer
altmodisch halten. Sie tat nicht mehr mit, verstand diese neue Welt
nicht mehr, gab sich auch keine Muehe mehr, sie zu verstehen. Sie
legte den Schuerhaken hin und ging.

Jetzt fasste auch Herr Meyer seinen Entschluss, ruecksichtslos und
farusch. Den Einfluesterungen der Geschwister Scheideisen, dem
Zureden Bobbys, den Vorstellungen der Braut widerstand er nicht
laenger.

Zwei Tage Bedenkzeit waren bereits verstrichen. Der Zeitpunkt war da.
Jetzt musste gehandelt werden.

Die Moralitaet obsiegte. Hundert Plakate kosteten achtzehn Franken.
Das war zu erschwingen. In drei Tagen konnten sie fertig sein. Man
war gefasst auf alles.

"Raffaela-Ensemble, sollte die Gruendung heissen nach dem Namen der
hervorragendsten Kraft. Raffaela hatte Bekannte in Arbon am Bodensee.
Dort wuerde mag debuetieren, auswaerts sich die ersten Meriten holen.
Noch musste gesprochen werden mit Flametti.

Und Herr Meyer ueberwand ruckhaft die ihm angebotene Scheu und sagte
beim Abendessen:

"Sie, Herr Direktor, ich habe zu reden mit Ihnen."

"Gehen wir rueber ins Cafe Lohengrin!"

"Gut!"

Und sie gingen ins Cafe Lohengrin und Flametti bestellte zwei helle
Bier und Herrn Meyer klopfte das Herz.

"Also schiessen Sie los!" sagte Flametti. Und Herr Meyer holte weit
aus.

Mit den Zustaenden vor Kriegsausbruch begann er, gab einen Inbegriff
seiner Familie, kam dann auf seine Geburt zu sprechen, beruehrte kurz
seine Konfirmation und das Knabenalter, schwenkte dann ueber zur
Gymnasiastenzeit, immer das Typische unterstreichend.

Flametti sah aengstlich auf seine Uhr. Sieben Minuten vor acht. Um
acht Uhr begann die Vorstellung.

"Kurz und gut?" fragte er und sah Meyer gespannt ins Gesicht.

"Wir wollen weg, wollen uns selbstaendig machen."

"Also doch!" meinte Flametti, ein wenig betroffen.

"Ja", sagte Meyer. "Ein gutes Einvernehmen besteht ja doch nicht
mehr. ihre Frau hat das zerstoert. Laura hat die Affaere mit den
Rezepten. Wir brauchen ein Attest fuer sie. Das kostet Geld. Ich
brauche eine neue Hose, ein Paar neue Stiefel. Das Leben stellt
Ansprueche. Kurzum: es geht nicht mehr."

"Tun Sie, was Sie nicht lassen koennen", sagte Flametti. "Sie
muessen's am besten wissen. Ich will Ihrem Glueck nicht im Wege stehen.
Wenn Sie glauben..."

"Ich glaube!" sagte Meyer.

"Na, gehen wir zur Vorstellung!"

Und Flametti zahlte, auch fuer den neuen Herrn Direktor, der zu
schuechtern war, "Lina", "Frieda", oder "Kathrein" zu rufen.

Und Flametti sah, was da kommen wuerde, laechelte ironisch, und man
ging.

Jenny haetten Sie sehen sollen an diesem Abend! Glacehandschuhe zog
sie, gewissermassen, ueber die Zunge. So spitzig und kalt, so unnahbar
veraechtlich wusste sie sich zu benehmen, dass Meyer kaum wagte, sie
anzusehen.

"Geh', Max, lass doch das Gesindel!" sagte sie mehr als halblaut, als
Herr Meyer in den Indianern danebengriff, und Flametti auf der Buehne
einen cholerischen Anfall bekam vor Indignation.

"Lass sie doch gehen! Sie haben's ja nicht mehr noetig!"

Und als die Soubrette mit doppeltem Eifer nach der Kassiermuschel
griff, um sich ins Publikum zu stuerzen:

"Nein, lassen Sie nur! Ist nicht noetig. Rosa besorgt's schon."

Und auch Rosa hob ihre Nase von Stunde an hoeher und Bobby ueberkam ein
solcher aerger darob, dass er sie am liebsten geohrfeigt haette.

Der Zustand wurde unertraeglich. Und es war deshalb eine Erloesung fuer
beide Teile, als Fraeulein Laura an einem der naechsten Abende
gelegentlich der "Commis voyageusen" auf dem kleinen viereckigen
Podium der "Drachenburg" ausglitt und mit dem Steissbein so
ungluecklich auf eine Stuhlkante aufstiess, dass man sie, stoehnend und
aechzend, in die Garderobe und von dort mit einer heftigen Prellung
nach Hause bringen musste.

Eine alte Sympathie regte sich in Flametti und er war wirklich
besorgt.

"Ach, Max", hetzte Jenny, "gib's doch auf! Sie simuliert ja nur!
Merkst du denn nichts?"

Jetzt war Laura entschlossen, keinen Schritt mehr in die Vorstellung
zu gehen. Kontrakt hin, Kontrakt her!

Und Herr Meyer sagte:

"Die sollen uns kennen lernen!"

Und Bobby sagte:

"Geht's besser Laura?" und stand sehr besorgt am Bett.

Und Lydia und Raffaela sagten:

"Den Doktor muss er bezahlen! Macht ihn doch schadensersatzpflichtig!
Er muss euch Schmerzensgeld zahlen! So eine Gemeinheit!"

Und Lauras russische Freundin kam und sagte:

"Auf mich koennen Sie zaehlen. Ich bin immer da fuer Sie."

Und Herr Meyer effektuierte mit Bobby zusammen mittels Kleister und
Schnur die Bilderreklame fuer Arbon.

So war denn Flamettis Schicksal besiegelt.

Zwar sprang fuer Meyer in liebenswuerdiger Weise Fraeulein Lena als
Pianistin ein. Und Fraeulein Rosa rueckte an Lauras Stelle. Und Lena
meinte:

"Ich hab's euch ja gleich gesagt: sie fuehren etwas im Schilde!"

Aber das half nichts. Das Geschaeft wurde noch schlechter. Die
Beiseln, in denen man auftrat, noch kleiner, ja nuttig.

Flametti verhehlte es nicht, dass er blank, aller Hilfsmittel bar, in
den Prozess eintrat.

In erregten Erguessen versuchte er brieflich dem Anwalt in Bern
Standpunkt und Situation eindringlich zu erlaeutern.

Aber das Aktenmaterial wurde dadurch nur immer groesser, das Plaedoyer
immer schwieriger.

Und als Flametti die Geduld riss und er ganz offen auf einer Postkarte
vermerkte, der Herr Anwalt wolle ihn offenbar nicht verstehen, der
Fall sei doch sonnenklar, da schrieb dieser charge zurueck, er bedaure
unendlich, mitteilen zu muessen, dass ohne einen weiteren Vorschuss von
hundert Franken die Sache zu einem guten Ende kaum werde gefuehrt
werden koennen.

Herr Farolyi gab den Rat, die Verteidigung doch selbst zu fuehren und
auf den Advokaten ueberhaupt zu verzichten. Und auch Fraeulein Lena
erbot sich, fuer die sittliche Minderwertigkeit der Klaegerinnen eine
eidesstattliche Versicherung zu riskieren.

Aber Jenny wurde doch immer nervoeser.

"Was machst du nun, Max?" fragte sie ernstlich besorgt, als Max von
Farolyi zurueckkam.

"Was mach' ich? Verteidige mich selbst."

Und er nahm Feder und Papier zur Hand und begann die
Verteidigungsschrift aufzusetzen.

Die Feder spritzte und die Worte straeubten sich. Aber es ging.

"An den Herrn Praesidenten des Kantonalen Obergerichts, Bern".

Da stand es. Das war die Instanz. Und Jenny bekam einen Schreck,
als sie's so stehen sah.

Aber Flametti liess sich nicht stoeren. Mit einer schier
unpersoenlichen Korrektheit entledigte er sich der schwierigen Arbeit.

Er brauchte sich nur in die disziplinarische Verfassung von damals zu
versetzen, da er auf dem Kasernhof zum erstenmal den Befehl eines
Vorgesetzten entgegennahm, und die Stilnuance war gefunden.

"Fertig, aus!" rief er, als er nach zweistuendiger Arbeit
unterschrieben und abgeloescht hatte. Er ueberlas das Ganze noch
einmal von Datum bis Schlusspunkt und er war sehr zufrieden damit.

"So", zog er findig die Stirn in Falten, "drehen wir die Geschichte
mal um! Da schaut die Sache erheblich anders aus!"

Und er verlas es auch Jennymama. Die war bass erstaunet.

"Ja, meinst du denn, Max, sie lassen es gelten?"

"Frage!"

Er spuckte, steckte die Haende in beide Hosentaschen und nahm einen
kleinen Abstand von seinem Elaborat.

"Haettest deutlicher sagen muessen, was das fuer zwei waren!" draengelte
Jenny.

Max zuendete grossspurig eine Zigarre an.

"Was? Ist das nicht deutlich genug: "Marktware der Wollust", "der
Perversion gefroent", "schon in den Kinderschuhen verdorben"? Ich bin
der Verfuehrte, verstehst du? Angeboten haben sie sich. Gezwungen
haben sie mich, direkt belaestigt!"

Jenny war ganz verstoert.

"Wenn es nur durchgeht, Max!"

"Frage!"



Sonntag, den zwoelften, spielte man in der "Jerichobinde" zum
letztenmal die "Indianer": Flametti, Jenny und Rosa.


"Und dort oben in dem ew'gen Jagdgebiet,
Singt der Indianer Volk sein Siegeslied.
Einmal wieder zieh'n wir noch auf Siegespfad,
Einmal noch, wenn der Tag der Rache naht."


Dann fuhr Flametti nach Bern.

Mit dem Nachtzug.

Jenny und Rosa begleiteten ihn zur Bahn. Rosa trug das Handtaeschchen.

"Viel Glueck, Max, und schreib' gleich, wie's ausging, damit man es
weiss!"

"Wenn ich nicht schreibe, weisst du Bescheid!"

"Ach, Maxel, wie wird es dir gehen?"

"Wird schon alles gut gehen!" beruhigte er, und der Zug setzte sich
in Bewegung....

Er schrieb nicht, wie es gegangen war.

Ein, zwei, drei Tage vergingen. Da las Jenny es in der Zeitung, in
einem Cafe.

Sie trug ihre beste Toilette. Sie liess sich ihren Schmerz nicht
merken.

Gute Freunde lud sie zu sich ein, und so, in engstem Kreise, seufzend
aufs Kanapee hingeschmiegt, suchte sie Trost und Vergessen.

Und nur den vereinten Bemuehungen ihrer Freunde gelang es, ihr etwas
Luft zu schaffen.

Herr Meyer aber ging pleite.






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