A / B / C / D / E /  F / G / H / I / J /  K / L / M / N / O /  P / R / S / T / UV / W / Z

Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

Die Leute von Seldwyla, Vol. 1

G >> Gottfried Keller >> Die Leute von Seldwyla, Vol. 1

Pages:
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21



Sali ging auch alsobald auf die stille, schoene Anhoehe hinaus, ueber
welche die zwei Aecker sich erstreckten, und die praechtige, stille
Junisonne, die fahrenden, weissen Wolken, welche ueber das reife,
wallende Kornfeld wegzogen, der glaenzende, blaue Fluss, der unten
vorueberwallte, alles dies erfuellte ihn zum ersten Male seit langen
Jahren wieder mit Glueck und Zufriedenheit, statt mit Kummer, und er
warf sich der Laenge nach in den durchsichtigen Halbschatten des
Kornes, wo dasselbe Martis wilden Acker begrenzte, und guckte
glueckselig in den Himmel.

Obgleich es kaum eine Viertelstunde waehrte, bis Vrenchen nachkam und
er an nichts anderes dachte, als an sein Glueck und dessen Namen,
stand es doch ploetzlich und unverhofft vor ihm, auf ihn
niederlaechelnd, und froh erschreckt sprang er auf. "Vreeli!" rief er,
und dieses gab ihm still und laechelnd beide Haende, und Hand in Hand
gingen sie nun das fluesternde Korn entlang bis gegen den Fluss
hinunter und wieder zurueck, ohne viel zu reden; sie legten zwei- oder
dreimal den Hin- und Herweg zurueck, still, glueckselig und ruhig, so
dass dieses einige Paar nun auch einem Sternbilde glich, welches ueber
die sonnige Rundung der Anhoehe und hinter derselben niederging, wie
einst die sichergehenden Pflugzuege ihrer Vaeter. Als sie aber
einsmals die Augen von den blauen Kornblumen aufschlugen, an denen sie
gehaftet, sahen sie ploetzlich einen andern dunkeln Stern vor sich
hergehen, einen schwaerzlichen Kerl, von dem sie nicht wussten, woher
er so unversehens gekommen. Er musste im Korne gelegen haben; Vrenchen
zuckte zusammen, und Sali sagte erschreckt: "Der schwarze Geiger!" In
der Tat trug der Kerl, der vor ihnen herstrich, eine Geige mit dem
Bogen unter dem Arm und sah uebrigens schwarz genug aus; neben einem
schwarzen Filzhuetchen und einem schwarzen, russigen Kittel, den er
trug, war auch sein Haar pechschwarz, so wie der ungeschorene Bart,
das Gesicht und die Haende aber ebenfalls geschwaerzt; denn er trieb
allerlei Handwerk, meistens Kesselflicken, half auch den
Kohlenbrennern und Pechsiedern in den Waeldern und ging mit der Geige
nur auf einen guten Schick aus, wenn die Bauern irgendwo lustig waren
und ein Fest feierten. Sali und Vrenchen gingen maeuschenstill hinter
ihm drein und dachten, er wuerde vom Felde gehen und verschwinden,
ohne sich umzusehen, und so schien es auch zu sein, denn er tat, als
ob er nichts von ihnen merkte. Dazu waren sie in einem seltsamen Bann,
dass sie nicht wagten, den schmalen Pfad zu verlassen, und dem
unheimlichen Gesellen unwillkuerlich folgten, bis an das Ende des
Feldes, wo jener ungerechte Steinhaufen lag, der das immer noch
streitige Ackerzipfelchen bedeckte. Eine zahllose Menge von Mohnblumen
oder Klatschrosen hatte sich darauf angesiedelt, weshalb der kleine
Berg feuerrot aussah zurzeit. Ploetzlich sprang der schwarze Geiger
mit einem Satze auf die rotgekleidete Steinmasse hinauf, kehrte sich
und sah ringsum. Das Paerchen blieb stehen und sah verlegen zu dem
dunklen Burschen hinauf; denn vorbei konnten sie nicht gehen, weil der
Weg in das Dorf fuehrte, und umkehren mochten sie auch nicht vor
seinen Augen. Er sah sie scharf an und rief: "Ich kenne euch, ihr seid
die Kinder derer, die mir den Boden hier gestohlen haben! Es freut
mich zu sehen, wie gut ihr gefahren seid, und werde gewiss noch
erleben, dass ihr vor mir den Weg alles Fleisches geht! Seht mich nur
an, ihr zwei Spatzen! Gefaellt euch meine Nase, wie?" In der Tat
besass er eine schreckbare Nase, welche wie ein grosses Winkelmass aus
dem duerren, schwarzen Gesicht ragte oder eigentlich mehr einem
tuechtigen Knebel oder Pruegel glich, welcher in dies Gesicht geworfen
worden war, und unter dem ein kleines, rundes Loechelchen von einem
Munde sich seltsam stutzte und zusammenzog, aus dem er unaufhoerlich
pustete, pfiff und zischte. Dazu stand das kleine Filzhuetchen ganz
unheimlich, welches nicht rund und nicht eckig und so sonderlich
geformt war, dass es alle Augenblicke seine Gestalt zu veraendern
schien, obgleich es unbeweglich sass, und von den Augen des Kerls war
fast nichts als das Weisse zu sehen, da die Sterne unaufhoerlich auf
einer blitzschnellen Wanderung begriffen waren und wie zwei Hasen im
Zickzack umhersprangen. "Seht mich nur an," fuhr er fort, "eure Vaeter
kennen mich wohl, und jedermann in diesem Dorfe weiss, wer ich bin,
wenn er nur meine Nase sieht. Da haben sie vor Jahren ausgeschrieben,
dass ein Stueck Geld fuer den Erben dieses Ackers bereitliege; ich
habe mich zwanzigmal gemeldet, aber ich habe keinen Taufschein und
keinen Heimatschein, und meine Freunde, die Heimatlosen, die meine
Geburt gesehen, haben kein gueltiges Zeugnis, und so ist die Frist
laengst verlaufen, und ich bin um den blutigen Pfennig gekommen, mit
dem ich haette auswandern koennen! Ich habe eure Vaeter angefleht,
dass sie mir bezeugen moechten, sie muessten mich nach ihrem Gewissen
fuer den rechten Erben halten; aber sie haben mich von ihren Hoefen
gejagt, und nun sind sie selbst zum Teufel gegangen! Item, das ist der
Welt Lauf, mir kann's recht sein, ich will euch doch geigen, wenn ihr
tanzen wollt!" Damit sprang er auf der andern Seite von den Steinen
hinunter und machte sich dem Dorfe zu, wo gegen Abend der Erntesegen
eingebracht wurde und die Leute guter Dinge waren. Als er
verschwunden, liess sich das Paar ganz mutlos und betruebt auf die
Steine nieder; sie liessen ihre verschlungenen Haende fahren und
stuetzten die traurigen Koepfe darauf; denn die Erscheinung des
Geigers und seine Worte hatten sie aus der gluecklichen Vergessenheit
gerissen, in welcher sie wie zwei Kinder auf und ab gewandelt; und wie
sie nun auf dem harten Grund ihres Elendes sassen, verdunkelte sich
das heitere Lebenslicht, und ihre Gemueter wurden so schwer wie
Steine.

Da erinnerte sich Vrenchen unversehens der wunderlichen Gestalt und
der Nase des Geigers, es musste ploetzlich hell auslachen und rief:
"Der arme Kerl sieht gar zu spasshaft aus! Was fuer eine Nase!" und
eine allerliebste, sonnenhelle Lustigkeit verbreitete sich ueber des
Maedchens Gesicht, als ob sie nur geharrt haette, bis des Geigers Nase
die trueben Wolken wegstiesse. Sali sah Vrenchen an und sah diese
Froehlichkeit. Es hatte die Ursache aber schon wieder vergessen und
lachte nur noch auf eigene Rechnung dem Sali ins Gesicht. Dieser,
verbluefft und erstaunt, starrte unwillkuerlich mit lachendem Munde
auf die Augen, gleich einem Hungrigen, der ein suesses Weizenbrot
erblickt, und rief: "Bei Gott, Vreeli! Wie schoen bist du!" Vrenchen
lachte ihn nur noch mehr an und hauchte dazu aus klangvoller Kehle
einige kurze, mutwillige Lachtoene, welche dem armen Sali nicht anders
duenkten, als der Gesang einer Nachtigall. "O du Hexe!" rief er, "wo
hast du das gelernt? Welche Teufelskuenste treibst du da?" "Ach du
lieber Gott!" sagte Vrenchen mit schmeichelnder Stimme und nahm Salis
Hand, "das sind keine Teufelskuenste! Wie lange haette ich gern einmal
gelacht! Ich habe wohl zuweilen, wenn ich ganz allein war, ueber
irgend etwas lachen muessen, aber es war nichts Rechtes dabei; jetzt
aber moechte ich dich immer und ewig anlachen, wenn ich dich sehe, und
ich moechte dich wohl immer und ewig sehen! Bist du mir auch ein
bisschen recht gut?" "O Vreeli!" sagte er und sah ihr ergeben und
treuherzig in die Augen, "ich habe noch nie ein Maedchen angesehen, es
war mir immer, als ob ich dich einst liebhaben muesste, und ohne dass
ich wollte oder wusste, hast du mir doch immer im Sinn gelegen!" "Und
du mir auch," sagte Vrenchen, "und das noch viel mehr; denn du hast
mich nie angesehen und wusstest nicht, wie ich geworden bin; ich aber
habe dich zuzeiten aus der Ferne und sogar heimlich aus der Naehe
recht gut betrachtet und wusste immer, wie du aussiehst! Weisst du
noch, wie oft wir als Kinder hierhergekommen sind? Denkst du noch des
kleinen Wagens? Wie kleine Leute sind wir damals gewesen und wie lang
ist es her! Man sollte denken, wir waeren recht alt." "Wie alt bist du
jetzt?" fragte Sali voll Vergnuegen und Zufriedenheit, "du musst
ungefaehr siebzehn sein?" "Siebzehn und ein halbes Jahr bin ich alt!"
erwiderte Vrenchen, "und wie alt bist du? Ich weiss aber schon, du
bist bald zwanzig?" "Woher weisst du das?" fragte Sali. "Gelt, wenn
ich es sagen wollte!" "Du willst es nicht sagen?" "Nein!" "Gewiss
nicht?" "Nein, nein!" "Du sollst es sagen!" "Willst du mich etwa
zwingen?" "Das wollen wir sehen!" Diese einfaeltigen Reden fuehrte
Sali, um seine Haende zu beschaeftigen und mit ungeschickten
Liebkosungen, welche wie eine Strafe aussehen sollten, das schoene
Maedchen zu bedraengen. Sie fuehrte auch, sich wehrend, mit vieler
Langmut den albernen Wortwechsel fort, der trotz seiner Leerheit beide
witzig und suess genug duenkte, bis Sali erbost und kuehn genug war,
Vrenchens Haende zu bezwingen und es in die Mohnblumen zu druecken. Da
lag es nun und zwinkerte in der Sonne mit den Augen; seine Wangen
gluehten wie Purpur und sein Mund war halb geoeffnet und liess zwei
Reihen weisse Zaehne durchschimmern. Fein und schoen flossen die
dunklen Augenbrauen ineinander und die junge Brust hob und senkte sich
mutwillig unter saemtlichen vier Haenden, welche sich kunterbunt
darauf streichelten und bekriegten. Sali wusste sich nicht zu lassen
vor Freuden, das schlanke schoene Geschoepf vor sich zu sehen, es sein
eigen zu wissen, und es duenkte ihm ein Koenigreich. "Alle deine
weissen Zaehne hast du noch!" lachte er, "weisst du noch, wie oft wir
sie einst gezaehlt haben? Kannst du jetzt zaehlen?" "Das sind ja nicht
die gleichen, du Kind!" sagte Vrenchen, "jene sind laengst
ausgefallen!" Sali wollte nun in seiner Einfalt jenes Spiel wieder
erneuern und die glaenzenden Zahnperlen zaehlen; aber Vrenchen
verschloss ploetzlich den roten Mund, richtete sich auf und begann
einen Kranz von Mohnrosen zu winden, den es sich auf den Kopf setzte.
Der Kranz war voll und breit und gab der braeunlichen Dirne ein
fabelhaftes, reizendes Ansehen, und der arme Sali hielt in seinem Arm,
was reiche Leute teuer bezahlt haetten, wenn sie es nur gemalt an
ihren Waenden haetten sehen koennen. Jetzt sprang sie aber empor und
rief: "Himmel, wie heiss ist es hier! Da sitzen wir wie die Narren und
lassen uns versengen! Komm, mein Lieber! lass uns ins hohe Korn
sitzen!" Sie schluepften hinein so geschickt und sachte, dass sie kaum
eine Spur zurueckliessen, und bauten sich einen engen Kerker in den
goldenen Aehren, die ihnen hoch ueber den Kopf ragten, als sie drin
sassen, so dass sie nur den tiefblauen Himmel ueber sich sahen und
sonst nichts von der Welt. Sie umhalsten sich und kuessten sich
unverweilt und so lange, bis sie einstweilen muede waren, oder wie man
es nennen will, wenn das Kuessen zweier Verliebter auf eine oder zwei
Minuten sich selbst ueberlebt und die Vergaenglichkeit alles Lebens
mitten im Rausche der Bluetezeit ahnen laesst. Sie hoerten die Lerchen
singen hoch ueber sich und suchten dieselben mit ihren scharfen Augen,
und wenn sie glaubten, fluechtig eine in der Sonne aufblitzen zu
sehen, gleich einem ploetzlich aufleuchtenden oder hinschiessenden
Stern am blauen Himmel, so kuessten sie sich wieder zur Belohnung und
suchten einander zu uebervorteilen und zu taeuschen, soviel sie
konnten. "Siehst du, dort blitzt eine!" fluesterte Sali und Vrenchen
erwiderte ebenso leise: "Ich hoere sie wohl, aber ich sehe sie nicht!"
"Doch, pass nur auf, dort, wo das weisse Woelkchen steht, ein wenig
rechts davon!" Und beide sahen eifrig hin und sperrten vorlaeufig ihre
Schnaebel auf, wie die jungen Wachteln im Neste, um sie unverzueglich
aufeinanderzuheften, wenn sie sich einbildeten, die Lerche gesehen zu
haben. Auf einmal hielt Vrenchen inne und sagte: "Dies ist also eine
ausgemachte Sache, dass jedes von uns einen Schatz hat, duenkt es dich
nicht so?" "Ja," sagte Sali, "es scheint mir auch so!" "Wie gefaellt
dir denn dein Schaetzchen," sagte Vrenchen, "was ist es fuer ein Ding,
was hast du von ihm zu melden?" "Es ist ein gar feines Ding," sagte
Sali, "es hat zwei braune Augen, einen roten Mund und laeuft auf zwei
Fuessen; aber seinen Sinn kenn' ich weniger, als den Papst zu Rom! Und
was kannst du von deinem Schatz berichten?" "Er hat zwei blaue Augen,
einen nichtsnutzigen Mund und braucht zwei verwegene starke Arme; aber
seine Gedanken sind mir unbekannter, als der tuerkische Kaiser!" "Es
ist eigentlich wahr," sagte Sali, "dass wir uns weniger kennen, als
wenn wir uns nie gesehen haetten, so fremd hat uns die lange Zeit
gemacht, seit wir gross geworden sind! Was ist alles vorgegangen in
deinem Koepfchen, mein liebes Kind?" "Ach, nicht viel! Tausend
Narrenspossen haben sich wollen regen, aber es ist mir immer so
truebselig ergangen, dass sie nicht aufkommen konnten!" "Du armes
Schaetzchen," sagte Sali, "ich glaube aber, du hast es hinter den
Ohren, nicht?" "Das kannst du ja nach und nach erfahren, wenn du mich
recht lieb hast!" "Wenn du einst meine Frau bist?" Vrenchen zitterte
leis bei diesem letzten Worte und schmiegte sich tiefer in Salis Arme,
ihn von neuem lange und zaertlich kuessend. Es traten ihr dabei
Traenen in die Augen und beide wurden auf einmal traurig, da ihnen
ihre hoffnungsarme Zukunft in den Sinn kam und die Feindschaft ihrer
Eltern. Vrenchen seufzte und sagte: "Komm, ich muss nun gehen!" und so
erhoben sie sich und gingen Hand in Hand aus dem Kornfeld, als sie
Vrenchens Vater spaehend vor sich sahen. Mit dem kleinlichen
Scharfsinn des muessigen Elends hatte dieser, als er dem Sali
begegnet, neugierig gegruebelt, was der wohl allein im Dorfe zu suchen
ginge, und sich des gestrigen Vorfalles erinnernd, verfiel er, immer
nach der Stadt zu schlendernd, endlich auf die richtige Spur, rein aus
Groll und unbeschaeftigter Bosheit, und nicht so bald gewann der
Verdacht eine bestimmte Gestalt, als er mitten in den Gassen von
Seldwyla umkehrte und wieder in das Dorf hinaustrollte, wo er seine
Tochter in Haus und Hof und rings in den Hecken vergeblich suchte. Mit
wachsender Neugier rannte er auf den Acker hinaus, und als er da
Vrenchens Korb liegen sah, in welchem es die Fruechte zu holen
pflegte, das Maedchen selbst aber nirgends erblickte, spaehte er eben
am Korne des Nachbars herum, als die erschrockenen Kinder herauskamen.
Sie standen wie versteinert und Marti stand erst auch da und beschaute
sie mit boesen Blicken, bleich wie Blei; dann fing er fuerchterlich an
zu toben in Gebaerden und Schimpfworten und langte zugleich grimmig
nach dem jungen Burschen, um ihn zu wuergen; Sali wich aus und floh
einige Schritte zurueck, entsetzt ueber den wilden Mann, sprang aber
sogleich wieder zu, als er sah, dass der Alte statt seiner nun das
zitternde Maedchen fasste, ihm eine Ohrfeige gab, dass der rote Kranz
herunterflog, und seine Haare um die Hand wickelte, um es mit sich
fortzureissen und weiter zu misshandeln. Ohne sich zu besinnen, raffte
er einen Stein auf und schlug mit demselben den Alten gegen den Kopf,
halb in Angst um Vrenchen und halb im Jaehzorn. Marti taumelte erst
ein wenig, sank dann bewusstlos auf den Steinhaufen nieder und zog das
erbaermlich aufschreiende Vrenchen mit. Sali befreite noch dessen
Haare aus der Hand des Bewusstlosen und richtete es auf; dann stand er
da wie eine Bildsaeule, ratlos und gedankenlos. Das Maedchen, als es
den wie tot daliegenden Vater sah, fuhr sich mit den Haenden ueber das
erbleichende Gesicht, schuettelte sich und sagte: "Hast du ihn
erschlagen?" Sali nickte lautlos und Vrenchen schrie: "O Gott, du
lieber Gott! Es ist mein Vater! Der arme Mann!" und sinnlos warf es
sich ueber ihn und hob seinen Kopf auf, an welchem indessen kein Blut
floss. Es liess ihn wieder sinken; Sali liess sich auf der andern
Seite den Mannes nieder, und beide schauten, still wie das Grab und
mit erlahmten, reglosen Haenden in das leblose Gesicht. Um nur etwas
anzufangen, sagte endlich Sali: "Er wird doch nicht gleich tot sein
muessen? Das ist gar nicht ausgemacht!" Vrenchen riss ein Blatt von
einer Klatschrose ab und legte es auf die erblassten Lippen und es
bewegte sich schwach. "Er atmet noch," rief es, "so lauf doch ins Dorf
und hol' Hilfe." Als Sali aufsprang und laufen wollte, streckte es ihm
die Hand nach und rief ihn zurueck: "Komm aber nicht mit zurueck und
sage nichts, wie es zugegangen, ich werde auch schweigen, man soll
nichts aus mir herausbringen!" sagte es und sein Gesicht, das es dem
armen, ratlosen Burschen zuwandte, ueberfloss von schmerzlichen
Traenen. "Komm, kuess' mich noch einmal! Nein, geh, mach' dich fort!
Es ist aus, es ist ewig aus, wir koennen nicht zusammenkommen!" Es
stiess ihn fort und er lief willenlos dem Dorfe zu. Er begegnete einem
Knaebchen, das ihn nicht kannte; diesem trug er auf, die naechsten
Leute zu holen, und beschrieb ihm genau, wo die Hilfe noetig sei. Dann
machte er sich verzweifelt fort und irrte die ganze Nacht im Gehoelze
herum. Am Morgen schlich er in die Felder, um zu spaehen, wie es
gegangen sei, und hoerte von fruehen Leuten, welche miteinander
sprachen, dass Marti noch lebe, aber nichts von sich wisse, und wie
das eine seltsame Sache waere, da kein Mensch wisse, was ihm
zugestossen. Erst jetzt ging er in die Stadt zurueck und verbarg sich
in dem dunkeln Elend des Hauses.

Vrenchen hielt ihm Wort; es war nichts aus ihm herauszufragen, als
dass es selbst den Vater so gefunden habe, und da er am andern Tage
sich wieder tuechtig regte und atmete, freilich ohne Bewusstsein, und
ueberdies kein Klaeger da war, so nahm man an, er sei betrunken
gewesen und auf die Steine gefallen, und liess die Sache auf sich
beruhen. Vrenchen pflegte ihn und ging nicht von seiner Seite, ausser
um die Arzneimittel zu holen beim Doktor und etwa fuer sich selbst
eine schlechte Suppe zu kochen; denn es lebte beinahe von nichts,
obgleich es Tag und Nacht wach sein musste und niemand ihm half. Es
dauerte beinahe sechs Wochen, bis der Kranke allmaehlich zu seinem
Bewusstsein kam, obgleich er vorher schon wieder ass und in seinem
Bette ziemlich munter war. Aber es war nicht das alte Bewusstsein, das
er jetzt erlangte, sondern es zeigte sich immer deutlicher, je mehr er
sprach, dass er bloedsinnig geworden, und zwar auf die wunderlichste
Weise. Er erinnerte sich nur dunkel an das Geschehene und wie an etwas
sehr Lustiges, was ihn nicht weiter beruehre, lachte immer wie ein
Narr und war guter Dinge. Noch im Bette liegend, brachte er hundert
naerrische, sinnlos mutwillige Redensarten und Einfaelle zum
Vorschein, schnitt Gesichter und zog sich die schwarzwollene
Zipfelmuetze in die Augen und ueber die Nase herunter, dass diese
aussah, wie ein Sarg unter einem Bahrtuch. Das bleiche und abgehaermte
Vrenchen hoerte ihm geduldig zu, Traenen vergiessend ueber das
toerichte Wesen, welches die arme Tochter noch mehr aengstigte, als
die fruehere Bosheit; aber wenn der Alte zuweilen etwas gar zu
Drolliges anstellte, so musste es mitten in seiner Qual laut
auflachen, da sein unterdruecktes Wesen immer zur Lust aufzuspringen
bereit war, wie ein gespannter Bogen, worauf dann eine um so tiefere
Betruebnis erfolgte. Als der Alte aber aufstehen konnte, war gar
nichts mehr mit ihm anzustellen; er machte nichts als Dummheiten,
lachte und stoeberte um das Haus herum, setzte sich in die Sonne und
streckte die Zunge heraus oder hielt lange Reden in die Bohnen hinein.

Um die gleiche Zeit aber war es auch aus mit den wenigen
UEberbleibseln seines ehemaligen Besitzes und die Unordnung so weit
gediehen, dass auch sein Haus und der letzte Acker, seit geraumer Zeit
verpfaendet, nun gerichtlich verkauft wurden. Denn der Bauer, welcher
die zwei Aecker des Manz gekauft, benutzte die gaenzliche
Verkommenheit Martis und seine Krankheit und fuehrte den alten Streit
wegen des streitigen Steinfleckes kurz und entschlossen zu Ende, und
der verlorene Prozess trieb Martis Fass vollends den Boden aus,
indessen er in seinem Bloedsinne nichts mehr von diesen Dingen wusste.
Die Versteigerung fand statt; Marti wurde von der Gemeinde in einer
Stiftung fuer dergleichen arme Troepfe auf oeffentliche Kosten
untergebracht. Diese Anstalt befand sich in der Hauptstadt des
Laendchens; der gesunde und essbegierige Bloedsinnige wurde noch gut
gefuettert, dann auf ein mit Ochsen bespanntes Waegelchen geladen, das
ein aermlicher Bauersmann nach der Stadt fuehrte, um zugleich einen
oder zwei Saecke Kartoffeln zu verkaufen, und Vrenchen setzte sich zu
dem Vater auf das Fuhrwerk, um ihn auf diesem letzten Gange zu dem
lebendigen Begraebnis zu begleiten. Es war eine traurige und bittere
Fahrt, aber Vrenchen wachte sorgfaeltig ueber seinen Vater und liess
es ihm an nichts fehlen, und es sah sich nicht um und ward nicht
ungeduldig, wenn durch die Kapriolen des Ungluecklichen die Leute
aufmerksam wurden und dem Waegelchen nachliefen, wo sie durchfuhren.
Endlich erreichten sie das weitlaeufige Gebaeude in der Stadt, wo die
langen Gaenge, die Hoefe und ein freundlicher Garten von einer Menge
aehnlicher Troepfe belebt waren, die alle in weisse Kittel gekleidet
waren und dauerhafte Lederkaeppchen auf den harten Koepfen trugen.
Auch Marti wurde noch vor Vrenchens Augen in diese Tracht gekleidet,
und er freute sich wie ein Kind darueber und tanzte singend umher.
"Gott gruess euch, ihr geehrten Herren!" rief er seine neuen Genossen
an, "ein schoenes Haus habt ihr hier! Geh heim, Vrenggel, und sag' der
Mutter, ich komme nicht mehr nach Haus, hier gefaellt's mir bei Gott!
Juchhei! Es kreucht ein Igel ueber den Hag, ich hab' ihn hoeren
bellen! O Meitli, kuess' kein' alten Knab', kuess' nur die jungen
Gesellen! Alle die Waesserlein laufen in Rhein, die mit dem
Pflaumenaug', die muss es sein! Gehst du schon, Vreeli? Du siehst ja
aus wie der Tod im Haefelein und geht es mir doch so erfreulich! Die
Fuechsin schreit im Felde: Halleo, halleo! Das Herz tut ihr weho!
hoho!" Ein Aufseher gebot ihm Ruhe und fuehrte ihn zu einer leichten
Arbeit, und Vrenchen ging das Fuhrwerk aufzusuchen. Es setzte sich auf
den Wagen, zog ein Stueckchen Brot hervor und ass dasselbe; dann
schlief es, bis der Bauer kam und mit ihm nach dem Dorfe zurueckfuhr.
Sie kamen erst in der Nacht an. Vrenchen ging nach dem Hause, in dem
es geboren und nur zwei Tage bleiben durfte, und es war jetzt zum
erstenmal in seinem Leben ganz allein darin. Es machte ein Feuer, um
das letzte Restchen Kaffee zu kochen, das es noch besass, und setzte
sich auf den Herd, denn es war ihm ganz elendiglich zumut. Es sehnte
sich und haermte sich ab, den Sali nur ein einziges Mal zu sehen, und
dachte inbruenstig an ihn; aber die Sorgen und der Kummer verbitterten
seine Sehnsucht und diese machten die Sorgen wieder viel schwerer. So
sass es und stuetzte den Kopf in die Haende, als jemand durch die
offenstehende Tuer hereinkam. "Sali!" rief Vrenchen, als es aufsah,
und fiel ihm um den Hals; dann sahen sich aber beide erschrocken an
und riefen: "Wie siehst du elend aus!" Denn Sali sah nicht minder als
Vrenchen bleich und abgezehrt aus. Alles vergessend, zog es ihn zu
sich auf den Herd und sagte: "Bist du krank gewesen, oder ist es dir
auch so schlimm gegangen?" Sali antwortete: "Nein, ich bin gerade
nicht krank, ausser vor Heimweh nach dir! Bei uns geht es jetzt hoch
und herrlich zu; der Vater hat einen Einzug und Unterschleif von
auswaertigem Gesindel und ich glaube, soviel ich merke, ist er ein
Diebeshehler geworden. Deshalb ist jetzt einstweilen Huelle und Fuelle
in unserer Taverne, solang es geht und bis es ein Ende mit Schrecken
nimmt. Die Mutter hilft dazu, aus bitterlicher Gier, nur etwas im
Hause zu sehen, und glaubt den Unfug noch durch eine gewisse Aufsicht
und Ordnung annehmlich und nuetzlich zu machen! Mich fragt man nicht
und ich konnte mich nicht viel darum kuemmern; denn ich kann nur an
dich denken Tag und Nacht. Da allerhand Landstreicher bei uns
einkehren, so haben wir alle Tage gehoert, was bei euch vorgeht,
worueber mein Vater sich freut wie ein kleines Kind. Dass dein Vater
heute nach dem Spittel gebracht wurde, haben wir auch vernommen; ich
habe gedacht, du werdest jetzt allein sein, und bin gekommen, um dich
zu sehen!" Vrenchen klagte ihm jetzt auch alles, was sie drueckte und
was sie erlitt, aber mit so leichter, zutraulicher Zunge, als ob sie
ein grosses Glueck beschriebe, weil sie gluecklich war, Sali neben
sich zu sehen. Sie brachte inzwischen notduerftig ein Becken voll
warmen Kaffee zusammen, welchen mit ihr zu teilen sie den Geliebten
zwang. "Also uebermorgen musst du hier weg?" sagte Sali, "was soll
denn ums Himmels willen werden?" "Das weiss ich nicht," sagte
Vrenchen, "ich werde dienen muessen und in die Welt hinaus! Ich werde
es aber nicht aushalten ohne dich, und doch kann ich dich nie
bekommen, auch wenn alles andere nicht waere, bloss weil du meinen
Vater geschlagen und um dem Verstand gebracht hast! Dies wuerde immer
ein schlechter Grundstein unserer Ehe sein und wir beide nie sorglos
werden, nie!" Sali seufzte und sagte: "Ich wollte auch schon
hundertmal Soldat werden oder mich in einer fremden Gegend als Knecht
verdingen, aber ich kann noch nicht fortgehen, solange du hier bist,
und hernach wird es mich aufreiben. Ich glaube, das Elend macht meine
Liebe zu dir staerker und schmerzhafter, so dass es um Leben und Tod
geht! Ich habe von dergleichen keine Ahnung gehabt!" Vrenchen sah ihn
liebevoll laechelnd an; sie lehnten sich an die Wand zurueck und
sprachen nichts mehr, sondern gaben sich schweigend der glueckseligen
Empfindung hin, die sich ueber allen Gram erhob, dass sie sich im
groessten Ernste gut waeren und geliebt wuessten. Darueber schliefen
sie friedlich ein auf dem unbequemen Herde, ohne Kissen und Pfuehl,
und schliefen so sanft und ruhig wie zwei Kinder in einer Wiege. Schon
graute der Morgen, als Sali zuerst erwachte; er weckte Vrenchen, so
sacht er konnte; aber es duckte sich immer wieder an ihn,
schlaftrunken, und wollte sich nicht ermuntern. Da kuesste er es
heftig auf den Mund und Vrenchen fuhr empor, machte die Augen weit
auf, und als es Sali erblickte, rief es: "Herrgott! Ich habe eben noch
von dir getraeumt! Es traeumte mir, wir tanzten miteinander auf
unserer Hochzeit, lange, lange Stunden! und waren so gluecklich,
sauber geschmueckt und es fehlte uns an nichts. Da wollten wir uns
endlich kuessen und duersteten danach, aber immer zog uns etwas
auseinander und nun bist du es selbst gewesen, der uns gestoert und
gehindert hat! Aber wie gut, dass du gleich da bist!" Gierig fiel es
ihm um den Hals und kuesste ihn, als ob es kein Ende nehmen sollte.
"Und was hast du denn getraeumt?" fragte sie und streichelte ihm
Wangen und Kinn. "Mir traeumte, ich ginge endlos auf einer langen
Strasse durch einen Wald und du in der Ferne immer vor mir her;
zuweilen sahest du nach mir um, winktest mir und lachtest und dann war
ich wie im Himmel. Das ist alles!" Sie traten unter die
offengebliebene Kuechentuere, die unmittelbar ins Freie fuehrte, und
mussten lachen, als sie sich ins Gesicht sahen. Denn die rechte Wange
Vrenchens und die linke Salis, welche im Schlafe aneinandergelehnt
hatten, waren von dem Drucke ganz rotgefaerbt, waehrend die Blaesse
der andern durch die kuehle Nachtluft noch erhoeht war. Sie rieben
sich zaertlich die kalte bleiche Seite ihrer Gesichter, um sie auch
rot zu machen; die frische Morgenluft, der tauige stille Frieden, der
ueber der Gegend lag, das junge Morgenrot machten sie froehlich und
selbstvergessen und besonders in Vrenchen schien ein freundlicher
Geist der Sorglosigkeit gefahren zu sein. "Morgen abend muss ich also
aus diesem Hause fort," sagte es, "und ein anderes Obdach suchen.
Vorher aber moechte ich einmal, nur einmal recht lustig sein, und zwar
mit dir; ich moechte recht herzlich und fleissig mit dir tanzen
irgendwo, denn das Tanzen aus dem Traume steckt mir immerfort im
Sinn!" "Jedenfalls will ich dabei sein und sehen, wo du unterkommst,"
sagte Sali, "und tanzen wollte ich auch gerne mit dir, du herziges
Kind! Aber wo?" "Es ist morgen Kirchweih an zwei Orten nicht sehr weit
von hier," erwiderte Vrenchen, "da kennt und beachtet man uns weniger;
draussen am Wasser will ich auf dich warten und dann koennen wir
gehen, wohin es uns gefaellt, um uns lustig zu machen, einmal, Einmal
nur! Aber je, wir haben ja gar kein Geld!" setzte es traurig hinzu,
"da kann nichts daraus werden!" "Lass nur," sagte Sali, "ich will
schon etwas mitbringen!" "Doch nicht von deinem Vater, von--von dem
Gestohlenen?" "Nein, sei nur ruhig! Ich habe noch meine silberne Uhr
bewahrt bis dahin, die will ich verkaufen." "Ich will dir nicht
abraten," sagte Vrenchen erroetend, "denn ich glaube, ich muesste
sterben, wenn ich nicht morgen mit dir tanzen koennte." "Es waere das
beste, wir beide koennten sterben!" sagte Sali; sie umarmten sich
wehmuetig und schmerzlich zum Abschied, und als sie
voneinanderliessen, lachten sie sich doch freundlich an in der
sicheren Hoffnung auf den naechsten Tag. "Aber wann willst du denn
kommen?" rief Vrenchen noch. "Spaetestens um elf Uhr mittags,"
erwiderte er, "wir wollen recht ordentlich zusammen Mittag essen!"
"Gut, gut! Komm lieber um halb elf schon!" Doch als Sali schon im
Gehen war, rief sie ihn noch einmal zurueck und zeigte ein ploetzlich
veraendertes verzweiflungsvolles Gesicht. "Es wird doch nichts
daraus," sagte sie bitterlich weinend, "ich habe keine Sonntagsschuhe
mehr. Schon gestern habe ich diese groben hier anziehen muessen, um
nach der Stadt zu kommen! Ich weiss keine Schuhe aufzubringen!" Sali
stand ratlos und verbluefft. "Keine Schuhe!" sagte er, "da musst du
halt in diesen kommen!" "Nein, nein, in denen kann ich nicht tanzen!"
"Nun, so muessen wir welche kaufen!" "Wo, mit was?" "Ei, in Seldwyl da
gibt es Schuhlaeden genug! Geld werde ich in minder als zwei Stunden
haben." "Aber, ich kann doch nicht mit dir in Seldwyl herumgehen, und
dann wird das Geld nicht langen, auch noch Schuhe zu kaufen!" "Es
muss! Und ich will die Schuhe kaufen und morgen mitbringen!" "O du
Naerrchen, sie werden ja nicht passen, die du kaufst!" "So gib mir
einen alten Schuh mit, oder halt, noch besser, ich will dir das Mass
nehmen, das wird doch kein Hexenwerk sein!" "Das Mass nehmen?
Wahrhaftig, daran hab' ich nicht gedacht! Komm, komm, ich will dir ein
Schnuerchen suchen!" Sie setzte sich wieder auf den Herd, zog den Rock
etwas zurueck und streifte den Schuh vom Fusse, der noch von der
gestrigen Reise her mit einem weissen Strumpfe bekleidet war. Sali
kniete nieder und nahm, so gut er es verstand, das Mass, indem er den
zierlichen Fuss der Laenge und Breite nach umspannte mit dem
Schnuerchen und sorgfaeltig Knoten in dasselbe knuepfte. "Du
Schuhmacher!" sagte Vrenchen und lachte erroetend und freundschaftlich
zu ihm nieder. Sali wurde aber auch rot und hielt den Fuss fest in
seinen Haenden, laenger als noetig war, so dass Vrenchen ihn noch
tiefer erroetend zurueckzog, den verwirrten Sali aber noch einmal
stuermisch umhalste und kuesste, dann aber fortschickte.

Pages:
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21
Copyright (c) 2007. topboookz.com. All rights reserved.