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Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

Die Leute von Seldwyla, Vol. 1

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Dies alles war in der lackierten Lade enthalten, wohlverschlossen, und
diese war wiederum in einem alten Nussbaumschrank aufgehoben, dessen
Schluessel die Zues Buenzlin allfort in der Tasche trug. Die Person
selbst hatte duenne roetliche Haare und wasserblaue Augen, welche
nicht ohne Reiz waren und zuweilen sanft und weise zu blicken wussten;
sie besass eine grosse Menge Kleider, von denen sie nur wenige und
stets die aeltesten trug, aber immer war sie sorgsam und reinlich
angezogen, und ebenso sauber und aufgeraeumt sah es in der Stube aus.
Sie war sehr fleissig und half ihrer Mutter bei ihrer Waescherei,
indem sie die feineren Sachen plaettete und die Hauben und Manschetten
der Seldwylerinnen wusch, womit sie einen schoenen Pfennig gewann; von
dieser Taetigkeit mochte es auch kommen, dass sie allwoechentlich die
Tage hindurch, wo gewaschen wurde, jene strenge und gemessene Stimmung
innehielt, welche die Weiber immer waehrend einer Waesche befaellt,
und dass diese Stimmung sich in ihr festsetzte ein fuer allemal an
diesen Tagen; erst wenn das Glaetten anging, griff eine groessere
Heiterkeit Platz, welche bei Zuesi aber jederzeit mit Weisheit
gewuerzt war. Den gemessenen Geist beurkundete auch die Hauptzierde
der Wohnung, ein Kranz von viereckigen, genau abgezirkelten
Seifenstuecken, welche rings auf das Gesimse des Tannengetaefels
gelegt waren zum Hartwerden, behufs besserer Nutzniessung. Diese
Stuecke zirkelte ab und schnitt aus den frischen Tafeln mittelst eines
Messingdrahtes jederzeit Zues selbst. Der Draht hatte zwei
Querhoelzchen an den Enden zum bequemen Anfassen und Durchschneiden
der weichen Seife; einen schoenen Zirkel aber zum Einteilen hatte ihr
ein Zeugschmiedgesell verfertigt und geschenkt, mit welchem sie einst
so gut wie versprochen war. Von demselben ruehrte auch ein blanker
kleiner Gewuerzmoerser her, welcher das Gesimse ihres Schrankes zierte
zwischen der blauen Teekanne und dem bemalten Blumenglas; schon lange
war ein solches artiges Moerserchen ihr Wunsch gewesen, und der
aufmerksame Zeugschmied kam daher wie gerufen, als er an ihrem
Namenstage damit erschien und auch was zum Stossen mitbrachte: eine
Schachtel voll Zimmet, Zucker, Naegelein und Pfeffer. Den Moerser hing
er dazumal vor der Stubentuere, ehe er eintrat, mit dem einen Henkel
an den kleinen Finger, und hub mit dem Stoessel ein schoenes Gelaeute
an, wie mit einer Glocke, so dass es ein froehlicher Morgen ward. Aber
kurz darauf entfloh der falsche Mensch aus der Gegend und liess nie
wieder von sich hoeren. Sein Meister verlangte obenein noch den
Moerser zurueck, da der Entflohene ihn seinem Laden entnommen, aber
nicht bezahlt habe. Aber Zues Buenzlin gab das werte Andenken nicht
heraus, sondern fuehrte einen tapfern und heftigen kleinen Prozess
darum, den sie selbst vor Gericht verteidigte auf Grundlage einer
Rechnung fuer gewaschene Vorhemden des Entwichenen. Dies waren, als
sie den Streit um den Moerser fuehren musste, die bedeutsamsten und
schmerzhaftesten Tage ihres Lebens, da sie mit ihrem tiefen Verstande
die Dinge und besonders das Erscheinen vor Gericht um solch zarter
Sache willen viel lebendiger begriff und empfand als andere leichtere
Leute. Doch erstritt sie den Sieg und behielt den Moerser.

Wenn aber die zierliche Seifengalerie ihre Werktaetigkeit und ihren
exakten Sinn verkuendete, so pries nicht minder ihren erbaulichen und
geschulten Geist ein Haeufchen unterschiedlicher Buecher, welches am
Fenster ordentlich aufgeschichtet lag und in denen sie des Sonntags
fleissig las. Sie besass noch alle ihre Schulbuecher seit vielen
Jahren her und hatte auch nicht eines verloren, sowie sie auch noch
die ganze kleine Gelehrsamkeit im Gedaechtnis trug, und sie wusste
noch den Katechismus auswendig wie das Deklinierbuch, das Rechenbuch
wie das Geographiebuch, die biblische Geschichte und die weltlichen
Lesebuecher; auch besass sie einige der huebschen Geschichten von
Christoph Schmid und dessen kleine Erzaehlungen mit den artigen
Spruchversen am Ende, wenigstens ein halbes Dutzend verschiedene
Schatzkaestlein und Rosengaertchen zum Aufschlagen, eine Sammlung
Kalender voll bewaehrter mannigfacher Erfahrung und Weisheit, einige
merkwuerdige Prophezeiungen, eine Anleitung zum Kartenschlagen, ein
Erbauungsbuch auf alle Tage des Jahres fuer denkende Jungfrauen und
ein altes Exemplar von Schillers Raeubern, welches sie so oft las, als
sie glaubte es genugsam vergessen zu haben, und jedesmal wurde sie von
neuem geruehrt, hielt aber sehr verstaendige und sichtende Reden
darueber. Alles, was in diesen Buechern stand, hatte sie auch im Kopfe
und wusste auf das schoenste darueber und ueber noch viel mehr zu
sprechen. Wenn sie zufrieden und nicht zu sehr beschaeftigt war, so
ertoenten unaufhoerliche Reden aus ihrem Munde und alle Dinge wusste
sie heimzuweisen und zu beurteilen, und jung und alt, hoch und
niedrig, gelehrt und ungelehrt musste von ihr lernen und sich ihrem
Urteile unterziehen, wenn sie laechelnd oder sinnig erst ein Weilchen
aufgemerkt hatte, worum es sich handle; sie sprach zuweilen so viel
und salbungsvoll wie eine gelehrte Blinde, die nichts von der Welt
sieht und deren einziger Genuss ist, sich selbst reden zu hoeren. Von
der Stadtschule her und aus dem Konfirmationsunterrichte hatte sie die
UEbung ununterbrochen beibehalten, Aufsaetze und geistliche
Memorierungen und allerhand spruchweise Schemata zu schreiben, und so
verfertigte sie zuweilen an stillen Sonntagen die wunderbarsten
Aufsaetze, indem sie an irgendeinen wohlklingenden Titel, den sie
gehoert oder gelesen, die sonderbarsten und unsinnigsten Saetze
anreihte, ganze Bogen voll, wie sie ihrem seltsamen Gehirn
entsprangen, wie z.B. ueber das Nutzbringende eines Krankenbettes,
ueber den Tod, ueber die Heilsamkeit des Entsagens, ueber die Groesse
der sichtbaren Welt und das Geheimnisvolle der unsichtbaren, ueber das
Landleben und dessen Freuden, ueber die Natur, ueber die Traeume,
ueber die Liebe, einiges ueber das Erloesungswerk Christi, drei Punkte
ueber die Selbstgerechtigkeit, Gedanken ueber die Unsterblichkeit. Sie
las ihren Freunden und Anbetern diese Arbeiten laut vor, und wem sie
recht wohlwollte, dem schenkte sie einen oder zwei solcher Aufsaetze
und der musste sie in die Bibel legen, wenn er eine hatte. Diese ihre
geistige Seite hatte ihr einst die tiefe und aufrichtige Neigung eines
jungen Buchbindergesellen zugezogen, welcher alle Buecher las, die er
einband, und ein strebsamer, gefuehlvoller und unerfahrener Mensch
war. Wenn er sein Waschbuendel zu Zuesis Mutter brachte, duenkte er im
Himmel zu sein, so wohl gefiel es ihm, solche herrliche Reden zu
hoeren, die er sich selbst schon so oft idealisch gedacht, aber nicht
auszustossen getraut hatte. Schuechtern und ehrerbietig naeherte er
sich der abwechselnd strengen und beredten Jungfrau, und sie gewaehrte
ihm ihren Umgang und band ihn an sich waehrend eines Jahres, aber
nicht ohne ihn ganz in den Schranken klarer Hoffnungslosigkeit zu
halten, die sie mit sanfter, aber unerbittlicher Hand vorzeichnete.
Denn da er neun Jahre juenger war als sie, arm wie eine Maus und
ungeschickt zum Erwerb, der fuer einen Buchbinder in Seldwyla ohnehin
nicht erheblich war, weil die Leute da nicht lasen und wenig Buecher
binden liessen, so verbarg sie sich keinen Augenblick die
Unmoeglichkeit einer Vereinigung und suchte nur seinen Geist auf alle
Weise an ihrer eigenen Entsagungsfaehigkeit heranzubilden und in einer
Wolke von buntscheckigen Phrasen einzubalsamieren. Er hoerte ihr
andaechtig zu und wagte zuweilen selbst einen schoenen Ausspruch, den
sie ihm aber, kaum geboren, totmachte mit einem noch schoeneren; dies
war das geistigste und edelste ihrer Jahre, durch keinen groeberen
Hauch getruebt, und der junge Mensch band ihr waehrend derselben alle
ihre Buecher neu ein und bauete ueberdies waehrend vieler Naechte und
vieler Feiertage ein kunstreiches und kostbares Denkmal seiner
Verehrung. Es war ein grosser chinesischer Tempel aus Papparbeit mit
unzaehligen Behaeltern und geheimen Faechern, den man in vielen
Stuecken auseinandernehmen konnte. Mit den feinsten farbigen und
gepressten Papieren war er beklebt und ueberall mit Goldboertchen
geziert. Spiegelwaende und Saeulen wechselten ab, und hob man ein
Stueck ab oder oeffnete ein Gelass, so erblickte man neue Spiegel und
verborgene Bilderchen, Blumenbuketts und liebende Paerchen; an den
ausgeschweiften Spitzen der Daecher hingen allwaerts kleine
Gloecklein. Auch ein Uhrgehaeuse fuer eine Damenuhr war angebracht mit
schoenen Haekchen an den Saeulen, um die goldene Kette daran zu henken
und an dem Gebaeude hin und her zu schlaengeln; aber bis jetzt hatte
sich noch kein Uhrenmacher genaehert, welcher eine Uhr, und kein
Goldschmied, welcher eine Kette auf diesen Altar gelegt haette. Eine
unendliche Muehe und Kunstfertigkeit war an diesem sinnreichen Tempel
verschwendet und der geometrische Plan nicht minder muehevoll als die
saubere genaue Arbeit. Als das Denkmal eines schoen verlebten Jahrs
fertig war, ermunterte Zues Buenzlin den guten Buchbinder, mit
Bezwingung ihrer selbst, sich nun loszureissen und seinen Stab
weiterzusetzen, da ihm die Welt offenstehe und ihm, nachdem er in
ihrem Umgange, in ihrer Schule so sehr sein Herz veredelt habe, gewiss
noch das schoenste Glueck lachen werde, waehrend sie ihn nie vergessen
und sich der Einsamkeit ergeben wolle. Er weinte wahrhaftige Traenen,
als er sich so schicken liess und aus dem Staedtlein zog. Sein Werk
dagegen thronte seitdem auf Zuesis altvaeterischer Kommode, von einem
meergruenen Gazeschleier bedeckt, dem Staub und allen unwuerdigen
Blicken entzogen. Sie hielt es so heilig, dass sie es ungebraucht und
neu erhielt und gar nichts in die Behaeltnisse steckte, auch nannte
sie den Urheber desselben in der Erinnerung Emanuel, waehrend er Veit
geheissen, und sagte jedermann, nur Emanuel habe sie verstanden und
ihr Wesen erfasst. Nur ihm selber hatte sie das selten zugestanden,
sondern ihn in ihrem strengen Sinne kurz gehalten und zur hoeheren
Anspornung ihm haeufig gezeigt, dass er sie am wenigsten verstehe,
wenn er sich am meisten einbilde, es zu tun. Dagegen spielte er ihr
auch einen Streich und legte in einen doppelten Boden, auf dem
innersten Grunde des Tempels, den allerschoensten Brief, von Traenen
benetzt, worin er eine unsaegliche Betruebnis, Liebe, Verehrung und
ewige Treue aussprach, und in so huebschen und unbefangenen Worten,
wie sie nur das wahre Gefuehl findet, welches sich in eine Vexiergasse
verrannt hat. So schoene Dinge hatte er gar nie ausgesprochen, weil
sie ihn niemals zu Worte kommen liess. Da sie aber keine Ahnung hatte
von dem verborgenen Schatze, so geschah es hier, dass das Schicksal
gerecht war und eine falsche Schoene nicht das zu Gesicht bekam, was
sie nicht zu sehen verdiente. Auch war es ein Symbol, dass sie es war,
welche das toerichte, aber innige und aufrichtig gemeinte Wesen des
Buchbinders nicht verstanden.

Schon lange hatte sie das Leben der drei Kammacher gelobt und
dieselben drei gerechte und verstaendige Maenner genannt; denn sie
hatte sie wohl beobachtet. Als daher Dietrich der Schwabe begann, sich
laenger bei ihr aufzuhalten, wenn er sein Hemd brachte oder holte, und
ihr den Hof zu machen, benahm sie sich freundschaftlich gegen ihn und
hielt ihn mit trefflichen Gespraechen stundenlang bei sich fest, und
Dietrich redete ihr voll Bewunderung nach dem Munde, so stark er
konnte; und sie vermochte ein tuechtiges Lob zu ertragen, ja sie
liebte den Pfeffer desselben um so mehr, je staerker er war, und wenn
man ihre Weisheit pries, hielt sie sich moeglichst still, bis man das
Herz geleert, worauf sie mit erhoehter Salbung den Faden aufnahm und
das Gemaelde da und dort ergaenzte, das man von ihr entworfen. Nicht
lange war Dietrich bei Zues aus und ein gegangen, so hatte sie ihm
auch schon den Gueltbrief gezeigt, und er war voll guter Dinge und tat
gegen seine Gefaehrten so heimlich wie einer, der das Perpetuum mobile
erfunden hat. Jobst und Fridolin kamen ihm jedoch bald auf die Spur
und erstaunten ueber seinen tiefen Geist und ueber seine Gewandtheit.
Jobst besonders schlug sich foermlich vor den Kopf; denn schon seit
Jahren ging er ja auch in das Haus und noch nie war ihm eingefallen,
etwas anderes da zu suchen als seine Waesche; er hasste vielmehr die
Leute beinahe, weil sie die einzigen waren, bei welchen er einige bare
Pfennige herausklauben musste allwoechentlich. An eine eheliche
Verbindung pflegte er nie zu denken, weil er unter einer Frau nichts
anderes denken konnte als ein Wesen, das etwas von ihm wollte, was er
nicht schuldig sei, und etwas von einer selbst zu wollen, was ihm
nuetzlich sein koennte, fiel ihm auch nicht ein, da er nur sich selbst
vertraute und seine kurzen Gedanken nicht ueber den naechsten und
allerengsten Kreis seines Geheimnisses hinausgingen. Aber jetzt galt
es, dem Schwaebchen den Rang abzulaufen, denn dieses konnte mit den
siebenhundert Gulden der Jungfer Zues schlimme Geschichten aufstellen,
wenn es sie erhielt, und die siebenhundert Gulden selbst bekamen auf
einmal einen verklaerten Glanz und Schimmer in den Augen des Sachsen
wie des Bayers. So hatte Dietrich, der erfindungsreiche, nur ein Land
entdeckt, welches alsobald Gemeingut wurde, und teilte das herbe
Schicksal aller Entdecker; denn die zwei andern folgten sogleich
seiner Faehrte und stellten sich ebenfalls bei Zues Buenzlin auf, und
diese sah sich von einem ganzen Hof verstaendiger und ehrbarer
Kammacher umgeben. Das gefiel ihr ausnehmend wohl; noch nie hatte sie
mehrere Verehrer auf einmal besessen, weshalb es eine neue
Geistesuebung fuer sie ward, diese drei mit der groessten Klugheit und
Unparteilichkeit zu behandeln und im Zaume zu halten und sie so lange
mit wunderbaren Reden zur Entsagung und Uneigennuetzigkeit
aufzumuntern, bis der Himmel ueber das Unabaenderliche etwas
entschiede. Denn da jeder von ihnen ihr insbesondere sein Geheimnis
und seinen Plan vertraut hatte, so entschloss sie sich auf der Stelle,
denjenigen zu begluecken, welcher sein Ziel erreiche und Inhaber des
Geschaeftes wuerde. Den Schwaben, welcher es nur durch sie werden
konnte, schloss sie aber davon aus und nahm sich vor, diesen
jedenfalls nicht zu heiraten; weil er aber der juengste, kluegste und
liebenswuerdigste der Gesellen war, so gab sie ihm durch manche stille
Zeichen noch am ehesten einige Hoffnung und spornte durch die
Freundlichkeit, mit welcher sie ihn besonders zu beaufsichtigen und zu
regieren schien, die anderen zu groesserem Eifer an, so dass dieser
arme Kolumbus, der das schoene Land erfunden hatte, vollstaendig der
Narr im Spiele ward. Alle drei wetteiferten miteinander in der
Ergebenheit, Bescheidenheit und Verstaendigkeit und in der anmutigen
Kunst, sich von der gestrengen Jungfrau im Zaume halten zu lassen und
sie ohne Eigennutz zu bewundern, und wenn die ganze Gesellschaft
beieinander war, glich sie einem seltsamen Konventikel, in welchem die
sonderbarsten Reden gefuehrt wurden. Trotz aller Froemmigkeit und
Demut geschah es doch alle Augenblicke, dass einer oder der andere,
vom Lobpreisen der gemeinsamen Herrin ploetzlich abspringend, sich
selbst zu loben und herauszustreichen versuchte und sich, sanft von
ihr zurechtgewiesen, beschaemt unterbrochen sah oder anhoeren musste,
wie sie ihm die Tugenden der uebrigen entgegenhielt, die er eiligst
anerkannte und bestaetigte.

Aber dies war ein strenges Leben fuer die armen Kammacher; so kuehl
sie von Gemuet waren, gab es doch, seit einmal ein Weib im Spiele,
ganz ungewohnte Erregungen der Eifersucht, der Besorgnis, der Furcht
und der Hoffnung; sie rieben sich in Arbeit und Sparsamkeit beinahe
auf und magerten sichtlich ab; sie wurden schwermuetig, und waehrend
sie vor den Leuten und besonders bei Zues sich der friedlichsten
Beredsamkeit beflissen, sprachen sie, wenn sie zusammen bei der Arbeit
oder in ihrer Schlafkammer sassen, kaum ein Wort miteinander und
legten sich seufzend in ihr gemeinschaftliches Bett, noch immer so
still und vertraeglich wie drei Bleistifte. Ein und derselbe Traum
schwebte allnaechtlich ueber dem Kleeblatt, bis er einst so lebendig
wurde, dass Jobst an der Wand sich herumwarf und den Dietrich
anstiess; Dietrich fuhr zurueck und stiess den Fridolin, und nun brach
in den schlummertrunkenen Gesellen ein wilder Groll aus und in dem
Bette der schreckbarste Kampf, indem sie waehrend drei Minuten sich so
heftig mit den Fuessen stiessen, traten und ausschlugen, dass alle
sechs Beine sich ineinander verwickelten und der ganze Knaeuel unter
furchtbarem Geschrei aus dem Bette purzelte. Sie glaubten, voellig
erwachend, der Teufel wolle sie holen, oder es seien Raeuber in die
Kammer gebrochen; sie sprangen schreiend auf, Jobst stellte sich auf
seinen Stein, Fridolin eiligst auf seinen und Dietrich auf denjenigen,
unter welchem sich bereits auch seine kleine Ersparnis angesetzt
hatte, und indem sie so in einem Dreieck standen, zitterten und mit
den Armen vor sich hin in die Luft schlugen, schrien sie Zeter Mordio
und riefen: "Geh fort! Geh fort!" bis der erschreckte Meister in die
Kammer drang und die tollen Gesellen beruhigte. Zitternd vor Furcht,
Groll und Scham zugleich krochen sie endlich wieder ins Bett und lagen
lautlos nebeneinander bis zum Morgen. Aber der naechtliche Spuk war
nur ein Vorspiel gewesen eines groesseren Schreckens, der sie jetzt
erwartete, als der Meister ihnen beim Fruehstueck eroeffnete, dass er
nicht mehr drei Arbeiter brauchen koenne und daher zwei von ihnen
wandern muessten. Sie hatten naemlich des Guten zu viel getan und so
viel Ware zuweg gebracht, dass ein Teil davon liegen blieb, indes der
Meister den vermehrten Erwerb dazu verwendet hatte, das Geschaeft, als
es auf dem Gipfelpunkt stand, um so rascher rueckwaerts zu bringen,
und ein solch lustiges Leben fuehrte, dass er bald doppelt soviel
Schulden hatte, als er einnahm. Daher waren ihm die Gesellen, so
fleissig und enthaltsam sie auch waren, ploetzlich eine ueberfluessige
Last. Er sagte ihnen zum Trost, dass sie ihm alle drei gleich lieb und
wert waeren und es ihnen ueberliesse, unter sich auszumachen, welcher
dableiben und welche wandern sollten. Aber sie machten nichts aus,
sondern standen da bleich wie der Tod und laechelten einer den andern
an; dann gerieten sie in eine furchtbare Aufregung, da dies die
verhaengnisvollste Stunde war; denn die Ankuendigung des Meisters war
ein sicheres Zeichen, dass er es nicht lange mehr treiben und das
Kammfabrikchen endlich wieder kaeuflich wuerde. Also war das Ziel,
nach dem sie alle gestrebt, nahe und glaenzte wie ein himmlisches
Jerusalem, und zwei sollten vor den Toren desselben umkehren und ihm
den Ruecken wenden. Ohne alle fuerdere Ruecksicht erklaerte jeder,
dableiben zu wollen, und wenn er ganz umsonst arbeiten muesse. Der
Meister konnte aber auch dies nicht brauchen und versicherte sie, dass
zwei von ihnen jedenfalls gehen muessten; sie fielen ihm zu Fuessen,
sie rangen die Haende, sie beschworen ihn und jeder bat insbesondere
fuer sich, dass er ihn behalten moechte, nur noch zwei Monate, nur
noch vier Wochen: Allein er wusste wohl, worauf sie spekulierten,
aergerte sich darueber und machte sich ueber sie lustig, indem er
ploetzlich einen spasshaften Ausweg vorschlug, wie sie die Sache
entscheiden sollten. "Wenn ihr euch durchaus nicht einigen koennt,"
sagte er, "welche von euch den Abschied wollen, so will ich euch die
Weise angeben, wie ihr die Sache entscheidet, und so soll es dann sein
und bleiben! Morgen ist Sonntag, da zahle ich euch aus, ihr packt euer
Felleisen, ergreift euren Stab und wandert alle drei eintraechtiglich
zum Tore hinaus, eine gute halbe Stuende weit, auf welche Seite ihr
wollt. Alsdann ruhet ihr euch aus und koennt auch einen Schoppen
trinken, wenn ihr moegt, und habt ihr das getan, so wandert ihr wieder
in die Stadt herein, und welcher dann der erste sein wird, der mich
von neuem um Arbeit anspricht, den werde ich behalten; die anderen
aber werden unausbleiblich gehen, wo es ihnen beliebt!" Sie fielen ihm
abermals zu Fuessen und baten ihn, von diesem grausamen Vorhaben
abzustehen, aber umsonst; er blieb fest und unerbittlich. Unversehens
sprang der Schwabe auf und rannte wie besessen zum Hause hinaus und zu
Zues Buenzlin hinueber; kaum gewahrten dies Jobst und der Bayer, so
unterbrachen sie ihr Lamentieren und rannten ihm nach, und die
verzweifelte Szene war alsobald in die Wohnung der erschrockenen
Jungfrau verlegt.

Diese war sehr betroffen und bewegt durch das unerwartete Abenteuer;
doch fasste sie sich zuerst, und die Lage der Dinge ueberschauend,
beschloss sie, ihr eigenes Schicksal an des Meisters wunderlichen
Einfall zu knuepfen, und betrachtete diesen als eine hoehere
Eingebung; sie holte geruehrt ein Schatzkaestlein hervor und stach mit
einer Nadel zwischen die Blaetter, und der Spruch, welchen sie
aufschlug, handelte vom unentwegten Verfolgen eines guten Zieles.
Sodann liess sie die aufgeregten Gesellen aufschlagen, und alles, was
diese aufschlugen, handelte vom eifrigen Wandel auf dem schmalen Wege,
vom Vorwaertsgehen ohne Rueckschauen, von einer Laufbahn, kurz vom
Laufen und Rennen aller Art, so dass der morgende Wettlauf deutlich
vom Himmel vorgeschrieben schien. Da sie aber befuerchtete, dass
Dietrich als der Juengste leicht am besten springen und die Palme
erringen koennte, beschloss sie, selbst mit den drei Liebhabern
auszuziehen und zu sehen, was etwa zu ihrem Vorteil zu machen waere;
denn sie wuenschte, dass nur einer der zwei Aelteren Sieger wuerde,
und es war ihr ganz gleichgueltig, welcher. Sie befahl daher den
Wehklagenden und sich Bezankenden Ruhe und Ergebung und sagte:
"Wisset, meine Freunde, dass nichts ohne Bedeutung geschieht, und so
merkwuerdig und ungewoehnlich die Zumutung eures Meisters ist, so
muessen wir sie doch als eine Fuegung ansehen und uns mit einer
hoeheren Weisheit, von welcher der mutwillige Mann nichts ahnt, dieser
jaehen Entscheidung unterwerfen. Unser friedliches und verstaendiges
Zusammenleben ist zu schoen gewesen, als dass es noch lange so
erbaulich stattfinden koennte; denn ach! Alles Schoene und
Erspriessliche ist ja so vergaenglich und voruebergehend, und nichts
besteht in die Laenge als das Uebel, das Hartnaeckige und die
Einsamkeit der Seele, die wir alsdann mit unserer frommen
Vernuenftigkeit betrachten und beobachten. Daher wollen wir, ehe sich
etwa ein boeser Daemon des Zwiespaltes unter uns erhebt, uns lieber
vorher freiwillig trennen und auseinanderscheiden wie die lieben
Fruehlingslueftlein, wenn sie ihren eilenden Lauf am Himmel nehmen,
ehe wir auseinanderfahren wie der Sturmwind des Herbstes. Ich selbst
will euch hinausbegleiten auf dem schweren Wege und zugegen sein, wenn
ihr den Pruefungslauf antretet, damit ihr einen froehlichen Mut fasset
und einen schoenen Antrieb hinter euch habt, waehrend vor euch das
Ziel des Sieges winkt. Aber so wie der Sieger sich seines Glueckes
nicht ueberheben wird, so sollen die, welche unterliegen, nicht
verzagen und keinen Gram oder Groll von dannen nehmen, sondern unsers
liebevollen Andenkens gewaertig sein und als vergnuegte
Wanderjuenglinge in die weite Welt ziehen; denn die Menschen haben
viele Staedte gebauet, welche so schoen oder noch schoener sind wie
Seldwyla; Rom ist eine grosse, merkwuerdige Stadt, allwo der heilige
Vater wohnt, und Paris ist eine gar maechtige Stadt mit vielen Seelen
und herrlichen Palaesten, und in Konstantinopel herrscht der Sultan,
von tuerkischem Glauben, und Lissabon, welches einst durch ein
Erdbeben verschuettet ward, ist desto schoener wieder aufgebaut
worden. Wien ist die Hauptstadt von Osterreich und die Kaiserstadt
genannt, und London ist die reichste Stadt der Welt, in Engelland
gelegen, an einem Fluss, der die Themse benannt wird. Zwei Millionen
Menschen wohnen da! Petersburg aber ist die Haupt- und Residenzstadt
von Russland, so wie Neapel die Hauptstadt des Koenigreiches gleichen
Namens, mit dem feuerspeienden Berg Vesuvius, auf welchem einst einem
englischen Schiffshauptmann eine verdammte Seele erschienen ist, wie
ich in einer merkwuerdigen Reisebeschreibung gelesen habe, welche
Seele einem gewissen John Smidt angehoeret, der vor hundertundfuenfzig
Jahren ein gottloser Mann gewesen und nun besagtem Hauptmann einen
Auftrag erteilte an seine Nachkommen in England, damit er erloest
wuerde; denn der ganze Feuerberg ist ein Aufenthalt der Verdammten,
wie auch in des gelehrten Peter Haslers Traktatus ueber die
mutmassliche Gelegenheit der Hoelle zu lesen ist. Noch viele andere
Staedte gibt es, wovon ich nur noch Mailand, Venedig, das ganz im
Wasser gebaut ist, Lyon, Marseilingen, Strassburg, Koellen und
Amsterdam nennen will; Paris hab' ich schon gesagt, aber noch nicht
Nuernberg, Augsburg und Frankfurt, Basel, Bern und Genf, alles schoene
Staedte, sowie das schoene Zuerich, und weiterhin noch eine Menge, mit
deren Aufzaehlung ich nicht fertig wuerde. Denn alles hat seine
Grenzen, nur nicht die Erfindungsgabe der Menschen, welche sich
allwaerts ausbreiten und alles unternehmen, was ihnen nuetzlich
scheint. Wenn sie gerecht sind, so wird es ihnen gelingen, aber der
Ungerechte vergehet wie das Gras der Felder und wie ein Rauch. Viele
sind erwaehlt, aber nur wenige sind berufen. Aus allen diesen Gruenden
und in noch manch anderer Hinsicht, die uns die Pflicht und die Tugend
unseres reinen Gewissens auferlegen, wollen wir uns dem Schicksalsrufe
unterziehen. Darum gehet und bereitet euch zur Wanderschaft, aber als
gerechte und sanftmuetige Maenner, die ihren Wert in sich tragen, wo
sie auch hingehen, und deren Stab ueberall Wurzel schlaegt, welche,
was sie auch ergreifen moegen, sich sagen koennen: ich habe das
bessere Teil erwaehlt!"

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