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Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

Gockel, Hinkel und Gackeleia

C >> Clemens Brentano >> Gockel, Hinkel und Gackeleia

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Gockel und Hinkel und Gackeleia aber liefen im Schloss herum und sahen
Alles an; alle die Dienerschaft setzte sich in Bewegung; man kleidete
sich an, man wurde frisirt, man putzte Stiefel und Schuh, man klopfte
Kleider aus, traenkte die Pferde, fuetterte Huehner, fruehstueckte; es war
ein Leben und Weben wie in dem groessten Schloss. Die Buergerschaft, um
ihre Freude zu bezeigen, kam mit fliegenden Fahnen gezogen, jede
Zunft mit dem Bild ihres Schutzpatronen auf der Fahne und schoener
Musik; sie standen Alle vor dem Schlosse, feuerten ihre rostigen
Flinten in die Luft und schrieen: "Vivat der Herr Graf Gockel von
Hanau! Vivat die Graefin Hinkel und die Comtesse Gackeleia! Vivat
hoch! und abermal hoch!"--Gockel und Hinkel und Gackeleia standen auf
dem Balkon am Fenster und warfen Geld unter das Volk. Gockel warf
den Maennern hundert Stueck neue Gockeld'ors, Hinkel den Frauen hundert
Stueck neue Hinkeld'ors, worunter auch eine grosse Anzahl Basler
Hennenthaler, und Gackeleia den Kindern hundert Stueck neue
Gackeleid'ors aus. Sie riefen dabei immer: "theilt untereinander aus,
lasst wechseln, Einer gebe dem Andern heraus!" Weil aber damals der
Cours in Gelnhausen sehr hoch stand und das Gold sehr gesucht und man
mit Scheidemuenze und Stuebern und mit Waaren, z. B. Nuessen, Feigen,
Schellen und Kappen wohl assortirt war, so ward der Wechsel--und
Tauschhandel sehr lebhaft auf dem Markt. Je mehr das Gold fiel,
desto hoeher stieg es; der Platz ward mit ausgetheilten, gewechselten,
ausgetauschten, vollwichtigen Nasenstuebern, Kopfnuessen, Ohrfeigen,
Maulschellen und gestochenen Kappen ueberschwemmt und Alles musste
losschlagen, weil Viele ganz unverzeihlich mit diesen Artikeln
schleuderten. Man hat auch unter der Hand vertrauliche Informationen
eingezogen, dass damals das Haus: "Gebrueder Vatermoerder", welches
spaeter die Frankfurter Messe in Wachs poussirt bezog, den ersten
Grund zu seinem Renommee gelegt habe.--Als man sich nun bereits bei
den Haaren um das Gold riss, so dass Keiner mit einem blauen Auge davon
kam, der nicht Haare gelassen hatte, drehte Gockel den Ring Salomonis
und mit ihm den Kellermeister nebst einem Stueck Fass Wein aus dem
Keller, und es ward eingeschenkt, jedem der trinken wollte und ein
Gefaess bei sich hatte. Da liefen sie auseinander nach Haus und holten
Eimer und Kuebel und Zueber und Schoepfkellen und Kessel und Kruege und
was sie fanden, und tranken, da der Goldregen aufgehoert, Gockels
Gesundheit am Weinfass.

Der Koenig von Gelnhausen wohnte damals nicht in der Stadt, sondern
eine Meile davon, in seinem Lustschlosse Kastellovo, auf deutsch
Eier-Burg, denn das ganze Schloss war von ausgeblasenen Eierschalen
errichtet, und in die Waende waren bunte Sterne von Ostereiern
hineingemauert. Dieses Schloss war des Koenigs Lieblingsaufenthalt,
denn der ganze Bau war seine Erfindung, und alle diese Eierschalen
waren bei seiner eigenen Haushaltung ausgeleert worden. Das Dach der
Eierburg aber war in Gestalt einer bruetenden Henne wirklich von
lauter Huehnerfedern zusammengesetzt, und inwendig waren alle Waende
eiergelb ausgeschlagen. Gerade der Bau dieses Schlosses war schuld
gewesen, dass Gockel einstens aus den Diensten des Koenigs gegangen war,
weil er sich der entsetzlichen Huehner--und Eierverschwendung
widersetzte und dadurch den Koenig erbittert hatte. Taeglich kam nun
der koenigliche Kuechenmeister mit einem Kuechenwagen nach Gelnhausen
gefahren, um die noethigen Vorraethe fuer den Hofstaat einzukaufen. Wie
erstaunte er aber heute, als er die ganze Stadt in einem allgemeinen
Buergerfest vor einem nie gesehenen Palaste erblickte und den Namen
Gockels an allen Ecken ausrufen hoerte. Aber sein Erstaunen ward bald
in einen grossen Aerger verwandelt; denn wo er zu einem Baecker oder
Fleischer oder Kraemer mit seinem Kuechenwagen hinfuhr, um einzukehren,
hiess es ueberall: Alles ist schon fuer Seine Raugraeflichen Gnaden
Gockel von Hanau gekauft. Da nun endlich der koenigliche
Kuechenmeister sich mit Gewalt der noethigen Lebensmittel bemaechtigen
wollte, widersetzten sich die Buerger und es entstand ein Getuemmel.
Gockel, der die Ursache davon erfuhr, liess sogleich dem Kuechenmeister
sagen, er moege ohne Sorgen seyn, denn er wolle Seine Majestaet den
Koenig und Seine ganze Familie und Seine ganze Dienerschaft
allerunterthaenigst heute auf einen Loeffel Suppe zu sich einladen
lassen, und er, der Kuechenmeister, moechte nur mit seinem Kuechenwagen
vor seine Schloss-Speisekammer heranfahren, um ein kleines Fruehstueck
fuer den Koenig mitzunehmen. Der Kuechenmeister fuhr nun hinueber, und
Gockel liess ihm den ganzen Kuechenwagen mit Kibitzeneiern anfuellen und
setzte seine zwei Kammermohren oben drauf, welche den Koenig
unterrichten sollten, wie man die Kibitzeneier mit Anstand esse; denn
der Koenig hatte seiner Lebtage noch keine gegessen.

Der Kuechenmeister fuhr durch den Sand in gestrecktem Galopp mit
seinem Kuechenwagen voll Eiern nach dem Lustschloss, ohne ein Einziges
zu zerbrechen, nur dass die zwei Mohren, wo es zu langsam ging,
manchmal absteigen und zu Fuss gehen mussten; sie kamen jedoch zugleich
in der Eierburg an.

Mit hoechster Verwunderung hoerte Koenig Eifrasius die Geschichte von
dem Schloss und dem Gockel durch den Kuechenmeister erzaehlen, und liess
sich sogleich ein Hundert von den Kibitzeneiern hart sieden. Als nun
die zwei schwarzen Kammermohren in ihren goldbordirten Roecken mit der
silbernen Schuessel voll Salz, in welches die Eier festgestellt waren,
hereintreten, und mit ihrer schwarzen Farbe so schoen gegen den weissen
Eierpalast abstachen, hatte der Koenig Eifrasius grosse Freude daran.
Er liess seine Gemahlin Eilegia, und seinen Kronprinzen Kronovus zum
Fruehstueck berufen, und erzaehlte ihnen das grosse Wunder vom Palast
Gockels. "Ach", sagte Kronovus, "da ist wohl die kleine Gackeleia,
mit welcher ich sonst spielte, auch wieder dabei." "Natuerlich",
sprach Eifrasius, "wir wollen gleich nach diesem Fruehstueck hinein
fahren und das ganze Spektackel ansehen. Aber seht nur die kuriosen
Eier, die er uns zum Fruehstueck sendet; gruen sind sie mit schwarzen
Puncten; man nennt sie Kibitzeneier, sie kommen weit aus Russland und
werden so genannt, weil sie in Kibitken, einer Art von Huehnerstall
auf vier Raedern gefunden, oder gelegt, oder hieher gefahren werden."

Da sprach der eine Kammermohr: "ich bitte Eure Majestaet um Vergebung,
man nennt sie Kibitzeneier, sie werden vom Kibitz, einem Vogel gelegt,
der ungefaehr so gross wie eine Taube und grau wie eine Schnepfe ist,
und wie eine franzoesische Schildwache beim Eierlegen immer Ki wi, Ki
wi schreit, wenn man dann: "gut Freund" antwortet, so kann man
hingehen und ihm die Eier nehmen, worauf er gleich wieder andere legt."
Den Koenig Eifrasius aergerte es, dass der Mohr ihn in
Eierkenntnissen belehren wollte, und sagte zu ihm: "halt er sein Maul,
er versteht nichts davon, sey er nicht so nasenweis." Darueber
erschrack der Mohr wirklich so sehr, dass er ganz weiss um den Schnabel
wurde. Der andere Mohr sprach nun: "der Raugraf Gockel hat uns
befohlen, Eurer Majestaet zu zeigen, wie diese Eier jetzt nach der
neuesten Mode gespeist zu werden pflegen." "Ich bin begierig", sagte
der Koenig, "es zu sehen." Da nahm jeder der Kammermohren eins von
den Eiern in die flache linke Hand, und nun traten sie mit
aufgehobener Rechte einander gegenueber und baten den Koenig eins, zwei,
drei zu kommandiren. Das that Eifrasius, und wie er drei sagte,
schlug der eine Mohr dem andern so auf das Ei, dass der gelbe Dotter
gar artig auf die schwarze Hand herausfuhr. Dem Koenig gefiel dieses
ueber die Massen, und sie mussten es ihm bei allen hundert Eiern da
Capo machen, wofuer er ihnen beim Abschied beiden den Orden des rothen
Ostereies dritter Klasse ohne Dotter taxfrei zur Belohnung um den
Hals haengte.

Nun fuhr der Koenig und seine Gemahlin und der Kronprinz mit dem
ganzen Hofstaat auf einer Wurst nach Gelnhausen zu Gockel, der ihm
mit Hinkel und Gackeleia an der Schlossthuere entgegen trat. Die
Verwunderung ueber den Reichthum und die jugendliche Schoenheit Gockels
konnte nur durch die ausserordentliche Mahlzeit noch uebertroffen
werden. Alles war in vollem Jubel. Kronovus und Gackeleia sassen an
einem aparten Tischchen und wurden von den zwei Kammerzwergen bedient,
und Musik war an allen Ecken. Beim Nachtisch tranken Eifrasius und
Gockel Bruderschaft, und Eilegia und Hinkel Schwesterschaft, und
Kronovus und Gackeleia Spielkameradschaft, sprechend: "du bist mein
Koenig und du bist meine Koenigin." Eifrasius zog dann den Gockel an
ein Fenster und hieng ihm das Grossei des Ordens des goldnen Ostereies
mit zwei Dottern und Petersilie um den Hals und borgte hundert
Gockeld'ors von ihm, worauf das Ganze mit einem grossen Volksfeste
beschlossen wurde. So lebten Gockel und die Seinigen beinah ein Jahr
in einer ganz ungemeinen irdischen Glueckseligkeit zu Gelnhausen, und
der Koenig war so gut Freund mit ihm und seiner vortrefflichen Kueche
und seinem unerschoepflichen Geldbeutel, und alle Einwohner des Landes
hatten ihn seiner grossen Freigebigkeit wegen so lieb, dass man
eigentlich gar nicht mehr unterscheiden konnte, wer der Koenig von
Gelnhausen war, Gockel oder Eifrasius. Auch wurde es unter beiden
fest beschlossen, dass einstens Gackeleia die Gemahlin des Erbprinzen
Kronovus werden und an seiner Seite den Thron von Gelnhausen
besteigen sollte. Aber der Mensch denkt und Gott lenkt, und so kamen
auch ueber diese guten Leute noch manche Schicksale, an die sie gar
nicht gedacht hatten.

Alles hatte die kleine Gackeleia in vollem Ueberfluss, nur keine Puppe;
denn Gockel bestand streng auf dem Verbot, das er ueber sie bei dem
Tode des Alektryo hatte ergehen lassen, sie sollte zur Strafe niemals
eine Puppe haben. Wenn sie nun um Weihnachten oder am St. Niklastage
alle Maegdlein in Gelnhausen mit schoenen neuen Puppen herumziehen sah,
war sie gar betruebt und weinte oft im Stillen; eine solche Sehnsucht
hatte sie nach einer Puppe. Merkte der alte Gockel aber, dass
Gackeleia, die er wie seinen Augapfel liebte, so traurig war, so that
er ihr Alles zu lieb, um sie zu troesten, zeigte ihr die schoensten
Bilderbuecher, erzaehlte ihr die wunderbarsten Maehrchen, ja er gab ihr
auch wohl manchmal den koestlichen Ring Salomonis in die Haende, der
mit seinem funkelnden Smaragd und den wunderbaren Zuegen, die darauf
eingeschnitten waren, alle Augen erquickte, die ihn anschauten.

Einstens gierig nun Gackeleia in ihrem kleinen Gaertchen spazieren,
welches am Ende des Schlossgartens, dicht an der Landstrasse lag. Da
waren die zierlichsten Beete voll schoener Blumen, alle mit Buchs,
Salbei und Schnittlauch eingefasst, und die Wege waren mit glitzerndem
Goldsand bestreut; in der Mitte war ein Springbruennchen, worin
Goldfischchen schwammen, und ueber demselben ein goldener Kaefig voll
der buntesten singenden Voegel; hinter dem Brunnen aber war eine
kleine Laube von Rosen und eine kleine Rasenbank. Ein schoenes
goldenes Gitter umgab das ganze liebe Gaertchen. "Ach", dachte
Gackeleia, "wie glueckselig waere ich, wenn ich eine Puppe in meinem
schoenen Garten spazieren fuehren koennte, so allein gefaellt er mir gar
nicht, was hilft es mir auch, wenn ich mir aus meinem Taschentuche
durch allerlei Knoten eine Puppe zusammenknuepfe, sie ist doch nie
eine schoene Gliederpuppe, ganz wie ein Mensch, mit einem schoenen
lakirten Gesicht--und der Vater hat mir selbst solche Puppen verboten."

Waehrend Gackeleia so in schweren Puppensorgen auf ihrer Rasenbank sass,
hoerte sie auf einmal eine angenehme summende, aber sehr leise Musik
ganz nahe hinter ihr vor dem Garten, der an einem Feldweg lag. Da
guckte sie durch die Blaetter und sah etwas Seltsames. Dicht vor dem
Gitter sass ein Mann in einem schwarzen Mantel ohne Kopf an der Erde
zusammengehuckt, und unter dem Mantel hervor schnurrte die Musik.
Gackeleia beugte sich zur Erde, um zu sehen, wo nur in aller Welt die
feine Musik herkomme; wie war sie erstaunt, als sie da unten ein paar
allerliebste Puppenbeinchen in himmelblauen, mit Silber gestickten
Schnuerstiefelchen ganz im Takte der Musik herumschnurren sah, sie
wusste gar nicht, was sie vor Neugier, die Puppe ganz zu sehen,
anfangen sollte. Oft war sie im Begriffe, die Hand durchs Gitter zu
stecken und den schwarzen Mantel ein wenig aufzuheben, aber die
Furcht, weil sie an dieser Gestalt keinen Kopf sah, hielt sie immer
wieder zurueck. Endlich brach sie sich eine lange Weidenruthe ab,
steckte sie durch das Gitter und lueftete den Mantel ein wenig, da
schnurrte eine wunderschoene Puppe in den artigsten Kleidern, wie eine
Reisende geputzt, unter dem Mantel hervor, und rannte gerade auf das
Gitter des Gartens zu, stiess einigemale an die goldenen Gitterstaebe
und wuerde gewiss zu ihr hineingekommen seyn, wenn sich nicht eine
hagere Hand aus dem Mantel nach ihr hingestreckt und sie wieder in
die Verborgenheit zurueckgezogen haette, wo die kleine Puppe von einer
rauhen Stimme sehr ausgeschimpft wurde, dass sie sich unterstanden
habe, unter dem Mantel hervorzulaufen.

Gackeleia konnte nicht mehr laenger zurueckhalten, und rief einmal ueber
das anderemal: "bitte, bitte du schwarzer Mantel, zanke doch die
liebe schoene Puppe nicht so, lasse sie doch ein wenig heraus zu mir
in den Garten." Da that sich auf einmal der Mantel auf, und ein
alter Mann mit einem langen weissen Bart richtete sich vor Gackeleia
auf und sprach: "ich bitte recht sehr um Verzeihung, dass ich meine
Puppe hier ein wenig unter meinen Mantel tanzen liess und auf der
Maultrommel dazu spielte, ich habe nicht gewusst, dass das Comtesschen
zusah. Ich wollte nur versuchen, ob sie mir auf der Reise nicht
melancholisch geworden sey; denn ich will sie hier in Gelnhausen fuer
Geld auf dem Rathhause tanzen lassen. Sehen das Comtesschen nur, sie
ist ganz artig, jetzt ist sie in ihren Reisekleidern mit einem Mantel
und Reisehut und einem Blumenstrauss und einer Landkarte und einem
Nachtsack; aber die Schnuerstiefelchen sind doch allerliebst, sie haelt
gewaltig auf einen schoenen Fuss, aber Comtesschen, sie hat eine viel
schoenere Garderobe, sie kann sich verkleiden, in was sie will, bald
so, bald so, wenn das Comtesschen erlaubt, werde ich die Ehre haben,
Ihnen alle ihre Kleidchen und sieben Saechelchen zu zeigen, ich habe
mir hier um meinen Regenschirm sechszehn Silbergloeckchen befestigt
und bei jedem Gloeckchen ein anderes Kleidchen und was dazu gehoert,
und wenn sie schmutzig sind, waescht mir sie der Regen und im
Sonnenschein trocknen sie. Lasse ich im Wetter tanzen, geschieht es
unter dem Schirm, da ist sie wie unter einem chinesischen Dach, Alles
ist einfach und kurz beisammen, man muss auf Alles denken."--Da rief
Gackeleia aus: "ach! zeige mir Alles, Alles, explicire mir Alles; o
wie artig ist die Puppe! wie wackelt sie mit dem Koepfchen, wie
schuettelt sie die Zoepfchen, wie reicht sie die Aermchen, ach gieb sie
mir nur ein klein Bischen zu betrachten."

Der Alte sagte: "Comtesse, das kann ich nicht, aber die Kleider will
ich Ihnen gleich zeigen und Alles expliciren."

Da steckte er die Puppe in den Guertel, die anfangs mit dem Kopf
daraus hervorwackelte und nachher stille ward; dann spannte der alte
Mann einen grossen Regenschirm aus, der am Rande mit vielen kleinen
Gloeckchen und bei jedem mit allerlei niedlichen Puppenkleidchen und
Kleinigkeiten behaengt war. Zuerst drehte er den Schirm schnell herum,
dass die Schellen lieblich klingelten und die Puppenkleider bunt im
Kreise wehten, dann hielt er ploetzlich den Schirm still und fing an,
mit einem Staebchen deutend jedes Stueck zu expliciren, wobei er halb
sprach, halb durch die Nase sang, und Gackeleia jedesmal antwortete.

Der Alte sang: "Guck', hier bei dem ersten Gloeckchen
Dieses gruene, kurze Roeckchen
Zieht sie an als Gaertnerin,
Moechte in dein Gaertchen hin;
Hier dies Giesskaennchen, zu giessen
Alle Bluemchen, die drin spriessen,
Kriegt sie in die kleine Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Sie ist klein, kann ohne Buecken
Mir die schoensten Straeusschen pfluecken."

Der Alte:
"Guck', hier bei dem zweiten Gloeckchen
Dieses schwarze, seidne Roeckchen
Und das schwarze Schuerzchen dran,
Zieht sie als Scribentin an;
Denn da giebt's leicht Tintenfleckchen.
Sieh' das Tintenfaesschen klein
Und das art'ge Federlein.
Hier ist auch das Wochenblatt,
Wenn sie es gelesen hat,
Putzt sie dran die Feder rein,
Alles muss huebsch sauber seyn.
Ein Wachsstoeckchen haengt auch hier
Und ein niedliches Petschier
Und ein Sieg'llakstaengelchen,
Grad wie fuer ein Engelchen.
Und dies Briefchen mit Adresse,
Alles voll Accuratesse,
Kriegt sie dann in ihre Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant
Wollen wir correspondiren,
Invitiren, gratuliren!"

Der Alte:
"Guck', hier bei dem dritten Gloeckchen
Haengt ein gruenes, krauses Roeckchen
Und ein Hut mit gruenem Band,
Goldne Fransen an dem Rand;
Spielhahnfeder, Gemsenbart
Stecket drauf, nichts ist gespart;
Sieh' den Brustlatz goldgeschnuert,
Alles, wie es sich gebuehrt,
Rothe Struempfe, goldne Zwickel,
Ja, es fehlet kein Artikel,
Wenn sie als Tyrolermaedchen,
Schmuck als wie ein Silberdraethchen,
Zitherspielend zieht durch's Land."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Zimm, zimm, zimm so spielest du,
Und ich singe Eins dazu."

Der Alte:
"Guck', hier bei dem vierten Gloeckchen
Haengt ein dunkelbraunes Roeckchen
Und ein Haeubchen in der Ferne,
Denn sie traegt es gar nicht gerne
Und ein ABC-Buechlein,
Wenn sie Lehrerin soll seyn,
Auch von Christoph Schmidt nicht fehlen
Die Histoerchen, zum Erzaehlen.
O, wie kann sie buchstabiren!
Fast so gut als deklamiren;
Und hier diese feine Ruthe
Fuer die kleinen Thunichtgute
Kriegt sie dann in ihre Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Nur die Ruthe nicht probiren,
Ich will recht huebsch deklamiren."

Der Alte:
"Hier bei diesem fuenften Gloeckchen
Blinkt ein luft'ges Flitterroeckchen
Ganz voll Troddeln, Quaestchen, Fransen,
Wenn sie soll als Taenz'rin tanzen;
Sieh' die Goldpantoeffelchen,
Wie zwei Zuckerloeffelchen,
Zieht sie an und mit dem netten
Tamburin und Kastagnetten
Schnurrt und rasselt ihre Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Schnurre, rassle, klappre nur
Und wir tanzen nach der Schnur."

Der Alte:
"Guck', bei diesem sechsten Gloeckchen
Haengt ein schwarz und weisses Roeckchen;
Wenn sie soll ein Noennchen seyn,
Huellt man ihr die krausen Loeckchen
Hier in dieses Schleierlein,
Setzt ihr auf dies Dornenkraenzchen,
Und giebt ihr dies Rosenkraenzchen
In die kleine, fromme Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Sag' hast du auch Pfeffernuesschen,
Bildchen, Bluemchen, Leckerbisschen?"

Der Alte:
"Guck', hier bei dem sieb'ten Gloeckchen
Haengt ein feuerfarbig Roeckchen
Nach der Mode von Vadutz
Zugestutzt, ein Zauberputz.
Auf dem Guertel schwarz auf weiss,
Der zugleich der Zauberkreis,
Gross das ganze Alphabeth
Abera-Cadabra steht.
Hier ist auch der Zauberstab,
Wen er anruehrt, geht in's Grab;
Ist es heut nicht, ist es morgen,
Keiner braucht darum zu sorgen.
Und hier ist der Zauberspiegel,
Wer hineinblickt, sieht das Siegel
Seiner Thorheit im Gesicht,
So bei Nacht als Tageslicht.
Und hier ist das Zaubersieb,
Wer es stiehlt, der kennt den Dieb;
Doch sieh' hier ein Wunderding,
Sieh' von Gold ein runder Ring,
Wer ihn traegt, ist nicht ganz klug,
Hat zu viel und nie genug.
Lischt die Zauberlampe hier,
Riecht der Docht gar uebel schier,
Zuende schnell den Wachsstock an,
Weil man sonst nichts sehen kann.
Dieses hier der Wuenschhut ist,
Wuensch dich hin, wo du nicht bist.
Dies der Sack des Fortunat,
Gold ist drin, so viel man hat.
Aber hier dies Baeumchen heisst:
Ruettel dich und schuettel dich,
Schuettle, ruettle Herz und Geist,
Leib und Seele ueber mich.
Gieb mir Das und gieb mir Dies,
Schoenster Baum im Paradies;
Wer dies sagt und ruehrt den Baum
Hat, was ihm gebuehrt, im Traum,
Schwer und leicht und seicht und tief,
Links und rechts und grad und schief.
Alles dies mit sauber'm Sinn
Braucht sie, wenn als Zauberin
Sie die Geister um sich bannt."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Ruettel dich und schuettel dich
Liebes Baeumchen ueber mich."

Der Alte:
"Guck', hier bei dem achten Gloeckchen
Haengt ein gruenes, kurzes Roeckchen,
Jaegerhut und Jaegertasche
Und die fein umflocht'ne Flasche
Und die Stiefelchen, die knappen,
Um im Wald herum zu tappen;
Alles dies wird angezogen,
Wenn geschmueckt mit Pfeil und Bogen
Sie die flinke Jaeg'rin spielt,
Und nach Reh und Haeschen zielt;
Dann auch fuehrt an einem Band
Sie dies Windspiel an der Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Doch, das sollst du nicht mehr thun,
Lass' nur Reh und Haeschen ruhn."

Der Alte:
"Guck', hier bei dem neunten Gloeckchen
Ein ganz reputirlich Roeckchen,
Wenn sie ist ein Naehemaedchen;
Hier im Koerbchen, Naehelaedchen,
Sind viel Zwirn--und Seidenfaedchen,
Nadeln, Scheerchen, Fingerhut
Und noch viele Dinger gut.
Nimmermehr ihr Finger ruht,
Denn zuletzt noch zupfet sie
Alle Restchen zur Charpie;
Und nimmt dann die Kinderkaeppchen,
Flickelfleckt aus hundert Laeppchen,
All die Hemdchen, Roeckchen, Jaeckchen
Und die Schuerzchen mit zwei Saeckchen,
Ausgespitzt aus vielen Fleckchen,
All' die art'gen Dingerchen
Auf die feinen Fingerchen,
Drehet sie mit Freudenblicken
Und mit kind'schem Beifallnicken
Appetitlich auf der Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Komm', ich hab gar schoene Laeppchen,
Komm', wir machen Kinderkaeppchen."

Der Alte:
"Guck', hier bei dem zehnten Gloeckchen
Haengt fuer sie ein krauses Roeckchen
Und ein Hut mit Blumenstrauss,
Geht als Sennerin sie aus.
Sieh' im Korb die Blaetter decken
Viele reine Butterwecken;
Fette Milch und frische Eier
Traegt sie feil, ist gar nicht theuer,
Jeder sie noch billig fand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Sennerin komm' und mess' geschwind
Mir ein Schoeppchen Milch fuer's Kind."

Der Alte:
"Guck', bei diesem eilften Gloeckchen
Haengt ein grob geflicktes Roeckchen
Und ein graues Futtersaeckchen,
Und hier in dem Wanderbuendlein
Traegt ein schreiend Wickelkindlein,
Mit dem Lutscher in dem Muendchen,
Sie als Pilgerin durch's Land;
Hier ihr kluges, mag'res Huendchen,
Das Septemberle genannt,
Ist in aller Welt bekannt."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Armes Kindchen komm' zu mir,
Deinen Lutscher fuell' ich dir."

Der Alte:
"Guck', bei diesem zwoelften Gloeckchen
Glaenzt ein Purpur-Sammetroeckchen,
Breit verbraemt mit Hermelin,
Und am Kroenchen goldig, perlich,
Und am Scepter blitzend herrlich
Lacht Smaragd und glueht Rubin.
Wenn sie sich als Koenigin
Setzt auf's goldne Throenchen hin,
Und die goldgestickte Schleppe
Niederhaenget auf der Treppe,
Kuesst man still den goldnen Rand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Doch ich kuesse ihre Hand,
Denn ich bin vom Grafenstand."

Der Alte:
"Guck', hier bei'm dreizehnten Gloeckchen
Haenget bei dem braunen Roeckchen
Schaeferhut mit breitem Rand,
Rosen drauf und gruenes Band,
Und dazu auch Schaefertasche,
Schaeferstab und Kuerbisflasche,
Und dies Lamm an rothem Band
Fuehrt die Hirtin durch das Land."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Braucht mein Lamm nicht mehr zu seyn
So allein, allein, allein!"


Der Alte:
"Guck', hier bei'm vierzehnten Gloeckchen
Haenget fuer das flinke Doeckchen
Ein garnirtes Kaffeebrett,
Wenn sie schoen die Wirthin macht;
O, das kann sie gar zu nett!
Sie nimmt Alles wohl in Acht,
Traegt nicht hoch das feine Naeschen,
Stoesst nicht um die kleinen Glaeschen,
Theilt den Kuchen ein so klug,
Dass er reicht mehr, als genug.
Flinker als ein Wassernixchen
Praesentirt sie, macht ein Knixchen:
"Bitte, bitte!" rings herum.
Und kein Bischen koemmt je um,
Alles, was da uebrig blieb,
Giebt den Armen sie aus Lieb',
Oder streut's den Voegelein--
Kann man allerliebster seyn!--
Mit der milden, treuen Hand."

Gackeleia:
"O wie artig! wie scharmant
Invitir ich sie zur Noth
Gleich auf Thee und Butterbrod."

Der Alte:
"Guck', hier bei'm fuenfzehnten Gloeckchen
Haengt ihr spiegelnd Panzer-Roeckchen,
Helm und Speer und Schwert und Schild
Herrlich in der Sonne blitzt,
Wenn sie fuer Minerva gilt
Und das Eulchen bei ihr sitzt.
Ich verstehe nichts davon,
Doch ein hoher Kunstpatron,
Der mir schuldet, leider, leider!
Zahlte mich durch diese Kleider;
Er ist Extheaterschneider
Von Person und Condition,
Giebt auch Kindern Lektion
In der Mytholologie
Und Demagogokolie.
Er sprach: "Industrierende,
Krieger und Studierende
Rufen dir bei vollem Haus
Ihre Goettin gern heraus."
Wie er sprach, so ist's gescheh'n,
Jeder will Minervchen sehn.
Keiner weiss doch, was im Schild
Fuehrt das kleine Goetterbild;
Durch das Gitter aus dem Helm
Lauscht sie wie ein schlauer Schelm.
Haelt sie's mit der Wissenschaft,
Gleich um ihres Speeres Schaft
Rosen, Myrthen und Gedanken
Sich in buntem Wechsel ranken.
Tritt sie krieg'risch in die Schranken,
Eifersuechtig gleich ihr Schwert
Jedes Listgeweb zerstoert,
Das der Mueckchen heiter'm Leben
Gift'ge Spinnen lauernd weben.
Raechend, dass Arachne's Hand
Sie einst webend ueberwand.
Ich verstehe nichts davon,
Sag' nur her die Lektion
Von dem hohen Kunstpatron,
Der wohl selbst sie nicht verstand."

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