A / B / C / D / E /  F / G / H / I / J /  K / L / M / N / O /  P / R / S / T / UV / W / Z

Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

Gockel, Hinkel und Gackeleia

C >> Clemens Brentano >> Gockel, Hinkel und Gackeleia

Pages:
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16



Als diess Lied zu Ende war, ward der hohe Eichenwald lichter. Sie
hoerten ein Geklapper, und Gackeleia blickte in die Hoehe und schrie.
"Ach, der Klapperstorch, der Klapperstorch mit seinen Jungen, da oben
steht er auf der hohen Mauer, ach, was hat der aber ein grosses Nest,
o da will ich mich auch einmal hineinsetzen und mit ihm klappern!"
Nun waren die Reisenden an dem ganz verwilderten Raugraeflich
Gockelschen Schlossgarten angekommen. Da war an kein Durchkommen zu
gedenken, und Gockel sprach zu Frau Hinkel, indem er seine
Erbhuehnertrage absetzte, und das Grafenschwert von ihr losband und
herauszog:

"setze deinen Korb ab, schuerze deinen Rock nieder, streiche dein Haar
zurecht, dort an dem alten Springbruennchen wasche dich, bade dir die
Fuesse, ruhe ein bischen aus, damit wir mit Respekt einziehen. Thue
der Gackeleia eben so.--Ich will indessen mit meinem Grafenschwert
hier das wilde Genist lehren, dass man seinem Herrn den Weg nicht
verrennt."

Nun setzten sich Frau Hinkel und Gackeleia an das Bruennchen, wuschen
und musterten sich, und Gackeleia patschte mit ihren erhitzten
Fuesschen in dem kalten Wasser herum. Gockel aber erhob sein
Grafenschwert, und hieb kreuz und quer mit grosser Kraft einen Weg
durch die wildverwirrten Hecken, Buesche und Baeume. Er nannte jedes
Gestraeuch, das er zusammenhieb, mit Namen, und weil er schnell
arbeitete, so verkuerzte er die Worte--er schrie:

"Potz Stachel-, Kreusel-, Preissel-, Kloster-, Hollunder-, Wachholder-,
Berberitzen-,Johannis-, Brom-, Himbeeren! Ich will euch lehren, mir
mein Haus zu sperren!--Potz Quentel, Lavendel, Bux, Taxus, Mispel,
Quitten und Hassel!--Potz Thymian, Majoran, Baldrian, Rosmarin, Hisop
und Salbei!" Und mit jedem Worte ein Schwertschlag, der ihm den Weg
oeffnete und mit Zweigen, Blaettern und Blumen bestreute. Als er so
bis in die Naehe des Schlossthores gekommen, kehrte er zu den Seinigen
an das Bruennchen zurueck.

Gockel hatte sich ganz muede gearbeitet, auch er wusch und erquickte
sich an dem Wasser. Frau Hinkel hatte sich recht frisch und sauber
gemacht. Sie hatte Gackeleia einen schoenen Blumenkranz aufgesetzt
und ihr das Huehnernest mit harten Brosamen, welche sie am Brunnen
erweicht, gefuellt, diese sollte sie beim Einzug in das Schloss den
Voegeln ausstreuen. Das war so, als wenn bei der Kaiserkroenung zu
Frankfurt Gold ausgeworfen wird.

Nun nahm Gockel seine Huehnertrage, Frau Hinkel den Huehnerkorb wieder
auf und Gackeleia trug das Nest voll Brosamen vor sich; so giengen
sie durch den Weg, den Gockel gehauen hatte, auf das Schlossthor zu.
Gackeleia nahm sich Zeit, sie pflueckte links und rechts viele
Brombeeren und Heidelbeeren, und als der Vater sie heranrief, in das
Schloss einzugehen, hatte sie die Haende und das halbe Gesicht schwarz
wie ein Mohrenkind. Gockel riss mit der Huehnerstange, die er trug,
eine dichte Epheudecke auseinander, welche das Gartenthor zugesponnen
hatte, und sie traten vor das wunderbare Raugraefliche Schloss in
seinem vollen Glanz.

Der Empfang war feierlich; aus den leeren Fensteroeffnungen des
Schlosses hingen Teppiche von Epheu und mancherlei Blumen nieder, und
wehten bluehende Gestraeuche wie festliche Fahnen, und zwischen ihnen
durch sah der stille Abendhimmel in purpurnem Gewande herab. Die
vielen Saeulen und Bildwerke des Schlosses hatten Wind und Wetter und
die vier Jahreszeiten seit lange mit dem schoensten Laubwerke verziert.

Der Hahn Alektryo sass auf dem steinernen Wappen ueber dem Thore,
schuettelte sich, schlug mit den Fluegeln und kraehte als ein
rechtschaffener Schlosstrompeter dreimal lustig in die Luft, und alle
Voegelein, die in dem verlassenen, Baum durchwachsenen Baue wohnten,
und welchen der Hahn die Ankunft der gnaedigen Herrschaft verkuendiget
hatte, waren aus ihren Nestern herausgeschluepft und schmetterten
lustige Lieder in die Luft, indem sie sich auf den bluehenden
Hollunderbaeumen und wilden Rosenhecken schaukelten, welche ihre
Bluethen vor den Eintretenden niederstreuten. Der Storch auf dem
Schlossgiebel klapperte dazu mit seiner ganzen Familie, so dass alles
wie eine grosse Musik mit Pauken und Trompeten klang. Gockel, Hinkel
und Gackeleia hiessen alle willkommen, und Gackeleia streute mit
vollen Haenden die Brosamen aus, was mit grossem Beifall von allen den
Voegeln aufgenommen ward. Hierauf zogen sie in die alte verfallene
Schlosskapelle, knieten neben den wilden Waldblumen am Altare dicht
bei dem Grabstein des alten Urgockels von Hanau nieder, sagten Gott
fuer ihre glueckliche Reise Dank, und flehten ihn um fernern Schutz und
Segen an.

Waehrend ihres Gebetes waren alle Voegel ganz stille, und da sie sich
von den Knieen erhoben, lockten Alektryo und Gallina, als
Schlosshauptmann und Schluesseldame, an der Thuere, sie sollten ihnen
nach dem ausgesuchten Gemache folgen. Sie thaten diess, und der Hahn
und die Henne schritten gackernd und majestaetisch ueber den Schlosshof
auf den sehr kunstreich von Stein erbauten Huehnerstall zu, dessen
Dach allein im Schlosse bis auf einige Luecken im Stande war. Als
Alektryo ueber die Schwelle schritt, bueckte er sich tief mit dem Kopf,
als befuerchtete er, mit seinem hohen rothen Kamme oben anzustossen,
da die Thuere doch fuer einen starken Mann hoch genug war; aber dieses
war im Gefuehle seines Adels, denn alle hohen Adeligen und alle
gekroenten Haeupter pflegten in den guten alten Zeiten es so zu machen,
wenn sie durch ein Thor schritten; das kam aber von den erstaunlich
hohen Federbueschen her, welche ihre Vorfahren auf den Helmen getragen
hatten.

In diesem Huehnerstalle nun, dessen Fenster in ein kleines Gaertchen
giengen, richteten sie sich ein, so gut sie konnten; Gockel haengte
seine Erbhuehnertrage an einen Haken hoch an der Wand auf, stellte die
Huehnersteige daran, und Alektryo und Gallina sagten gute Nacht und
spazierten sogleich fein ordentlich hintereinander hinauf und setzten
sich still zusammen und liessen sich was traeumen.--Frau Hinkel stellte
den Korb, den Spinnrocken, den Bratspiess, die Pfanne, die Schuessel,
den Topf und den Wasserkrug an ihre Stelle, und Gackeleia setzte das
Huehnernest, wo es hin gehoerte.--Dann machte Gockel aus gruenen Zweigen
zwei grosse und einen kleinen Besen, und fegte mit Hinkel und
Gackeleia den Boden ein wenig rein. Gackeleia fuhr ganz stolz und
geschaeftig mit ihrem Besen umher. Nun machten sie ein Lager von Moos
und duerren Blaettern, worueber Gockel seinen Mantel und Hinkel ihre
Schuerze breitete. Dann betete Gockel ein kurzes Nachtgebet vor,
worauf sie sich schlafen legten, Gockel rechts, Hinkel links, das
Toechterlein Gackeleia in der Mitte zwischen beiden. Von der Reise
und der Arbeit ermuedet, schliefen sie alle bald ein.

Gegen Mitternacht ruehrte sich ploetzlich der wachsame Schlosshauptmann
Alektryo mit warnender Stimme auf seinem Sitz, und Gockel, der vor
allerlei Gedanken, wie er seine Familie ernaehren solle, nicht fest
schlief, richtete sich auf und blickte umher, was vorgehe. Da sah er
an der offnen Thuere, durch welche der Mond schien, eine grosse
lauernde Katze, die auch sogleich einen heftigen Sprung herein that.
In demselben Augenblick hoerte Gockel ein Gepfeife, und fuehlte, dass
ihm etwas Lebendiges in den weiten Aermel seines Wammses hineinlief.
Alektryo und Gallina erhoben ein banges Geschrei wegen der Katze.
Gockel sprang auf, verjagte die Feindin und warf ihr einen Stein nach.
Dann zog er an der Pforte die Thierchen, die ihm in den Aermel
geschluepft waren, hervor, und erkannte im Mondschein zwei weisse
Maeuschen von ausserordentlicher Schoenheit. Sie waren nicht scheu vor
ihm, sondern setzten sich auf seiner Hand auf die Hinterbeine, und
zappelten mit den Vorderpfoetchen, wie ein Huendchen, das bittet, was
dem alten Herrn wohl gefiel. Er setzte sie in seine Gockelsmuetze,
legte sich wieder nieder und diese neben sich, mit dem Gedanken, die
guten Thierchen am folgenden Morgen seinem Toechterchen Gackeleia zu
schenken, welche sehr ermuedet, wie ihre Mutter, nicht erwacht war.

Als Gockel wieder eingeschlafen war, machten sich die zwei Maeuschen
aus der Pudelmuetze wieder heraus und unterhielten sich miteinander.
Die eine sprach: "Ach Sissi, meine geliebte Braut, da hast du es nun
selbst erlebt, was dabei herauskommt, wenn man des Nachts so lange im
Mondschein spazieren geht, habe ich dich nicht gewarnt?"--Da
antwortete Sissi:

"O Pfiffi, mein werther Braeutigam, mache mir keine Vorwuerfe, ich
zittere noch am ganzen Leibe vor der schrecklichen Katze, und wenn
sich ein Blatt regt, fahre ich zusammen, und meine, ich sehe ihre
feurigen Augen."--Da sagte Pfiffi wieder: "Du brauchst dich nicht
weiter zu aengstigen, der gute Mann hier hat der Katze einen so grossen
Stein nachgeworfen, dass sie vor Angst schier in den Springbrunnen
gesprungen ist."-"Ach!" erwiederte Sissi, "ich fuerchte mich nur auf
unsre weite Reise, wir muessen wohl noch acht Tage laufen, bis wir zu
deinem koeniglichen Herrn Vater kommen, und da jetzt einmal eine Katze
uns ausgekundschaftet hat, werden diese Freilaurer an allen Ecken auf
uns lauern."--Da versetzte Pfiffi: "wenn nur eine Bruecke ueber das
Fluesschen fuehrte, das eine halbe Tagreise von hier durch den Wald
fliesst, so waeren wir bald zu Haus; aber nun muessen wir die Quelle
umgehen."--Als sie so sprachen, hoerten sie eine Eule draus schreien
und krochen bang tiefer in die Muetze.--"Auch noch eine Eule,"
fluesterte Sissi, "o waere ich doch nie aus der Residenz meiner Mutter
gewichen," und nun weinte sie bitterlich.--Der Maeusebraeutigam war
hierueber sehr traurig, und ueberlegte her und hin, wie er seine Braut
ermuthigen und vor Gefahren schuetzen solle.--Endlich sprach er:
"geliebte Sissi, mir faellt etwas ein; der gute Mann, der uns in seine
Muetze gebettet hat, wuerde uns vielleicht sicher nach Hause helfen,
wenn er unsere Noth nur wuesste. Lasse uns leise an seine Ohren
kriechen und ihm recht flehentlich unsere Sorgen vorstellen; ich will
zuerst mit ihm sprechen, hilft das nicht, dann rede du in deinen
suessesten Toenen zu ihm, wer kann dir widerstehen? Aber ja recht leise,
damit er nicht aufwacht, denn nur im Schlafe verstehen die Menschen
die Sprache der Tiere."--Sissi war sogleich bereit und nahte sich
besinnend dem linken Ohre Gockels. Pfiffi aber lief zum rechten Ohre
und sang, nachdem er sich auf die Hinterbeine gesetzt und seinen
Schweif quer durch das Maul gezogen hatte, um seiner Stimme, welche
durch das Kommandiren bei der letzten Revue etwas rauh geworden war,
einen mildern Ton zu geben.

Ich bin der Prinz von Speckelfleck
Und fuehre heim die schoenste Braut;
Die Katze bracht' ihr grossen Schreck,
Sie bangt um ihre Sammethaut.
Ach, Gockel, bring uns bis zum Fluss
Und bau uns drueber einen Steg,
Dass ich mit meiner Braut nicht muss
Den Quell umgehn auf weitem Weg.
Gedenken wird dir's immerdar
Ich und der hohe Vater mein;
Ist's auch nicht gleich, vielleicht aufs Jahr
Stellt Zeit zu Dank und Lohn sich ein.--
Doch was brauchts da viel Worte noch,
Hart wird es mir, der edeln Maus,
Vor deinem grossen Ohrenloch
Zu betteln.--Ich, der stets zu Haus
Als erstgeborner Koenigssohn
Gefuerchtet und befehlend sitzt
Auf einen Parmesankaesthron,
Der stolze Butterthraenen schwitzt,
Sag dir hiemit, erwaehl' dein Theil,
Nimm mich und meine Braut in Schutz,
Schaff uns nach Haus gesund und heil,
Sonst biete ich dir Fehd' und Trutz.
Wenn uns die Katze auch nicht beisst,
Maulleckend nur die Zaehne bleckt,
Miauend meine Braut erschreckt,
Woran viel liegt, was du nicht weisst,
Kruemmt sie uns nur ein einzig Haar,
Fasst uns ein wenig nur beim Schopf,--
Vielmehr,--frisst sie uns ganz und gar,
So kommt die That auf deinen Kopf,
Wonach du dich zu richten hast!
Gegeben vor dem Ohrenloch
Des Wirthes, auf der dritten Rast
Von unsrer Brautfahrt, da ich kroch
In seinen Aermel vor der Katz,
Nebst meiner Braut aus grossem Schreck,
Worauf in seiner Muetze Platz
Er uns gemacht. Prinz Speckelfleck.
Punktum, Streusand, nun halte still,
Ins Ohr beiss ich dir mein Sigill.

Nach dieser ziemlich unhoeflichen Rede biss Prinz Speckelfleck den
ehrlichen Gockel so derb ins Ohrlaeppchen, dass er mit einem lauten
Schrei erwachte und um sich schlug. Da flohen die beiden Maeuse in
grosser Angst wieder in die Pudelmuetze.--"Nein das ist doch zu grob,
einen ins Ohr zu beissen," sagte Gockel. Da erwachte Frau Hinkel, und
fragte: "wer hat dich denn ins Ohr gebissen, du hast gewiss getraeumt.
"-"Ist moeglich," sagte Gockel, und sie schliefen wieder ein.

Nach einer Weile sprach Sissi zu Pfiffi: "Aber um alle Welt, was hast
du nur gethan, dass der Mann so boes geworden?"--Da wiederholte ihr
Pfiffi seine ganze Rede, und Sissi sagte mit Unwillen: "Ich traue
meinen Ohren kaum, Pfiffi! kann man unvernuenftiger und plumper bitten,
als du? Die niedrigste Bauernmaus wuerde sich in unsrer Lage
diplomatischer benommen haben. Alles ist verloren, ich bin ohne
Rettung in die Krallen der Katze hingegeben durch deine uebel
angebrachte Hoffart.--Ach mein junges Leben, o haette ich dich nie
gesehen! u.s.w."--Pfiffi war ganz verzweifelt ueber die Vorwuerfe und
Klagen seiner Braut, und sprach: "Ach Sissi, deine Vorwuerfe
zerschneiden mein Herz, ich fuehle, du hast recht; aber fasse Muth,
gehe an das linke Ohr und wende alle deine unwiderstehliche Redekunst
an--das linke Ohr geht zum Herzen, er erhoert dich gewiss; o ich
Ungluecklicher, dass ich in die verwuenschten standesmaessigen Redensarten
gefallen bin!"--Da erhob sich Sissi, und sprach: "wohlan, ich will es
wagen."--Leise, leise schluepfte sie wieder an das linke Ohr Gockels,
nahm eine ruehrende Stellung an, kreuzte die Vorderpfoetchen ueber der
Brust, schlang den Schweif wie einen Strick um den Hals, neigte das
Koepfchen gegen das Ohr, und fluesterte so fein und suess, dass das
Klopfen ihres bangen Herzchens schier lauter war, als ihr Stimmchen.

Verehrter Herr! Ich nahe dir
Bestuerzt, beschaemt und herzensbang;
Ich weiss, mein Braeutigam war hier
Und ziemlich grob vor nicht gar lang;
Auch war sein Siegel sehr apart,
Mit Recht hast du ihn angeschnarrt!
Weil er verwoehnt, von Noth entfernt,
Als einz'ger Prinz verzogen ward,
Hat er das Bitten nicht gelernt;
Drum, edler Mann, nimms nicht so hart!
Wie Grobseyn ihm, sey Hoeflichseyn
Dir leicht, weil du erzogen fein.
Er meints gewiss von Herzen gut,
Doch koemmt beim Sprechen er in Zug,
So regt sich sein erhabnes Blut,
Und er wird groeber als genug.
Bedenk, der Kinder Pfeife klingt,
Wie ihrer Eltern Orgel singt;
Doch reut's ihn immer hintendrein,
Und in der Pudelmuetze sitzt
Jetzt krumm das arme Suenderlein
Und seufzt und wimmert, dass es schwitzt,
Und schimpft, dass ihm die Hofmanier
So grob entfuhr zur Ungebuehr.
Bekennet hat er mir, der Braut,
Die ihn erst tuechtig zappeln liess,
Ihm tuechtig wusch die grobe Haut,
Die Nas' ihm auf den Fehler stiess,
Und endlich, nach manch bitterm Ach,
Dich zu versoehnen ihm versprach.
Doch, dass ich selbst mich nicht vergess',
Vergoenne jetzt in Demuth mir
Zu sagen, dass ich, was Prinzess
Bei Menschen ist, bin als ein Thier,
Und zwar als kleine, weisse Maus,
So schuett' ich nun mein Herz dir aus!--
Prinzess Sissi von Mandelbiss
Fleht dich um Ritterdienste an;
Du weisst aus dem Aesop gewiss,
Was fuer die Maus ein Loew gethan,
Und wie ihm dankbar half die Maus
Dann wieder aus dem Netz heraus.
Auch meinem Braeutigam und mir
Hilf sicher in das Maeusereich,--
Die Katz, das ungeheure Thier,
Macht mich vor Schreck ganz todtenbleich!
O haettest du ein Bischen nur
Von Mausgeschmack und Mausnatur.
O wuesstest du, wie weiss und zart,
Wie lieblich ich an Leib und Seel,
Gar nicht nach andrer Maeuseart,
Ja unter allen ein Juwel,
Du littest lieber selbst den Tod,
Als du mich liess'st in Katzennoth.
Die Aeuglein sind wie Diamant,
Die Zaehne Perl und Elfenbein,
Mein Leib ist zierlich und gewandt,
Die Pfoetchen rosenroth und klein,
Die Oehrlein sind zwei Blumen zart,
Die Nase einer Bluethe gleich;
Wie Bluethenfaeden ist mein Bart
So rein, so fein, so weiss und weich.
Schweig Maeulchen, pfiffiglich gespitzt,
Von Schoenheit, die der Leib besitzt,
Sprich von der Kunst, dem Sinn, dem Geist,
Von Leistungen, die jeder preis't,--
Denn, wie Frau Catalani singt,
Mein Stimmlein bei den Maeusen klingt.
Man hat mich drum als Gegensatz
Oft Mausalani auch genannt,
Weil Cata etwas klingt wie Katz,
Hat man das Wort so umgewandt;
Das Lani liess man angehaengt,
Weil man dabei an Wolle denkt.
Verlaeugne nicht dein Zartgefuehl,
Lass ruehren dich durch meinen Sang,
Denn lockender als Floetenspiel,
Als Harfenton und Geigenklang
Fleht er aus meiner Brust heraus:
Beschuetz die kleine weisse Maus!
Bei deiner hohen Adelspflicht,
Die dich zum Schutz der Damen weiht,
Beschwoer ich dich, verlass mich nicht!
Vielleicht ist ja der Tag nicht weit,
Dass ich dir wieder helfen kann--
Doch danach fraegt kein Edelmann!
Wer mich zu retten einen Stein
Der Katze in die Rippen warf,
Wer zugab, dass der Liebste mein
An meiner Seite schlummern darf
In seiner Muetze weich und warm,
Der schuetzt mich auch mit starkem Arm!
Erlaub nun, dass dir als Sigill
Der Wahrheit, ohne Hinterlist
Hier einsamlich und in der Still
Das Ohrlaeppchen demuethig kuesst,
Was niemals sie noch that gewiss,
Prinzess Sissi von Mandelbiss.

Nun kuesste sie ganz leise das Ohrlaeppchen Gockels, und weil er im
Schlafe etwas durch die Nase pfiff, glaubte sie, er sage ihr in der
Maeusesprache die artigsten Sachen und verspreche ihr seine Hilfe fuer
ganz gewiss. Mit leichtem Herzen begab sie sich daher in die Muetze
zurueck und verkuendigte ihrem Braeutigam den guten Erfolg ihrer Bitten,
worauf dieser sie zaertlich umarmte.

Jetzt aber war die Stunde gekommen, da die schwarze Nacht gegen
Morgen ergrauet, und Alektryo, als ein getreuer Burgvogt, streckte
dem anbrechenden Lichte seinen Hals entgegen, um es zum erstenmal mit
einem kraehenden Trompetenstosse zu bewillkommen. Da erwachte Gockel
und Frau Hinkel, Gackeleia aber schlief fest. Frau Hinkel fragte
ihren Mann, warum er denn heute Nacht so unruhig gewesen, und wie er
nur getraeumt habe, dass ihn jemand ins Ohr gebissen. Da zeigte Gockel
ihr die weissen Maeuschen in seiner Muetze, und erzaehlte ihr, was ihm
alles mit ihnen geschehen sey, und dass er versprochen habe, ihnen zu
helfen; "und das will ich auch thun," fuhr Gockel fort, "ich will
beide sogleich ueber den naechsten Fluss bringen, wo sie bald ausser
Gefahr in ihrer Heimath sind."

Nun wollte er aufstehen und sich auf den Weg begeben, aber Frau
Hinkel sagte: "du bist nicht recht klug; dir traeumt, du haettest den
Maeusen etwas versprochen und willst es ihnen nun im Wachen halten,
und desswegen willst du mich hier in der Wildniss mit Gackeleia allein
lassen, wo du so noethig bist, um aufzuraeumen und alles in Ordnung zu
bringen."--Da erwiederte Gockel: "du hast scheinbar ganz recht, aber
versprochen muss gehalten werden, ich habe mein Ehrenwort gegeben, und
das ist mir so deutlich und gegenwaertig als der Biss in das Ohr.
"--"Wenn aber der Biss,"

sagte Frau Gockel, "ein Traum war, so war auch das Ehrenwort ein
Traum." Gockel sprach hierauf unwillig: "ein Ehrenwort ist nie ein
Traum, das verstehst du nicht, und den Biss habe ich so deutlich
gefuehlt, dass ich mit einem Schrei erwachte, das Ohr brennt mich noch.
"--"Lass doch einmal sehen," sagte Frau Hinkel, und erblickte mit
grosser Verwunderung wirklich die Spur von fuenf spitzen Zaehnchen an
Gockels Ohr.

Als sie ihm dieses gesagt hatte, liess er sich auch keinen Augenblick
laenger aufhalten, sprang vom Lager auf, nahm das Brod aus dem
Huehnerkorb, schnitt ein Stueck herunter, das er einsteckte, und sprach
zu seiner Frau: "Hinkel raeume einstweilen Alles huebsch auf, sieh dich
im Schlosse und der Umgebung um, und denke dir Alles aus, wie du es
gerne zu unserer Haushaltung eingerichtet haettest; besonders gieb auf
Alektryo und Gallina acht, weil es, wie du gehoert hast, Katzen hier
giebt; nach Mittag hoffe ich wieder hier zu seyn," und nun nahm er
seinen Reisestab in die Hand. Weil er aber die Muetze, aus der ihm
die Maeuschen entgegenpfifferten, aufsetzen musste, so nahm er ein
leeres, mit zarten Federchen ausgefuettertes Vogelnest aus einem Baum,
setzte die Maeuschen hinein, schob es in den Busen und gieng mit
starken Schritten in den Wald gegen das Fluesschen hin.

Nach ein paar Meilen Wegs ruhte er an einer Quelle, wo er sein Brod
mit seinen Reisegefaehrten theilte. Da er aber endlich an den Fluss
kam, gieng er auf und ab, eine schmale Stelle zu finden, fand auch
endlich einen Ort, wo er das Fluesschen leicht mit einem Steine
ueberwerfen konnte. Hier nun nahm er sich vor, die Maeuschen
ueberzusetzen, aber keine Bruecke, kein Kahn war da; er entschloss sich
daher kurz, zog das Nest mit den Maeusen hervor, und sprach hinein:
"lebet wohl, meine lieben Gaeste; du Prinz von Speckelfleck befleisse
dich besserer Sitten, und du Prinzess von Mandelbiss bilde dir nicht so
viel auf die Schoenheiten ein, die du besitzest; uebrigens bist du
wirklich ein sehr schoenes Thierchen! Lebt wohl, gruesst eure
Anverwandten und vergesst nicht den armen alten Gockel von Hanau."
Die Maeuschen wussten gar nicht, was er wollte, weil er schon Abschied
nahm und sie doch noch diesseits des Flusses waren, auch kein Kahn und
keine Bruecke weit und breit zu sehen war; sie pfifferten ihm daher
allerlei Fragen entgegen, aber er verstand kein Wort, liess sich auch
weiter auf nichts ein, sondern wickelte sie, nebst einer Erdscholle,
in das Nest, holte weit aus und warf sie gluecklich hinueber in das
hohe Gras. Da sich von dem Falle das Nest drueben oeffnete, schrieen
die kleinen Thierchen noch immer sehr erstaunt, wie er sie nur
hinueber bringen wolle, als sie zu ihrer groessten Verwunderung sahen,
dass sie bereits drueben waren und froehlich nach Hause liefen, ihre
Abentheuer zu erzaehlen.

Auf dem Heimwege begegnete Gockel drei alten Morgenlaendern mit langen
Baerten, welche grosse Naturphilosophen, Kabbalisten und
Petschierstecher waren; sie fuehrten einen alten Bock und eine alte
magere Ziege an Stricken zur Frankfurter Messe. Sie redeten Gockel
an: "seid ihr der Besitzer des alten Schlosses hier im Walde?" Gockel
antwortete: "ja, ich bin der alte Raugraf, Gockel von Hanau." Da
fragten ihn die Maenner, ob er ihnen nicht den alten Haushahn
verkaufen wollte, sie wollten ihm den Bock dafuer geben. Gockel
antwortete: "was soll ich mit dem Bock, ihn etwa zum Gaertner machen,
kann der Bock etwa kraehen? Mein Hahn ist kein Alletagshahn, er ist
ein Wappenhahn, ein Stammhahn; sein Vater hat auf meines Vaters Grab
gekraeht, und er soll auf meinem Grabe kraehen, lebt wohl." Da boten
ihm die Maenner die Ziege, und als er abermals nicht wollte, boten sie
ihm den Bock und die Ziege; Gockel aber lachte sie aus und gieng
seiner Wege. "Nun," riefen sie ihm nach, "in vier Wochen gehen wir
wieder vorbei, da wollen wir wieder nachfragen, vielleicht haben dann
der Herr Raugraf mehr Lust, den Hahn zu verkaufen."

Gockel kam gegen Abend nach Haus, und nachdem er von seiner Reise
ausgeschlafen hatte, sah er sich am andern Morgen mit Frau Hinkel und
dem Toechterchen Gackeleia in dem wuesten Schlosse seiner Voraeltern um
und begann sich so gut einzurichten, als es nur immer moeglich war.
Alektryo zog ueberall mit ihnen umher, und da er an einer Stelle nicht
aufhoerte zu scharren und zu locken, ward Gockel aufmerksam und raeumte
muehsam den Schutt hinweg, wo er dann zu seiner grossen Freude einiges
eiserne Gartengeraeth fand, das von dem eingestuerzten Hause
verschuettet worden war. Da war ein Spaten, eine Pickel, eine Karst,
eine Harke, und Gockel machte sich gleich daran, diese rostigen
Instrumente wieder blank zu wetzen und neue Stiele hinein zu
schnitzen. Mit diesem Werkzeug konnte er nun tuechtig in dem Schutt
herum arbeiten, und es gelang ihm, am Fusse eines Rauchfangs, ein
Kamin herauszugraben, in welchem der eiserne Kessel seiner Vorfahren
noch an einer Kette ueber der Feuerstelle hing. Auch diesen scheuerte
Frau Hinkel am Brunnen wieder blank, und Gockel richtete ihr das
schoene Kamin zur Kochstelle ein.--Freudig rief er sie herbei und
zeigte ihr die schoene Einrichtung; aber Frau Hinkel seufzte und sagte:
"was soll uns der Herd, wenn wir nichts zu kochen haben?"--"Gott
wird helfen," sagte Gockel, und lehnte sich auf seine Schaufel; indem
kam Gackeleia herangehuepft und hatte eine Menge bunte Vogelfederchen
in ihrer Schuerze gesammelt, und sagte: "Mutter, da sind so schoene
Federchen, mache mir doch solche Huehnchen und Haehnchen daraus, wie du
mir oft in Gelnhausen gemacht!"--Gockel sagte: "Kind, dich schickt
Gott; ja, das thue Frau Hinkel, mache ein paar Dutzend solche
Voegelchen, ich will sie fuer Brod und andres Noethige verkaufen."--Frau
Hinkel, welche eine ganze Sammlung solchen kleinen Gefluegels fuer das
koeniglich Gelnhausenische Huehner-Normal-Museum verfertigt hatte,
machte nun aus Lehm und diesen Federn allerlei artige kleine Voegel;
die Beine und Schnaebel wurden aus Dorn gemacht, und sie sahen recht
artig aus. An den Tagen, da sie hieran auf den verfallenen Stufen
des trocknen Springbrunnens sitzend arbeitete, legte Gockel auf allen
fruchtbaren Erdstellen zwischen den Mauern Gartenbeete an, ordnete
und verband alle Winkelchen mit Zaeunen und aus umherliegenden Steinen
zusammengestellten Treppen. Er sammelte alle Gartengewaechse, die im
verwilderten Schlossgaertchen noch uebrig geblieben waren, und pflanzte
sie fein ordentlich in die neu angelegten Beete.

Pages:
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16
Copyright (c) 2007. topboookz.com. All rights reserved.