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Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

Gockel, Hinkel und Gackeleia

C >> Clemens Brentano >> Gockel, Hinkel und Gackeleia

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"Salomon du weiser Koenig,
Dem die Geister unterthaenig,
Lasse diesen, wie die andern
Gleich als einen Esel wandern;
Schaff' auch einen Eseltreiber,
Der mir ihre faulen Leiber
Mit dem Pruegel tuechtig ruehrt,
Und zum Vater Gockel fuehrt.
Ringlein, Ringlein dreh dich um,
Mach's recht schnell ich bitt' dich drum."

Und sieh da, gleich war der Esel fertig, und der Treiber stand schon
bei ihm, trieb ihn mit einem Pruegel aus dem Gartenhaus hinaus und mit
den beiden Andern hieher. Ich aber drehte den Ring und wuenschte bei
euch zu seyn. Da war ich gleich hier in dem Hof und als ich euch in
dem alten Huehnerstall so klagen hoerte, wuenschte ich, dass das Schloss
wieder seyn moechte, wie es einst im hoechsten Glanze bei unsern
Voraeltern gewesen; auch wuenschte ich euch als schoene Leute in den
besten Jahren und mich als eine schoene vernuenftige Jungfrau, ueber die
Puppen--wollt' ich sagen Kunstfiguren-Jahre hinaus zu sehen; zuernet
nicht lieber Vater, aber der Gedanke an die Kunstfigur von Birkenreis
kann mich noch jetzt erbittern."--Gockel lachte und sagte: "Gackeleia
dreh' den Ring nur noch einmal, um verstaendig zu werden, es steckt
noch viel vom eigensinnigen Kind in der erwachsenen Jungfrau, du
willst die Ruthe noch nicht kuessen!"--da kuesste Gackeleia ihm die Hand
und fuhr fort: "Als nun Alles nach meinem Wunsche geworden war,
schlich ich zu euch in den Huehnerstall und drueckte mich in einen
Winkel, um eure Ueberraschung recht zu geniessen. Sissi aber wollte
mit aller Gewalt unter die Puppe gebunden seyn, um euch zu wecken; da
lief sie ueber euer Stroh und als ihr aufriefet: "die Puppe! die Puppe!"
sagte ich:

"Keine Puppe, es ist nur
Eine schoene Kunstfigur."

"Das Andre wisst ihr Alles."

Nach dieser Erzaehlung umarmten Gockel und Hinkel die Gackeleia unter
Freudenthraenen und sagten: "Dank, tausend Dank, liebes Kind; du
sollst zum Lohne deiner Guete nun auch den Ring immer am Finger haben,
du sollst Alles wuenschen, was du willst!" Gackeleia sagte: "ich
nehme es an, vor Allem wollen wir die drei Esel, welche im Hofe
stehen mit Allem bepacken; was ich dem guten Maeusekoenig versprochen
habe und dann sollt ihr sehen, wie vernuenftig ich wuenschen will."

Nun giengen sie hinab und wuenschten, nachdem die Kaese und die
Schinken den Eseln auf den Ruecken gepackt waren, den Koenigsberger
Marzipan, den Thornischen Pfefferkuchen, die Jauerischen Bratwuerste,
die Spandauer Zimmetbretzeln, den Nuernberger Lebkuchen, die
Frankfurter Brenten, die Sachsenhauser Kugelhupfen, die Mainzer
Vitzen, die Gelnhausner Bubenschenkel, die Koblenzer Todtenbeinchen,
die Liestaller Leckerli und die Botzener Zelten auch dazu, welche
sich ohne Verzug einstellten und die Esel so belasteten, dass sie
schier niederbrachen.

Als nun die Zeit kam, dass Prinz Speckelfleck und Prinzessin Sissi
Abschied nehmen wollten, drehte Gackeleia den Ring Salomonis mit dem
Wunsch, die Sprache der Maeuse zu verstehen, ohne grade zu schlafen,
und dadurch ward die Unterhaltung jetzt ganz leicht. Gackeleia sagte:
"Meine liebsten durchlauchtigen Freunde! Euer Abschied thut mir
sehr leid, wir verdanken euch Alles; ich will es euch belohnen. Ihr
habt gesehen was der Ring vermag; die Petschierstecher hat er in Esel
verwandelt--so ihr es verlangt, soll er euch gleich in Menschen
verwandeln, und ihr koennt fuer immer hier bei uns bleiben."--Die
beiden Maeuschen schauten sich ernsthaft an und dann erwiederte Sissi:
"Gackeleia, du sagst ein grosses Wort--aber lasse uns bleiben, was wir
sind, wir wollen uns nicht von unserm Volke trennen, wolltest du auch
unser ganzes Volk zu Menschen machen, wo waere das Land, das sie
fassen und ernaehren koennte? o es gaebe Mord und Todschlag und
Hungersnoth! nein, wir sind uns als Maeuse genug; uns bleibt Nichts
mehr zu wuenschen uebrig, als dass wir, gluecklich nach Hause gekommen,
die Verschwoerung Mack, Benack, Gog, Magog und Demagog mit der
Pulvertonne in dem herrlichen Monumente Gackeleioeum auf ewig
eingemauert finden, dass wir unsre koeniglichen Eltern mit all den
koestlichen Leckerbissen erquicken koennen und dass weder Papa noch Mama
sich den Magen verdirbt. O die Einweihung des Monuments wird
monumental werden!--o wie hinreissend wird Muskulus deklamiren! wie
suess wird der edle Piloris duften!"--da fiel Speckelfleck ein: "und
wie bezaubernd die holde Marquise Marmotte tanzen!"--Sissi aber that,
als wenn sie ihn nicht hoerte; und Gackeleia erwiederte: "Sissi! du
sprichst sehr vernuenftig, aber frage doch den anmuthigen jungen Igel,
ob er vielleicht ein Mensch seyn moechte, er scheint mir melancholisch;
--"ich glaube kaum," versetzte Sissi", aber ich will es thun."

Als hierauf Prinz Pfiffi und Prinzessin Sissi von ihren Freunden den
zaertlichsten Abschied genommen hatten, befestigte Gockel den falschen
Ring Salomonis dem Esel, der ihn nachgemacht hatte, als ein Andenken
in das Ohr, heftete ihm seine Pudelmuetze auf den Kopf und setzte die
Maeuschen hinein, dann liessen sie durch die Treiber die drei Esel nach
dem Maeuseland hintreiben und recht viele schoene Gruesse ausrichten.

Als sie fort waren, sagte Gackeleia: "jetzt wollen wir auch einmal in
unsre Schlosskapelle gehen und sehen, wie sie sich veraendert hat."
Kaum hatte sie diese Worte gesprochen, als die Glocke zu laeuten
anfieng und sie in die Kapelle rief. Sie traten hinein und konnten
sich nicht satt sehen, wie Alles so reinlich und festlich mit Blumen
und Laubkraenzen geschmueckt war. Alle Waende und Steinbilder, das
Grabmal des Urgockels und die Bilder aus seinem Leben waren wie neu,
rein und polirt. Es war eine schoene Kanzel an der Seite und
gegenueber eine Orgel mit einem stattlichen Organisten und seinen
Blasebalgtretern. Mehrere kleine Jungen laeuteten am Glockenstrang
aus Leibeskraeften. Ein Anderer lief mit Wasser und Sprengwedel umher
und sprengte, dass es kuehl sey. An einer Seite streuten
weissgekleidete Maedchen Blumen, an der anderen standen Knaben hinter
grossen Straeussern versteckt. Aber es war doch keine rechte Kapelle,
der Altar war auch nicht, wie zu Urgockels Zeiten, da waren keine
Leuchter, keine Kerzen, kein Heiligthum. Der Ring Salomonis hatte
sein Moegliches gethan; aber er kann nur Zeitliches, Natuerliches,
Kuenstliches, Weltliches, aber nichts Ewiges und Geistliches geben.

Als sie Alles mit Freuden betrachtet hatten, wurden sie durch den
Anblick des Hahns auf dem Grabmal des Urgockels recht lebhaft an den
guten Alektryo erinnert. Sie dachten an das Halsgericht, das Gockel
hier gehalten. Frau Hinkel und Gackeleia schlugen die Augen nieder;
da spielte auf einmal der Organist eine sehr ruehrende Arie: "Wie sie
so sanft ruhn." Es war ein gar feierlicher Moment.--"Ach der edle
Alektryo!" seufzte Gockel, "ich kanns nicht aushalten," schluchzte
Frau Hinkel, "ach waere er nur wieder da!"--"Ei," dachte Gackeleia,
"dazu kann ich helfen" und drehte ganz still an ihrem Ring:

"Salomo du weiser Koenig,
Dem die Geister unterthaenig,
Mache meine Eltern froh
Durch den Hahn Alektryo;
Ringlein! Ringlein! dreh' dich um,
Mach geschwind, ich bitt' dich drum."

Da hob sich ein Woelkchen auf der Stelle aus dem Boden, wo die Gebeine
Alektryo's verbrannt worden waren, und wirbelte und ballte sich
zusammen und ward wie ein Hahn und der Uralektryo auf dem Grabmal
ruehrte sich, streckte den Hals, schlug mit den Fluegeln und kraehte
durchdringend, und es fuhr wie ein Feuerstrahl aus seiner Kehle
sichelfoermig zu der kleinen Wolke nieder, die im Augenblick der alte
kraeftige Alektryo ward, auf Gockels Schulter flog, mit den Fluegeln
schlug und mit ritterlichem Kraehen dem steinernen Hahn antwortete,
worauf draussen in dem Huehnerhof alle Hahnen antworteten; es gieng wie
ein Zurufen der Schildwachen von Hahn zu Hahn das Kraehen umher.

Aller Freude ueber Alektryo war sehr gross, er selbst aber war
tiefsinnig und nachdenklich, er meditirte. Da nun von allen Seiten
die Huehner und Hahnen in die Kapelle hinein kamen, den Alektryo zu
sehen, benutzte dieser die durch seine Wiedergeburt erschuetterten
Hahnenherzen und Huehnergemuether, schwang sich auf die Kanzel empor
und hielt eine ganz erstaunlich ergreifende Rede ueber Familienglueck
und Kinderzucht, so dass auch kein Huehnerauge ohne Mitgefuehl blieb,
all das unten zuhoerende Federvieh schluchzte und piepte ganz
leise--der Organist accompagnirte gar lieblich mit einer
melancholischen Arie: "Ach Schwester! die du sicher u.s.w." Auch die
raugraefliche Familie war sehr geruehrt.

Als nun Alektryo am Schlusse seiner Rede ausrief: "ist jemand unter
den verehrten Anwesenden, der feierliche Verloebniss oder Hochzeit zu
halten wuenscht?"--drehte Gackeleia den Ring, ohne zu wissen wie, und
sprach ganz heimlich, ohne zu wissen was:

"Salomo du weiser Koenig,
Dem die Geister unterthaenig,
Bring' doch den Kronovus her
So ganz, wie von ungefaehr;
Ringlein! Ringlein! dreh' dich um,
Mach' geschwind, ich bitt' dich drum."

Da ertoenten ploetzlich Jagdhoerner im Schlosshof. Gackeleia lief hinaus,
als ob ihr der Kopf brenne, und sah das Prinzchen Kronovus in einem
gruenen Jagdroeckchen von seinem Schimmelchen springen, und sie flogen
sich einander in die Arme mit dem Ausruf: "Ach wie bist du so gross,
bueck dich!"--"Ach wie bist du so klein, streck dich!" Gackeleia aber
drehte schnell den Ring hinter dem Ruecken des Kronovus und wuenschte,
dass er so erwachsen und verstaendig seyn moege, als sie selbst, und
sieh da, er ward es zusehends, worueber sie eine grosse Freude hatte.
Da eilte sie mit ihm in die Kapelle, sein Jagdgefolge aber blieb in
den Thueren stehen.

Gockel und Hinkel gruessten den Kronovus herzlich und dieser sagte
sogleich, da sein Herr Vater Eifrasius und seine Frau Mutter Eilegia,
das Zeitliche gesegnet haetten und mit Tod abgegangen seyen, erklaere
er ihnen, dass, so sie ihm die Hand ihrer Tochter Gackeleia geben
wollten, er sie zu seiner Koenigin von Gelnhausen zu machen Willens
sey. Da alle Theile zufrieden waren, fuehrten die Eltern das junge
Paar zu dem blumengeschmueckten Altar.

Indessen spielte und sang der Organist die schoene Arie: "Schoenstes
Hirschlein ueber die Massen, hoerst du nicht den Jaeger blasen?"
Alektryo aber schrie dreimal hinter einander von der Kanzel:

"Zum Verloebniss hier sich melden
Die Hochachtbar Wohlbestellten,
Majestaet Kronovus, Koenig
Von Gelnhausen, oberthaenig,
Mit der zarten Raugraefinn
Gackeleia, unterthaenig,
Grafen Gockels Gau-Erbinn,
Wend't Niemand was dawider ein,
So sollen sie verlobet seyn!"

Kein Piepswoertchen von einer Einwendung liess sich hoeren, als er aber
zum drittenmal fragte: "wer wendet was dawider ein?" erschallte eine
dumpfe Stimme, die alle erschreckte:

"Ich Urgockelio sag: Nein!"

Alles schaute das Bild des Urgockels an, Kronovus aber zog grimmig
seinen Degen und schrie gegen den Grabstein:

"Wer wagt's und spricht ein Wort darein?"

Urgockel aber schlug mit der Ruthe auf das steinerne Abc-buch, dass es
rasselte und sprach, die Augen wie ein erzuernter Schulmeister rollend:

"Gleich steck' mir ein den Flederwisch,
Sonst ich dich bei dem Fell erwisch'
Und lasse dir die Kunstfigur
Von Birkenreis recht tuechtig schmecken;
Kennst du sie nicht? die Braut frag' nur,
Sie wird dir, wie sie schmeckt, entdecken!"

Das ploetzliche Reden des steinernen Urgockels brachte keine geringe
Stoerung unter die hohen Anwesenden und deren Federvieh, Gackeleia
hatte kaum das Wort "Kunstfigur von Besenreis" gehoert, als eine
gluehende Roethe ihre Wangen ueberzog; aber sie sammelte sich
augenblicklich und winkte dem Organisten, der in einem Spiegelchen
Alles sah, was am Altare geschah, und dieser liess ploetzlich alle
Pfeifen los und machte einen Tusch wie mit Paucken und Trompeten, so
dass die ganze Drohung Urgockels nicht gehoert ward. Indessen zog
Gackeleia die Kunstfigur auf, gab ihr einen kleinen Klingelbeutel in
die Haendchen und liess sie unter den anwesenden Huehnern herumschnurren,
mehrere junge Hahnen aber, welche kein kleines Geld bei sich hatten,
fiengen darueber zu schwaetzen und endlich zu streiten an, und ein
kleiner Junge nahm einen Sprengwedel und spritzte unter sie, dass sie
mit grossem Geschrei wegliefen, dazu schrie Alektryo fortwaehrend von
der Kanzel, und Gackeleia war herzlich froh, dass man ueber all dem
Spektakel die Worte Urgockels nicht gehoert und Kronovus seinen Degen
wieder eingesteckt hatte. Als es wieder etwas ruhig geworden, rief
Alektryo zum drittenmal:

"Wendt Niemand was dawider ein,
So sollen sie verlobet seyn!"

und aller Anwesenden Augen waren auf das Bild Urgockels gerichtete
welches sprach:

"Ich segne euer Buendniss nur,
Wenn ihr gehalten euern Schwur,
Den ihr bei meinem Namen sprachet,
Als ihr beim Fest die Bretzel brachet,
Nur dann einander nie zu lassen,
Wenn die gebrochnen Stuecke passen!"

Urgockel hatte aber diese Worte kaum ausgesprochen, als auch
Gackeleia gleich aus ihrem Koerbchen und Kronovus aus seiner
Jagdtasche, die Haelfte der Bretzel und des Bubenschenkels hervorzogen
und zusammenhielten; und die Bruchstuecke passten so scharf zusammen,
als ob sie eben jetzt erst gebrochen waeren.--Sie entschuldigten sich
nicht, dass sie ihr Geluebde in der Freude des Wiedersehens vergessen
hatten, aber sie wurden bei den Worten Urgockels roth bis ueber die
Ohren und sahen ganz bloed vor sich hin, weil sie sich beschaemt
fuehlten.

Bei dieser feierlichen Handlung herrschte eine allgemeine Stille, man
hoerte nichts als das Gloeckchen am Klingelbeutel, den die Kunstfigur
herumtrug. Urgockel aber streckte seine steinerne Hand hervor und
segnete Kronovus und Gackeleia mit den Worten:

"Wie die beiden Haelften Eines,
Trenne sich vom Andern Keines;
Und in euren Wappenschilden
Sollt in einem Myrthenkranz
Ihr im goldnem Feld abbilden,
Glaenzend, unverletzt und ganz,
Bretzel und auch Bubenschenkel
Zum Gedaechtniss spaeter Enkel.
Zwei gekroente Maeuschen fein
Sollen die Schildhalter seyn;
Unter'm Schild am Ordensband
Haenge als der Treue Pfand
Des Kronovus buntes Ei,
Worauf Vivat Gackelei.
Auf des Schilds zwei Helmen stehen
Koenigskrone, Grafenkrone,
Und Alektryo mit Kraehen
Auf der Koenigskrone throne
Und ein starkes Nest behuete,
Worin Frau Gallina bruete.
Auf der Grafenkrone Rand
Schweb' in purpurnem Gewand,
Hebend mit der kleinen Hand
Hoch des Glueckes Unterpfand,
Salomonis Siegelring,
Jenes liebe Wunderding,
Keine Puppe, sondern nur
Eine schoene Kunstfigur!"

Nach diesen Worten zog Urgockel seine Hand wieder zurueck und war ein
unbeweglicher Grabstein wie zu vor. Der Organist aber sang eine
schoene kunstfigurirte Arie, wozu Menschen und Federvieh einstimmten
und die Glocken laeuteten--denn sieh, ein merkwuerdiges Ereigniss hatte
den Bund bekraeftiget, die beiden Stuecke der Bretzel und des
Bubenschenkels waren fest und wieder Eins geworden, als seyen sie nie
getrennt gewesen.--Gackeleia aber drehte den Ring mit dem Wunsche das
Wappen moege nach dem Willen Urgockels fertig seyn und sogleich stand
es auf einer schoenen Fahne neben der Orgel. Schon wollte man sich
ordnen mit der vorgetragenen Fahne in den Speisesaal zu ziehen, als
Gackeleia an den goldnen Hahn, die goldne Henne, das Geschenk von
Salomo und der Koenigin von Saba gedachte, das sonst bei jeder
Hochzeit in Gockelsruh im Brautzug getragen worden. Schnell drehte
sie den Ring und wuenschte, dieses Kleinod moege sich im Schatze der
Kapelle befinden und in ihrem Zuge getragen werden.--Da trat ein
Juengling und eine Jungfrau, beide in morgenlaendischer Tracht,
herrlich geschmueckt in die Kapelle vor eine eiserne Thuere in der Wand,
die mit Rasseln aufsprang. Da sah man die beiden Brautgeschenke
schimmernd stehen. Sie nahmen sie heraus und praesentirten sie dem
Brautpaare, welche sie auf den Altare stellten und mit grosser Freude
anschauten.--Indem nun Alektryo von der Kanzel das Bild der bruetenden
Gallina in der goldnen Henne erkannte, schlug er mit den Fluegeln und
kraehte gar wehmuethig. Gackeleia verstand seine Sehnsucht und drehte
den Ring, auch die gute Gallina moege wieder im Kreise ihrer Lieben
verweilen. Da hob sich ein Woelkchen auf dem Grabstein, wo die
Gebeine Gallinas und ihrer Jungen verbrannt worden, wirbelte, drehte,
ballte sich und ward zum grossen Erstaunen aller Anwesenden Huehner,
denen die Federn darueber zu Berge stiegen--Gallina; Alektryo
unterbrach seine ernste Rede und flog von der Kanzel zu seiner
Gefaehrtin nieder, die er freudig begruesste; aber Alektryo besann sich,
flog wieder auf die Kanzel, bat die Anwesenden um Vergebung, dass er
von der Freude des Wiedersehens hingerissen, ihre ernsten
Betrachtungen unterbrochen habe und forderte abermals jene sich zu
melden auf, welche sich zu vereinigen gedaechten.

Da trat die Primadonna von Gelnhausen in die Kapelle und da der
Organist eben die Fuge anstimmte:

"Laurentia, schoenste Laurentia mein,
Wann werden wir endlich vereiniget seyn?"

wollte sie kuenftig die Fugen nicht mehr Solo singen, sondern mit ihm,
da sie aber sich immer mit dem Gesang einander flohen und nachliessen,
ohne jemals sich zu vereinigen und ihr Zusammensingen eine Fuga
perpetua, eine immerwaehrende Flucht war, und da der graefliche
Erztruchsess hereintrat, vermeldend, dass bereits servirt sey und bei
laengerem Verziehen das Fett am Hammelsbraten leicht gerinnen koenne,
so ordnete sich der Brautzug die Kapelle zu verlassen.

Man hatte die Wappenfahne bereits in Bewegung gesetzt, die Traeger der
Braut-Henne und des Braut-Hahnes hielten bereits diese
Reichskleinodien auf purpurnen Sammtkissen vor ihrer Brust, und
Kronovus und Gackeleia wollten so eben von den Stufen des Altares
herabsteigen, als Urgockel auf dem Grabstein sich abermals sehr
heftig bewegte und mit drohender Stimme sprach:

"Wohl ist das Sprichwort wahr gestellt:
Undank ist stets der Lohn der Welt,
Undank ward dem Alektryo,
Undank dem Urgockelio.
Ich habe euch den Ring geschenkt,
Doch ist hier Niemand, der mein denkt,
Ich muss euch Ringe wechseln sehn
Und Keiner will den Ring mir drehn,
Ich stehe hier auf meinem Stein--
Verlassen, einsam, ganz allein,
Und draussen bei der Linde ruht
Mein edles Weib, Urhinkel gut,
Sie waehlte diesen Ort zum Grab,
Weil ich sie dort errettet hab'.
Drei Lilien stehn auf ihrer Gruft
Und senden Weihrauch in die Luft;
Wenn ein Geschick voruebergeht,
Ihr Geist bei diesen Lilien steht,
Mit denen er zum Himmel fleht'
Und Gott erhoeret ihr Gebet.
Die Lilien leuchten dann zumal,
Die Sterne senken Strahl um Strahl
In ihre reinen Kelche ein;
Auch schweben schoene Engelein
In sie hinein und singen fein;
Das hoeret Alles klar und rein
Urhinkel an und stimmt mit ein
Und laesst das weisse Schleierlein
Im Sternenschein, im Mondenschein,
Hin spielen in den Lueftelein;
Ich aber muss hier einsam seyn
Und recht in meines Herzens Pein,
Wie's Kindlein nach dem Muetterlein,
Nach dem Urhinkel draussen schrein:
O lass doch den Urgockel dein
Nicht so allein, allein, allein!
Du plauderst draussen mit der Lilie,
Vom Thau berauscht im Sternenschein,
Mich huellt hier trocken ohne Familie
Der alte kalte Epheu ein.
Urhinkel komm! ich rueck' zur Seite,
Du bist ja Bein von meinem Bein,
Es ist vollkommen fuer uns Beide
Raum, Licht und Luft auf diesem Stein."

Dann schaute Urgockel das Brautpaar sehr gebieterisch an und fuhr
fort:

"Was euch ist recht, das ist mir billig,
Ihr wollet zwei und zwei hier seyn,
Und drum in Zukunft nicht mehr will ich
Das ein mal eins hier seyn allein;
Dreh, Gackelei den Ring und fuehre
Die Ahnfrau her mit Sang und Klang;
Bleibt Wahrheit immer vor der Thuere,
Wird Zeit und Maehrchen staets zu lang."

Gackeleia, welche grosses Mitleid mit dem Urgockel hatte, drehte den
Ring Salomonis schnell, schnell mit dem Wunsche, die Gebeine der Frau
Urhinkel moechten aus dem Grabe unter der Hennenlinde erhoben und
Alles bereit seyn, um sie in die Gruft Urgockels beisetzen zu koennen.
Als sie nun aus der Kapelle hinausgezogen waren, fanden sie Alles
folgendermassen geordnet; im Schatten der Hennenlinde um das
Hennenkreuz standen bei den Lilien drei schneeweiss gekleidete
Klosterjungfrauen und mitten zwischen ihnen schwebte der Geist der
Frau Urhinkel von Hennegau in einem schneeweissen, schimmernden Gewand;
ihr von langen schwarzen Locken umstroemtes Haupt war ueber einem
weissen Schleier mit weissen Rosen gekroent, auf ihrer Schulter sass eine
weisse Henne, in der einen Hand hielt sie eine goldne Spindel, in der
andern ein feines leuchtendes Brod. Ihr Angesicht war nicht irdisch
schoen, aber von einer himmlischen Liebe und Freundlichkeit uebergossen,
man konnte nicht aufhoeren, sie anzuschauen, ihr Blick war eine
segnende Verbindung von Thau und mildem Sonnenlicht. In kleiner
Entfernung von ihnen war das Grab der Ahnfrau eroeffnet und stand
neben demselben ihr irdisches Kleid im Sarge auf einer Tragbahre;
nicht weit von diesem aber bei jenen Kraeutern, die bei dem Begraebniss
Gallina's so grosses Beileid bezeugt hatten, stand die Erscheinung von
acht altfraenkisch festlich gekleideten Jungfrauen, sie waren mit
Kraeutern bekraenzt und mit einem Orden an amaranthfarbigem Band
geschmueckt. Eine jede trug ein schoenes Huhn in einem Koerbchen unter
dem Arm. Sie blickten alle mit dem Ausdruck ernster Freude und
Ruehrung nach dem Geiste und dem Leibe der Ahnfrau und waren in einer
lieblich schwebenden Bewegung. Sie schienen Etwas zu erwarten, die
Tragbahre war mit einer tiefrothen Sammtdecke, worauf das
Hennegausche Wappen in Gold gestickt, bedeckt. Auf dieser Bahre
stand nun der offne Sarg, worin die liebste Frau Urhinkel ruhte; aber
welch ein seltsamer Sarg! es war ein langer Gitterkorb von Zypressen
und Myrthenzweigen geflochten und mit erstaunlich vielerlei Blumen
durchschlungen, welche durch ihre Namen und Bedeutungen ausdrueckten,
wie sehr die Todte von den Armen geliebt worden war, die ihr den Sarg
geflochten und ausgeschmueckt hatten und ihrer Leiche gefolgt waren.
Gackeleia hatte oft von dem Blumensarg ihrer Ahnfrau erzaehlen hoeren.
Es gab ein Maehrchen davon in der Gockelschen Familie, das man den
Kindern erzaehlte, um ihnen Milde gegen die Armen einzufloessen.--Nun
sah sie diesen Blumensarg vor ihren Augen; aber er war ganz welk und
verdorrt.--Sie wollte um Alles in der Welt den Blumensarg wieder in
seiner ganzen Schoenheit sehen. So drehte sie dann den Ring Salomonis
mit den Worten:

"Salomo, du weiser Koenig,
Dem die Geister unterthaenig,
Lasse neu den Sarg verzieren
Mit des Dankes Blumengaben;
Wolle uns vorueber fuehren
Alle Armen, alle Kinder,
Die den Sarg gewebet haben;
All der Liebe Kraenzewinder,
Die in Blumen einst begraben
Dieses Herz, den Trost der Kinder.
Sende all die Kronenbinder,
Jene Blumen einzusammeln,
Jene Kraeuter, jene Halmen,
Deren Namen Wuensche stammeln,
Deren Namen Dankespsalmen,
Suesse Gruesse, Wohlgefallen,
Wie unschuldige Kinder lallen.
Um das Bettlein, wo in Frieden
Ruht das ird'sche Kleid der Braut,
Die vom Leib der Zeit geschieden,
Ward dem ew'gen Geist getraut,
Werde von dem Dank hienieden
Neu ein Blumenzelt gebaut.
Schmuecket neu dies Herz mit Bluethen,
Liebeswerke, die drin gluehten,
Dass die Blumen, Erdensterne,
Zeitlich hier den Leib umkraenzen,
Wie des Himmels Blumen, Sterne,
Ewig dort den Geist umglaenzen;
Ringlein! Ringlein! dreh dich um,
Schmueck' den Sarg, ich bitt dich drum!"

Auf diese Worte Gackeleias ertoente ein leiser, ungemein reiner und
lieblicher Gesang von den drei Lilien her, welche zu Haeupten des
Hennenkreuzes standen:

"O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit!"

Nach diesen Stimmen nahte hinter der Linde hervor von beiden Seiten
eine gar ruehrende Prozession von Greisen, Maennern, Frauen, Juenglingen
und Jungfrauen, Knaben und Maegdlein, ja Saeuglingen auf den Armen der
Muetter. Alle waren sie durch Kraenze und Gewinde der manichfaltigsten
Blumen und Kraeuter verbunden, die sie in der einen Hand hielten,
waehrend sie in der andern an weissen Staeben schimmernde Fahnen trugen
und rings um Frau Urhinkel aufpflanzten. Diese Fahnen aber bestanden
aus nichts anderm, als aus Hemden, Struempfen, Roecken, Waemsern und
besonders aus vielen allerliebsten, kleinen Kindermuetzchen, welche
Frau Urhinkel mit eigenen Haenden verfertigt hatte, um die Armen damit
zu bekleiden. Alle die Kleidungsstuecke schimmerten wie Silber und
Gold und was mit grossem Fleisse, mit grosser Liebe und Ueberwindung
genaeht war, das war wie mit Edelsteinen und Perlen ausgeziert. Es
waren die Werke der Frau Urhinkel, welche ihr nachfolgten. Als nun
alle diese Siegsfahnen um die liebe Seele aufgepflanzt waren, zogen
die Geister der Armen, welche sie durch milde Austheilung der Gaben
Gottes vor Noth, Verzweiflung und Verbrechen gehuetet und als dankbare
Kinder in das Haus des Vaters gefuehrt hatte, hin zu dem Sargkorbe,
worin der Leib ihrer Wohlthaeterin ruhte, und verwandelten ihn mit
allen ihren Laubgewinden durchflechtend in ein Schiff von Blumen.
Die guten, dankbaren Seelen schmueckten das Ruhebettlein der Ahnfrau
mit allem Danke, aller Liebe, die sich durch Blumennamen aussprechen
lassen, und als der Blumensarg neu erblueht war, brach Gackeleia
freudig in die Worte aus:

"o das ist eine schoene Leichenrede, das sind keine rednerischen
Blumen, das ist eine Blumenrede, mir ist, als spraeche ich selbst so,
wenn ich diese Blumengewinde ansehe; denn was die Blumen heissen, das
sind sie mir!"

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