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Annual Bibliography of Commonwealth Literature 2007
This paper argues that discourses of love in Ghanaian market literature for youth offer a view into complex negotiations of agency and empowerment. Drawing on Deborah Durham's notion of youth as "social `shifters'" and Francis Nyamnjoh's conception of the "interconnectedness" of agency, I take Ghanaian market literature as one specific case of how African literature for youth foregrounds questions of continuity and change as African societies enter into increasingly complex global relations. In this literature for youth, received notions of love, often constructed out of impressions from American pop and hip hop music, carry new notions of agency that compete with existing "domesticated" forms. Authors like Ike Tandoh and Evelyn Tay employ discourses of love to offer youth alternative avenues for empowerment in a context of socio-economic disenfranchizement. In a creative process of "straddling", this writing both reveals and reproduces the contradictions that obtain in youth configurations of agency.

Gockel, Hinkel und Gackeleia

C >> Clemens Brentano >> Gockel, Hinkel und Gackeleia

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"Zu bedauern ist die Maus,
Kennt sie nur ein Loch im Haus;
Aber ins Verderben rennt
Jene, die gar keines kennt,"

und nun setzte der gelehrte Muskulus hinzu, wie er bei seinen Studien
eine halbe Bibliothek durchfressen und wie trefflich ihm endlich die
schoene Stelle des heidnischen Komoedienschreibers Plautus geschmeckt
habe:

"Bedenk' die Weisheit der kleinen Maus,
Sie hat viel Thueren in ihrem Haus,
Sperrst du ihr einen Schlupfwinkel zu
Flieht sie zum andern und sitzt in Ruh'."

Als der Klingelbeutel in dem Dom herumgieng, hielt der edle Muskulus
noch eine ruehrende Auslegung des tiefsinnigen Wortes: "er ist so arm
wie eine Kirchenmaus," welche den ganzen Klingelbeutel mit
Waitzenkoernern so reichlich fuellte, dass die Marquise Marmotte genug
zu thun hatte, ihn herum zu schleppen, wenn gleich der duftende Herr
Piloris ihr dabei den Arm gab.

So erzaehlte mir Prinzess Sissi Alles, dass ich es eben so gut wusste,
als wenn ich in der Rede des edlen Muskulus geschlafen haette.--Ich
dankte ihr herzlich dafuer und sagte ihr: "Liebste Sissi, ich bin
gluecklich, dass sich unsre Herzen gefunden haben und dass wir uns du
nennen--ach so kann ich auch alle meine Leiden in deinen
schwesterlichen Busen ausschuetten; ach ich muss dir zu meiner grossen
Beschaemung gestehen, es ist mir so sehnsuechtig um's Herz, ich sehne
mich nach einem Gegenstand, den ich fresslieb haben koennte, es ist mir
so leer, so leer, ich moechte Alles verschlingen; ich muesste mich sehr
irren, oder ich habe einen ganz abscheulichen Hunger, denn seit ich
das Birkenreis geschmeckt, habe ich nichts mehr ueber mein Herz
gebracht, als einige Wald-Erdbeeren; Sissi, schaffe mir etwas zum
schnabelieren, oder ich sterbe aus Sehnsucht."--Da erwiederte Sissi:
"Herz Gackeleia! du hast ja noch eine halbe Bretzel und einen halben
Bubenschenkel in deinem Koerbchen;" aber ich entgegnete: "das sind
Dokumente, und ich wollte eher verhungern, als Dokumente essen."
"Wohlan," sagte Sissi, "ich will sehen, was ich dir auftreiben kann,"
da pfiff sie einige Mal, worauf eine Fledermaus zu ihr heranflog,
welcher sie den Auftrag gab: die reinsten Schulmauskinder sollten
augenblicklich Beeren pfluecken und auf gruenen Blaettern mir zu Fuessen
legen--eben so solle sie den anwesenden Geschaeftstraeger der
Haselmaeuse, den wohlriechenden Chevalier Muscardin in ihrem Namen um
eine Portion Haselnuesse bitten und diese hieher besorgen, ueberhaupt
moege sie Alles, was sie von menschlichen Esswaaren auftreiben koenne,
ohne grosses Aufsehen zu machen, so schnell als moeglich herbeischaffen.
--Die Fledermaus machte ihr unterthaeniges Kompliment und flog von
dannen.--Schon nach einigen Minuten bemerkte ich eine grosse
Thaetigkeit: die Maeuse schleiften ein altes, rund genagtes Trommelfell
auf den Rasen in meine Naehe und deckten mehrere grosse Pilze, die wie
kleine Tische umherstanden, mit Blaettern und trugen allerlei Esswaaren
darauf zusammen.

Nun sprach ich zu Sissi: "Hoere mich an, du bist besonnen und klug,
was ich dir sage ist wahr, was ich verlange, musst du thun, sonst seyd
ihr Alle verloren, Aufsehen muss vermieden werden, damit kein
unnoethiger Schrecken das schuechterne Volk verwirrt. Sieh dort die
kleine Pulvertonne aufgerichtet und mit Steinen belegt: Mack, Benack,
Gog, Magog und Demagog, die fuenf Raedelsfuehrer des jungen
Katzenellenbogens, welche darin in einer Alonge-Peruecke ihre Krallen
auf einem Todtenkopf zu eurem Untergange gewetzt haben, wurden von
mir darunter gefangen, ich habe ihre Loge gedeckt und die
Pulververschwoerung, das Spundloch der Hoelle, verstopft. Gehe gleich
mit deinem Gatten, Prinz Speckelfleck, zu deinem koeniglichen Vater
Mausolus VIII., zeige es ihm an, und sage ihm, er solle eilend
befehlen, dass alle Maeuse und den Maeusen Befreundete ohne Ausnahme
Lehm, Erde und Rasen zu dem Fasse hintragen und es rund damit umgeben,
bis es ganz ummauert eine Pyramide wird. So eingeschlossen werden
sie einander selbst zerreissen und ihr werdet euch durch euer frommes
Gebet gerettet finden.--Dem Volke soll gesagt werden, das Ganze sey
ein Monument zum Andenken meiner Anwesenheit und deiner Rettung und
heisse Gackeleioeum, ein Gegenstueck zu dem Mausoleum. Er soll nur
sein Volk, aber keine Maurer daran arbeiten lassen, denn die da
drinnen duerften nur einmal rufen: "Mack," und die draussen antworten:

"Benack," so waere Alles verrathen.--Eile, es ist keine Zeit zu
verlieren, der Bau muss fertig seyn, wenn ich deinem Vater die
versprochenen patriotischen Backwerke schicke, welche bei der
Einweihung das Fest verherrlichen koennen. Mache deinen Bericht kurz
und kehre schnell mit Prinz Speckelfleck zurueck, damit wir inkognito
fortreisen."

Ich bewunderte die Gemuethsfassung der hochherzigen Prinzessin Sissi:
ein Blick des Entsetzens gegen die Pulvertonne, ein Blick des Dankes
gegen mich, ein Blick der Hoffnung gegen den Himmel war alles, was
sie erwiederte, und sogleich lief sie in der groessten Eile zu dem
koeniglichen Kaesepallast hinauf. Der Hunger weckte mich nun, ich
naeherte mich der von den Maeusen zusammengetragenen Mahlzeit, da fand
ich auf dem Trommelfell eine kleine Melone, welche die Marquise
Marmotte selbst herangewaelzt hatte; der Chevalier Muskardin hatte
nicht nur ein halb Hundert der schoensten Haselnuesse eigenmaulig
heraufgetragen, sondern auch aufgeknackt; die Schuljugend hatte einen
Haufen Erdbeeren und Heidelbeeren herbeigetragen und in Nussschaalen
sehr artig angerichtet, eine Speckmaus hatte einen gewaltigen Flug
gethan und mir einen ganzen frischen Bubenschenkel aus einem
Baeckerladen und ein Wuerstchen aus einem Fleischerrauchfang von
Gelnhausen gebracht, Dank dem edlen, biedern, deutschen Herzen! an
ihm wird die alle edlen Anstrengungen so sehr beachtende Familie der
Mausoleer das Sprichwort wahr machen: "dem Verdienste seine Kronen."
Ach! wie ruehrend war es, als nun noch ein gemuethvoller, junger Igel
von der schoensten Haltung zu mir heran rasselte, wie ein ganzer
Ruestwagen; er hatte sich in einem benachbarten Ort unter den
Borstorfer Aepfelbaeumen gewaelzt und alle herabgefallenen Aepfel auf
seinen Stacheln aufgespiesst, die ich ihm dankbar herabnahm, worauf er
sich schweigend empfahl. Er war etwas melancholisch, denn er war
verkannt, sein Geschlecht gehoert zu den Feinden der Maeuse, aber er
hatte seine Natur besiegt und lebte in einsamer Betrachtung als
philosophischer Wohlthaeter und Maeusefreund unter ihnen von dem
schoenen Herzen der geistvollen Prinzessin Sissi geschaetzt. Ich ass
nun im Zwielicht (denn der Mond war untergegangen und es daemmerte im
Osten) ohne grosse Wahl, was mir unter die Finger kam, lustig hinein,
Alles, Alles schmeckte koestlich--o da kam erst das Beste!--ach es
raschelte etwas neben mir und es rollte etwas in mein Schuerzchen, ich
fuehlte, es war ein Ei, ich hielt es neugierig dem ersten Strahle des
Tages entgegen--es war schwarz mit einem schoenen Vergissmeinnicht
bemahlt, ringsum standen die Worte: "Vivat Gackeleia," ich schuettelte
es, ach es rasselte Geld darin; wie ein Blitzstrahl durchfuhr es
meine Seele: es ist das Ei meines lieben Kronovus, das er fuer mich
alle Wochen mit seinem Taschengeld hinten an den Entenpfuhl
verstecken wollte! meine Freude war unaussprechlich--aber wer ist der
wohlthaetige Sterbliche, der mir diese hoechste Freude gemacht? dachte
ich und sprang auf und rief aus: "o mein heimlicher Wohlthaeter
entziehe dich meinem Danke nicht!" aber ich hoerte es fern weg eilen,
und ein wundersuesser Moschusgeruch drang mir entgegen. Da wurde es
mir klar, und ich rief ihm nach: "du bist es edler Piloris, fernher
pilgernden Menschenwohlbezwecker im schwarzen Frack und weissen
Unterkleidern, der Wohlgeruch deiner schoenen Handlungen verraeth dich!"

"Ja, liebe Eltern," unterbrach sich hier Gackeleia, "ich hatte mich
nicht geirrt, diese edle Moschusratte Piloris war es gewesen. Sissi,
der ich von dem Ei des Kronovus erzaehlte, hatte ihm schon in der
Kirche zugefluestert, welche grosse Freude es ihr machen wuerde, wenn
sie meine Wohlthaten gegen sie mit diesem Eie belohnen koennte.
Piloris, so hohes Interesse er auch an der Rede des edlen Muskulus
hatte, verliess sogleich den Dom und eilte, ohne sich umzusehen, nach
der Eierburg an den Entenpfuhl und brachte dies Ei, welches Kronovus
seinen Worte getreu mit 1 Gulden 30 Kreuzer beschwert dort hin
versteckt hatte."

Gockel und Hinkel sahen das Ei mit grosser Ruehrung an, die beiden
Maeuschen kamen herbeigelaufen und tanzten lustig umher, als gaeben sie
ihren Beifall. Frau Hinkel aber sagte: "erzaehle weiter Gackeleia,
damit du einmal von all dem Ungeziefer wegkoemmst" und Gackeleia fuhr
fort:

Gleich werde ich davon weg seyn, um zu noch viel aergerm Ungeziefer zu
kommen. Ich hatte mich pumpsatt gegessen, ich packte die Puppe--nein
die nur eine schoene Kunstfigur--in mein Koerbchen, ich legte mein
liebes Ei, einige Aepfel und Haselnuesse und den halben Bubenschenkel,
der noch uebrig, hinein und auch das Wuerstchen und von dem Moos meines
Lagers; kaum war ich fertig, da kam Prinz Speckelfleck und Prinzess
Mandelbiss und huepften in das Koerbchen und pfifferten allerlei, was
ich nicht verstand--aber es musste wohl heissen, dass meine Sendung
ausgerichtet sey, denn ich sah das Andringen von unzaehligen Maeusen
mit Erde und Rasen durch alle Strassen und Schluchten in solcher Menge,
dass ich mich auf die Hoehe vor den Dom retirirte, um keinen der
Arbeiter zu zertreten. Es war ein wunderbarer Anblick, viele
stroemten gegen die Pulvertonne hin und bissen die Dornen und Disteln
rings weg, andere wuehlten Erde und Lehm auf, andere benetzten sie und
machten Klumpen daraus, dann legten sich Ratzen und Maeuse auf den
Ruecken und fassten die Erde mit den Fuessen, und die andern zogen sie
bei den Schweifen wie beladene Wagen fort. Vor allen zeichnete sich
die Marquise Marmotte aus, sie hatte einen Klumpen Rasen, groesser als
ein Backstein, zwischen ihren Pfoten, der Chevalier Muskardin und der
edle Piloris spannten sich vor und zogen sie bis an die Pulvertonne;
der edle Igeljuengling war auch mit Rasenstuecken bedeckt und trug sie
hinauf.--Ich segnete die liebe Maeusestadt und eilte mit meinen zwei
Maeuschen und sieben Saechelchen im Korbe dem Walde zu.

Ich zog ueber Berg und Thal und fragte vergebens nach euch, liebe
Eltern; manchmal liess ich bei Baeckerlaeden meine Kunstfigur vor den
Kindern herumtanzen und der Baecker gab mir gern ein Broedchen zur
Belohnung. So fristete ich mein Leben. Wir zogen um Gelnhausen
herum, denn ich fuerchtete den Bettelvogt, Meister Schelm; da ich aber
die Hahnen dort kraehen und auf den Thurmspitzen in die Ferne blinken
sah, ward mir es recht schwer ums Herz, und wenn etwas im Gebuesch
rasselte, guckte ich um und meinte immer das Prinzchen Kronovus kaeme
vielleicht auf seinem Schimmelchen zur Jagd geritten. Aber, wer
nicht kam, das war er. Da ich nun einige Stunden weiter, nahe bei
einer ganz herrlichen Stadt, reisemued an einem Baechlein niedersass und
mich im Wasser beschaute, musste ich mich recht schaemen, ich hatte
vergessen, mich am Morgen meiner Abreise und am folgenden Abend zu
waschen und sah nun, dass ich Mund und Nase ganz schwarz von den
vielen Heidelbeeren hatte, die ich in der Maeusestadt im Dunkeln
gegessen hatte. Nun wusste ich erst, warum die Kinder ueberall mich
ausgelacht hatten, und ich war recht froh, dass Kronovus mich nicht so
schmutzig gesehen hatte. Geschwind wusch ich mich und erfrischte
mich durch und durch. Ich ass auch ein Bischen mit meinen Maeuschen,
und da es sehr heiss gewesen, war ich schlaefrig und legte mich vom
Gebuesch versteckt auf den weichen Rasen und schlief. Da kam Prinz
Speckelfleck an mein Ohr und sagte mir:"Wir sind am Ziel unserer
Reise, wir haben die herrliche Hauptstadt Urbs des Weltreichs Orbis
vor uns. Hier ist der Ring deines Vaters, hier wohnen die
morgenlaendischen Petschierstecher; als sie mir Sissi entfuehrt, bin
ich ihnen bis hieher gefolgt, wo sie hingiengen, weil Alles, was Salz
lecken kann, hier frei und ungestoert leben darf. Sie sind immer in
Angst vor allen Menschen und vor einander selbst. Sie fuerchten des
Ringes halber getoedtet zu werden; damit man nun nicht merken moege, wo
ihr grosser Reichthum herkoemmt, haben sie hier die grossen
Salzbergwerke gekauft und sind Salzverschwaerzer, Salzversilberer,
Salzjunker und endlich Salzgrafen geworden; sie haben sich einen
salzgraeflichen Pallast erbaut, sie sagen, dass sie Gold machen koennen;
aber Alles ist durch den Ring Salomonis. Trage mich und Sissi nur
gleich in die Kirche und bete einstweilen, dass Gott uns hilft, so
wollen wir den Ring bald erwischen. So gern ich und Sissi und alle
Maeuse Salz lecken, brauchen wir doch kein Scheffel Salz mit diesen
kuriosen Grafen zu essen, bis wir sie kennen lernen."

Nach diesen Worten wachte ich auf und trug die Maeuschen geschwind,
geschwind in meinem Korb in die Kirche nach Urbs; der Gedanke, dem
lieben Ring so nah zu seyn, lehrte mich so schnelle zu laufen, als da
ich die Puppe und mich die Ruthe verfolgte.--O liebe Eltern, welche
Kirche! welches Wunder der Architekto-Natuerlichkeit, der ungeheure
grosse gothische Saeulenwald mit unzaehlichem Schnitz-, Spitz-, Glitz-,
Blitz-, Ritz-, Kritz--und Spritzwerk im vorgothischen und
hintergelnhausenschen Spitzbubenschenkel-Katzenellenbogen-Styl
uebertraf das Unerhoerte.--Alles, alles war von Salz, die Kirche war
ein Salzkrystall, die Fenster waren Salzscheiben, die Kanzel war ein
Salzfass; das Merkwuerdigste aber war die Erbauung dieser Kirche: ein
eifriger Mann hatte hier vom Krystalismus predigend gesagt: wer die
Hand an den Pflug gelegt, der solle sich nicht mehr umschauen, die
Weiber sollten an Loths Weib denken, die durch das Umschauen in eine
Salzsaeule verwandelt worden; "ach!" rief er aus, "wollte Gott ein
Wunder zur Erbauung der Kirche thun, an eurem Umschauen fehlt es
nicht, so haetten wir einen Wald von Saeulen, ehe man sich umsieht, um
eine Kirche darauf zu stuetzen." In demselben Augenblick kam die Frau
Salzinspektorin mit einem neuen Hut in die Kirche, da schauten sich
um alle Fraeulen und dienten verwandelt in Saeulen zur allgemeinen
Erbauung der Kirche im gothischen Styl, denn in diesem Styl war der
Hut der Frau Inspektorin. So wurde die Kirche zwar sehr schnell,
aber doch nicht, ehe man sich umsah, erbaut. Als ich in das
Salzmuenster hineintrat, verliess eben nach der Nachmittags-Predigt der
Redner die Kirche, aber ich versaeumte nichts, die Kirche ist
echoistisch gebaut, der Redner braucht nur ein paar Worte zu
verlieren, so werden sie sogleich von Frau Echo, der
unverbesserlichen Widerbellerin, aufgeschnappt und eine halbe Stunde
lang zwischen den Saeulen herumgehetzt und geschleudert, und so lief
auch jetzt zwischen allen Salzsaeulen die Rede umher: "so gut auch das
Salz sey, waere es doch misslich, wenn es dumm werde, man habe Nichts,
um es zu salzen und es mache weder das Feld noch den Mist besser.
"--Ich kniete in ein Winkelchen und betete herzlich um die Huelfe
Gottes; nicht weit von mir kniete eine praechtig geputzte Koechin, und
neben ihr stand ein von Makaroninudeln geflochtener Gemueskorb, auf
welchem mit goldenen Buchstaben stand:
"salzgraeflich-Salomon-Salabonischer Salatkorb." Sissi und Pfiffi
merkten gleich, dass dieses die Koechin der drei morgenlaendischen
Petschierstecher sey, sie schlupften in den Korb und liessen sich von
ihr in den salzgraeflichen Pallast tragen. Als ich nun in der Kirche
einsam und allein war, vernahm ich durch das geschaeftige Echo jedes
Gebet, jedes Fluestern und Seufzen der Umherknieenden; der Eine betete:
"ach Gott! befreie uns von dem Hoffaktor Salzgraf Salathiel Salaboni,
er ist schuld, dass das Salz so dumm und theuer geworden;" der Andere:
"befreie uns von dem Commerzienrath, Salzgraf Salomon Salaboni, er
ist schuld, dass die Salzkukummern so kuemmerlich schmecken und so
klein sind;" der Dritte seufzte: "ach hilf uns aus dem Salz des
Elendes, befreie uns von dem Hoflieferanten, Salzgraf Salmanasser
Salaboni, er versalzt uns alles Leben, fuellt unsere Augen mit
gesalzenen Thraenen und fegt unsre Beutel aus dem Salz!"--Da betete
ich dann auch so recht von Herzen, Gott moege mir wieder zu dem Ringe
helfen, weil die drei Morgenlaender doch keinen Menschen damit
gluecklich machten.--Da es aber in der Kirche so huebsch stille und
kuehl war, ueberfiel mich ein leiser Schlummer, und ich hatte schier so
lange geschlafen, dass mich der Kuester in die Kirche eingesperrt haette;
aber Sissi kam gerade zur rechten Zeit und fluesterte mir in die
Ohren: "geschwind Gackeleia, geh mit mir aus der Kirche; hoerst du?
der Kuester rasselt schon mit den Schluesseln; geh mit mir, du sollst
selbst sehen, wie wir den Ring erwischen, wir haben die beste
Hoffnung." Froehlich nahm ich nun die kleine Maus in mein Koerbchen
und gieng mit ihr nach dem Schlosse der Petschierstecher. Als wir an
die Gartenmauer kamen, sprang Sissi an die Erde und zeigte mir den
Weg. Die Sonne war im Begriff unterzugehen. Ich gelangte hinter ein
artiges Lusthaus, Krystalline genannt, wo ich auf den Kuebel eines
Orangenbaumes stieg und durch eine Spalte im Fensterladen Alles sehen
und hoeren konnte, was im Gartenhaus vorgieng.

Die drei Salzgrafen sassen jung und glaenzend mit wohlakkomodirten
Peruecken in verschiedenen alamodischen kuriosen Uniformen um einen
Tisch, in dessen Mitte der koestliche Ring Salomonis lag und stritten
miteinander, wer den Ring am Finger tragen und wuenschen sollte; sie
nannten sich Commerzienrath, Hoffaktor, Hoflieferant untereinander
und jeder wollte nicht mehr so heissen, jeder wollte den
Salzgrafentitel haben; der Eine schrie: "einer muss der Erste seyn,"
die Andern schrien: "das geht nicht, wir sind Drillinge, wir sind
eine grosse Merkwuerdigkeit, keiner geht vor dem andern;" da schrie der
Eine wieder: "ich habe die Maus gefangen und unter die Puppe geheftet,
wodurch wir der Gackeleia den Ring abgelockt, ich muss ihn haben, wem
ich was wuenschen soll, der bringt mir einen vollwichtigen Gockelsd'or,
da wuensche ich ihm Etwas, wie gerade der Kurs steht."--"Wie koemmst
du mir vor?" sprach der Andere, "habe ich doch den falschen Ring
gemacht, der fuer den aechten dem Gockel an den Finger gesteckt ward,
ich muss den Ring haben!"--"Was soll mir das?" schrie der Dritte,
"habe ich doch die Puppe gekleidet und tanzen lassen und die grosse
Arie gedichtet und abgesungen von der grossen Garderobe, habe ich doch
der Spielratze die Puppe aufgeschwaetzt, den Ring abgeschwaetzt und
euch den Ring gebracht, mein muss er seyn!" Da sie aber gar nicht
einig werden konnten und lange geschrieen und gezankt hatten, weil
immer der Eine fuerchtete, der Andere moege ihm den Tod anwuenschen,
wenn er den Ring am Finger habe, griff endlich der Eine mit solcher
Heftigkeit nach dem Ring, dass er den Tisch umstiess, und diess machte
sich der Andere zu Nutz und ertappte den an die Erde gefallenen Ring,
steckte ihn an den Finger und drehte und schrie:

"Salomon du weiser Koenig,
Dem die Geister unterthaenig,
Mach' zwei Esel aus den Beiden,
Die in diesem Garten weiden,
Ringlein, Ringlein dreh dich um,
Mach's geschwind, ich bitt dich d'rum."

Waehrend er dieses mit der groessten Eile hergeschnattert hatte, rissen
die Beiden Andern ihn hin und her; aber es waehrte nicht lange, so
waren sie Beide zwei dicke, haessliche Esel, und er nahm einen Pruegel
und trieb sie aus dem Gartenhaus hinaus, das er hinter ihnen
verschloss. Sie schrieen und bissen sich unter einander noch eine
Weile, fiengen aber bald an, sich in ihre neue Natur zu schicken und
Trauben und Disteln durcheinander zu fressen.

Ich guckte wieder in das Gartenhaus, da wollte sich der, welcher den
Ring hatte, schier bucklicht lachen, weil er seine Gesellen endlich
so sauber angefuehrt. "Gott sey Dank," sagte er, "nun kann unser eins
doch einmal ruhig ausschlafen, ohne die Gefahr, dass der andre ihm den
Tod wuenscht." Nach diesen Worten schaute er sich lachend im Spiegel
an und haengte seinen Federhut auf die Spitze einer wunderbaren
Kaktuspflanze, die an der Wand bluehte. Der Ankaufspreis stand auf
dem Topf. Die Peruecken und Huete der zwei andern lagen noch an der
Erde, wie auch ihre Stuehle. Nun lehnte er sich breit in seinen
Prachtstuhl, stellte die Fuesse auf einen Schemel und sprach: "reich
zum zahlen, klug zum prahlen, schoen zum malen--was fehlt mir noch,
ich will beruehmt werden--da faellt mir was ein--ich will den Namen
Pictus, Salzgraf von Orbis annehmen, und will einen neuen Orbis
Pictus herausgeben, da sollen alle unbefriedigten Wuensche der Welt
nach dem ABC darin abgemalt werden, und ich will sie mir alle mit dem
Ring befriedigen von A bis Z--aber Alles, Alles mit Geschmack und
Kunstgefuehl--poetisch, sympathetisch, magnetisch"--und nun fieng er
an, bald tuechtig zu schnarchen.

Nun ist es Zeit, dachten Pfiffi und Sissi und schlupften beide durch
ein Loch in das Gartenhaus. Ich wendete kein Auge von dem
Schlafenden und dem Ring an seinem Finger; ach, er hatte eine Faust
gemacht, und der Ring schien sehr schwer zu bekommen; aber Sissi
nahte sich seinem Ohr und sang mit der suessesten Stimme nichts als das
Verslein:

"Louisd'ore und Dukaten
Aechte Perlen, Diamant,
Ritterorden, Ihro Gnaden,
Hohe Bildung, Ordensband,
Witz und Wesen, scharf und zart,
Gaensefett und Backenbart."

Kaum hatte der Schlafende diesen Vers gehoert, als er die Hand so
oeffnete, als wolle er nach all den schoenen Sachen greifen. Nun biss
ihn Prinz Pfiffi in den Ringfinger; er wachte auf und sagte: "ein
scharmanter Traum, aber der Ring drueckt mich und weckt mich auf, wer
kann ihn mir hier nehmen? die zwei Esel grasen draussen nach dem
besten Appetit; was brauchen sie mehr? ungebildete Menschen kennen
keine hoeheren Beduerfnisse. Sie sollen nicht einmal die Ehre haben
unter den dreihundert weissen Mauleseln zu seyn, die ich mir wuenschen
werde, um die Schluessel meiner Schatzkammer zu tragen. Ach, der
schoene Traum! ich will versuchen, ob ich ihn wieder traeumen kann;
Psyche, das angenehmste Frauenzimmerchen aus der klassischen
Literatur, ruehrte mich an der Nase mit einer Blumenzwiebel an und
beleuchtete mit einer hetrurischen Lampe das Traumbild meiner
Wuensche--ich will nochmals geruehrt werden, ich will geruehrt seyn, der
Ring soll mich nicht wieder stechen, ich lege ihn, bis ich erwache,
auf den Tisch." Nun zog er den Ring ab und schlief wieder ein, indem
er fluesterte:

"Psyche ruehr'! und nicht vergebens!
Fuehr', was ich im Schilde fuehr',
Fuehr' das Traumbild meines Lebens,
Mir empor dort an der Thuer!"

Kaum aber schnarchte er, als Sissi ihm wieder ins Ohr sang:

"Louisdore und Dukaten,
Aechte Perlen, Diamant,
Ritterorden, Ihro Gnaden,
Hohe Bildung und Verstand,
Witz und Wesen scharf und zart,
Gaensefett und Backenbart."

Da laechelte er so suess wie ein Topf voll saurer Milch und antwortete
mit schmachtender Stimme im Traume:

"Psyche ruehrt und nicht vergebens,
Seh' das Traumbild meines Lebens,
Seh', was ich im Schilde fuehr"
Ich im Wappen an der Thuer,
Von dem Goldsack blasonirt,
Mit Papieren kraus verziert,
Grand-Kordon und Lorbeerkron,
Huldigung, Dedikation,
Und weil ich gemalt seyn muss,
Seh' ich dort mich als Modell
Vor dem kuehnsten Genius,
Der sein eigner Pegasus,
Der sein eigner Musenquell,
Schoepfer schier, kaum Kreatur,
Alles lernte von Natur.
Ja, ein solcher Geist haucht nur
Treu in ganzer Positur
Und urspruenglicher Figur
Meiner Grazie Formenzauber
Auf die Leinwand zart und sauber;
O wie duftig! wie moelleux!
Kunst, das ist die hoechste Hoeh!"

Hierauf breitete er die Arme mit grosser Innigkeit aus und sprach:

"Seyd umschlungen Millionen,
Diesen Kuss der ganzen Welt!
Schoenste Psyche, o verschonen
Sie doch mein, ich hab' kein Geld,
Bin geruehrt und alterirt,
Denn die Schildwach' praesentirt!"

Da brachte mir Sissi den Ring Salomonis durch das Loch heraus, ich
steckte ihn in tausend Freuden an den Finger, drehte ihn und sagte
voll Neugier:

"Ringlein sag' mir unversaeumt,
Was der Petschaftstecher traeumt!"

Und gleich sah ich, dass dem Petschierstecher Alles, was er im Schild
fuehrte, in einem praechtigen Wappen im Traume vorgestellt wurde. Ein
Geldsack war der Helm, allerlei Papiere und Wechselbriefe die
Helmzierde, er selbst stand voll Anstand in der Mitte, ein Genius
kroente ihn mit Lorbeern, ein Andrer reichte ihm ein Ordensband, einer
huldigte ihm mit Kleinodien, einer dedizirte ihm ein Buch; auch war
das Sinnbild der Sternsehenden Wachsamkeit eine fette Gans vor seinen
Fuessen. Ganz unten aber im Wappen malte der gefluegelte Genius der
Kunst selbst den Schoensten der Sterblichen, denn ein Anderer haette
nie vermocht, einen so urspruenglichen Menschen aufzufassen. Nun aber
oeffnete sich ploetzlich der purpurfarbichte Sammetkelch einer
Kaktusbluethe und zwischen den weissseidenen Staubfaeden schwebte eine
feine Jungfer mit Schmetterlingsfluegeln hervor an die Seite des
Wappens hin; in der einen Hand hatte sie eine Zwiebelpflanze, mit der
sie die Nase des Gluecklichen beruehrte, in der andern trug sie eine
antike Lampe, womit sie das Wappen beleuchtete. Er nannte sie Psyche.
--An der andern Seite des Wappens erschien ein Grenadier, der das
Gewehr praesentirte.--Ach, der gute Salzgraf traeumte so selig, dass er
mich schier dauerte; aber ich konnte ihm nicht helfen, ich musste ihm
aus dem Traum helfen;--ich drehte also den Ring mit den Worten:

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